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Spielt das eine Rolle? - # 006: Wie sucht man Mitspieler?

Spielt das eine Rolle? # 006: Wie sucht man Mitspieler?

Die Rollenspielkolumne

Gemeinsam spielen ist eine schöne Freizeitbeschäftigung. Das klingt erstmal nach Klemmbausteinen und Puppen. Gemeint sind aber Spielrunden für reifere Teilnehmer, die gemeinsam Fantasy, oder Science Fiction Abenteuer in Rollenspielrunden erleben wollen. Doch wie kommt man an die richtige Gruppe?

 

Schwerpunkte setzen

Ganz wichtig ist es, Schwerpunkte zu setzen, egal wo und wie man nach Mitspielern sucht. Denn Rollenspiel ist nicht gleich Rollenspiel. Während ein Spieler seinen Charakter bis in die kleinste Nuance darstellen möchte, hat der nächste vielleicht die Vorstellung, soviel Beute (Neudeutsch: Loot) einzuheimsen, um sich gleich eine ganze Stadt kaufen zu können. Dem nächsten Mitspieler ist das Drumherum völlig egal, solange er einfach nur Monster kloppen kann und die einzige Mitspielerin am Tisch wünscht sich vielleicht etwas Erkundung und soziale Interaktion.

Das sind nur ein paar kleine hypothetische Beispiele, wie unterschiedlich Menschen auch beim Spielen sind. Rollenspiele fördern alle diese und weitere Arten des Spiels, doch ist es wichtig, dass die Gruppe zusammenpasst. Von daher ist der erste Schritt bei der Gruppensuche, festzuhalten, welche Art des Rollenspiels man bevorzugt.

  

Auf Spielersuche

Wer sich seine Spielrunde im Freundeskreis zusammenstellen kann, wird vermutlich weniger Schwierigkeiten haben, Dinge anzusprechen, die sich im Laufe des Spiels als problematisch erweisen. Bei Gruppen, die sich erst noch finden müssen, ist das etwas anders.

Manche Rollenspielsysteme schlagen deshalb auch eine sogenannte „Sitzung 0“ vor, in der man wichtige Eckpunkte, Vorstellungen und auch Bedingungen miteinander abstimmt. Eine Idee, die immer mehr Schule macht, um alle Teilnehmer der jeweiligen Spielrunde abzuholen. Doch um da hinzukommen, braucht es natürlich erstmal vier bis sechs Spieler und einen Spielleiter.

An dieser Stelle sei kurz erwähnt, dass weibliche Spielerinnen und Spieleiterinnen ganz genauso angesprochen sind, wie männliche, oder auch diverse Menschen – die Texte sind aber leichter zu lesen, wenn auf das generische Maskulinum zurückgegriffen wird.

Ist also keine Gruppe im Freundeskreis in Sicht, dann hilft das Internet. Es gibt diverse Foren, oder auch themenbezogene Gruppen auf Facebook, um nach Mitspielern zu suchen. Doch auch hier ist Vorsicht geboten. So manches Gesuch vermittelte in der Vergangenheit schon sehr eigenartige Voraussetzungen:

 

„Wir sind eine lustige Truppe, die gerne humorvoll zusammensitzt und verrückte Dinge macht.“

Humor ist gut, ohne Frage. Und vor allem soll das Spiel auch Spaß machen. Aber ein solches Gesuch kann schnell dazu führen, dass die Runde nicht wirklich ernst genommen wird. Ein bisschen abhängen, easy-peasy … und wenn der Termin nicht passt, dann eben nicht. Oder aber das Spiel kommt nicht in die Gänge, weil sich die Spieler gegenseitig mit ihren verrückten Ideen übertreffen wollen, um den nächsten Schenkelklopfer zu fabrizieren. Gab es vor vielen Jahren auch in einer meiner Gruppen schon mal. Als zwei Mitspieler der Meinung waren, ein U-Boot aus einem Bierfass bauen zu wollen, hörte der Spaß allmählich auf. Klingt lustig, ist es im Spiel aber irgendwann nicht mehr, wenn nur noch solche Sachen kommen.

 

„Mitgebracht werden sollten Regelkenntnisse und der Wille, eine Kampagne durchzuziehen.“

Hier gibt es wohl schon eine Gruppe, die Erfahrungen mit Spielern gemacht hat, die nicht mit der „nötigen“ Leidenschaft dabei waren. Oder aber es handelt sich um fortgeschrittene Spieler, die ihren klaren Ablauf haben und eine Lücke ausfüllen wollen.

Ähnlich ist eine Formulierung, wie ich sie erst kürzlich gelesen habe und die in etwa so ging:

„Wir sind erfahrene Spieler und erwarten, dass sich der Spielleiter mit den Regeln auskennt und offen dafür ist, konkrete Abenteuer auf unkonventionelle Weise anzugehen. Wir bieten dafür ein freundschaftliches Team, in dem zielgerichtet auf die Erfüllung von Questen hingearbeitet wird.“

Ehrlich, mit sowas braucht ihr erst gar nicht anfangen, wenn ihr nicht gerade einen Abteilungsleiter sucht, der euch eine Abmahnung verpasst, falls ihr nicht richtig mitmacht. Vergesst nicht, dass Rollenspiel Spaß machen soll, aber auch eine Geschichte zu erzählen hat. Humor und Ernsthaftigkeit sollten sich die Waage halten.

Bei eurer Suche nach geeigneten Mitspielern stellt ihr also am besten eher eure Ausrichtung der Art des Rollenspiels in den Vordergrund, die ihr bevorzugt. Ob ihr nachher menschlich zusammenpasst, das entscheidet ohnehin die Chemie und die Ausstrahlung.

