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Der Einsame von Terra - Perry-Rhodan-Planetenroman Band 23

1Hans Kneifel: Der Einsame von Terra
Perry-Rhodan-Planetenroman Band 23

Im Folgenden will ich hier über die Planetenromane aus der Rhodan-Serie  berichten, die ich nach meiner eigenen Präferenz aus den ersten hundert oder zweihundert Bänden wähle.

Auch einige spätere Bücher können eventuell behandelt werden.

Der Einsame von TerraHandlung:
Seymour Alcolaya ist seit vier Jahren Leiter des Raumhafens K'tin Ngeci auf Shand'ong und unter dem Decknamen »Panther« passiver Agent der Galaktischen Abwehr. Alcolayas wichtigster Trumpf ist Amoo, ein Tecko – mit Hilfe eines Verstärkermoduls kann das telepathisch begabte Wesen Alcolaya Einsichten in die Gedanken und Motive anderer Menschen geben. Shand'ong ist ein abgelegener Planet, dessen Eingeborene von frühen arkonidischen Siedlern abstammen. Die Hauptexportartikel sind tiefgefrorener Fisch, Volkskunst und Ssagis, ein alkoholisches Getränk.

Alle Shand'ong sind in Klans organisiert, die jedoch eher Berufsgilden entsprechen – beispielsweise der Wächterklan, der für Ordnung sorgt, oder der Henkerklan. Um sich ungefährdet auf Shand'ong bewegen zu können, muss ein Fremder unter dem Schutz eines Klans stehen oder unter dem Schutz von Nkalay, der Mutter der Klans. Es gibt eine Reihe von Tabus, die peinlich genau zu beachten sind – die Strafe für eine Übertretung ist fast immer der Tod.

Alcolayas Mitarbeiter – der Epsaler Daln Roka, der Springer Carayns und der Ara Korco-Aghan – sind alle auf die eine oder andere Weise gestrandet. Letzter Neuzugang ist die junge Terranerin Elisabeth, auf die Alcolaya großen Eindruck macht.

Eines Tages bringt ein Frachter die Wissenschaftler Malcolm Veronoff und Lesser Catrailhac, die im Auftrag der Universität von Lhasa Fauna und Flora von Shand'ong katalogisieren wollen. Seymour Alcolaya begibt sich zur Mutter der Klane, um ihren Schutz für die Wissenschaftler zu erbitten, und hört von einem Gerücht über eine beabsichtigte Abholzung der Ssagiskoniferen durch die Terraner, das unter den Shand'ong für Unruhe sorgt. Beim Abhören der Nachrichten und Fahndungsmeldungen der Abwehr erfährt Seymour, dass Elisabeth höchstwahrscheinlich identisch ist mit der untergetauchten Pharmaforscherin Dr. Corinna Marandera von Marandpharm. Er lädt sie zu einer Hochsee-Angeltour mit seinem Freund Quattaghan ein und konfrontiert sie mit seinem Verdacht.

Corinna Marandera erklärt, dass das Unternehmen ihrer Familie von einem Raumfahrer eine Flasche mit einem sehr starken Wundheilmittel erhielt, das sogar das Wachstum verlorener Gliedmaßen stimulieren kann. Das Mittel ist nicht synthetisierbar; deshalb plante Marandpharm eine Forschungsmission nach Shand'ong, um das Geheimnis des Heilmittels in Erfahrung zu bringen. Corinna Marandera sah voraus, dass eine solche Entdeckung den Planeten zum Zielpunkt für Glücksritter aller raumfahrenden Völker machen und die Kultur der Eingeborenen unwiderruflich zerstören würde – daher verließ sie das Unternehmen und tauchte unter.

Alcolaya enttarnt Veronoff und Catrailhac als Mitarbeiter von Marandpharm und wird benachrichtigt, dass sie von ihrem eingeborenen Führer mit Hilfe einer Wahrheitsdroge das Geheimnis des Heilmittels Tau Ssagis erfahren haben. Zur selben Zeit arrangiert Korco-Aghan einen Unfall, bei dem einheimische Mitarbeiter des Raumhafens lebensgefährlich verletzt werden und nur mit Tau Ssagis von ihren Heilern gerettet werden können, und gelangt so in den Besitz des Geheimnisses. Er verabredet mit Carayns, die Informationen an einen Springerpatriarchen zu verkaufen.

