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40 Jahre Tatort - MANFRED KRUG

40 Jahre Tatort (und mehr)MANFRED KRUG

Manfred Krug wurde am 8. Februar 1937 in Duisburg geboren. Nach der Trennung der Eltern zog er 1949 zusammen mit seinem Vater in die DDR, weil dieser als Ingenieur in Duisburg keine Arbeit fand.

Dort begann Krug mit 14 eine Lehre als Stahlschmelzer, die er drei Jahre später als jüngster Facharbeiter der Republik abschloss. Anschließend arbeitete er im Stahl- und Walzwerk Brandenburg und holte nebenher das Abitur an einer Abendschule nach.

„Als junger Mann war ich ein entflammter Sozialist. Ich kam ja mit 14 aus Duisburg in die DDR. Ich lebte als armes Schwein in Duisburg in der Umgebung von reichen Leuten, und das ließ man mich spüren.
In Leipzig war das weg, das war eine Art von Befreiung. Bis ich merkte, die klammern sich ja auch an ihre ganz persönliche Macht, ihren ganz persönlichen Sessel. Is nix mit Volksvertreter, is nix mit Gerechtigkeit.“
(1)

Manfred Krug1954 begann er sein Studium an der staatlichen Schauspielschule in Ost-Berlin, das er allerdings nach eineinhalb Jahren frühzeitig (aus disziplinarischen Gründen) beenden musste. Danach legt Krug 1955 seine Bühnenreifeprüfung am „Berliner Ensemble“ ab.

1957 gab Manfred Krug in dem DEFA-Film „MAZURKA DER LIEBE“ sein Film-Debüt. Ein Jahr später folgte in „GEFÄHRLICHE WAHRHEIT“ sein Debüt im Fernsehen. Nach weiteren Film- und Fernsehrollen gelang ihm mit dem Film  „AUF DER SONNENSEITE“ sein Durchbruch als Schauspieler. Krug avanciert in den nächsten Jahren zu einen der Publikumslieblinge in der DDR.

Ab Mitte der 1960er Jahre baute Krug neben seiner Schauspielerei auch seine Karriere als Jazzinterpret und Chansonsänger aus. Es erscheinen u. a. Platten wie „JAZZ UND LYRIK“ (1964), „MANFRED KRUG UND DIE MODERN JAZZ BIG BAND“ (1965) sowie „LYRIK-JAZZ-PROSA“ (1966).

1966 bekam seine ‚sozialistische‘ Seele zum ersten Mal Risse, als der DEFA-Film „SPUR DER STEINE“ verboten wurde.

„Aber dann kam der Film in die Kinos, und da hat mich das erste Mal in meinem Land eine Sache tief empört und genervt. Es kam nämlich ein Telegramm vom damaligen DEFA-Generaldirektor, ich möge der Premiere auf der Karl-Marx-Allee freundlichst fernbleiben. Da kündigte sich also eine verabredete Riesen-Sauerei an.
Es ging dann so weiter, daß Publikum ins Kino kam, mit dem der Protest, der spontane Protest gegen den Film eingeübt worden war. Parteischule oder Kampfgruppe in Zivil, solche Leute. So wurde der Film aufwendig bebuht und aus den Kinos geholt. Da kam mir zum ersten Mal der Gedanke, ich könnte im falschen Team spielen.“ (2)

Nach weiteren Film- und Fernsehrollen wurde Krug 1969, 1971 und 1973  von der Fernsehzeitschrift „FF DABEI“ als „PUBLIKUMSLIEBLING DER DDR“ gewählt. Zudem bekam der Schauspieler 1968 den Nationalpreise I. Klasse im Kollektiv, 1971 den Nationalpreis II. Klasse und 1973 die Verdienstmedaille der DDR verliehen.

Manfred KrugTrotz seiner großen Beliebtheit endete 1976 Krugs Karriere in der DDR abrupt, nachdem der Schauspieler die Protesterklärung gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann unterschrieben hatte.
Zwei bereits fertige Filme mit Krug wurden nicht mehr gezeigt, schon zugesagte Rollen wurden abgesagt und geplante Jazz-Konzerten ohne Gründe gestrichen.

Nach dem er einen Antrag auf Ausreise aus der DDR in die BRD gestellt hatte, konnte er im Juni 1977 mit seiner Familie nach West-Berlin übersiedeln. Krug konnte sich danach als Schauspieler in der BRD sehr schnell etablieren. Mit der Rolle des Truckers FRANZ MEERSDONK in der TV-Serie „AUF ACHSE“ gelang ihm Ende der 1970er Jahre der Durchbruch in Westdeutschland.

1979 erhielt Krug die „GOLDENE EUROPA“ sowie 1984 den „BAMBI“. Nach „DETEKTIVBÜRO ROTH“ (1986-1987) avancierte er mit der Serie „LIEBLING KREUZBERG“ (1986-1998) endgültig zum Publikumsliebling in Westdeutschland. Für diese Rolle bekam er 1986 den „GOLDENEN GONG“, 1990 die „GOLDENE KAMERA“ sowie den „BAYERISCHEN FERNSEHPREIS“.