 

Powerplay vs. Charakterspiel

Die beste Beschreibung nutzt wenig, wenn sich dann doch die falschen Leute bewerben. Für meine Spielgruppe hatte ich vor ein paar Jahren Spieler unter der Prämisse gesucht, dass die Gruppe vornehmlich auf Erkundung und das Ausspielen der Charakterrollen ausgerichtet ist. „Powerplay“, also das Ausnutzen jeder Regeloption, um seinen Charakter optimal aufzuwerten, ist etwas, das nicht in meine Spielgruppe passt. Unabhängig davon, dass natürlich jeder Rollenspieler ganz natürlich versucht, seinen Charakter so gut wie möglich zu entwickeln, soll der Charakter an sich dabei nicht auf der Strecke bleiben. Er lernt dann eben nicht den „Hinterhältigen Henkersbeilangriff aus der Hölle“, bloß weil ihm das einen heftigen Angriffsbonus gewährt. Stattdessen ist vielleicht eher der „Glückliche Schutzengel“ für den Charakter passender, weil der Spieler seine Figur so angelegt hat, dass er den Dingen stets etwas Positives abgewinnen kann statt mordlüstern zu töten, „weil er es kann“.

Trotzdem schützt auch die beste Formulierung nicht davor, dass doch auch Spieler dabei sind, die nicht in die Gruppe passen. Bei mir waren es seinerzeit zwei Spieler, deren Ausrichtung nicht zur Gruppe passten. Über so etwas muss man reden. Und zwar, bevor es zu spät ist.

In meinem eigenen Beispiel haben es die beiden Spieler sehr unterschiedlich aufgefasst. Beiden habe ich mitgeteilt, dass ihr Spielstil nicht zur Gruppe passt. Das heißt ja nicht, dass sie schlechte Spieler sind. Das wäre falsch gewesen. In anderen Gruppen mögen sie hervorragende Spieler sein. Nur eben nicht in meiner.

Macht euch darauf gefasst, seltsame Reaktionen auf Absagen zu erhalten. Der eine Spieler hat das Thema souverän aufgenommen. Der andere war aber nicht wiederzuerkennen. Mein lieber Scholli, was für ein unangenehmer Mensch sich da hinter der Fassade verborgen hat. Zum Glück haben wir uns rechtzeitig voneinander getrennt. Respektvoller Umgang mit Kritik will auch gelernt sein.

 

Real oder online?

In manchen Gegenden ist es gar nicht so leicht, ausreichend Spieler zu finden. Auch wenn reale Treffen am Spieltisch schöner sind, ist das Onlinespiel inzwischen eine brauchbare Alternative geworden. Beliebte Möglichkeiten um online Tischrollenspiele zu spielen sind Roll20, Foundry VTT und Discord. Letzteres empfiehlt sich grundsätzlich für die Sprachverbindung. Roll20 gewährt einen kostenlosen Basiszugang, mit dem man Spiele erstellen und leiten kann, für weitere Optionen muss hierbei allerdings ein kostenpflichtiges Abonnement abgeschlossen werden. Foundry VTT hingegen muss einmalig bezahlt werden, bietet dafür aber alle Werkzeuge an. Hier gibt es mittlerweile auch viele deutschsprachige AddOns (teilweise einmalig kostenpflichtig), mit denen man verschiedene Regelsysteme online spielen kann. Eine nähere Besprechung dieser Möglichkeiten würde den Rahmen dieses Artikels jedoch sprengen.

 

Wie geht das denn nun am besten?

Wie bereits geschildert, solltet Ihr bei der Spielersuche vor allem auf die Art hinweisen, wie ihr Rollenspiel erleben möchtet. Ernsthaftigkeit und Spaß ergeben sich beim Spiel und sollten nur dann besondere Erwähnung finden, wenn ihr wirklich stark in die eine, oder in die andere Richtung tendiert.

Scheut euch aber auch nicht davor, euch von Menschen zu trennen, die nicht zu euch passen. Behandelt andere Spieler dabei immer möglichst respektvoll, selbst wenn sie es nicht können. Es ist die Sache nicht wert, hier in einen übermäßigen Streit zu geraten. Spielt lieber in einer kleinen Gruppe, als in einer größeren, die euch keinen Spaß macht.

 

Habt ihr Themenwünsche? Dann schreibt es gerne in die Kommentare.

 

Links zu den Artikeln dieser Kolumne:

 

Zauberspiegel-Online - Spielt das eine Rolle? - # 001: Kino im Kopf

Zauberspiegel-Online - Spielt das eine Rolle? - # 002: Aller Anfang ist gar nicht schwer

Zauberspiegel-Online - Spielt das eine Rolle? # 003: Rollenspiel leicht gemacht

Zauberspiegel-Online - Spielt das eine Rolle? # 004: Wie sicher muss der Spielleiter sein?

Zauberspiegel-Online - Spielt das eine Rolle? # 005: Welche Würfel werden gebraucht?

 

Kommentare  

#1 Larandil 2025-08-21 08:13
Die Läden, in denen Rollenspiele und Würfel verkauft werden, haben oft auch noch ein schwarzes Brett, auf dem Gruppen nach Spielern suchen oder umgekehrt.
#2 Peter Krüger 2025-08-21 09:38
zitiere Larandil:
Die Läden, in denen Rollenspiele und Würfel verkauft werden, haben oft auch noch ein schwarzes Brett, auf dem Gruppen nach Spielern suchen oder umgekehrt.


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