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Vampire pflastern seinen Weg - Zum Geleit

Vampire pflastern sein Weg Hugh Walker's Horror Romane
Zum Geleit
Horror-Autoren sind keine Ungeheuer. Sie leben von alltäglichen Nahrungsmitteln, sehen Blut nicht besonders gern (nicht nur das eigene) und fressen keine kleinen Kinder. Autoren sind meist furchtsamer als andere Menschen. Das hängt mit ihrer Phantasie zusammen.

Aber sie sind harmlos und freundlich. Wirklich, das musste einmal gesagt werden. Es sieht so aus, als wäre ich ein wenig in Verruf gekommen, weil ich für meine Vampire, Werwölfe und dergleichen oft die Ich-Form wähle.

Ich kann Sie beruhigen, es sind nicht meine Memoiren.
(Hugh Walker / 1)

 

Hugh Walker - Meister des Horror Diese Sätze stammen von Hubert Straßl, vielen besser bekannt als Hugh Walker. Er ist, wie ich aus eigener Anschauung bestätigen kann, kein Monster, trinkt kein Blut und er ist in der Tat ein höflicher und sehr freundlicher Mann. Allerdings sind seine Phantasien düster, aber er lebt diese nur auf Papier und am Textverarbeitungsprogramm aus.
 
Straßl ist einer derjenigen, die aus dem Fandom kamen und sich als Autor, Herausgeber oder Übersetzer etablierten. Hubert Straßl hat sowohl geschrieben, übersetzt und herausgegeben. Er ist ein Dreifachtäter und hat sich auf allen Feldern einen Namen gemacht.

Hubert Straßl ist einer von denen, die viel für die Genres Horror und Fantasy getan haben. Es geht ihm aber wie so vielen Menschen, die sich Verdienste erworben haben: Diese werden nicht wahr genommen und die Menschen hinter den Verdiensten geraten in Vergessenheit.
 
Mit »Vampire pflastern seinen Weg« habe ich versucht, Hubert Straßl und sein Wirken zu würdigen. Dieser Text, den wir in den kommenden Wochen Monaten kapitelweise jeden Freitag bringen werden, entstand bereits in den neunziger Jahren für »FANTASIA« 65/66 des EDFC (Erster Deutscher Fantasy Club e. V.). Dieser Band war Hugh Walker alias Hubert Straßl gewidmet. Gustav Gaisbauer und Franz Schröpf gaben mir - dankenswerterweise - die Gelegenheit, mich in die Arbeit Hubert Straßls zu vertiefen. Dabei hatte ich die Maßgabe, sein bis dahin oft unterschätztes Schaffen im Bereich Horror in Augenschein zu nehmen, denn das waren ja nur Heftromane. Eine Maßgabe, die ich sehr begrüßte.
 
Aber schon diese Maßgabe zeigte mir, dass der Horrorautor Straßl in der Tat in gewissen Kreisen unterschätzt worden war. Dabei insbesondere aus dem Grunde des Formats Heftroman, in dem die meisten seiner Romane publiziert worden waren. Das galt vielen (und manchen) Menschen heute noch als ›Schund- und Schmutzliteratur‹. Straßls Romane sind - egal in welchem Gewand sie erschienen - davon (zumeist) weit entfernt.
 
Als regelmäßiger Leser des Genres und des Heftromans hatte ich Hubert Straßl als einen der fähigsten deutschsprachigen Horrorautoren seinerzeit in Erinnerung. Er hätte Jahre vor Wolfgang Hohlbein den Durchbruch als führender Autor in Bereich Horror und Fantasy schaffen können. Hugh Walker hätte der ›Hohlbein‹ anstelle ›des Hohlbein‹ werden können. Aber Hubert Straßl ist kein ›Isnogud‹. Der Ehrgeiz hat ihn nie zerfressen. Dazu hätte er sein eigenes Phlegma durchbrechen und mehr Ehrgeiz an den Tag legen müssen. Dies ist auch Hubert Straßl selbst bewusst. Doch er sitzt nicht auf dem Steinberg im Bayerischen Wald und hadert mit seinem Schicksal. Das macht ihn auch sehr sympathisch: Vermeintlichen oder auch tatsächlichen Chancen weint er nicht hinterher. Auch der Neid zerfrisst ihn nicht.
 
