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Betriebsausflug, Schlagzeuger und das Hauptamt...

Teestunde mit Rolf...Moin Rolf, Du bist noch im Nahen Osten und noch nicht wieder in heimischen Landen, aber hast vorgearbeitet und schilderst uns nun einen Betriebsausflug der Hölle ins Diesseits. Das aus der Zeit, als Du noch selbst im Zamorra aktiv warst. Also hat die Geschichte irgendwas zwischen 25 und 30 Jahren auf dem Buckel...
Der Tee ist serviert...
Betriebsausflug, Schlagzeuger und das Hauptamt...

Heute mal wieder eine Story aus der ›Zamorra-Zeit‹, wo es im Gegensatz zum heutigen ›Zammy-Versum‹, noch eine ›richtige Hölle‹ gab, wie sie in früheren Zeiten die Dominikaner-Patres von den Kanzeln predigten.

Es geht hier schlicht und ergreifend um einen ›Betriebsausflug‹ der höllischen Dämonen. Der Weg führt vom Schlund des Vesuv hinüber zum Brocken.

 

Hier zeigt sich dann das Alter der Story mit über 25 Jahren. Damals gab es nämlich noch die innerdeutsche Grenze. Und das, was sich da so abspielte, ist mir noch bestens in Erinnerung und nicht alles in diesem Text ist da erfunden. Wer damals mal die ›Staatsgrenze der DDR‹ überschritten hat, weiß, was ich meine.

Die Story ist in einer Zeit entstanden, als ich beim Hauptamt noch selbst die Betriebsausflüge mitorganisierte und auch in dieser Geschichte ist nicht alles erfunden – besonders die ›Mährerein‹ der Kollegen, die natürlich alles viel besser gemacht hätten...

Es sei vielleicht erwähnt, dass es die Straße in Neapel, die am Beginn der Story erwähnt wird, tatsächlich gibt. Unser Reisebus hatte sich verfahren und musste auf engstem Raum wenden. Überall gingen die Türen auf und Männer, Frauen und Kinder stürmten auf die Straße, um dabei zu sein. Jeder der Männer versuchte, den Busfahrer einzuweisen und das ganze ging dann mit viel Geschrei und Temperament, ohne dass etwas passierte.

Wir Fahrgäste hatten allerdings echte Bedenken, dass einige dieser braven Leute unten am Bus die Klappen öffnen und die Koffer ausladen könnten. Das ist aber nicht passiert und wir fanden, dass es wieder mal ein Vorurteil war, dass alle Neapolitaner (»Plattfuß« mal ausgenommen), Diebe sind.

Erst später hörte ich dann mal im Gespräch mit einem Italiener aus dieser Gegend, dass Touristenbusse unter dem besonderen Schutz der Camorra stehen. Ob damals von dem Busunternehmen eine ›Versicherung‹ bezahlt wurde, darf angezweifelt werden. Aber für die Dons der ›ehrenwerten Gesellschaft‹ ist es wichtig, das Touristen auch in diesen Teil Italiens kommen, weil man an ihnen schon legal Geld verdienen kann. Schon deshalb ist, oder war jedenfalls damals, die Autobahn südlich von Napoli maut-frei, eben dass die Strecken für Touristen interessant werden.

Also, diese Straße in Napoli gibt es und über die Touren mit Werner nach Italien werde ich mal gesondert berichten.

W.K. Giesas Sprüche, dass man den Inhalt seiner Romane kennen und auswendig hersagen müsse, sind allgemein bekannt. Genau so wie seine Vorliebe für den Wohlklang der österreichischen Sprache und den Wiener Schmäh. Und über seinen Einsatz als Schlagzeuger beim »Pony-Express« erzähle ich mal gesondert.

»Pony-Express« - das war der Name, unter dem Hans Klipp und ich damals eine Woche jeden Tag mit dem ›Rheingold-Express‹ von Köln nach Mannheim und zurück gefahren sind und auf diese Art neben professionellen Werbekräften Reklame für unsere Vaterstadt Kassel gemacht haben. Ich hatte mir damals eines der ersten transportablen Keyboard gekauft, das man auch mit Batterien spielen konnte, so dass ich nicht auf einen Stromanschluss angewiesen war.

Mit dem Keyboard waren dann mehr musikalische Möglichkeiten gegeben als mit dem Banjo – und irgendwann war Werner der Meinung, er hätte das Talent zum Schlagzeuger. Nun ja, irgendwann erzähle ich das alles mal...

Jetzt aber zu der Story, für die jetzt im Prinzip keine weiteren Vorkenntnisse erforderlich sind - außer, dass sie, was die Anspielungen auf „Professor Zamorra“ angehen, schon lange überholt sind. Inzwischen  räumt man dort ja selbst Werners Fundamente weg, um ein völlig neues Handlungsgebäude zu erstellen. Was mir mal wieder zeigt, dass ich mit meiner ketzerischen Bemerkung vor einiger Zeit, dass W.K. Giesas Ideenkomplex in der Serie bald völlig untergeackert sein wird, völlig Recht hatte. Aber das ist nun mal so – neue Leute bringen neue Ideen. Und die sind mit den vorhandenen Sachen einfach nicht mehr kompatibel.

Oder um es mit Schillers »Wilhelm Tell« zu sagen: »Das Alte stürzt. - Es ändert sich die Zeit! Und neues Leben blüht aus den Ruinen!«

Also, dann folgt mir mal zu der ›Ruine‹ einer »glanzvollen Epoche des Horror-Fandoms« und lest mit Freude und Erbauung die leicht geglättete Story...
Betriebsausflug

Schon aus weiter Entfernung vernahm Luigi Maloni ein Geheul dass ihm die Haare nach oben getrieben hätte wenn... ja, wenn er noch im Besitz von Haaren gewesen wäre.

Auch die Gänsehaut, die bei solchen grauenvollen Geräuschen den menschlichen Körper zu überziehen pflegt, musste ausfallen. Ebenso das Klappern der Zähne und das Schlottern aller Glieder.

Denn der Körper des Luigi Maloni war hier an diesem Ort ein Nichts. 

Es war eigentlich ganz schnell gegangen. Irgendwo in den Straßen von Neapel war Maloni mit Angelino unterwegs gewesen, um in gewissen Geschäften und bei bestimmten Personen die fälligen „Versicherungen“ zu kassieren. Immerhin besaß sein Patron die „Schürfrechte“ in diesem Viertel von Napoli.

Es geschah in jener Straße, wo man rechts Brautmoden und links Särge verkauft. Noch niemals zuvor hatte es jemand gewagt, die Herren Kassierer bei der Arbeit zu stören. Jeder kannte die Macht des Syndikats.

Doch es gab im schönen Napoli auch „Rebellen“, die auf die Paten und die „Ehrenwerte Vereinigung“ pfiffen.

Der Anschlag musste von diesen Banditen gemacht worden sein, die es nicht für nötig halten, sich einer geordneten Verbrecherorganisation anzuschließen, wo alles richtig geplant wird und seinen geregelten Gang geht.

