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Hebt die Titanic - Wettlauf im Kalten Krieg

Hebt die Titanic

Wettlauf im Kalten Krieg

 

Clive Cusslers Roman „Hebt die Titanic!“ erschien erstmals 1976 und stellte damals noch Zukunftsmusik dar, denn das Wrack des 1912 gesunkenen Ozeanriesen Titanic war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gefunden. Jerry Jamesons vier Jahre später entstandene Adaption des Buches war eine sündhaft teure Prestigeproduktion, die zu einem Megaflop wurde. Nun ist der Film erstmals auf BluRay erschienen und parallel dazu in einer DVD-Neuauflage.

Clive Cussler (1931-2020) war zeitlebens einer der erfolgreichsten Abenteuer- und Spannungsautoren der Welt. Seine Romane, die sich sehr häufig mit dem Bergen von Schiffwracks beschäftigen, standen immer wieder in den Bestsellerlisten. Umso erstaunlicher mutet es dabei an, dass kaum eines seiner Bücher verfilmt wurde. Als 1976 mit „Hebt die Titanic!“ Cusslers dritter veröffentlichter Buchtitel erschien, wurde dieser zum ersten weltweiten Erfolg des Schriftstellers. Das 1912 bei seiner Jungfernfahrt nach der Kollision mit einem Eisberg gesunkene Passagierschiff Titanic hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits ins kollektive Gedächtnis der Menschheit eingebrannt und war schon mehrfach Thema von Romanen und Filmen (z.B. „Die letzte Nacht der Titanic“) geworden. Nach dem Erfolg von Cusslers Roman sah deswegen der britische Produzent Lord Lew Grade die Zeit gekommen, „Hebt die Titanic!“ mit großem Aufwand für die Leinwand zu adaptieren. Als Regisseur engagierte er Jerry Jameson (Jahrgang 1934), der zuvor mit „Airport ´77 – Verschollen im Bermuda-Dreieck“ gezeigt hatte, dass er mit Stars, Wasser und Katastrophen einen Filmhit kreieren konnte. Bei „Hebt die Titanic“ ging die Formel aber trotzdem nicht auf. Von den sensationellen 35 Millionen Dollar Budget konnte der Film am Ende nur einen Bruchteil wieder einspielen und machte schätzungsweise an die 30 Millionen Dollar Verlust. Damit gilt er – ungerechtfertigterweise – als einer der größten Flops der Filmgeschichte. Daran könnte es auch gelegen haben, dass danach mit „Sahara – Abenteuer in der Wüste“ nur ein weiterer Cussler-Roman verfilmt wurde, dieses Mal mit Matthew McConaughey in der Rolle seines bekanntesten Helden Dirk Pitt.

Der Kalte Krieg befindet sich Ende der 1970er Jahre auf dem Höhepunkt. US-Wissenschaftler versuchen mit Nachdruck, in den Besitz des seltenen Erzes Byzanium zu gelangen, mit dem sie den Reaktor für einen Schutzschild antreiben wollen, der die Welt vor Atomangriffen aus Russland schützen soll. Bei Nachforschungen in der Arktis entdeckt der Forscher Dirk Pitt (Richard Jordan), dass bereits vor rund 70 Jahren große Mengen des Erzes abgebaut wurden und mit großer Sicherheit an Bord der Titanic gelangten, wo sie dann bei deren Jungfernfahrt im Atlantik versanken. Admiral James Sandecker (Jason Robards jr.) und der Wissenschaftler Dr. Gene Seagram (David Selby) werden daraufhin gemeinsam mit Pitt mit dem Projekt betraut, das Wrack der Titanic ausfindig zu machen und danach das Byzanium zu bergen, das sich in einem ihrer Frachträume befinden soll. Da die Russen das Gebiet, in dem das Erz in den 1910er Jahren abgebaut wurde, für sich beanspruchen, ist ihnen ebenfalls daran gelegen, in dessen Besitz zu kommen. Es entspinnt sich eine Jagd nach der Titanic, die vom Team schließlich tatsächlich gefunden wird. Aber für eine Erforschung liegt das Wrack zu tief, weswegen man den Plan schmiedet, das gigantische Schiff mit Hilfe von Luftkissen und Explosionen wieder an die Wasseroberfläche zu bringen.

Noch bevor das Wrack der Titanic 1985 tatsächlich entdeckt wurde, haben die Filmemacher diese Suchaktion und die Bergung des Schiffes zum Inhalt eines cleveren Abenteuerfilms gemacht. Die kommunistische Bedrohung und das Kalte-Kriegs-Setting erinnern an James-Bond-Filme der Ära, können in Kombination mit dem Titanic-Mythos ihre Wirkung aber gut entfalten. Das Problem des Films dürfte in erster Linie an der Trockenheit der Abläufe liegen, die so manchen Zuschauer mit der Zeit langweilen dürften. Die Tricksequenzen sind im Großen und Ganzen sehr überzeugend geraten, insbesondere die schlussendliche Bergung des Schiffes ist spektakulär und sehenswert. Freunde großangelegter Schaufilme dürfte deswegen auch „Hebt die Titanic“ einigermaßen unterhalten. Die BluRay-Erstveröffentlichung in der Reihe „Pidax Film-Klassiker“ bietet ein sehr gutes Bild (im Widescreen-Format 2,35:1) und einen der Entstehungszeit angemessenen, stets gut verständlichen Ton (Deutsch und Englisch im DTS HD Master Audio 2.0 Stereo). Erstmals hat man dem Film nun hierzulande auch Bonusmaterial spendiert: ein „Making Of“ (23 Minuten) im englischen Original ohne Untertitel, das sich mit den Modellaufnahmen und Unterwasserszenen beschäftigt, den englischen Originaltrailer sowie eine größere animierte Bildergalerie mit Aushangfotos und internationalem Werbematerial zum Film.

Kommentare  

#1 Andy 2025-08-20 10:16
Kenne ich - irgendwann mal auf Video gesehen. Der Film wirkt zum Teil ja echt wie ein Agentenfilm, und obwohl den ja viele Filmfans schlecht reden, hat er mir in gewisser Hinsicht gefallen. Ein Grund, der natürlich ja nicht ausschlaggebend sein kann, ist die tragische Musik vom früheren Bond-Hauskomponisten John Barry - bei der ich fast geheult hätte. So ziemlich am Schluß, wenn die Titantic gehoben wird, kommt das ja nochmal.

Das der Film teilweise so behäbig scheint, muss man wohl eben dem Entstehungsjahr/jahrzehnt anrechnen.

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