Ein weiterer Grund , den Artikel noch einmal zu veröffentlichen, ist ganz simpel. Er fehlte (aus Gründen die heute nicht mehr wichtig sind und zu den Trennungswehen von EDFC und FOLLOW gehörten) in der Zweitauflage von »FANTASIA« 65/66. Daher sollte man auch jenen nochmal diese Werkschau mit Schwerpunkt auf das Schaffen im Bereich Horror zugänglich machen, die nur im Besitz der Neuauflage von »FANTASIA« 65/66 sind.Zudem ist keine der beiden Ausgaben noch lieferbar.
 
Auch heute können noch viele von Straßls Stoffen bestehen. Er war nicht unbedingt einer, der exzessiven Gewaltdarstellung huldigte. Das hatte er auch gar nicht nötig. Das Unheimliche, die Atmosphäre triumphierte in seinen Romanen über die nackte Gewalt. Auch wenn er sie durchaus hier und da sehr bewusst zum Einsatz brachte, ohne sie allerdings als reinen Schauffekt zu benutzen.

Ich habe »Vampire pflastern seinen Weg« noch einmal mit großer Freude bearbeitet, um den Text auf den neuesten Stand zu bringen und manches zu verdeutlichen. Dabei konnte ich auf Hubert Straßl und einige seiner Weggefährten zurückgreifen und bedanke mich bei dieser Gelegenheit schon mal für all die Hilfe. Dazu wünsche ich den Lesern, die den Text möglicherweise wiederentdecken oder auch zum ersten Mal lesen, viel Vergnügen in den kommenden Wochen und Monaten mit den Betrachtungen über Hugh Walker, der Welt weniger bekannt als Hubert Straßl ...

Hubert Straßl aka Hugh WalkerHugh Walker, mit bürgerlichem Namen Hubert Straßl, wurde am 4. Februar 1941 in Linz geboren. Heute lebt er in der Nähe von Passau im Bayerischen Wald. Straßl ist unter den verschiedensten Pseudonymen in der SF, der Fantasy und dem nicht zuletzt dem Horror tätig gewesen. Straßl hat sich insbesondere bei der Etablierung des Genres Fantasy als Autor, Übersetzer (zusammen mit seiner leider verstorbenen Frau Lore), aber insbesondere als Herausgeber Meriten erworben. Wenn Straßl dabei auch auf das falsche Pferd gesetzt hat, die Heroic Fantasy. Doch dennoch. Seit den sechziger Jahren war er einer, der das Genre mit in den Sattel gehoben und gezeigt hat, dass es mehr als nur Conan und den Herrn der Ringe gab.

Jedoch sind seine besten (eigenen) Werke wohl dem Genre zuzurechnen, das landläufig als ›Horror‹ und neuerdings auch als ›Dark‹- oder ›Urban Fantasy‹ bezeichnet oder auch ›unheimliche Phantastik‹ genannt wird. Genau die letzte Bezeichnung trifft Straßls Schaffen wohl am besten. Eben da liegen nämlich seine herausragenden schriftstellerischen Leistungen. Das ist (sicherlich für manchen) um so wunderlicher, als seine Texte überwiegend als Heftromane publiziert wurden.

Der Heftroman gilt zum einen nicht viel und ist zum anderen ein sehr eingeschränktes literarisches Spielfeld, das dem Autor nur wenige Freiräume läßt. Es gibt nicht viele Schriftsteller, die die engen Spielräume des Heftromans zu nutzen verstehen und in den frühen Siebzigern nur wenige, die die ›ehernen Gesetze‹ brechen (Warum auch? Das Konventionelle lief doch höchstens auf hohem Niveau nicht). Aber bei Hugh Walker schienen einige der eiseren Gesetze des Heftromans keine Gültigkeit zu haben, wie hier unter anderem aufgezeigt werden soll. Zudem scheint Hugh Walker der Umfang eines Hefts entgegenzukommen. Er selbst fühle sich unwohl, wenn es darum geht seine Romane in der epischen Länge zu schreiben, hat er bei mehreren Gelegenheiten angemerkt. 

