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… Hans Georg Panczak über Synchron, Krimis und »die zweite Geige«

Hans Georg Panczak… Hans Georg Panczak ...
... über Synchron, Krimis und »die zweite Geige«

Hans-Georg Panczak gehörte seit den 70er-Jahren zu den meist beschäftigten Schauspielern und Synchronsprechern.  Viele kennen seine Stimme als die von John Boy aus der Serie „Die Waltons“ oder als Luke Skywalker aus Star Wars. Aber Herr Panczak spielte auch in unzähligen Fernsehserien und Krimis mit. Tatort, Derrick, Der Alte und nicht zuletzt als durchgehender Charakter in Der Landarzt. Er spielte neben Siegfried Lowitz, Hansjörg Felmy und vielen anderen.

Katja KeßlerIch traf den Schauspieler, der u.a. sehr viele Hörspiele gemacht im Juni auf der HörMich 2018 in Hannover. Er war netterweise spontan zu diesem Interview bereit.

Zauberspiegel: Du bist einer der Wenigen Schauspieler, der als Synchronsprecher genauso populär ist. Und Deine Synchronkarriere ist fast genauso alt. Wie kamst Du zum Schauspielfach?
Hans-Georg Panczak: Durch meinen 11 Jahre älteren Bruder, oder besser, durch seine damalige Freundin. Es fing an mit einem Fernsehspiel in Frankfurt am Main im Sommer 1961.  Nachdem mein Bruder eine Lehre als Kellner abgeschlossen hatte, kam er eines Tages nach Hause und sagte er wolle Schauspieler werden. Mein Vater war nicht begeistert. „Was? Schauspieler? Diese Hungerleider?“, sagte er. Doch mein Bruder setzte sich durch und ging zur Schauspielschule. Dort lernte er Renja Gill kennen. Die spielte damals in dem Fernsehfilm „Aus Gründen der Sicherheit“ neben Siegfried Lowitz. Und dafür suchten die noch jemanden für die Rolle eines kleinen Jungen. Sie schlug mich dem Regisseur vor, obwohl mein Bruder das zunächst nicht wollte. Er hatte wahrscheinlich Angst, dass ich ihn blamieren könnte. Doch dann hieß es: der Regisseur kommt mit seiner Hauptdarstellerin Tilly Lauenstein zu uns nach Hause, um mich zu testen. Dabei wussten sie, dass sie keinen fertigen Schauspieler vor sich haben. Es ging viel mehr darum, ob ich mich traue oder nicht. Und ich traute mich. So fing alles an. Daraus erwuchsen dann gleich darauf Theater-Arrangements (u.a. mit O.E. Hasse). Und da es nicht so viele Kinder in der Branche gab, kamen auch bald Hörspiel und Synchron dazu. Kommissar X-Hörspiele habe ich gemacht fürs Radio und in der Fernsehserie „Kentucky Jones“ (1964) habe ich den kleinen „Kentucky“ synchronisiert oder in „Fun in Acapulco“ den kleinen „Raoul“, den Partner von Elvis Presley. Davon gibt es tatsächlich noch Szenen auf You Tube.  Und so bin ich in die Branche hineingewachsen.

Zauberspiegel: Deiner markanten Stimme verdankst du sicher einen Großteil deiner Popularität im Synchronfach. Deutschland synchronisiert ja wirklich, andere Länder haben zum Teil nur einen Simultan-Übersetzer. Ich habe das mal in Polen erlebt und fand es schrecklich.
Hans-Georg Panczak: Ich habe mal gehört, dass in Russland ein Mensch alles sprechen soll. Also Frauen, Kinder, Männer. Alles von einer Stimme. Also praktisch wie…Alexa (lacht).