Jeder im Süden Italiens weiß, dass die Camorra, die Cosa Nostra in der Gegend von Napoli, den Sinn und Zweck hat, den braven Bürger vor dem ungeordneten Verbrechen zu schützen, da nicht nur im Hafenviertel wie Unkraut wuchert.

Die Polizei, gehemmt durch nach Meinung der Dons realitätsfremden Gesetzte  ist nicht in der Lage, wirksamen Schutz zu bieten. Deshalb hat seit langem schon das organisierte Verbrechen gegen diverse Zahlungen von „Versicherungen“ die Aufgabe übernommen, für „Ruhe und Ordnung“ zu sorgen.

Auch wenn das „Kirchhofsruhe“ bedeuten kann. Ein toter Dieb kann nicht mehr stehlen und  jeder tote Verbrecher ist ein guter Verbrecher. Gauner, die sich über die Carabinieri lustig machen, werden bleich wie der Tod, wenn der Schatten der „Familie“ über die fällt.

Doch all das nützte Luigi Maloni herzlich wenig. Die Melodie der Tommy-Gun hatte ihm das Sterbelied gesungen. Von mehr als zehn Kugeln getroffen brach Malonis sterbliche Hülle zusammen – und seine Seele, verließ den Körper.

Interessiert  beobachtete Maloni zusammen mit dem Unsterblichen, das aus Angelinos Körper entwichen war, wie die Täter ihre entseelten Körper beraubten und sich dann aus dem Staub machten. Nun, der Pate würde ihnen diese Signori sehr bald nachsenden. Den Weg, den er jetzt, von einer unsichtbaren Gewalt getrieben, einschlagen musste.

Ein Weg, der nach oben führte. Sehr steil sogar nach oben.  Bis zu einem gewaltigen Tor aus sich türmenden Wolken.

Und genau an diesem Tor erwartete Luigi Maloni eine gewaltige Enttäuschung.
 
Angelino wurde problemlos durchgewunken und passierte das Wolkentor. Ein kurzes Winken zurück man Luigi, dann war Angelino im Chor seiner Namensgeber in der ewigen Seligkeit verschwunden.

Luigi Maloni wurde zwar höflich, aber bestimmt, vom Erzengel von Dienst zurück gewiesen.

„Angelino hat vor zwei Stunden erst das Zuchthaus erlassen und dann in der nächstliegenden Kirche nach einer ausgiebigen Beichte bei einem Priester der Madonna eine Kerze gestiftet!“ erklärte der grauhaarige Pförtner mit dem mächtigen Schlüssel Luigi Maloni den Sachverhalt. „Damit waren diesem Angelino alle seine Sünden, alles was er auf dem Kerbholz hatte, vergeben. Nach dem Besuch in der Kirche hat er gewissermaßen keine strafbare Handlung mehr begangen. Was er vielleicht tun wollte, das hat hier nichts zu sagen – er hat es ja nicht getan. Dazu die besondere Gnade des Himmels. Nun ja, der Junior-Chef hat angeordnet, dass wir in Zweifelsfällen immer mal ein Auge zudrücken sollen.“

„Ja, und ich? Was ist jetzt mit mir?“ rief Maloni verzweifelt.

„Tja, mein lieber Freund, hier bei mir sind Sie verkehrt!“ erklärte Petrus dem Mafiosi mit salbungsvoller Stimme. „Für sie ist an anderer Stelle ein Plätzchen eingerichtet. Nehmen sie es einfach mal so hin. Immerhin brauchen sie nicht weiter nach oben zu steigen. Ihr Weg führt ganz bequem abwärts...!“

Und darum konnten Luigi Maloni her vor dem von gelbroten Flammen umwabernden Tor auch weder die Haare zu Berge stehen noch sonst etwas passieren, was am menschlichen Körper das Grauen ausdrückt.

Denn Maloni war ein gestaltloses Geistwesen, das sich dem Eingang zur gewaltigen Höllenstadt Dis näherte. Die Stadt der Sieben Kreise mit den Sieben Höllen. Die Heimat jener Kreaturen, für die das menschliche Vokabular nur die unzureichenden Begriffe „Teufel“ und „Dämonen“ hat.

„Die ihr hier eintretet – lasset alle Hoffnung fahren“ Glüht in flammenden Lettern über dem von geschmolzenem Gestein umflossenen Tor.

Vor Luigi Maloni befand sich eine lange Schlange von verdammten Seelen, die ergriffen und hinab ins Reich der Tiefe geworfen zu werden, wo kleine blaue Flammen über kochendem Schwefel hüpfen und rotglühendes, geschmolzenes Gestein lodert. 

Immer näher kam es, immer gewaltiger ragte vor Maloni das gewaltige Höllentor in seiner grässlichen Majestät auf. In weiter Ferne glaubte der Mafiosi den von gelbroten Flammen umzuckten Kaiser LUZIFER in all seiner höllischen Majestät thronen zu sehen.

Und dann erblickte Maloni die gehörnten Gestalten, die mit boshaft verzerrten Gesichtern die vor Angst kreischenden verlorenen Seelen ergriffen und sie durch das Tor ohne Wiederkehr zerrten.  

Angst – kreischende – würgende Angst – die kochte und brodelte im körperlosen Bewusssein des Mafiosi. Angst vor den Qualen des ewigen Feuers, das ihn hier erwartete. Qualen, die niemals enden würden. Denn es gibt keinen Tod, der Erlösung von der Ewigen Verdammnis bringt.

Immer weniger wurden die verfluchten Seelen, die noch vor ihm den Weg in den Höllenschlund antreten sollten. Wie Raubtiere über Fleischfetzen, die ihnen vorgeworfen werden, fielen Teufelsgestalten über ihre Opfer her. Die Körper der Wesen mit den gewundenen Bockshörner und den Pferdefüßen sahen aus, als hätten sie tagelang auf einem Rost gelegen, unter dem ein kleines Feuer schwelte.

Noch zehn dieser verdammten Seelen waren es. Jetzt  noch acht.. noch fünf. Mechanisch zählte Luigi Maloni mit. Und schließlich stand nur noch ein Verdammter zwischen ihm und dem Schlund der Hölle.

Satansklauen ergriffen den alten Sünder, doch noch vor dem Mafiosi ergriffen und zu einem der Glutkessel gezerrt wurde, in dem flüssige Lava wie kochendes Wasser brodelte.

Und dann war es soweit. Grunzend und sabbernd stapften zwei hässliche, schwarzrote  Gestalten mit unnatürlich aufgeblähten Bäuchen, kurzen aus dem Schädel heraus ragenden Hörnern, Bocksfüßen und pendelnden Satansschweifen auf Luigi Maloni zu. Boshafte Freude sprühte aus ihren gelben Augen während die mit langen Nägeln bewehrten Krallenfinger nach dem Mafiosi greifen wollten.

Luigi Maloni kreischte vor Angst.

Doch dieser Schrei mischte sich mit einem anderen Ton, der in höchster Diskant plötzlich aus dem Höllentor heraus schrillte. Verwundert erstarb   das, mit dem Luigi seine Angst artikulieren wollte.

