Spielt das eine Rolle? # 005: Welche Würfel werden gebraucht?
Spielt das eine Rolle? # 005: Welche Würfel werden gebraucht?
Die Rollenspielkolumne
Heutzutage ist es nicht mehr ganz so ungewöhnlich einen Würfel in der Hand zu halten, der mehr, oder auch weniger Flächen hat, als der herkömmliche, sechsseitige Würfel (üblicherweise auch „W6“ abgekürzt, oder in englischen Publikationen auch „D6“. Der Buchstape steht hierbei für „W“ürfel, oder „D“ice, die Zahl für die Anzahl der Flächen).
Im Rollenspielbereich fing alles mit dem Urvater der Rollenspiele an: Dungeons & Dragons. Die dort benutzten Würfel haben aber eine Vorgeschichte. Und zwar das sogenannte Tabletop-Spiel. Hierbei handelt es sich um Konfliktsimulationen, in denen sich häufig zwei gegnerische Gruppen (Kompanien, Armeen, etc.) auf einem recht großen Spielfeld gegenübertreten und anhand eines entsprechenden Regelwerks Kämpfe ausgetragen werden.
Der Vorläufer von Dungeons & Dragons hieß „Chainmail“, ein 1972 entwickelter Fantasyhintergrund für Tabletop Spiele. Schon hier wurden einige der später typischen Rollenspielwürfel genutzt. 1974 entstand aus „Chainmail“ dann „Dungeons & Dragons“ und damit auch der Einzug von Rollenspielen und seltsamen Würfeln in die Wohnzimmer der Spielergemeinschaften.
Typisch für D&D sind die Würfelformen W4, W6, W8, W10, W12, W20. Ein Rollenspiel-Würfelset besteht üblicherweise aus 7 Würfeln, wobei der W10 zweimal vorhanden ist, um auch Prozentwürfe ermöglichen zu können.
Doch es gibt natürlich noch viel mehr Würfelvarianten, sogar mit ungeraden Flächen. Etwas unüblicher, aber durchaus möglich sind folgende Würfelvarianten: W3, W5, W7, W14, W24, W26, W30, W32, W48 und sogar ein reiner W100, der aber wirklich schwer zu lesen ist, weil manchmal nicht ganz so klar ist, welche Seite nun ganz oben ist.
Es gibt zudem noch ein paar ganz ausgefallene Würfel, die für bestimmte Spiele benötigt werden, die aber nicht zwingend Rollenspiele sein müssen.
Natürlich ist das ganz vom System abhängig. Wie schon erwähnt, hat D&D hier eine Vorreiterrolle in der Zusammenstellung eines Rollenspielwürfelsets. Doch längst nicht alle Systeme nutzen alle diese Würfel. „Das Schwarze Auge“ (DAS) beispielsweise kommt mit W6 und W20 aus, während „Shadowrun“ nur mit W6 gespielt wird. Es gibt Systeme, die beispielsweise nur W10 benutzen, oder welche die gar keine Würfel benötigen.
Letztlich kann festgehalten werden, dass die Art der verwendeten Würfel kein Indiz für die Qualität des Rollenspielsystems an sich ist. Entscheidend ist, dass die Nutzung der Würfel sinnvoll eingebettet wurde.
Ein Fehler, der dem Verfasser dieses Artikels vor vielen Jahren selbst unterlief, war eben jenes „Naserümpfen“ über ein System, dass nicht alle üblichen Rollenspielwürfel nutzt. Frei nach dem Motto, „dann kann es ja auch nicht so gut sein“, vergingen ein paar Gelegenheiten ungenutzt, spannende Rollenspiele zu erleben.
Diese Erfahrung konnte glücklicherweise später nachgeholt werden, was zu der Erkenntnis führte, dass nicht der Würfel das Rollenspiel macht, sondern das Rollenspiel den Würfel!
Ein gutes Rollenspielsystem muss nicht komplex und schon gar nicht kompliziert sein. Viele Würfel zu haben ist zwar schön, aber das Erlebnis wird viel eher von der jeweiligen Erzählung und der Gruppendynamik geprägt. Würfel und Regeln stellen hierbei nur ein Hilfsmittel dar. Nicht umsonst haben einige Systeme schon mehrere Regeleditionen auf dem Buckel. Sowohl D&D, als auch DAS befinden sich aktuell in ihrer jeweils 5. Edition. Shadowrun ist in der 6. Edition auf dem Markt und auch Midgard, eines der ältesten Deutschen Rollenspielsysteme, wird gerade für eine neue, ebenfalls 6. Edition vorbereitet.
Das heißt nicht, dass diese Systeme vorher schlecht waren, sondern lediglich, dass es im Laufe der Jahre immer wieder Verbesserungen im System gab, die meist für einem schnelleren, einfacheren Einstieg sorgten.
Rollenspiele, deren Mechanik sich meist auf nur ein, zwei Würfelarten stützen (z.B. Barbarians of Lemuria, EZD6, Rolemaster) sind eher stabil und erfahren weniger Änderungen durch neuere Editionen.
Der Tipp an dieser Stelle lautet, sich nicht zu sehr auf die Würfel des Systems zu konzentrieren. Einfache, wie auch komplexe Systeme können viel Spaß machen, oder auch nicht. Das liegt auch der Erfahrung heraus aber weniger daran, welche Würfel genutzt werden, sondern ob das System in sich schlüssig und vor allem auch flüssig spielbar ist.
Eine Übersicht in die Entwicklung des Rollenspiels wird in der nächsten Ausgabe dieser Kolumne anhand des Beispiels von Dungeons & Dragons vorgenommen.
Habt ihr Themenwünsche? Dann schreibt es gerne in die Kommentare.