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Der Alte - Erwin Kösters Fälle: Folge 1 - Die Dienstreise

Der Alte: Erwin Kösters FälleFolge 1
Die Dienstreise

Großeinsatz der Polizei: Zwei Männer haben eine Bank überfallen. Einer von ihnen ist nach einem Schusswechsel mit Streifenbeamten tödlich verletzt worden. Der Andere hat sich mit drei Geiseln im Innenraum der Bank verbarrikadiert. Er fordert freien Abzug mit der Beute - oder die Geiseln sterben. Das Ultimatum läuft seit einer Stunde. Hauptkommissar Erwin Köster ist an den Polizeiaktionen nicht beteiligt. Er erledigt Routinearbeiten in seinem Büro. Da bringt ihm ein Reporter das Foto des im Eingang der Bank liegenden toten Gangsters. In diesem Moment weiß Köster, dass er sich in die Polizeiaktionen einschalten muss, denn der Tote war einer der Gefolgsleute des berüchtigten Profikillers Teretti...
 
Köster ist seit langem hinter ihm her, bislang hat er ihn jedoch nicht überführen können. Jetzt ahnt er seine große Chance. Er macht seinem Vorgesetzten Millinger den Vorschlag, sich anstelle der Geiseln in die Hand des Verbrechers zu begeben. Millinger lehnt entschieden ab. Doch Köster kann ihn überzeugen. Köster hat zu viele Dienstjahre hinter sich, um nicht zu wissen, auf welch gefährliches Spiel er sich da einlässt. Er kennt den Geiselgangster nicht, er weiß nicht, wie er mit ihm umzugehen hat. Handelt es sich 'nur' um einen Bankräuber oder um einen Mörder? Gehört er überhaupt zu Terettis Leuten? Doch Köster muss das Spiel wagen. Er begibt sich unbewaffnet in die Bank. Wenig später brechen der Hauptkommissar und der Gangster in einem Polizeiwagen auf. Für den Hauptkommissar wird es die gefährlichste Dienstreise seiner Laufbahn. (1)

S. Lowitz und Wolfgang Reichmann

Köster befindet sich also in der Hand des Bankräubers und flieht mit diesem über das Münchner Land, dicht verfolgt von der Presse. Die können beide mit Hilfe eines Tricks schnell abschütteln. Köster versucht Kontakt zu einem Busfahrer herzustellen und es gelingt ihm diesen zu überreden ein Foto des Gangsters zu machen. Er soll es an die Polizei weiterleiten und diese soll alle Infos an ein Gasthaus in der Nähe Münchens durchgeben. Hierhin will Köster den Gangster locken. Der Plan gelingt und Köster kommt an alle Informationen, so dass er bald einen Pakt mit dem Gangster namens Rott eingehen kann. Denn nicht nur Köster will den Obergangster Taretti hinter Gittern sehen, sondern auch Rott. In einer Parkgarage in München kommt es zum tödlichen Showdown.

Pilot mit Filmqualitäten

Folge 1 wurde als Pilotfilm gedreht, und hat durchaus Filmqualitäten. Dabei ist die Figur Köster und die ganze Handlung derart untypisch für die gesamte Serie, dass man es kaum glauben kann. Der Film ist zudem 95 Minuten lang und die Handlung ist sehr gut durchdacht und nicht im Geringsten künstlich gestreckt. Die ganze Folge über wird einen Spannungsbogen aufrechterhalten, der den Zuschauer fesselt. Typisch für Köster ist, dass schon in der ersten Folge viel geschossen und geprügelt wird, was wiederum untypisch für damalige deutsche Krimiserien war.
Viel Action und einige skurrile Szenen (wie z.B. die in der Köster ein unfreiwilliges Bad in einem See nimmt) machen etwas ganz Besonderes aus diesem ersten Fall, der es sehr verdient hat, auch als solcher gesendet worden zu sein. Die wilde Schießerei am Ende geht überaus brutal von statten. Hollywood-Stil und auch Hollywood-Qualität.  Wer nie ein Fan von DER ALTE war, dem lege ich diese Folge ans Herz. Zum Einstieg ist keine andere Episode besser geeignet.