Der Ton, der aus dem Höllentor zu vernehmen war, den kannte er aus früheren Zeiten, als er noch versuchte, mit ehrlicher Arbeit sein Leben zu gestalten und in den Fiat-Werken am Fließband stand.

Es war der Ton einer Sirene. Genauer gesagt – einer Fabrik-Sirene.  Und er rief in den Teufelsgestalten genau die gleiche Reaktion hervor wie in der Welt der Sterblichen. Kein Gedanke, Maloni jetzt zu ergreifen und sein Unsterbliches in die Hölle zu zerren. Die beiden Gehörnten erstarrten mitten in ihrer Bewegung.  

„Ja... was ist denn... was ist den jetzt..!“ stieß Luigi Maloni verdattert hervor.

„Feierabend. Für heute ist Feierabend!“ rief ihm einer der Teufel über die Schulter zu, da sie sich bereits abrupt umgedreht hatten, um durch das Höllentor zu verschwinden. „Tut mir leid, Kamerad! Aber wir haben hier in der Hölle bereits die 35-Stunden Woche eingeführt.“

„Das konnten die Jungs von der Konkurrenz ganz oben natürlich nicht wissen. Sonst hätten sie uns sicher nicht so einen Andrang hergeschickt.“ setzte der andere Teufel hinzu und wandte sich noch mal zu Maloni um.

„Ihr solltet froh sein, das unser Betriebsrat und die Gewerkschafts-Funktionäre hier unten keine Urabstimmung durchgeführt haben und wir deshalb in den Streik getreten sind.“ Auch der andere Teufel drehte sich noch mal zu Luigi Maloni rum. „Wenn wir hier unten in den Ausstand treten, das wäre dann so, als ob die Müllabfuhr streikt. Erinnert ihr euch nicht an den Film damals, der im Kino lief? „Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist – dann kommen die Toten auf die Erde zurück!“ hieß es da in dem  Streifen. Dabei war der Begriff „Zombie“ nur missverstanden worden. Wir hatten damals nur einen kleinen Warnstreik. Was glaubst du, was oben in der Welt abgeht, wenn wir uns mit den Bossen ganz unten mal so richtig anlegen...“  

„Draußen bleiben!“ Es war sicher ein Oberteufel, der jetzt mit einem mächtigen Schlüssel kam und daran ging, die gewaltigen Türflügel der Höllenpforte zu schließen. „Feierabend! Für heute ist das Geschäft geschlossen.“

„Aha! Das ist hier wie bei einer Behörde.“ meckerte eine verdammte Seele, die sich hinter Luigi Maloni drängte.  „Gerade, wenn man dran kommt, ist Feierabend. Und dann heißt es ganz einfach: 'Kommen Sie morgen wieder'!“

„Nein, mein Herr! Morgen auch nicht. Morgen ist hier auch geschlossen.“ erklärte der Oberteufel kategorisch.

„Ach, ist da vielleicht Sonntag!“ wollte einer aus der Schlange hinter Maloni wissen.

„Nee, das geht nur die Konkurrenz was an. Im Gegenteil. Wir fahren Sonntags immer Sonntagsschichten.“ knurrte der Teufel unwirsch. „Aber auch wenn's euch eigentlich nichts angeht. Wir haben morgen Betriebsausflug. Und der Notdienst ist nur für ganz spezielle Fälle da, die von der Konkurrenz oben speziell angemeldet werden.“

„Unser Vergnügungs-Ausschuss hat sich was ganz Tolles einfallen lassen.“ erklärte ein anderer Teufel den interessiert lauschenden verdammten Seelen. Wir wandern von hier aus durch den Schlund des Vesuv nach draußen und von dort zum Brocken nach Deutschland, wo sich normalerweise zu Walpurgis die Hexen vergnügen. Beelzebub will uns mal zeigen, wo im die Weiber in der Nacht zum Tag der Arbeit das Gesäß küssen...“

„Ja, und wir... was sollen wir machen?“ fragte Luigi, der am nächsten stand.

„Lasst euch was einfallen!“ Der Oberteufel zuckte die Schultern. Versucht's noch mal im Himmel. Vielleicht braucht Petrus noch Hilfskräfte, die ihm die Sterne polieren und die Milchstraße aufwischen. Die Engel sind sich ja heute für so was zu fein.

Ihr könnt auch zurück zur Erde gehen und wieder in euren Körper rutschen. Vielleicht  habt ihr ja Lust, noch etwas zu leben. Später könnt ihr ja dann mal wieder kommen...“

„Und... wenn ich mich bessere... mir in einer Beichte die Sünden vergeben lasse... ein anständiges Leben führe... regelmäßig zur Kirche gehe... was dann?“ lauerte Maloni. Ganz plötzlich erkannte er seine große Chance.

„Deine Sache, Mann. Ein ehrliches Leben. Das wäre mir zu anstrengend. Und Kirche...möglichst jeden Sonntag... vielleicht noch mit diesen unheimlich langen Rosenkranzgebeten... uuuhhiiii.. neee, das muss ich nicht haben. Und jetzt schwirrt ab, Leute. Man will ja auch mal Feierabend machen...“ Krachend schloss sich vor Luigi Maloni das Höllentor.

Dass der Mafiosi in seinen Körper zurück kehrte und so die medizinischen Fakultäten dieser Welt vor ein ungelöstes Rätsel stellte, stand in allen Zeitungen. Dass Luigi Maloni im Zeugenschutzprogramm untertauchte, nachdem er des komplette süditalienische Syndikat bei der unbestechlichen Staatsanwaltschaft verpfiff, was eine gigantische Verhaftungswelle nach sich zog, war Bestandteil aller Nachrichtensendungen.

Nie wurde Bruder Luigi in dem abgelegenen Kloster in den Abruzzen von den Jägern der Mafia gefunden  und für seine Seele hatte der Teufel keine Verwendung mehr.

Doch wir verlassen nun den auf den Weg der Tugend zurück gekehrten Mafiosi und wenden uns nun Figuren zu, die vermutlich dort unten bereits auf dich, lieber Leser, mit Interesse warten. 

Denn der Betriebsausflug der Hölle ist für uns bereits in vollem Gange.

Auf ihre eigene Art düsten die Scharen der Dämonen im Sauseschritt quer durch Italien und über die Alpen. Über Bayern wurden dann die ersten Meckereien wegen der schlechten Gerüche in diesem Land laut. Und der alte Witz, für den in hundert Meter Tiefe die Bartwickelmaschine rattert, machte wieder die Runde.  Der Witz, dass sie Spatzen nur auf dem Rücken über Bayern fliegen, damit sie das Elend da unten nicht sehen und dass besonders in den Alpen Steine auf den Dächern liegen, damit der Mief eben diese Dächer nicht abdeckt.  

Womit Man als Dämon  wenig Probleme mit Autoabgasen, Industrie-Smog und sonstigem Gestank hat. Aber der viele Weihrauch, der aus den Kirchen in die Spähren der Dämonen herüber wehte, gab doch Anlass  zu der Frage, ob man diese Strecke nicht hätte vermeiden können. Allerdings – dann hätte man über Österreich wandern müssen...

