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Terra Fantasy - Ein Interview mit Hubert Straßl (Hugh Walker)

Terra Fantasy - Die erste deutsche Fantasy-ReiheEin Interview mit
Hubert Straßl (Hugh Walker)

Hubert Straßl ist nicht nur ein exzellenter Horrorautor, sondern auch einer der ersten,wenn nicht der erste deutsche Fantasyautor. Aber für die Fantasy in Deutschlandhat er noch mehr getan. Er hat mit »Terra Fantasy« die erste reine genrebezogene Taschenbuchreihe herausgegeben. Dabei hatte er mit allerlei Beschränkungen zu kämpfen. Es war an der Zeit, ihn zu »Terra Fantasy« zu befragen.


Hubert Strassl aka Hugh WalkerZauberspiegel: Herr Straßl, wer kam auf die Idee bzw. wie kam es zur Idee zu „Terra Fantasy“, der ersten Fantasy-Taschenbuch-Reihe im deutschsprachigen Raum?
Hubert Straßl: Kurt Bernhardt hat üblicherweise die phantastischen Reihen des Pabel Verlages in den Siebziger und Anfang Achtzigerjahren auf den Weg gebracht. Es bot sich neben DRAGON eine Erweiterung des Fantasyprogramms an. Beginnend mit DRAGON hat die Redaktion recht gute Kontakte mit den Fantasyfans gepflegt und mir als „Fantasyspazialisten“ damals viel Spielraum in den Kontaktseiten für Werbung für FOLLOW gelassen.
Meine Erinnerungen sind recht vage, aber ich bin ziemlich sicher, dass ich Fantasytaschenbücher immer wieder angeregt habe. Begonnen hatte dieser Kontakt vor allem auf dem SF  World Con in Heidelberg 1970, als die Herren Bernhardt und Schelwokat sehr interessiert unseren Ausstellungsraum mit der Spielplatteund der Darstellung der Fantasywelt Magira begutachteten.

Zauberspiegel:
Was war schließlich für den Pabel Verlag ausschlaggebend die Reihe 1974 startete? War von Anfang an geplant die Taschenbuch-Reihe mit John Jakes zu starten oder waren damals auch noch andere Kanidaten in die engere Wahl gezogen?
Hubert Straßl: Als ich die Zusammenstellung übernahm, lag bereits einiges Material vor, das offenbar von SF-Reihen transferiert worden war, etwa die Witchworld Geschichten von Andre Norton, oder der Zyklus von Michael Moorcock, und wohl auch der Brak von John Jakes. Ich musste das also erst mal unterbringen, bevor ich mit eigenen Ideen loslegen konnte.

Zauberspiegel: Nach welchen Kriterien wurden die Beiträge für "TF" ausgesucht? Wer suchte die Beiträge für die Taschenbuchreihe aus und wer entschied letztendlich welches Material veröffentlicht wurde?
Hubert Straßl: Abgesehen von dem Material, das man mir aufs Auge drückte, wozu zum Beispiel auch die Bücher einer nicht zustande gekommenen Robert E.Howard TB-Reihe gehörten, von denen natürlich einige gar nichts mit Fantasy zu tun hatten, konnte ich frei walten.
Aber der feste Umfang der Bände war am Anfang problematisch wegen der notwendigen Kürzungen. Ich hab mich bemüht, Material zu finden, das umfangmäßig passte, was natürlich nicht immer klappte.
Erst als man mir auf mein ständiges Drängen erlaubte, die Abraham Merritt Bände in zwei Teilen zu bringen, kam Bewegung in die Sache.

Zauberspiegel: Mit Terra Fantasy # 8 „Reiter der Finsternis“ erschien ihr erster Magira-Roman. Wie kam es zur Idee zu diesem Fantasy-Zyklus?
Hubert Straßl: Mit der Gründung FOLLOWS (dem Bund der Lords einer Phantasiewelt) und dem strategischen Fantasyspiel 
Das Ewige Spiel entstand die Phantasiewelt MAGIRA. Ich habe von Anfang an Geschichten in den Fanzines veröffentlicht (noch bevor ich professionell arbeitete). In der TF-Reihe bekam ich dann die Gelegenheit, über MAGIRA zu schreiben.