Zauberspiegel: Ja genau. Eigentlich nur eine Übersetzung. Das deutsche Publikum ist ja nun sehr treu und sie verbinden viele Stars aus den USA und Frankreich automatsch mit einer bestimmten Stimme, die diesen Star synchronisiert. Michael Douglas und Volker Brandt sind da das Beispiel. Bei Ihnen ist es ähnlich.
Hans-Georg Panczak: Teils,  teils… einerseits wird von den Auftraggebern versucht – schon wegen diverser negativer Reaktionen von Zuschauern in der näheren Vergangenheit – die Stimme eines Stars beizubehalten. Andererseits scheint der Trend dahin zu gehen, ausländischen Schauspielern, die noch nicht über eine allgemein anerkannte „Hauptstimme“ verfügen, mit nicht immer derselben Stimme zu besetzen. Das hängt nicht zuletzt an der Geschichte (Prozess gegen Disney*) mit Marcus Off (Pirates of the Caribbean), dem man umbesetzte, als er für den 4. Teil ein paar Euro mehr haben wollte. Er hat dann erfolgreich eine Beteiligung an den ersten 3 Teilen eingeklagt, die wohl erheblich über der anfangs angedachten Gage lag. Da geht es um den sogenannten Besteller-Paragraphen, demnach man Leute die einen erheblichen Anteil an einer Produktion haben, auch entsprechend vergüten muss.
Deshalb wird neuerdings in solchen Fällen bereits bei der Verpflichtung eine „Sondergage“ ausgehandelt, die dann auch einen „außergewöhnlichen Erfolg“ abdeckt. Das betrifft aber lediglich Hauptrollensprecher in Blockbuster-Filmen. So hat man mich z.B. neulich gefragt - ich lebe in Bayern -, ob ich zufällig die nächste Zeit in Berlin wäre, da Mark Hamil in einer Produktion mit einer kleinen Rolle auftritt, aber nicht als Luke Skywalker. Dafür sind aber weder Reisekosten, noch eine „Sondergage“ kalkuliert. Heißt, wenn ich diese 13 Takes sprechen will – was ich für die Fans gerne tun würde – so müsste ich auf eigene Kosten nach Berlin fahren und meine Gage dafür wäre dann 165 Euro. Da geht dann noch die Steuer ab.

Zauberspiegel: Du wirst aber mit Luke Skywalker eher in Verbindung gebracht als mit John Boy Walton, wenn man deine Stimme hört. Oder ist das anders?
Hans-Georg Panczak: Ich erzähle es in jedem Interview, weil ich es irgendwie nicht verstehe. Wenn ich mal angesprochen werde, dann auf ‚Smithers‘ in ‚Die Simpsons‘. Diese Figur kommt innerhalb von 13 Folgen vielleicht 5-mal vor und sagt nicht mehr als ein oder zwei Sätze. Wenn ich dann irgendwo beim Einkaufen frage: „Kann ich mit MasterCard bezahlen?“ und mich die Kassiererin anschaut und sagt: „Sagen Sie mal, sind Sie nicht die Stimme von Smithers aus den Simpsons?“, dann bin ich platt:
Wie können die Leute das nur heraushören? Ich kann es nicht ergründen. Es ist unglaublich. Nächstes Mal frage ich „wie können Sie das hören?“ (lacht)

Zauberspiegel: Ich habe das auch mal erlebt. Weil Du eine wirklich sehr markante Stimme hast. Ich habe da mal einen deutschen Krimi gesehen (Derrick). Und da wurde ein deutscher Schauspieler synchronisiert. Es war nur ein Satz. Aber ich habe sofort Deine Stimme erkannt. Zunächst musste ich es aber noch 5mal durchhören, weil nicht gleich darauf kam. Aber so eine Stimme lässt einen dann nicht mehr los. Und so will man wissen, woher man sie kennt. Und dann kam ich drauf. Aha, das ist doch Herr Panczak.
Hans-Georg Panczak: Da habe ich wohl mal einem Kollegen, der nicht mehr greifbar war, für einen kleinen Satz meine Stimme geliehen. Aber nicht, weil der Schauspieler schlecht war oder so. Nein. Es handelte sich vielleicht um eine komplizierte Szene und gerade in dem Satz, den der Schauspieler da sagt, flog vielleicht ein Flugzeug über den Drehort hinweg. In der Regel lässt man den Satz dann noch am Drehort nachsprechen. Doch eventuell hatte man Zeitdruck oder beim Schnitt ging was verloren.  Und da man wusste, dass ich gerade auf dem Bavaria-Gelände synchronisiere, hat man mich schnell mal gerufen, um diesen einen Satz einzusprechen. Das war nicht gezielt, dass der Panczak das sprechen sollte.