Das allgemeine Gemaule erstarb erst, als man das weißblaue Land des Bieres und des heiligen Franz-Josef hinter sich hatte und im schönen Hessenland war. Dennoch wurde immer mal wieder von einzelnen Dämonen rumgemotzt.

„Ich hasse so weite Wege!“ knurrte der Dämon Agares, der sich sterblichen Augen immer als alter Mann mit einem Hühnerhabicht auf der Faust zeigt und den Piepmatz natürlich auch zur Wanderung mitgenommen hatte. „Gut, der Weg durch den Vesuv war ganz bequem und an den Stränden von Rimini hatte man mal was fürs Auge,“ die Lange zunge schnalzte genießerisch, wenn Agares an die süßen Bikini-Mädchen dort am Strand dachte, „Aber dann der Weg über die Alpen, beim Geiste Hannibals,  das wäre nun wirklich nicht nötig gewesen. Da gehört mal ein Arbeitskommando mit hacken und Schaufeln hin, die das Problem in giesa'schen Sinn lösen!“

„Stimmt, Aggi!“ nickte ihm Malphas zu. „ Dieser lange Weg bis zum Brocken, das hätte wirklich nicht sein müssen. Wären wir vom Vesuv aus nach Süden gegangen und beim Ätna wieder in die Tiefe, das wäre auch ein netter Spaziergang geworden. Aber das hier – ein Härtemarsch wie beim Komiss!“

„Komm zum Bund – da geht’s rund:“ keckerte ein Unter-Dämon in der Nähe. „Du hast Schiss – vorm Komiss – Alois!“

„Schnauze!“ fauchte Astaroth. „Der Boss von ganz unten meinte, dass man bei so einem schönen Anlass wie einem Betriebsausflug auch für die Erzdämonen mal wieder etwas Hölle bringen müsste. An die Feuerpein seid ihr ja doch gewöhnt. Aber etwas Tippelino...!“

„Wer Sadist hat den diesen Gewaltmarsch hier eigentlich ausgeknobelt!“ wurde die Frage laut.

„Wer anders als Kollege Asmodis!“ erklärte Astaroth. „Der war es auch, die die ganzen Sponsoren gefunden hat, die etwas für das fröhliche Gelingen unseres Betriebsausfluges beitragen wollen.“

„Was immer es sei!“ maulte Agares. „Ich fürchte die Freunde des Asmodis, wenn sie Geschenke bringen!“

„Guck mal, Paimon!“ machte Orias seinen Kollegen aufmerksam. „Da hinten links an unserem Weg liegt Ahnatal. Haust da nicht einer unserer Kunden, den wir vielleicht im Vorbeigehen mit kassieren könnten?“

„Kommt gar nicht in Frage!“ kam die Antwort. „Nichts Dienstliches heute. Lasst uns doch die Arbeit heute mal völlig vergessen. Den Kerl kriegen wir noch früh genug.“

„Aber der schreibt immer so hässliche Geschichten über unsere Firma!“ jammerte Orias. „Ich  wünsche ihm wenigstens die Hölle auf Erden!“

„Hat er schon. Er hat unlängst geheiratet!“ erklärte Paimom salbungsvoll.

„Na, da bin ich aber beruhigt. Nur sollte man... was soll denn das da vorne darstellen?“ unterbrach Orias seine Rede. „Dieser seltsame Maschendrahtzaun.“

„Diese hohen Türme... direkt unheimlich…. und die Typen da vorn haben Dinger in der Hand, die man Gewehre nennt... wenn da nur keine Silberkugeln drin sind.“ schwirrten die Stimmen der Dämonen durcheinander.

Der Mann in der grünen Uniform, die vom Schnitt und der Aufmachung her so etwas an die alte deutsche Wehrmacht erinnerte, hatte den Charme eines geöffneten Kühlschrankes.

„Gann ich emal de Bässe sehen?“ wehte es den Dämonen im Tonfall Walter Ulbrichts mit grabeskalter Freundlichkeit von der anderen Seite des Zauns entgegen.

Asmodis drängte sich durch die Reihen der Dämonen nach  vorn. Was wollte diese seltsame Schießbudenfigur hier? Etwas der versammelten Macht der hölllischen Dämonen den Weg versperren?

„Unsere Republik is en souverääner Schdaad un mir ergennen de Bersonalausweise aus der Beh Er Deh nich an!“ hörte Asmodis die Erklärung. „Wo geommen sie'n übwerhaubt her?“

„Aus der Hölle!“ schnaubte Asmodis.

„Na sicher!“ sächselte es zurück. „Un nu gommt ihr Bonner Ultras hier ins Arweiter-un Bauer-Baradies und wollt dn Teuwel los machen! Awer das wir nüscht, Gevadder. Mir ham hier eene Hölle, da gönnt ihr euch eene Schweiwe dran abschneiden!“

„Kein Aufsehen, Assi!“ hörte der Fürst der Finsternis neben sich die Stimme des Lucifuge Rofocale. „Zwischenfälle an der innerdeutschen Grenze können wir uns nicht leisten. Zumal hier jeder dem anderen sein Teufel ist. Machen wir dieses Affentheater hier einfach mit. Pässe für uns herzustellen dürfte doch nun wirklich kein Problem sein, oder?“

Nein, das war es wirklich nicht. Und die Ausweise, die jeder der Dämonen zückte, wurden trotz peinlichster Kontrolle als echt empfunden.

Aber die Prozedur  war noch nicht beendet. Genau genommen hatte sie erst begonnen.

„Ham sie Waffen – Daschenrechner – Druckerzeugnisse jeder Art..!“ stellte der Grenzer seine stereotypische Frage. Asmodis verneinte und die anderen Dämonen schüttelten dazu ihre Köpfe.

„Ooch geene Zeidung wie diese hier?“ fragte der Uniformierte und hob eine Ausgabe des „Neuen Deutschland“ empor.

„Wo kann man denn so was kaufen?“ schaltete sich Lucifuge Rofocale ein. Er hatte mit seiner Kraft sofort beim Hocheben der Zeitung den kompletten Inhalt erfasst. „Halleluja und Ehre sei Gott in der Höhe“, fluchte er in Gedanken. Seit Einstellung des „Völkischen Beobachters“ hatte er nach so einer Zeitung Ausschau gehalten.  Wenn es so was gab, konnte er das Abonnement der Bild-Zeitung getrost streichen.

„Es kann den Herrschaften unserer Belegschaft nichts schaden, diese Zeitung täglich zu lesen und Wort für Wort auswendig zu lernen!“ erklärte Satans Ministerpräsident  auf die Frage des Grenzpolizisten. „Denke an die Hölle, Kameraden!“ grinste Lucifuge Rofocale dann in die Runde.

„Erbarmen!“ heulte Astaroth. „Dann lieber, wie es jener Schriftsteller aus Lippstadt fordert, ein fehlerfreies Aufsagen seiner Romane...!“

Während dieses Gesprächs hatte sich der Grenzpolizist  davon überzeugt, dass tatsächlich nicht in jenes Staatengebilde zwischen Werra, Elbe und Oder eingeführt wurde, was man dort als „Verboten“ ansah.

