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Quo Vadis, Fandom? - Fan sein im Wandel der Zeiten …

ZauberwortQuo Vadis, Fandom?
Fan sein im Wandel der Zeiten …

Das Fandom ist immer im stetigen Wandel begriffen. Es gab Zeiten, da Tonbandbriefe als das Non-Plus-Ultra der Kommunikation begriffen wurden. Fanzines (in – wie auch immer – vervielfältigter Form) waren das höchste der Gefühle. Es gab Zeiten, da Stammtische und Cons die Krönung waren. Heute sind diese Veranstaltungen fast immer Altherrentreffen.

Das Fandom, wie viele es kennen, wird zu einer Seniorenveranstaltung.


Wie schon im Leitartikel zu unserem 5. Jubiläum online angeklungen, erledigt sich gerade nach und nach das Fandom in seiner althergebrachten Form. Was seit rund sechs Jahrzehnten kultiviert wurde, geht nun den Weg allen Irdischen, überaltert sich und wird nun nach und nach verschwinden. Es mag erscheinen, als lebe das Fandom hier und da noch, aber eine Analyse des Durchschnittsalters gibt auch da zu denken. Das ist oft, wie es im Sport (insbesondere dem Fußball) heißt ›Ü40‹ oder ›Ü50‹ oder gar noch älter.

Es wird nicht mehr lange dauern, bis es auf Cons nach Blasentee und Rheumasalbe riecht und ›Buftis‹ (die Nachfolger der ›Zivis‹) die alternden BNF1 in ihren ›AOK-Choppern‹ von Raum zu Raum schieben. Die Rückkopplungen der Hörgeräte werden die Gespräche übertönen und das Klappern der Rollatoren die Flure erfüllen. Zynisch gesagt strebt das Fandom in der seit den Fünfzigern ausgeprägten Form einer biologischen Lösung entgegen. Und eine rote Liste für das Fandom gibt es nicht. Es werden keine Nachzuchten angestrebt, kein Nationalpark eingerichtet und kein Zoo errichtet.

Das Ende des Bekannten naht …

Fandom – das ist mittlerweile auch ein Anachronismus aus dem Prä-Internet-Zeitalter. Die legendären Cons, Magazine, Clubs und Köpfe sind Teil des Mythos. Sie sind schon Fossile einer (nahezu) vergangenen Zeit.

Fans en masse gibt es zwar weiterhin, aber die Fans unserer Tage organisieren sich – in der Regel - nicht mehr in Clubs, geben gedruckte Fanzines heraus oder versammeln sich auf Cons (ob nun mit dem Artikel ›der‹ oder ›das‹ versehen). Es haben sich schon andere Formen herausgebildet. Diese finden überwiegend in der virtuellen Welt des Internets statt.

Der Fan tummelt sich dort in Mailinglisten, Foren, Chats, speziellen Fan-Homepages oder sozialen Netzwerken. Und das – per PC, Pad, Handy oder Laptop – im Idealfall vom bequemen Sessel oder Sofa im eigenen Wohnzimmer aus. Und nur die wenigsten erscheinen, wenn zum Forentreffen gerufen wird. Manchmal reicht es, wenn man einen Tisch im Eiscafé reserviert, um die Teilnehmer eines Forentreffen eines Forums mit einigen Hundert registrierten Usern über die Runden zu bringen. Denn für so ein Treffen muss man ja das Sofa verlassen, gar vor die Tür gehen und ggf. sogar reisen! Da geht man doch lieber in einen Chat mit den Daheimgebliebenen. Das virtuelle Fandom liefert rund um die Uhr Bespaßung, ohne dass man seinen Bau verlassen muss.

Wenn man schon los will, um einen Con zu besuchen, muss da schon was geboten werden. Siehe Fed Con. Und im Falle des Cons zum 1000er-Zamorra hat ein Forumsmitglied im Rahmen der Diskussion anklingen lassen, dass er nicht kommen würde, wenn ihm nichts geboten würde. Damit ist gemeint, dass die Autoren und die Redaktion auftaucht und er bespaßt wird. Ich erinnere mich an Zeiten, da bin ich quer durch die Republik gereist, um ein paar Freunde und gute Bekannte zu treffen, gleich, ob da Programm geboten wurde oder nicht. Im Zweifel haben wir uns gegenseitig bespaßt.