Zauberspiegel: Wie kam es dazu, dass man Dich als Synchronstimme für Richard Thomas einsetzte in Die Waltons?
Hans-Georg Panczak: Daran erinnere mich. Der Richard Thomas spielte seinerzeit, Anfang 1974 eine Episodenrolle in Bonanza. Ich war damals 22 und wurde für diese Rolle eingesetzt. Es folgten dann noch ein, zwei andere Rollen mit Thomas. Als dann die Serie Waltons startete, erinnerte man sich an mich. Es wurde zwar ein Casting gemacht, aber es war naheliegend, dass ich es machen sollte. Es sei denn ich hätte völlig danebengelegen. Aber die haben halt geguckt und gesagt: „…das hat mal der Panczak gemacht. Gut dann nehmen wir auch weiter Panczak.“ Das war im Sommer 1974 in Berlin. Bei der Arbeit zu Waltons lernte ich dann meine Frau kennen, die als Cutterin im Studio saß.
1980 zogen wir dann wegen unseres Sohnes nach München. Das erklärt auch, warum ich danach die Schauspieler, die ich in ihren ersten Filmen in den 60ern und 70ern bereits gesprochen hatte, – sagen wir mal - „verloren“ habe,  Leute wie  George Clooney in Police-Academy oder Richard Dreyfuss in American Graffity, weil fast alle Kinofilme zu der Zeit in Berlin synchronisiert wurden. Ausnahmen waren da nur Mark Hamil in Star Wars und Richard Thomas aus den Waltons, für die man mich das eine oder andere Mal nach Berlin holte. Aber auch die habe ich nach dem Umzug nicht in allen Produktionen gesprochen. Einen Sprecher aus München nach Berlin einzufliegen mit eventuellen Übernachtungskosten ist bei den engen Kalkulationen oft zu kostspielig. Es sei denn, das Studio bekommt die Zusatzkosten vom Auftraggeber erstattet. Insofern kann man den Synchronproduzenten keinen Vorwurf machen, wenn die Stimme wechselt. Die Verantwortung dafür tragen die, die die Synchronisation in Auftrag geben.
Im Fall von Star Wars hat Disney mir die Treue gehalten. Ja, da wurden auch Hotelkosten übernommen. Eine Nacht, weil wir bei aller Sorgfalt so eine Rolle in 2 halb en Tagen eingesprochen haben. Wenn es kein so wichtiger Film ist, geht das noch viel schneller. Ich weiß gar nicht ob ich das heute alles sagen darf. Da wurde vertraglich viel geregelt. U.a. auch Stillschweigen. Das war beim Trailer zu Star Wars. Da stand z.B wortwörtlich drin, dass ich selbst „nahen Familienangehörigen“, also meiner Frau und meinen Kindern abends nicht erzählen durfte, was ich heute gemacht habe.  Aber ich denke, dass man erst verklagt wird, wenn man etwas zur Story vorab verrät, also „spoilert“. Aber das macht man schon wegen der Fans nicht.