„Dann begommt unser Schdaad noch pro Mann und Nase die Visa-Gebühr, die Straßennutzungsgebühr und den Umtausch von dreiundzwanzig Mark West gegen die gleiche Summe in der Währung der Deutschen Demokratischen Republik! Das wärn dann pro Berson aine Gesamtsumme von...!“ sächselte der Grenzer und zückte seinen Quittungsblock.

Asmodis schaute verlegen zu Boden und Lucifuge Rofocale sah ihn böse an. Es war klar, dass der Cheforganisator des Vergnügungsausschusses daran nicht gedacht hatte. Doch er wäre kein Teufel gewesen, wenn er nicht aus dem Stegreif die nötige Summe beschafft hätte.

Die Beschaffung der D-Mark für den geforderten Umtausch in die Mark der DDR kostete Asmodis schließlich nur einen kurzen, durch die Zähne gezischelten Spruch.  Als Teufel ist man schließlich Herr über die Güter dieser Welt. Und dazu gehört in erster Linie das liebe Geld.

Die sich gerade ergebende Situation auf höchster politischer Ebene gab dem Fürsten der Finsternis eine einmalige Chance, seine Probleme ganz unbürokratisch zu regeln. Unsichtbare Kräfte, von der Macht und dem Willen des Asmodis gelenkt, griffen durch Zeit und Raum.

Da wurde gerade einem namhaften Politiker eine Spende für seine Partei zugeschoben, die dieser diskret in die Jackentasche verschwinden ließ. Doch kam ließen die Finger das Papier los, griffen die Zauberkräfte des Asmodis zu. So war es keine Schwierigkeit, die Angelegenheit mit der innerdeutschen Grenzbehörde zu geben.

Und der Politiker konnte später ehrlichen Gewissens und mit Ehrenwort vor diversen Gremien behaupten, er wisse nichts von diesen Spenden für seine Partei. Zumal der Verbleib des Geldes nicht mal von den Reportern des Stern und des Spiegels nachgewiesen werden konnte.

„So werden die Schätze, die in der Tiefe der Erde schlummern und das schöne Geld vergeudet!“  mockierte sich Agares und der Habicht auf seiner Faust schüttelte das Gefieder.

„Jetzt ist die Kohle erst recht beim Teufel...!“ klagte Paimon.

„Ruhe, Kameraden!“ unterbrach ihn Asmodis unwirsch.

„Genossen heißt das hier!“ erklärte Vassago altklug.

„Von mir aus auch – Ruhe Genossen!“ rief der Fürst der Finsternis. „Wir wollen uns doch unsere gute Laune nicht verderben lassen. Gleich sind wir oben auf dem Brocken. Die Russen da oben an den Hörgeräten gucken gerade Westfernsehen. Die werden gar nicht mitbekommen, wenn wir auf dem Tanzplatz der Hexen Party machen.“

„Dein Wort in Gottes Ohr!“ stöhnte Orias und musste sich wegen dieser Bemerkung einen Rüffel von Lucifuge Rofocale gefallen lassen.

„Also dann... in Put Satanachias Ziegen-Lauscher!“ verbesserte sich Orias verschämt.

„Auf dem Brocken ist schon alles angerichtet!“ erklärte Asmodis und überhörte den dämlichen Spruch des Paimon: „Was unser Assi tatsächlich so anrichtet, können wir ja alle 14 Tage in einer gewissen Heft-Serie nachlesen.“

„Wir werden Essen, Trinken und mal richtig Feiern.“ verkündete der Fürst der Finsternis mit lauter Stimme. „Unsere Sponsoren waren verdammt großzügig. Alles gute, alte Bekannte von uns...!“

„Hoffentlich sind die Präsente von Typen wie J.R.Ewing oder Ayatolla Khomeni!“ seufzte Orias. „Mir schwant Entsetzliches, wenn ich mir vorstelle, den Assi da vielleicht mit dem Begriff 'Sponsoren' meint.

Stellt euch blos mal vor, dass Asmodis diverse Präsente seines Brüderchens mitbringt. Dann sehe ich echt schwarz für unsere Party. Merlin hat in solchen Sachen einen ganz besonderen Humor.“ 

„Los jetzt zur letzten Etappe unserer Wanderung!“ kommandierte Asmodis. „Die Formalitäten hier sind beendet. Wir können die Grenze zum sozialistischen Arbeiter- und Bauern-Paradies überqueren!“

„Waaas? Habe ich das richtig gehört? Paradies?“ brüllte Orias. „Asmodis, willst du Hirni uns etwa zu einer Verbrüderungs-Party mit der Konkurrenz von oben zusammen bringen?“

„Nein!“ mischte sich Lucifuge Rofocale ein. „Aber wir sollten und eigentlich hier in diesem Teil Deutschlands etwas umhören, anstatt und auf dem Bocken die Wänste vollzuschlagen und wie die Prälaten zu saufen. Hier könnten wir lernen, die Werke unseres großen Vaters in der Tiefe so zu tun, dass sie einmal von Erfolg gekrönt werden. Und dass dann unsere ständigen Niederlagen alle 14 Tage aufhören.“

„Würdest du uns den dunklen Sinn deiner Rede etwas erhellen, großmächtiger Gebieter!“ fragte Astaroth, der mit diesen Worten nicht viel anfangen konnte.

„Ganz einfach.“ grunzte Satans Ministerpräsident. „Die DDR lernt in allen Sachen von der Sowjet-Union. Habt ihr denn die Schilder nicht gesehen, auf denen steht 'Von der Sowjet-Union lernen – heißt Siegen lernen'?

Wir brauchen uns nur von den Leuten, die hier das Sagen haben, einiges abzugucken. Dann haben wir 'Siegen“ gelernt – und das wird dann den Schluss diverser Romane grundlegend ändern.“

„Faszinierend. Und noch dazu logisch!“ grunzte Agares und sein Hühnerhabicht putzte sich.

„Also sind wir jetzt jenseits von Eden!“  erklärte Astaroth, als sie die Lücke zwischen den beiden seltsamen Maschendrahtzäunen durchquert hatten.   Nur der Dämon Zappar musste extra eine Strafe zahlen, weil er so was wie „Zustände wie in der Ostzone“ gemurmelte hatte und von dem Grenzer wegen Verunglimpfung der DDR sofort eine fetten Geldbusse zahlen musste – natürlich in West-Mark.

Zappar bemerkte ein breites Grinsen auf dem Gesicht des Grenzpolizisten, als dieser das Geld diskret in die Tasche schob und aus der eigenen Geldbörse den Betrag und Ost-Mark  fischte. Auf der korrekt ausgestellten Quittung war nicht zu ersehen, in welcher Währung die Busse gezahlt wurde.

Das war ja richtig teuflisch. Zappar nahm sich vor, die Unterlagen dieses Herrn anzufordern, wenn er  wieder in der Hölle hinter seinem Schreibtisch aus flüssigem Granit saß. Und dann musste dieser Kerl schon Mönch werden, wenn er Zappar entkommen wollte. Solche cleveren Leute wurden in der Sektion dieses Dämonenfürsten gebraucht.