Diese Entwicklung ist nicht neu, sondern begann wohl schon in den Neunzigerjahren im Internet (wenn nicht gar in den Achtzigern im Fido-Net). Und der Trend hat sich mit Flatrates und leistungsfähigeren Datennetzen und immer einfacher zu bedienender Software deutlich verstärkt. Das Netz ist ein Tummelplatz, in dem ich im Zweifel 24 Stunden am Tag Fan sein und Kontakte pflegen kann.

Dabei wird der Fan tendenziell immer spezieller. Um ein Bild zu zeichnen: Man ist nur bedingt Vampirfan, aber gehört zur Gemeinde rund um Twilight. Manchmal geht der Hype auch über eine begrenzte Zeit. Fanseiten öffnen und schließen da im Monatsrhythmus und ihre Leichen hängen dann oft im Netz.

Was Fans im Netz mit dem klassischen Fandom gemein haben: Jeder will Boss sein und macht eigene Seiten auf (und ich bin da keine Ausnahme). Dennoch sollten gerade die Aktivitäten des althergebrachten Fandoms im Netz eine engere Vernetzung anstreben. Miteinander arbeiten. Und jedweder sollte sich auf die Suche nach neuen Formen und Ideen machen.

Wir haben ja nun von uns aus herauszufinden versucht, ob der Zauberspiegel wieder ein Fanclub in neuem Gewand werden soll, sprich ob wir ein auf unsere registrierten User begrenztes ›soziales Netzwerk‹ auf die Beine stellen sollen. Zuletzt hier. Wir haben die Antwort bekommen, die wir erwartet haben. Entweder der User schwieg oder äußerte sich ablehnend. Aber man sollte sich nie nur auf seine Erwartungshaltung verlassen oder denken, man wisse schon, was der Leser will. Aber nun ist eine Entscheidung gefallen. Das will niemand.

Aber, auch wenn User ›GoMar‹ sich nun aktiv um unseren Ruf sorgt (und das ist nicht einmal so sarkastisch gemeint, wie es klingt), wir werden uns keinem Thema verschließen. Wir werden uns auch (fast) keiner Person verschließen, die mit uns zusammen etwas machen will. Egal, ob verliebte ›Schmuse-Vampire‹ oder ›Schoß-Werwölfe‹. Wir sind offen für alles und jeden. Wir wollen immer flexibel im Kopf bleiben und bereit sein, Inhalte aktiv zu gestalten. Wir wollen offen sein und nicht vorgeben, dass der Geschmack des Zauberspiegels, seiner Herausgeber und Redaktion wegweisend und selig machend ist. Wir wollen ganz ausdrücklich auch Sachen machen, die wir nicht mögen.

Daher wollen wir uns aktiv anbieten, mit uns was zu machen. Auch mal nur für bestimmte Zeit. Wer mit einer Idee kommt und sie uns vorträgt, findet ein offenes Ohr und kreative Köpfe, die gestalten können und wollen. Das kann spannend werden und neue Horizonte öffnen.

Wir wollen eben mehr sein, als nur ein Relikt des klassischen Fandoms. Wir wollen nicht das vernachlässigen, was wir seit fünf Jahren machen. Im Gegenteil. Aber wir wollen offen sein für Ergänzungen. Wir wollen den Zauberspiegel zu einem modernen Online-Angebot machen und Fans unterschiedlichster Art zusammenführen und ihre Themen aufnehmen.

Das ist ein erster Schritt. Weitere müssen folgen. Aber nun müssen wir den ersten Schritt machen. Geht ihn mit und helft uns. Tragt Ideen an uns heran.

Der Slogan von ›ESSO‹ aus den Siebzigern passt da sehr gut. Der lautete:

Packen wir es an!

1 BNF = Big Name Fans

Kommentare  

#31 Guido 2012-06-24 15:09
Bin mehr oder weniger gerade zurück aus Leipzig. War IMHO gut besucht.

Auf die Cons, auf die ich gehe, kommen immer noch genug.
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#32 Larandil 2012-06-24 17:01
zitiere Guido:
Bin mehr oder weniger gerade zurück aus Leipzig. War IMHO gut besucht.