Die Frage, was diesen Köster so ganz anders macht, als alle Folgeepisoden mag im Drehbuch begründet liegen. Jochen Wedegärtner war damit beauftragt, den neuen Kommissar und Nachfolger von Erik Ode zu kreieren. Es sollte etwas ganz Neues in Sachen Krimi werden, und das ist gelungen. Doch ausgerechnet Wedegärtner (der auch für „SOKO 5113“ schrieb) hat nicht einen einzigen weiteren Köster geschrieben. Wohl aber Oliver Storz, der als Mitautor der Pilotfolge fungierte. Doch seine Arbeiten für die Serie bleiben überschaubar. Später schrieben Bruno Hampel, Detlef Müller, Karl-Heinz Willschrei, Volker Vogeler u.a. an der Serie mit. Alle hatten einen anderen Stil, so dass immer völlig unterschiedliche Folgen herauskamen. Keine erreichte je die Qualität der Pilotfolge. Außer vielleicht Folge 2, der man zumindest ein Bemühen ansieht, in die Stilrichtung von Folge 1 zu gehen.

Grandioser Reichmann, blasse Berben

Auch darstellerisch ist der Pilot hervorragend besetzt. Da sehen wir Hans Brenner als Bankräuber, Wolfgang Reichmann als Oberverbrecher, der diesen herrlich gemein und kaltschnäuzig spielt. Und zwar so grandios, dass man sich wundert, warum man ihn nicht auch noch für weitere Folgen gebucht hat. Reichmann war überhaupt ein sehr guter Schauspieler, der sich im Krimi allerdings rarmachte. In Erinnerung bleibt neben diesem Krimi, aber auf jeden Fall seine Rolle in der Komödie "Ein Guru kommt" (1980). Susanne Uhlen verkörpert hier das Gangsterliebchen in einer ihrer besten Darbietungen. Iris Berben, damals noch lange nicht auf dem Höhepunkt ihrer künstlerischen Karriere, bleibt blass und unglaubwürdig als ebenfalls kleines Gangsterliebchen.

Eines ist von Köster übrig geblieben seit Folge 1. Seine Grantigkeit, das Eigenbrötlerische. Er war Einzelgänger und benutzte seine Assistenten meist nur als Handlanger und ließ sie selten an seinem eigenen Ermittlungsstand teilhaben. Was anders wurde, war der Stil einzelner Folgen, was an den sehr unterschiedlichen Autoren lag. Vor allem die Anfangszeit (bis Folge 18) - wo die Autoren u.a. Lichtenfeld und Willschrei hießen - hebt sich doch sehr von der Zeit danach ab, als die Drehbücher vor allem von Hampel, Müller und Vogeler verfasst wurden.

Darsteller: Siegfried Lowitz, Michael Ande, Henning Schlüter, Hans Brenner, Wolfgang Reichmann, Susanne Uhlen, Iris Berben, Gert Haucke, Dan van Dusen, Wolfgang Wahl, Katharina Seyferth, Xenia Pörtner, Ralf Wolter, Uwe Dallmeier, Maria Singer u.a.
 
Buch: Oliver Storz, Jochen Wedegärtner Titelmusik: Peter Thomas Produzent: Helmut Ringelmann, Regie: Johannes Schaaf. Eine Produktion der Telenova Film und Fernsehproduktion im Auftrag von ZDF, ORF, SRG. Erstausstrahlung: 11.04.1977 (ZDF)

Diese Folge ist enthalten auf der DER ALTE-Collector´s Box Vol .1
MORE Home Entertainment GmbH & Co. KG

(1) Quelle 3sat
 
 

 

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