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Derrick und seine Fälle: Folge 132 - Kranzniederlegung

Derrick und seine FälleFolge 132
Kranzniederlegung

Mit drei Schüssen wurde Alfons Köhler gegen Mitternacht an seiner Wohnungstür niedergeschossen. Der Täter traf den jungen Mann, einen Oberschüler, tödlich. Für Oberinspektor Derrick war Köhler kein Unbekannter.

Nähere Kenntnis über ihn verdankt Derrick einem alten Bekannten, dem Gerichtsreporter Gerhard Trosse. Von ihm stammt der Hinweis, dass sich Köhler als Heroindealer betätigte. Zusammen mit einem weiteren Komplizen stand er im Verdacht, den Tod einer Gymnasiastin verschuldet zu haben. Am Grab der verstorbenen Freundin hatte Heinz Lissner den beiden Rache geschworen. Hat er seine Drohung jetzt wahrgemacht? (1)

Eduard ErneMit einer wahrlich, eher sehr schlechten Folge kehrt Derrick 1985 aus der Sommerpause zurück. Die Folge ist über weite Strecken langweilig und uninteressant, was vor allem daran liegt, dass das Thema derart abgenutzt ist, dass man die Dialoge beinahe vorhersagen und mitsprechen kann.
 
An die Nadel verloren
Wieder mal geht es um den Tod eines jungen Mädchens, den es zu rächen gilt. Denn das Mädchen hätte nicht sterben müssen, wenn man es nicht "an die Nadel" gebracht hätte. Somit ist klar, dass nur der Student für die Taten verantwortlich sein kann, als auf die Heroindealer Attentate verübt werden. Doch auch der Reporter Köhler spielt eine Rolle, die nicht unwichtig ist. Dieser Köhler, von Herbert Stass gespielt, entwickelt sich zur interessantesten Figur des Krimis. Leider gelingt es dem Regisseur Brynych m. E. nicht, ihn so in Szene zu setzen, wie er es verdient hätte. Der Fokus liegt zu stark auf dem Studenten, den Eduard Erne m. E. in beispielloser Farblosigkeit interpretiert.


Unbefriedigend
Auch das Ende des Falles ist unbefriedigend. Der Student gibt seine Taten zu, aber auch der Reporter hat einen der Dealer auf dem Gewissen. Sie wollen Derrick nun weismachen, Köhler hätte alle umgebracht. Ob ihnen der Schwindel gelingt wird nicht einmal befriedigend geklärt, was allerdings schon eher Reinecker-untypisch ist. Für mich ist diese Folge der Startschuss zu ganz vielen stark psychologisch angelegten Krimis, die in den kommenden 150 Folgen weiter zunehmen werden, zum Glück immer wieder unterbrochen durch einige spannende Beiträge.

Rolf Kästel
Warum viele Fans diese Folge überdurchschnittlich gut bewerten ist mir schleierhaft. Ich habe mich bei einem Derrick selten so gelangweilt. Vielleicht liegt es daran, dass dies die letzte Kamera-Arbeit von Stamm-Kameramann Rolf Kästel im Derrick war. Er erlitt während des Drehs einen Schlaganfall (2). Kästel stand auch für die Dreiteiler Babeck und 11 Uhr 20 hinter der Kamera. 1987, zwei Jahre nach seinem Anfall, starb er. (3). Vielleicht ist unter den Fans diese Folge so etwas wie ein Kult geworden wegen Kästel - und der Titel "Kranzniederlegung" hat dabei eine makabere Doppeldeutung.


Eduard Erne
Eduard Erne, hier in seiner recht blassen Vorstellung als rachelüsterner Student, die man ihm überhaupt nicht abnimmt, arbeitet heute als Kulturredakteur beim Schweizer Fernsehen. Erne wird in dieser Folge ausgerechnet von Michael Ande synchronisiert (dem Assistenten Heymann aus Der Alte). Warum die Synchronisation nötig war ist unbekannt.

Darsteller: Horst Tappert (Stephan Derrick), Fritz Wepper (Inspektor Klein), Willy Schäfer (Berger), Herbert Stass, Eduard Erne, Jutta Kammann, Henry van Lyck und andere
Musik: Frank Duval, Titelmusik: Les Humphries, Produzent: Helmut Ringelmann. Eine Produktion der Telenova Film- und Fernsehproduktion im Auftrag von ZDF, ORF, SRG. Regie: Zbynek Brynych. Erstsendung: 06.09.1985
 
(1) ZDF
(2,3) Wikipedia
© by author
 
 
 

Kommentare  

#1 JT 2015-09-15 21:03
Stimmt! Die Folge ist etwas langweilig, aber die Kameraarbeit, die Musik gro0artig. Allein die Szenen in der Disco oder im Rollerdrome sind einen Oscar wert :-) und machen die Folge sehenswert.
#2 Michael 2016-12-06 23:24
Sehr interessante Rezession...
...ich persönlich halte die Folge für Grandios gut! Nicht wegen Rolf Kästel, diesen Umstand kannte ich bisher nicht!
#3 Luserke 2020-12-19 16:51
Für mich ist diese Folge ein kleines Juwel. Dramaturgisch zwar mit Schwächen, aber die Inszenierung trägt die 60 kurzweiligen Minuten. Gerade weil Reporter und Student so gegensätzlich gezeichnet sind (und so gegensätzlich spielen), entsteht ein großes Spannungsfeld. Die sehenswerten Schauplätze und nicht zuletzt die Musik (Time for Lovers!) machen die Folge zum Kult.
Der Schluss - offen und fantastisch.

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