Manfred Krug als Stoever1984 gab Manfred Krug mit „HAIE AUF HELGOLAND“ sein Debüt als Tatort-Kommissar. Zwei Jahre später stieß CHARLES BRAUER mit „LEICHE IM KELLER“ als Kommissar Brockmöller zum Team. Nachdem sich  die beiden Darsteller etwas zusammengerauft hatten, avancierten Krug und Brauer ab Ende der 1980er Jahre zu Publikumslieblingen und erreichten auch in den 1990er Jahren noch Traumquoten.

Legendär wurden später auch die Gesangseinlagen der beiden Schauspieler, die 2000 unter dem Titel „TATORT – DIE SONGS“ veröffentlicht wurden. 2001 erhielt er zusammen mit Charles Brauer die „GOLDENE KAMERA“.

Doch irgendwann hatte Krug die Nase voll vom TV-Kommissar-Dasein, und so gaben Brauer und Krug am 7. Januar 2001 in der ARD mit „TOD VOR SCHARHÖRN“ ihre Schlussvorstellung als Tatort-Kommissare.

„15 Jahre, das sollte doch reichen. Mir ist aufgefallen, dass die meisten Schauspieler sich ein Leben nach der Schauspielerei kaum vorstellen können. Ich gehöre zu der Minderheit, die das durchaus kann. Mit 65 war Feierabend. Endlich kann ich meine wahren Talente entwickeln: den Gesang und das Schreiben (3)

Manfred KrugNach Ende seiner Tatort-Karriere zog sich Manfred Krug komplett aus dem Film- und Fernsehgeschäft zurück, war aber weiterhin als Sänger aktiv und im Hörbuchbereich oder als Schriftsteller tätig.  

So erschien 2003 zusammen mit Decebal Badila und Fanny Krug die CD „ SWEET NOTHINGS“, 2005 die Hörbücher „LUST DES BEGINNERS“ und „NEUIGKEITEN VON MANFRED KRUG UND OTTI“ sowie 2008 sein Buch „SCHWEINEGEZADDER.

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FILMOGRAPHIE

TATORT (als Hauptkommissar Paul Stoever)
1. Haie vor Helgoland (23. April 1984)
2. Gelegenheit macht Liebe (19. August 1984)
3. Irren ist tödlich (14. April 1985)
4. Leiche im Keller (31. März 1986)
5. Tod auf Eis (7. September 1986)
6. Tod im Elefantenhaus (20. April 1987)
7. Voll auf Haß (8. November 1987)
8. Spuk aus der Eiszeit (10. Juli 1988)
9. Pleitegeier (7. August 1988)
10. Schmutzarbeit (19. Februar 1989)
11. Armer Nanosh (9. Juli 1989)
12. Lauf eines Todes (21. Januar 1990)
13. Zeitzünder (4. August 1990)
14. Finale am Rothenbaum (20. Januar 1991)
15. Tod eines Mädchens (4. August 1991)
16. Blindekuh (20. April 1992)
17. Experiment (3. Mai 1992)
18. Stoevers Fall (5. Juli 1992)
19. Amoklauf (3. Januar 1993)
20. Um Haus und Hof (26. September 1993)
21. Ein Wodka zuviel (6. März 1994)
22. Singvogel (23. Mai 1994)
23. Tod eines Polizisten (1. Januar 1995)
24. Tödliche Freundschaft (21. Mai 1995)
25. Der König kehrt zurück (17. September 1995)
26. Tod auf Neuwerk (24. März 1996)
27. Fetischzauber (5. Mai 1996)
28. Lockvögel (27. Mai 1996)
29. Parteifreunde (27. Oktober 1996)
30. Ausgespielt (23. Februar 1997)
31. Mord hinterm Deich (8. Juni 1997)
32. Undercover Camping (2. November 1997)
33. Arme Püppi (10. Mai 1998)
34. Schüsse auf der Autobahn (5. Juli 1998)
35. Habgier (10. Januar 1999)
36. Traumhaus (30. Mai 1999)
37. Der Duft des Geldes (29. August 1999)
38. Blaues Blut (9. Januar 2000)
39. Rattenlinie (28. Mai 2000)
40. Der schwarze Skorpion (15. Oktober 2000)
41. Tod vor Scharhörn (7. Januar 2001)