Bei solch kurzweiliger Unterhaltung kam man schnell voran und näherte sich dem Brocken.

„Zwei – drei – ein Lied!“ kommandierte Lucifuge Rofocale vergnügt, als die Dämonen langsam über die Gipfel der uralten Tannen zum Brocken hinauf stiegen. Und dann sah er schon in der Ferne den Platz, auf dem in alten Tagen die Hexen tanzten – und wo heute die Russen in ihrer Station  in Richtung Westen lauschten, was der Klassenfeind alles so plante. 

„Der Teufel hat den Schnaps gemacht – um uns zu verderben!“ johlte der Chor der vereinigten Dämonen. Unter solch kurzweiligen Dingen wurde der Weg durch den Arbeiter- und Mauernstaat gar nicht mehr so recht wahrgenommen.

Nur die mörderischen Grenzanlagen waren von der Höhe des Brockens sehr eindrucksvoll zu betrachten. Die Dämonen waren von ihnen so fasziniert wie Besucher einer Ritterburg von der Folterkammer.

„Wenn wir zurück sind, will ich die Akten der Leute, die das hier erfunden haben!“ schnarrte die Stimme des Kaisers Luzifer, der es sich nicht hatte nehmen lassen, wie jeder andere Chef in der Menschenwelt auch bei einem Betriebsausflug mal diskret das Betriebsklima zu erkunden.

„Ich werde mich persönlich darum kümmern!“ dienerte Lucifuge Rofocale. „Den Walter Ulbricht haben wir ja schon in der Sozialistischen Hölle, wo immer Brennholzknappheit herrscht, die Braunkohlezufuhr stagniert und auch die Zuteilung mit Streichhölzern auch nicht so recht funktionieren will. Die anderen Herrschaften werden wohl auch nicht mehr lange auf sich warten lassen...“

„Sie werden sofort dem Asmodis unterstellt!“ befahl der Höllenkaiser. „Assi soll ihnen den Auftrag geben, rund um ein bestimmtes Verlagsgebäude in Bergisch-Gladbach so eine ähnliche Anlage zu schaffen. So kann dann keiner von den Romanen mehr ausgeliefert werden, mit denen unsere Schwarze Familie ständig diffamiert wird.“

„Wenn ich bitten dürfte, jetzt Platz zu nehmen!“ überschrie Asmodis den aufkommenden Lärm, der durch die Unterhaltungen der Dämonen entstand und winkte zu einem mächtigen runden Tisch mit altertümlichen Stühlen drumherum.

„Den Tisch mit Bestuhlung habe ich mir von meinem Brüderchen ausgeborgt.“ erklärte Asmodis. „Die Plätze reichen für uns alle aus. Wenn ich bitten dürfte Platz zu nehmen, mein Kaiser!“ Der Fürst der Finsternis führte den obersten Höllengebieter zu einem besonders sorgsam geschnitzen Stuhl an der kreisrunden Tafel.

„Meinen Dank, Asmodis! Du wandelst in meiner Huld!“ Geschmeichelt nahm der Höllengebieter auf dem Stuhl Platz, den ihm der Fürst der Finsternis zurecht rückte und... ein schriller, hohler Schrei gellte über das Stimmgewirr... dann war Luzifer verschwunden.

Sofort machte sich allgemeine Verwirrung breit. Niemand konnte sich erklären, was da passiert war. Und wie so was überhaupt passieren konnte. Ausgerechnet der Big-Boss selbst.

„Es wird deinem Herrn und Gebieter nichts geschehen, schwarzer Bruder!“ vernahmen die Dämonen aus dem Nichts eine Stimme, der eine Spur von Heiterkeit nicht abzuleugnen war. „Unser alte Herr brauchte schon lange mal wieder eine Abreibung!“

„Merlin, du gottverdammter Bastard!“ fauchte Asmodis. „Was war das für ein fauler Zauber, den du da gemacht hast.“

„Kein fauler Zauber und auch keine unheilige Magie, Brüderchen. Kannst du lesen?“ war Merlins Stimme zu vernehmen. „Dann lies doch mal, was in alter gälischer Sprache auf diesem Stuhl geschrieben steht!“

„Dies ist der Stuhl, der nur dem heiligsten Ritter gebührt!“ entzifferte Asmodis mit mit einigen Schwierigkeiten die alten Runen  der Britannier. Und dann wurde ihm klar, wie sehr ihn der Magier von Avalon mal wieder reingelegt hatte.

Es war der Platz, auf dem nur Sir Gallahad, der reinste Ritter an König Artus Tafelrunde zu sitzen vermochte. Immer wieder erzählten Legenden von Unwürdigen, die es wagten, sich auf den „Sige Periolus“ zu setzen und von unbekannten Kräften in einen weit entfernten Ort versetzt wurden.

Auf diese Art war auch der Höllenkaiser Luzifer verschwunden. Ganz klar, der Stuhl des „Reinsten Ritters“, da hätte er es sich vielleicht damals bequem machen können, als er noch im Himmel der „Lichtträger“ war, so eine Art Laternenanzünder des „Lieben Gottes“. Aber jetzt hätte sich vermutlich nur der Stuhl Mordreds willkommen geheißen. Und so war Luzifer eben verschwunden und die Party musste ohne ihn statt finden.

„Sie das doch mal von der praktischen Seite, Brüderchen,“ erklärte Merlin gemütlich. „Ihr seid jetzt euren Boss als lästigen Aufpasser los und könnt euch jetzt so richtig gehen lassen und alles reden, ohne morgen wegen diverser Worte oder Taten nach ganz unten zitiert zu werden.

Das sollte eigentlich eure Party erst richtig in Schwung bringen. Los Assi. An der Tafelrunde ist seit dem siebzigsten Geburtstag von Prinz Eisenherz und Mordreds Verrat nicht mehr richtig gefeiert worden. Nun bindet mal den Bär los und lasst den Teufel nackt auf der Back tanzen!“

„Wir danken unserem lieben Freund und Sponsor Merlin für seinen wirklich gelungenem Beitrag zu unserem Fest mit einem dreifachen...Hopp..hipp...!“ gröhlte Astaroth, dem der glühende Lava-Punsch bereits zu Kopf gestiegen war.

„Hurra!“ brüllte der Chor der Dämonen. „Hoch soll er leben...Bier soll er geben... drei mal Bier!“

„Für uns spielt heute nicht die Beste aber doch die schönste Country-Band des Universums – der 'Pony-Express'.“ verschaffte sich Asmodis mit marktschreierischer Stimme wieder Gehör. Im nächsten Moment setze eine heulende Orgel ein, dazu eine scheppernde Gitarre und das sterotypische Wummern einer indianischen Kriegstrommel. Die Gesichter der Dämonen verzogen sich wie die von Opern-Freunden, denen man einen Abend in einer Trend-Disco zumutet.