Hugh Walker nahm sich Dinge heraus, die andere Autoren im Heftroman nicht einmal andeutungsweise schreiben durften, wenn sie nicht riskieren wollen, dass ihnen der Lektor das Skript zurückschickt.Dennoch war auch hier nicht alles Gold, was glänzt, wenn wir ins Detail gehen. Auch ein Hubert Straßl, beziehungsweise sein alter ego Hugh Walker, konnte sich nicht alles leisten. Und trotzdem sind seine Romane im Heftroman echte Ausnahmen, die es näher zu betrachten lohnt.

Ungeachtet seiner Meriten, die er sich für die Verbreitung der Fantasy im deutschsprachigen Raum als Autor und insbesondere als Herausgeber erworben hat, soll eine Betrachtung seiner Horrorheftromane und seiner übrigen Horrortexte der Kern dieses Artikels sein. Ein (erweiterter) Blick auf das Fantasywerk (als Autor und Herausgeber) Hugh Walkers und zwei kürzere Schlaglichter auf die Übersetzertätigkeit und das SF-Schaffen des Autors werden diesen Artikel abrunden.

Dabei hoffe ich, dem geneigten Leser nicht nur das Werk des Autors näherzubringen, sondern auch über das Milieu, in dem er geschrieben hat, zu erzählen. Dabei soll es nicht immer trocken zugehen, sondern ich will mir diese oder jene kleine Randbemerkung erlauben.

Wichtige Hilfe hat Hugh Walker selbst geleistet, als er mir ein fast anderthalbstündiges Telefoninterview gab, das sein Werk und die Person dahinter ein wenig aufhellen half. Inzwischen ahbe ich ihn auch kennengelernt und es hat sich ein gutes Verhältnis entwickelt, so dass er für die kommenden Artikel beratend zur Verfügung stand.

Die Arbeit an diesem Artikel hat mir eine Menge Freude bereitet. Insbesondere war es eine Reise zurück in die Jugend, in der ich den Horror als Genre für mich entdeckte. Ich möchte mich zunächst daher bei Hugh Walker für unterhaltsame Lesestunden bedanken.

Stichtag Vollmond
Walker hext
Hugh Walker und der Abgott
Hugh Walker und sein ›Held‹
Kehraus: Teufelspakt, Geister & Co.   
Hugh Walker - Seine Exposés 
Ein teutonischer Stephen King?

Mentor der Fantasy
Eine kurze Einleitung  
Mentor der Helden - I 
Mentor der Helden - II
Mentor der Helden - III 
Die unendliche Geschichte 
Die Welt der Türme
Wegbereiter mit Hindernissen

Die Fehlbesetzung -  Hugh Walker und die SF

Nutzen des Studiums - Hugh Walker der Übersetzer 

... Hugh Walker über Vampire, Helden und Hans Feller

... Hugh Walker über Dragon, Mythor, Magira und Terra Fantasy
... Hugh Walker über Übersetzungen, SF und Spiele(mehrteiliges Interview)

Dazu...
Männer des Grauens: Hugh Walker
Mythor - Ein Interview mit HUBERT STRASSL (Hugh Walker)
Terra Fantasy - Ein Interview mit Hubert Strassl (Hugh Walker)

Über Terra Fantasy
Zum ersten Artikel - Zur Übersicht

Über Dragon
Zur Einleitung - Zur Übersicht

Über Mythor

Zur Einleitung - Zur Übersicht 

Über Vampir-Horror
(Fast) eine Dekade Unheimliches - Vampir-Horror-Roman

Kommentare  

#1 Mikail_the_Bard 2011-07-15 08:09
da kommt ja noch allerhand Interssantes auf uns zu.
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#2 Thomas Backus 2011-07-17 21:20
Ich stimme Dir zu: Hugh Walker ist einer der besten Autoren, die der deutschsprachige Raum zu bieten hat. Seine Romane haben mir sehr viel Kurzweil bereitet!
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