Zauberspiegel: Mit „Das Auge und das Schwert“ erschien mit TF # 62 der letzte Magira-Roman. Warum erschienen danach keine weiteren Romane aus dem Zyklus? Waren keine weiteren Magira-Romane von Ihnen geplant?
Hubert Straßl: Irgendwie sind die Abstände zwischen den Romanen immer größer geworden, und irgendwie war dann eine Weile die Luft raus.

Zauberspiegel: Wird es irgendwann auch neue Magira-Romane von Ihnen geben?
Hubert Straßl: Ja, ich hätte schon ein paar Ideen, die mich reizen würden. Mal sehen, was draus wird.

Zauberspiegel: Einige Romane, wie z. B. die Runenstab – Romane von Michael Moorcock, wurden in „TF“ in gekürzter Fassung veröffentlicht. Was war der Grund? War für "TF" nur eine bestimmte Seitenzahl veranschlagt?
Hubert Straßl: Wie schon erwähnt, war die Seitenzahl fest, wie bei allen anderen TBs bei Pabel zu dem Zeitpunkt. Ich glaube, TF war der einzige Ausreißer damals. Michael Moorcock hat sich darüber übrigens bitter beschwert.

Zauberspiegel: Erst sehr spät wurden auch Taschenbücher mit mehr Umfang herausgeben. Wie z. B. die Lin Carter Anthologien „Tempel des Grauens“ oder „Dämonenliebe“. Wie kam es zu dieser positiven Entscheidung? Gab der Pabel Verlag damals grünes Licht für einen erweiterten Umfang der Fantasy-Reihe?
Hubert Straßl: Im Grunde war natürlich alles ein Vertriebsproblem. Aber nach einigen Doppelbänden hat  man dann nach preisgestaffelten Möglichkeiten gesucht und sie gefunden.

Zauberspiegel: Ab und zu gab es auch Innenillustrationen in "TF". Nach welchen Kriteren wurde die Zeichner ausgesucht? Waren es nur Neulinge?
Hubert Straßl: Ja, meist Neulinge aus dem Fandom.

Zauberspiegel: Nach acht Jahren, obwohl immerhin auch eine zweite Auflage gestartet wurde, wurde „Terra Fantasy“ 1982 mit Band 94 eingestellt. Was war der Grund für die Einstellung. Waren damals allein die Verkaufszahlen für die Einstellung ausschlaggebend?
Hubert Straßl: Ich glaube nicht, dass TF rote Zahlen schrieb, aber wir arbeitenden Klassen in den unteren Etagen haben solche Dinge nie erfahren. In der luftigen Höhe, wo entschieden wurde, fand man wohl die Zahlen nicht schwarz genug.

Zauberspiegel: Wurden Sie als Redakteur der Reihe frühzeitig von der Einstellung informiert?
Hubert Straßl: Nein. Bei DRAGON und MYTHOR kam die Einstellung völlig überraschend. Bei DRAGON konnte ich immerhin den Band 55 noch ändern und die Serie ein wenig abschließen. Bei MYTHOR blieb ein fertiges Manuskript unveröffentlicht.
Bei TF konnten wir immerhin erreichen, dass noch der bereits eingeplante Band 94 erscheinen konnte.

Zauberspiegel: Herr Straßl, vielen Dank für die Beantwortung der Fragen.

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Kommentare  

#1 Andreas Decker 2012-03-23 11:54
TF hatte sicherlich die beste Titelbildgestaltung auf dem Markt. Die war gelegentlich besser als der Inhalt. Auch wenn die mit den Romanen manchmal nur wenig zu tun hatte - gerade bei den doch sehr jugendbuchmäßigen Andre Nortons ist der Unterschied doch sehr auffällig -, das war ein echter Hingucker. Frazettas Deathdealer als Titelbild für den ersten Magiraroman, besser geht das nicht.

Das mit John Jakes ist schon interessant. Auch wenn das Material von Jakes höflich ausgedrückt schwach ist, war er doch als die erste Nummer recht perfekt.

Überhaupt war TF eine tolle Reihe. Die informativen Vorworte, die beim Leser Lust auf mehr weckten (zumindest bei mir :-) ), und neben Howard so viele Autoren, die nun in Vergessenheit geraten sind. Merritt, Thomas Burnett Swann, Brackett. Und natürlich Moorcock.
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