Zauberspiegel: Als Fernsehschauspieler hast Du ebenfalls sehr früh angefangen und viel für das Krimifach gemacht. Der kleine Doktor, Dem Täter auf der Spur, sehr viele Tatorte. Ist das Zufall gewesen oder warst du besonders Krimitauglich?
Hans-Georg Panczak: Stimmt, ich war oft der Täter. Aber ich habe ja auch 26 Jahre im Landarzt gespielt. Vielleicht hat man mich manchmal auch nur besetzt, weil man denken sollte ich wäre der Täter – um den Zuschauer auf die falsche Fährte zu locken, wenn ich es nachher doch nicht gewesen war. Aber ich habe auch viele andere Sachen gespielt. Meister Timpe, Jeans, Auf Achse... und eben auch Theater. Aber im Gedächtnis bleiben bei vielen hauptsächlich die Fernsehsachen.

Zauberspiegel: Wir bleiben beim Krimi. Auch wenn nicht ganz Krimi. Du spieltest einige Male bei Aktenzeichen XY. Damals sicher eine Art Zwischenbeschäftigung oder Sprungbrett aber durchaus ehrenwert.
Hans-Georg Panczak: Nein, das gehörte auch zum Beruf. Und nicht nur XY… Wenn man z.B. bedenkt, wer damals alles in diesen harmlosen Sexfilmchen mitgespielt hat... Also, das gehörte irgendwie auch dazu. Auch bei mir. Mit Sex hatte das aber nicht viel zu tun. Da hatte ich mal eine Szene, wo ein Mädchen den Busen frei machen musste ich sie küssen sollte. Das war alles. Das nannten die dann Sexfilme.

Zauberspiegel: Zurück zu Aktenzeichen: Der Regisseur war früher Kurt Grimm. Er hatte ein besonderes Talent die Filme spannend zu gestalten. Erinnerst Du dich an die Dreharbeiten und wie stehst Du heute dazu?
Hans-Georg Panczak: Kurt Grimm war damals der Regisseur, mit dem ich nur bei XY zusammengearbeitet habe. Zu der Zeit war er ja da zuständig. Die Arbeit war professionell. Bis auf die Tatsache, dass es nachgespielte echte Fälle waren, gab es keinen großen Unterschied zu Produktionen wie ‚der Alte‘ oder ‚Derrick‘.
Ein Film ist mir aber besonders im Gedächtnis geblieben: der Lebach-Fall. Da war eine Kaserne überfallen worden, um Waffen zu stehlen. Dabei wurden einige Soldaten kaltblütig ermordet. Die Täter wurden gefasst und verurteilt. Davon sollte ein Fernsehspiel gemacht werden, ich hatte die Rolle des Soldaten „Marx“. Als diese Produktion komplett fertig war, haben die Täter davon erfahren und die Ausstrahlung per Anwalt untersagen lassen. Die haben Persönlichkeitsrechte geltend gemacht. Und damit war eine millionenteure Produktion vor die Wand gefahren. Der Herstellungsleiter vom ZDF, Neven DuMont musste seinerzeit seinen Hut nehmen.

Zauberspiegel: Im TATORT warst Du ein paar Mal dabei. Zwei Folgen waren sehr besonders. Zum einen der mit Hansjörg Felmy (Die Kugel im Leib). Wie war die Arbeit mit Felmy und Löwitsch?
Hans-Georg Panczak: Löwitsch war witzig. Ich kannte ihn auch privat ein bisschen. Er war so 40, ich nicht ganz dreißig. Wir haben damals in Italien diese Motorad-Szenen in der Steilwand gedreht. Natürlich machten das Stuntmen. Aber bei Großaufnahmen haben wir immer gemimt. Eines Tages haben die „echten“ uns tatsächlich gefragt ob wir auch mal mitfahren wollen. Löwitsch und ich sahen uns verdutzt an. Keiner wollte als Weichei dastehen. Ich sagte knapp JA und Löwitsch noch knapper auch JA. Aber wohl war uns dabei nicht. Man muss bedenken, dass wir in dem engen Kessel bereits zwei Wochen gedreht hatten. Aber als wir hinten auf den Feuerstühlen saßen, kam uns dieser Steilwandkessel auf einmal noch viel winziger vor. Dann sagten die Fahrer nur „Nicht bewegen, nicht den Kopf drehen“ und dann gaben sie Gas und plötzlich warst du in der Wand. Du wolltest schreien aber dir blieb dieser Schrei im Halse stecken und du brachtest keinen Ton heraus. Die gewaltigen Fliehkräfte, die da wirken sind phänomenal. Dann hast Du Dich gefragt, wie du nun wieder runterkommst – überall nur steile Wände. Aber es ging so schnell und plötzlich warst du unten. Hinterher sagten wir: „Mann hat das Spaß gemacht“.