„Wenn die mal in in die Hölle kommen, übernimmst du die aber, Assi!“ grunzte Astaroth. „Besonders der Gesang ist ja unerträglich. Nicht auszudenken, was passiert, wenn die ihre Instrumente mit zu uns runter bringen.“

„Nein, mein Herr!“ grinste Asmodis. „Die Akten sind schon an deiner Sektion weiter gereicht worden. Nach der allgemeinen Dämonen-Lehre bist du ja für den nordamerikanischen Kontinent zuständig. Also fallen sie mit ihrer Musik in deinen Bereich!“   

„Gelobt sei Jesus Christus!“ fluchte Astaroth. Er wusste nur zu gut, dass der Fürst der Finsternis im mit besonderer Vorliebe solche Kuckuckseier ins Nest legte. Also musste er sehen, dass er die Akten der drei Figuren, die hier Country- and Western-Musik verbrachen, so schnell wie möglich wieder los wurde.

Astaroth ahnte schon im Voraus, dass sich die Abgabe der Unterlagen dieser Herren Musiker schwieriger gestalten würde als das Verschleudern von Aktien einer Firma, deren Buchhaltung regelmäßig vom Finanzamt geprüft wurde. Ganz gewiss war keiner bereit, die drei Pseudo-Cowboys nach ihren Ableben in seiner Abteilung zu haben. Es war schon schlimm genug, sie hier zu ertragen. Nicht auszudenken, was in der Hölle abging, wenn sie da eine Ewigkeit Zeit hatten, ihre Instrumente zu quälen und ihre Sangeskünste zu pflegen.

„Mach einen Randvermerk 'Vorgang hier unbekannt' und schick die Akten einfach zur weiteren Bearbeitung nach oben!“ schlug Belial dem Astaroth vor. „Dann hat sie Petrus auf dem Hals, wenn  sie ankommen. Der sucht doch schon lange mal wieder Figuren, die er auf Gewitterwolken musizieren lassen kann.  Besonders mit dieser monotonen Trommel können sie sicher ganz ordentlichen Donner imitieren.“

„Und was ist, wenn die Kerle dann da oben einen neuen  Disco-Rhythmus erfinden!“ fragte Astaroth.

„Dann werden die kleinen Engelchen dort oben in ihren kurzen Hemdchen Ringelreihen tanzen!“ grinste Belial. „Besonders der Schlagzeuger dieser Band soll für so was eine besondere Vorliebe haben.“

„Genial!“ gröhlte Astaroth. „Weil da oben das Anfassen der kleinen Engelchen untersagt und der Versuch verboten ist, ihnen mal das Röckchen zu lüften, hat der Kerl dann trotz Himmel seine echte Hölle!“ 

„Hat jeder seine Lose für die Tombola!“ überschrie Asmodis in seiner Eigenschaft als Fest-Organisator das Stimmengewirr.

Aus dem Nicken oder dem gebrüllten oder gelallten Bejahungen der Dämonen erkannte der Fürst der Finsternis, das alle versorgt waren.

„Dann kommen wir jetzt zur Ziehung der Gewinne. Als Unparteiischer hat uns die Gegenseite den heiligen Sankt Nimmerlein geschickt, der die Ziehung vornehmen wird. Ich bitte um einen kräftigen Applaus...“

Klauen, Krallen, Tentakel, Hufe und was Dämonen sonst so haben wurden aneinander geschlagen.  Dann zog der Vertreter des Himmels in seiner züchtigen,  weißen Gewandung mit dem Heiligenschein um den Kopf  das erste Los.

„Den dritten Preis gewinnt Kollege..“ Asmodis nannte den Namen eines niederen Dämons, „der sich sein eigenes Ende in einem Gruselroman aus der Feder von,“ es wurde der Name eines bekannten Grusel-Autors genannt, „lesen kann. Viel Vergnügen und spannende Lesestunden.“

Mit säuerlicher Miene nahm der Dämon seinen Preis entgegen und begann lustlos in dem Heft herum zu blättern. Besonders auf Seite 62 verzog sich sein Gesicht säuerlich.

„Den zweiten Preis errang Kollege Amdusias!“ verkündete Asmodis, nachdem ihm der heilige Nimmerlein den gezogenen Zettel gereicht hatte. „Der Preis wurde freundlicherweise vom Möbius-Konzern gestiftet, der eine komplette Abteilung auflöste und uns die Ware, für die in der Welt der Sterblichen kein Bedarf mehr besteht, großzügigerweise für unseren Betriebsausflug stiftete. Herzlichen Glückwunsch.“

Doch während Sankt Nimmerlein wieder in der Lostrommel wühlte hatte Amdusias erkannt, von welcher Art sein gewonnener Preis war.

„Heiligenbilder!“ brüllte der Dämon entsetzt. „Das sind ja Heiligenbilder. Was, bei Put Satanachias Ziegengehörn soll ich mit Heiligenbildern?“

„Das hat sich der alte Möbius sicher auch gefragt!“ grinste Asmodis verschmitzt. „Deswegen hat er uns ja die Ladenhüter überlassen. Seit dem letzten Konzil ist mit der Heiligenverehrung nicht mehr viel los. Die Heiligen kommen also aus der Mode.

Da sie aus Gründen der Zensur durch die Bundesprüftstelle für jugendgefährdende Schriften nicht in Heftromanen auftauchen und die Dämonenjäger nicht unterstützten dürfen, geraten die Heiligen eben langsam in Vergessenheit. Dennoch, Kollege Amdusias, viel Vergnügen mit deinem Preis.“

„Der erste Preis fällt auf...“ dehnte Asmodis um es richtig spannend zu machen. „...auf Kollegen Balaam. Dieser Preis wurde gestiftet von Herrn Michael Ullich, der nun auch die Theorie seines Freundes Carsten Möbius vertritt, dass Laufen gesundheitsschädlich ist.

Hier, Balaam, für dich ein paar nagelneue Laufschuhe mit den drei Streifen. Wir wünschen unserem lieben Kollegen frohe Laufstunden im Wald und auf der Heide und...“

„Ihr könnt mich mal kreuzweise … mit diesem Preis!“ heulte der Dämon und der Kinnbart seines Ziegenschädels zitterte vor Erregung. „Wollt ihr mir mal erklären, wie ich die Dinger hier dran bekommen soll?“ Sprachs und streckte einen seiner Füße über den Tisch. 

Die anderen Dämonen, schon stark von Zyankali-Apperetiv angeheitert, gröhlten vor Vergnügen. An die Hufe dieser Bocksfüße konnte Balaam nun wirklich  keine Schuhe anziehen.

„Wenn ich das bloß geahnt hätte, dass bei den Präsenten unserer Sponsoren überall ein Pferdefuß dabei ist.“ hörte sich Asmodis selbst stöhnen. „Mit schwant Grausiges. Aber wie auch immer. Schicksal, nimm deinen Lauf!“

„Kollegen!“ ermannte sich der Fürst der Finsternis, wieder laut zu rufen. „Wir kommen nun zum Höhepunkt unserer Festivität. Dem Festessen, das uns besonders gute Freunde gestiftet haben. Den Kaffee dazu hat uns Carsten Möbius geschickt!“

„Sieht ihm Ähnlich!“ fauchte Agares, nachdem er einen Schluck probiert hatte. „Trotzdem sein Alter Herr mehr Geld hat als der Bauer Mäuse in der Scheune hat der Junge wieder gespart. Wer soll denn diese dünne Brühe saufen?“

„Als Nächstes, gestiftet vom Bastei-Verlag, eine Sachertorte, die A.F.Morland im gleichnamigen Hotel in Wien persönlich geordert hat.“ rief Asmodis. „Wohl bekomm's!“

„Dieses Rindvieh...will sagen in seiner Sprache...dieser damische Depp!“ heulte Astaroth wie ein Kessel verdammter Seelen. „Die Tore ist zwar schön verziert. Aber die Verzierungen sind – Kreuze! Da kriege ich kein Stück von runter!“ Auch die anderen Dämonen wiesen angeekelt die angebotenen Tortenstücke zurück.   