So so ... du auch? :D
Ich komme ja nur alle paar Jahre mal zum Elstercon, deswegen mag das jetzt rückwirkende Verklärung sein; aber 2000 und 2004 kam's mir voller vor.
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#33 Kerstin 2012-06-24 17:32
Auf den Cons, wo ich war, waren alle normal angezogen, da kam keiner in einem Gruselkostüm.

Wäre solch eine Aufmachung erwünscht gewesen, wäre ich aber ganz bestimmt gleich zu Hause geblieben!

Mittelaltertreffen mit Gewandung und Schwert habe ich ja mitgemacht, aber da haben wir auch gekämpft und andere Sachen gemacht. Nur über Bücher und Filme quatschen, dazu brauche ich mich nicht umzuziehen. Außerdem gilt für mich seit einiger Zeit: Wo ich nicht mit Jeans und Stahlkappenschuhen hingehen kann, will ich gar nicht hin.

Wenn die Fans jetzt statt Conbesuch vor dem Bildschirm sitzen, tragen sie vermutlich auch eher die Jogginghose und ein bequemes T-Shirt.
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#34 Guido 2012-06-24 18:15
zitiere Larandil:
Ich komme ja nur alle paar Jahre mal zum Elstercon, deswegen mag das jetzt rückwirkende Verklärung sein; aber 2000 und 2004 kam's mir voller vor.


Wenn gerade kein Panel war, fand ich das schon voll; abends zum Buffet hin wurde es leerer, beim Buffet war das Café aber voll.
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#35 Thomas 2012-06-24 19:29
Der Blickwinkel des Artikels ist wie jeder aus einer Richtung - verzerrt.

Zur FedCon wurden 6000 Besucher erwartet. Zum ElsterCon dürften um die 200 gekommen sein. Wie zu den meisten Cons des uns bekannten Fandoms. 200-300. Mehr geht eigentlich nie.
6000 hier, 200 dort. Nur, damit man sich die Größenordnung mal klar macht. 6000 Leute sind bereit, teures Geld zu zahlen und wollen dafür bespaßt werden. 200 sitzen lieber in kleinen Gruppen zusammen und klönen.
Beides ist in Ordnung, beides hat seine Berechtigung. Aber man sollte sich damit bewusst machen, wo das klassische Phantastik-Fandom steht. Es ist und war die Nische in einem Ghetto. Geprägt durch vieles, was schon lange nicht mehr veröffentlicht wird oder vor Jahrzehnten begonnen wurde.

Es ist mitnichten so, dass *DER* Fan aussterben oder überaltern würde. Oder nur bequem vor dem Monitor hängen würde. Viele junge Fans haben schlicht kein Interesse mehr an dem Zeugs, was uns "alte Säcke" begeistert hat.

Wer neue Fans erreichen will, muss sich neuen Medien und neuen Inhalten stellen. Oder grantelnd in sein Bier bruddeln. Temperiert, wohlgemerkt. In unserem alter sollte man nichts zu Kaltes trinken. :P
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#36 Larandil 2012-06-24 19:52
zitiere Thomas:

Es ist mitnichten so, dass *DER* Fan aussterben oder überaltern würde. Oder nur bequem vor dem Monitor hängen würde. Viele junge Fans haben schlicht kein Interesse mehr an dem Zeugs, was uns "alte Säcke" begeistert hat.

Einer der Gäste des Elstercons hatte dazu etwas Interessantes zu sagen. Auf die Frage, was ihn überzeugt habe, nach Leipzig zu kommen, antwortete er: "Weil's ein literarischer Con ist und kein medialer." Also ein Con für Menschen, die noch gewohnt sind, selbst Bilder fürs Kopfkino zu machen anstatt die Augen aufzusperren und auf eine Kinoleinwand oder einen Fernsehbildschirm zu starren?
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#37 Thomas 2012-06-24 22:07
Nein, damit stilisierst du die Cons zu etwas, das sie nicht sind.
Es haben nur viele Altfans des Romanheftbereichs bis heute nicht mitbekommen, dass die Musik inzwischen 'woanders' und 'anders' gespielt wird.
Panta rei, alles fließt. Wer stehen bleibt, an dem fließt der Fluss vorbei.
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