Zauberspiegel: Felmy galt allgemein als schwierig. Kannst Du das bestätigen?
Hans-Georg Panczak: Wir hatten nie Probleme Ich hatte zuvor schon „Dem Täter auf der Spur“ mit ihm gemacht und auch einige Hörspiele. Er war damals ja schon der alte Herr in meinen Augen. Er war 55 Jahre oder so und ich noch unter dreißig. Da ist ein 55jähriger ein alter Mann für Dich. Heute bin ich älter als er damals.
Nein man kam gut miteinander aus damals. Wie auch mit Manfred Krug. Professionell und kollegial, aber ohne ein besonderes Verhältnis zu entwickeln.

Zauberspiegel: 1983 kam dann dieser Tatort mit Kultstatus: Peggy hat Angst. Du spieltest den Mörder, der eine junge Frau tötet (Ute Christensen). Ihre Freundin (Hannelore Elsner) hört den Mord am Telefon mit an. Das war damals ein Highlight und der Film löste einen Hype aus. Hast du diesen Hype irgendwie miterlebt. Ist das zu dir durchgedrungen.
Hans-Georg Panczak: Klar. Aber der größte Hype betraf damals die Musik. Ich hatte ein sehr gutes Verhältnis zum Regisseur Wolfgang Becker. Er war damals über 70 und er suchte eine Musik, die den Mord am Telefon unterlegen sollte. Und da ich jung war, fragte er mich, was denn zurzeit so angesagt war. Ich machte ihm einen Vorschlag, doch er entschied sich für etwas ganz anderes. So hört man den Song einer Studioband aus einem Album, dass die gerade produziert hatten und in sehr geringen Stückzahlen verkauft hatten. Warning mit Why Can the Bodies Fly.
Und am Montag nach der TATORT-Ausstrahlung kam es zum Ausverkauf aller verfügbaren Platten dieses Liedes. Es gab nur etwa 1000 Stück davon. 100.000 Stück mussten nachgepresst werden. Es wurde zum One-Hit-Wonder. Ich wurde etwas später dann für einen neuen Videoclip der Gruppe engagiert. Die wollten auf der Welle des Erfolgs ein zweites Album platzieren. Also fuhr ich nach Hamburg und drehte dort meinen ersten und einzigen Videoclip. Ich hatte damals keine Ahnung von Videoclips und wunderte mich, dass es keine Handlung gab. Aber das 2. Album wurde ein Flopp. Hoffentlich nicht meinetwegen :-)

Zauberspiegel: Natürlich waren Sie auch bei Derrick und Der Alte zu Gast.
Hans-Georg Panczak: Ja. Bei Herrn Ringelmann. Der war ein sehr netter und loyaler Herr. Ich erinnere mich, wie er zu seinen Schauspielern stand und Ihnen die Treue hielt. Marianne Hoppe (großer UFA-Star) hatte bei ihm eine 1-Tages-Rolle als Putzfrau. Aber wer eine Rolle bei ihm ablehnte, war ein für alle Mal unten durch. Genauso treu wie er war, genauso rigoros war er, wenn man ihm die Treue abschwor. Den Jan Hendriks zum Beispiel beschäftigte er im ALTEN als Assistenten. Der hatte mal einen Autounfall und konnte sich keine langen Texte mehr merken. Bei Ringelmann bekam er deswegen immer nur kleine Auftritte. Aber als Dauerassistent bei Lowitz hatte er seinen festen Job. Ringelmann hat ihn einfach beschäftigt, damit er Geld hatte. Es war eben zu der Zeit noch sehr sozial und menschlich.
Und Derrick und DER ALTE war eben Zeitgeist. Es war damals so, dass man beim Verhör erstmal einen Whisky eingeschenkt hat und es wurde geraucht, wo es nur ging. Das mag heute befremdlich wirken, aber so war der Zeitgeist.

