Classic Corner: Der Herr der Ringe (1978)
Classic Corner: Der Herr der Ringe (1978)
Obwohl der Film als Zeichentrickfilm gilt, wurden viele Szenen vorab mit echten Schauspielern abgedreht. Erst in der späteren Produktion kam das sogenannte Rotoskopie Verfahren dazu, mit dem die realen Filmaufnahmen dann nachgezeichnet wurden. Dadurch entstanden sehr flüssige und realistische Bewegungen, während die Hintergründe gänzlich vom Zeichenbrett stammten. Eine Technik, die Bakshi später nochmal im Film „Feuer und Eis“ nutzte.
Ursprünglich war geplant, die Buchtrilogie auf zwei Filme aufzuteilen. Mit dem veröffentlichten Film wurde „Die Gefährten“ und etwa zwei Drittel des zweiten Bandes „Die zwei Türme“ verfilmt. Das Abenteuer beginnt im Auenland, Gandalf führt Frodo und die Hobbits nach Bruchtal. Moria wird durchquert, Lothlorien entdeckt und schließlich muss Helms Klamm verteidigt werden. Wer den Film aufmerksam ansieht wird feststellen, dass sich manche Szenen aus diesem Film später bei Peter Jacksons Reihe frappierend ähnlich sehen. So zum Beispiel die Szene, als sich die vier Hobbits in einer ausgehölten Baumwurzel vor einem der Ringgeister verstecken. Auch sehen sich die Tore von Moria in beiden Filmen bis auf die Runen sehr ähnlich. Peter Jackson sagte selbst, dass er sich teilweise an diesem Film orientierte.
Die wohl tragischste Figur in dieser Geschichte ist wohl ohne Zweifel Gollum. Der Hobbit, der von dem einen Ring verführt wurde, ihn an sich zu nehmen, sich dann aber in einem Berg verkroch, anstatt den Ring zu dessen Meister Sauron zu bringen. Ausgemergelt und krank jagt er seinem Schatz nach und schwankt zwischen Verrat und Gehorsam.
Die spätere Darstellung durch Andy Serkis ist bei weitem dramatischer, aber in Anbetracht dessen, dass es 1978 noch keine derartigen Werke als Referenz gab, ist der Zeichentrick-Gollum durchaus in Ordnung. Der Zwiespalt in dieser Figur kommt leider weniger deutlich zum Tragen. Das hätte vielleicht die Fortsetzung schaffen können, wäre sie jemals produziert worden.
Der „Herr der Ringe“-Zeichentrickfilm endet im Grunde mitten in der Erzählung. Als Zwischenstopp wäre es in Ordnung gewesen, nach der Schlacht um Helms Klamm einen Stopp einzulegen, doch bekanntermaßen ist der Ring und die Bedrohung für die freien Völker von Mittelerde längst noch nicht vorbei. Und obwohl der Film ein finanzieller Erfolg wurde, fand Ralph Bakshi keine Geldgeber, um die geplante Fortsetzung produzieren zu können. Jahrzehntelang galt „Der Herr der Ringe“ dadurch als unverfilmbar, bis Peter Jackson schließlich das Gegenteil bewies.
Die Geschichte ist zwar nicht abgeschlossen, sehenswert ist der Film aber dennoch. Alleine durch die Anwendung der Rotoskopie eröffnet sich eine besondere visuelle Darstellung der Geschichte um Frodo und die Gemeinschaft des Rings. Und gerade im inzwischen allseits gleichaussehenden Animationseinerlei ist dieser sehr eigene Stil auch heute noch eine willkommene optische Abwechslung.
3 von 5 machtvollen Ringen gibt es für einen Klassiker der Filmgeschichte, dessen Buchvorlage lange Zeit als unverfilmbar galt.
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Kommentare
Man kann das natürlich kaum mit dem Werk von Peter Jackson vergleichen, aber diese Version hätte es nach meiner Ansicht gar nicht gebraucht. Auch deshalb, weil ja doch nur die halbe Geschichte erzählt wurde. Weil eine Fortsetzung wegen des mangelnden Erfolgs an der Kinokasse sowieso nicht zustande kam hängt dieser Teil ja irgendwie in der Luft. Erstrecht wenn die drei Bücher bekannt sind.
Soviele ich jetzt weiss hat es wohl doch eine Fortsetzung mit dem Titel Return of the King gegeben, die allerdings 1980 für das TV gedreht wurde. Die kam zwar auch von der Firma Rankin/Bass, aber Bakshi hatte damit nichts zu tun. Der Zeichenstil war ein ganz anderer (ähnlich wie Das letzte Einhorn), aus einem japanischen Zeichenstudio.
Ich hoffe daß ihr mit meiner Information etwas anfangen könnt. Man kann es vielleicht Recherche nennen - das ist mich als filmischer Laie schon viel.