FILME
1. Die Schönste (1957)
2. Mazurka der Liebe (1957)
3. Gefährliche Wahrheiten (1957) (TV)
4. Vergeßt mir meine Traudel nicht (1957)
5. Ein Mädchen von 16 ½ (1958)
6. Ware für Katalonien (1959)
7. Reportage 57 (1959)
8. Das zweite Studium/Bevor der Blitz einschlägt (1959)
9. Leute mit Flügeln (1960)
10. Was wäre, wenn...? (1960)
11. Fünf Patronenhülsen (1960)
12. Guten Tag, lieber Tag (1961)
13. Professor Mamlock (1961)
14. Drei Kapitel Glück (1961)
15. Wollen wir wetten/Auf der Sonnenseite (1962)
16. Königskinder (1962) 
17. Revue um Mitternacht (1962)
18. Minna von Barnhelm (1962)
19. Der Kinnhaken (1962)
20. Beschreibung eines Sommers (1963)
21. Nebel (1963)
22. Der Boxer und der Tod (1963)
23. Der Andere neben dir (1963) (TV)
24. Sommer in Heidkau (1964) (TV)
25. Das Stacheltier - Engel, Sünden und Verkehr, 1. Schutzengel (1964)
26. Der Geächtete/Mir nach, Canaillen!" (1964)
27. Die Antike Münze (1965)
28. König Drosselbart (1965)
29. Spur der Steine (1966)
30. Frau Venus und ihr Teufel (1967)
31. Die Fahne von Kriwoj Rog (1967)
32. Abschied (1968)
33. Käuzchenkuhle (1969)
34. Mit mir nicht, Madam! (1969)
35. Hauptmann Florian von der Mühle (1969)
36. Weite Strassen stille Liebe (1969)
37. Meine Stunde Null (1970)
38. Junge Frau von 1914 (1970) (TV)
39. Netzwerk (1970)
40. Husaren in Berlin (1971)
41. Die gestohlene Schlacht (1972)
42. Wie füttert man einen Esel (1974)
43. Kit & Co. (1974)
44. Paul kommt zurück (1978) (TV)
45. Die Faust in der Tasche (1978)
46. Das Versteck (1979)
47. Feuer unter Deck (1979)
48. Phantasten (1979) (TV)
49. Ein Mann fürs Leben (1980) (TV)
50. Flächenbrand (1981) (TV)
51. Väter (1982) (TV)
52. Rendevous der Damen (1983) (TV) 
53. Wer raucht die letzte? (1983) (TV)
54. Whopper Punch 777 (1986)
55. Rosamunde (1990)
56. Wenn du groß bist, lieber Adam (1990)
57. Wenn du groß bist, lieber Adam (1990)
58. Neuner (1990)
59. Der Blaue (1994)


TV-SERIEN
1. Wege übers Land (1968) Mini-Serie
2. Die Verschworenen (1971) Mini-Serie
3. Stülpner-Legende (als Karl Stülpner, 7 Folgen, 1973)
4. Daniel Druskat (1976) Mini-Serie
5. Auf Achse (als Franz Meersdonk, 66 Folgen, 1978-1995)
6. Abschied vom Frieden (als Marko Gelusich, 3 Folgen, 1979)
7. Die Fischer von Moorhövd (1982) TV-Serie
8. Sesamstraße (als Manfred, 1982-1983)
9. Konsul Möllers Erben (1983) TV-Serie
10. Das Traumschiff (2 Folgen, 1981/1983)
11. Ein Heim für Tiere (1 Folge, 1985)
12. Detektivbüro Roth (als Bruno Roth, 34 Folgen, 1986-1987)
13. Liebling Kreuzberg (als Rechtsanwalt Robert Liebling, 58 Folgen, 1986-1998)
14. Krimistunde (2 Folgen, 1988)
15. Wir sind auch nur ein Volk (als Benno Grimm, 8 Folgen, 1994-1995)

DISKOGRAPHIE
1962: Auf der Sonnenseite
1964: Jazz und Lyrik
1965: Manfred Krug und die Modern Jazz Big Band
1966: Lyrik – Jazz – Prosa
1968: Fredmanns Episteln an diese und jene aber hauptsächlich an Ulla Winblad 1969: Onkel Toms Hütte (Hörbuch, Krug singt zwei Spirituals)
1971: Das war nur ein Moment
1973: Ein Hauch von Frühling
1974: Greens
1976: Du bist heute wie neu
1979: Da bist Du ja
1995: Jazz-Lyrik-Prosa
1997: Anthologie
1998: Abgehauen ,die Musik um Film
2000: Tatort – die Songs (Zusammen mit Charles Brauer)
2000: Evergreens – Das Beste von Manfred Krug – 1962–1977
2000: Deutsche Schlager
2000: Schlafstörung
2001: Manfred Krug Live mit Fanny (Zusammen mit Fanny Krug)
2002: Der Weihnachtskrug
2003: Sweet Nothings (Zusammen mit Decebal Badila, Fanny Krug)

Hörbücher
2002: Leben bis Männer (von Thomas Brussig)
2005: Geschichten Vom Herrn K. (von Bertolt Brecht)
2005: Lust des Beginnens (von Bertolt Brecht)
2005: Neuigkeiten an Manfred Krug und Otti (von Jurek Becker)

BIBLIOGAPHIE
1996: Abgehauen
1999: 66 Gedichte, was soll das?
2003: Jurek Beckers Neuigkeiten an Manfred Krug und Otti, mit Jurek Becker
2003: Mein schönes Leben
2008: Schweinegezadder

(1) Manfred Krug
(2) Manfred Krug
(3) Manfred Krug

© by Ingo Löchel

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