Zauberspiegel: 70er und 80er Jahre waren sehr Serienreich. Jeder Schauspieler oder fast jeder hatte irgendwo schon mal eine durchgehende Rolle oder sogar Hauptrolle im TV. Bei dir war das mal im Landarzt so. Hat man dir nie eine Serienhauptrolle angeboten? Oder wolltest du das nie – Förster oder Doktor oder Hoteldirektor sein, wie Ihr Kollege Peter Fricke mir mal sagte?
Hans-Georg Panczak: Serien-Hauptrollen hatte ich schon. Z.B. bei „Hoffmann und Chupovic“ oder neben Günter Lamprecht, Barbara Rütting und Ute Willing in „Kennen Sie Lindemanns“. Das war so eine Serie, in der die gespielten Familienprobleme psychologisch nachbetrachtet wurden. Aber in der Regel hast du Recht. Ich war nie der große Leader in einer Serie. Aber wie sagte mein Kollege Wolfgang Völz einmal (Gott hab ihn selig)? Er spielte ja häufig den zweiten Mann und sagte einmal darauf angesprochen: „Ich spiele immer die zweite Geige. Andere spielen nur einmal die erste Geige“ (lacht!)
Das letzte was ich gedreht habe, war „Alarm für Cobra 11“. Danach habe ich quasi mit dem Drehen aufgehört. Ein Journalist schrieb mal: „Mit den Haaren sind wohl auch die guten Rollenangebote für Panczak ausgegangen.“ Fand ich witzig. Die Rollen, die ich heute angeboten bekomme (und das meinte auch Fricke wohl) sind recht blass. Du spielst einen Bankdirektor oder etwas Ähnliches. Und du musst viel Text abliefern, hast aber nicht wirklich was zu spielen. Früher habe ich Leute umgebracht oder wurde umgebracht – das war etwas Emotionales. Die Rollen hatten „Fleisch“.
Aber neben den schlechten Rollenangeboten gibt es aber vermutlich noch einen anderen Grund. Der liegt in einem von mir vor dem Bundessozialgericht gewonnenen Prozess, dieses Jahr. Ich habe mich für die Alterssicherung der Schauspieler weit aus dem Fenster gelehnt. Das kostet die Fernsehproduzenten richtig Geld.
Aber was soll‘s. Jetzt bin ich Rentner und dank einer guten Rente muss ich auch nicht mehr.

Zauberspiegel: Hörspiele. Du bist erst in den letzten 12-13 Jahren da verstärkt kommerziell in Erscheinung getreten. Aber Hörspiele hast du schon immer gemacht?
Hans-Georg Panczak: Schon immer. Fürs Radio.  Gerade hat mir ein Fan stolz berichtet, dass er auf Ebay eine LP „Die Schatzinsel“ ersteigert hat. Da habe ich mit 15 oder 16 Jahren den Jim Hawkins, den Schiffsjungen gesprochen. Heute bin ich stolz auf "Die Zeitmaschine“ in der Bearbeitung von Oliver Döring, die wir letztes Jahr aufgenommen haben.

Zauberspiegel: Danke für das Gespräch.

G. Walt

 

Die Fragen für den Zauberspiegel stellte: Stephan Gewalt

© Stephan Gewalt 2018

Kommentare  

#1 Cartwing 2018-08-13 06:39
sehr schönes, interessantes Interview.
Ich hatte die Stimme direkt im Ohr ;-)
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