„Dann versucht doch mal die Makronenplätzchen auf Oblaten!“ empfahl Asmodis. „Die hat unser besondere Freund John Sinclair von seien Klosterbrüdern speziell für unser Fest backen lassen.“

„Und diese Gehirnathleten haben statt der normalen Oblaten geweihte Hostien genommen!“ kreischte Vapula, als er eins der Plätzchen probiert hatte. „Und schon rührt sich bei mir was im Gedärm. Lasst mich mal durch, Kollegen. Ich muss raus, ich muss sch.... zu spät!“ kam es gequetscht durch die Zähne des Dämons.

Und dass Vulgärwort für „Stoffwechselendprodukt“ machte die Runde als das, was Vapula damit ausdrücken wollte, auch zu erschnüffeln war.

„Der Tee wurde uns direkt aus England geschickt. Von unserem alten Spezi Tony Ballard!“ Verzweifelt versuchte Asmodis, seiner Stimme einen festen Klang zu geben. „Dem Trend der Zeit folgend wurde der Tee mit Spezialitäten angereichert. Beispielsweise mit Orange, Wild Cherry, Vanille oder...“

„Oder Knoblauch!“ grölte der Dämon Orobas, der einen Schluck genommen hatte. „Das Schwein hat uns reingelegt!“

„Aber, aber, Kollegen!“ versuchte Asmodis, wieder Ruhe in die Veranstaltung zu bekommen. „Wir wollen doch solche kleinen Scherze nicht so tragisch nehmen. Und außerdem ist Knoblauch nur für Vampire ungenießbar. Bei dir als Dämon wirkt er doch höchstens....“

„Mir scheißegal, wie der Knoblauch auf den Organismus eines Dämonen wirkt!“ fauchte Orobas. „Aber ich habe nachher noch ein Rendezvous mit einer schnuckeligen, kleinen Hexe, die ich vernaschen will. Was ist, wenn ich so wie eine Marktfrau unterm Arm aus dem Hals rieche...?“

„Es scheint, dass du von deinen sogenannten Freunden mächtig reingelegt worden bist, lieber Assi!“ versuchte Lucifuge Rofocale die Situation zu  retten. „Am Besten, wie beenden hier und jetzt den Betriebsausflug und sehen zu, dass wir wieder in die Hölle kommen, wo wir sicher sind. Immerhin hast du als Vorsitzender vom Vergnügungsausschuss dein Möglichstes getan, die Feier so stimmungsvoll wie möglich zu gestalten.“

„Ich habe noch eine Delikatesse, gestiftet von meinem besonderen Freund Professor Zamorra!“ erklärte Asmodis weinerlich. „Ein exzellenter Rotwein, wie ihn nur Franzosen zu schätzen wissen. Ein 84ziger Lippstädter Wasserwerk.

Wohl bekomm's. Lasst uns alle anstoßen und gemeinsam trinken, dass wir noch viele spannende Abenteuer mit Professor Zamorra erleben mögen. Also – auf die nächsten zehn Jahre Professor Zamorra – und die nächsten hundert Jahre dazu. Prost Kollegen!“

Die Dämonen, die ihre gefüllten Gläser erhoben hatten, stürzten den blutroten Trunk herunter. Und dann erbleichten sie in der Art, wie eben Dämonen erbleichen können.

„Von wegen dein Freund Zamorra!“ heulte Satans Ministerpräsident. „Der hat den Wein mit Wasser verlängert. Aber sein Freund Pater Aurelian, dieser durchtriebene Wolken-Sheriff, hat vorher über das Wasser den Segen gesprochen und so Weihwasser draus gemacht.

Weißt du, wie das Zeug auf die Gedärme schlägt? Bei den wenigen Toiletten in der Hölle werden die Dämonen, die warten müssen, zwangsläufig den Break-Dance erfinden.“     

„Aber Chef! Da ist noch was, was alle wissen sollten!“ rief Asmodis während Lucifuge alle Anstalten machte, den Platz fluchtartig zu verlassen. Ich kann verkünden dass wir für unseren nächsten Betriebsausflug schon einen neuen Sponsor gefunden haben. Und der ist ganz unverdächtig...! Der wird uns garantiert nicht reinlegen!“

„Na, dann lass mal hören, Asmodis!“ schnaubte Satans Ministerpräsident ungeduldig.

„Dieser freundliche Herr trägt sogar alle Kosten und wir sollen uns da am Zielpunkt unsere Ausfluges, so richtig wohl fühlen. Vor allem durch den absoluten Charme der Landessprache...!“

„Du sprichst in Rätseln, Assi!“ schnaubte Lucifuge Rofocale.

„Der Sponsor ist W.K.Giesa und er stiftet einen Betriebsausflug ins schöne Österreich. Genauer gesagt, direkt nach Wien.“

„Nach Österreich!“ stöhnte Lucifuge Rofocale. „Ich habe doch geahnt, der der Kerl Kontakt zur Konkurrenz im Himmel hat. Schon mal was von dem Lied gehört: 'Heut kommen die Engel auf Urlaub nach Wien'.  Auch wenn wir Dämonen nur gefallene Engel sind.  

Ich stelle mir das schon so richtig vor. Fiaker fahren und dabei der erklärenden Stimme des Kutschers lauschen. Und dann zum Heurigen nach Grinzig... und die ganze Zeit diesen Wiener Schmäh im Ohr.

Ausgerechnet nach Österreich.. wo man diesen  absonderlichen Dialekt redet. Das wird die Hölle....!“
 
Übrigens – wie allgemein bekannt ist und oft genug in der Teestunde erzählt wurde, hat nur Werner immer gelitten, wenn ihm Wiener Schmäh und sonstige österreichische Hochsprache um die Ohren säuselte. Ich ertrage das ganz gut.

Dafür versuche ich möglichst, Leute zu meiden, die wie weilend Herr Häberle und Herr Pfleiterer aus dem Musterländle sprechen. Deshalb bat ich früher auf Fan-Treffs immer Nicky Pressburger aus Stuttgart, doch bitte mit deutschen Untertiteln zu sprechen.


Und nächste Woche dann mehr von meinem aktuellen Ausflug...

Kommentare  

#1 Harantor 2011-02-27 12:22
Rolf musste nach seiner Rückkehr gestern feststellen, dass irgendwie nur ein Teil der Geschichte mitgeschickt wurde. Jetzt aber ist sie komplett...

Und dann freuen wir uns auf seinen Reisebericht

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