Alcolaya tötet seine abtrünnigen Mitarbeiter und bringt dann das Marandpharm-Team zur Strecke – das Raumschiff, das sie abholen soll, wird von der Raumhafenabwehr abgeschossen. Dann begibt sich der verwundete Alcolaya zur Mutter der Klane, um den beginnenden Aufstand der Shand'ong friedlich beizulegen. Das gelingt ihm zwar, aber durch ein Missverständnis wird er lebensgefährlich verletzt und kann nur durch große Mengen von Tau Ssagis gerettet werden.

Zwei Tage nach diesen Ereignissen kommt Allan D. Mercant persönlich nach Shand'ong, um sich Bericht erstatten zu lassen. Mercant unterzeichnet ein Abkommen mit der Mutter der Klane, das im Austausch für kleine Mengen von Tau Ssagis die absolute Geheimhaltung des Ursprungs dieses Mittels zusagt.

Fünfzehn Tage später fliegt Corinna Marandera heim nach Terrania und zur Marandpharm – Seymour Alcolaya bleibt auf Shand'ong zurück.

Anmerkung:
Das Handlungsjahr ist nicht explizit angegeben. In PR-TB 31/32, die 2361 spielen, heißt es, dass Corinna Marandera »vor Jahren« Allan D. Mercant auf Shand'ong getroffen hatte. Daraus ergibt sich rechnerisch 2359 oder früher. Die (nur bedingt kanonische) Archiv-CD1 gibt als Handlungsjahr dennoch 2361 an.

Der Einsame von TerraKritik:
Hier legt Hans Kneifel einen (sehr autobiographischen) Roman vor, der dennoch vom Autor abstrahierend, für sich selbst gut als Seitenthema im Solaren Imperium gelesen werden kann. Die Einsamkeit, die Kneifel abseits der großen Stadt (München)  in der Provinz fühlte, überträgt er hier gekonnt auf seine Protagonisten in der Ferne der galaktischen Provinz mit dem „Standardraumhafen“. Wie bei Kneifel üblich ist der Roman textlich mehrmals  vom Autor überrarbeitet worden (vom Verlag eventuell noch zusätzlich), man sollte also die 1.Auflage des PLRs lesen, hier ist noch das Original im Text vertreten.

Es handelt sich um eine reine Agentengeschichte eines passiven Mannes der GA (die eigentlich bereits wieder „Solare Abwehr“ heißen müsste, da das vereinte Imperium nicht mehr existiert). Das Lokalkolorit des Barbarenplaneten mit seinen Regeln der Einschränkung im Alltag für Terraner (soziale Eingeborenen-Tabus) kommt gut herüber, ebenso das  äußere Problem, mit dem Seymour sich hier konfrontiert sieht. Ein Roman von Freundschaft und Verrat. Die Schurken sind natürlich zunächst Springer und Aras, aber auch die Terraner selbst kommen hierbei nicht zu kurz. Der Agent aber macht kurzen Prozess mit ihnen. Insofern klar und spannend geschrieben. Zu kritisieren ist, dass der Aufstand der Planetarier viel zu früh eintritt und die Larmoyanz, mit der  Kneifel  dann die Verletzung von Alcolaya beschreibt (der Name hat mich übrigens immer an Alkohol erinnert, der hier im Roman auch reichlich getrunken wird; er heißt hier „Ssagis“, ein planetares Selbstgebräu von Shand‘ong, das auch ins Imperium exportiert wird).

Egal, ziehen wir die Selbstbespiegelung, den Weltschmerz und das Eigenmitleid des Agenten auf den letzten dreißig Seiten ab … und auch die Tatsache, dass Mercant sich persönlich Zeit nimmt, um einen passiven, abgehalfterten GA-Agenten auf einer öden Randwelt weit in der galaktischen Provinz aufzusuchen und das im Funkspruch nach Terra von Seymour auch noch als „wichtig“ deklariert wird ... vergessen wir diesen Blödsinn, denn dafür entschädigen uns die ersten hundert Seiten reichlich, die durch Aktionen, Kampf, gute Charakterisierungen und Gespräche übeerzeugend herüberkommen. Natürlich handelt es sich um einen typischen HK-Band, und wer seinen Stil nicht mag, der soll was Anderes lesen. Kneifel ironisiert nicht nur, was er als selbstverständlich im Dialog intelligenter Menschen betrachtet, er idealisiert eben auch seine Figuren wie eine glattpolierte  Bräker-Statue. Alle Männer sind tough, alle Frauen schön und jung und dennoch zieht sich eine gut erzählte  Linie halb-gebrochener Charaktere durch den Roman, die als Schilderung der Personen überzeugt, die alle ihre Schwächen haben ob nun nur im Kopf oder als körperliche Gebrechen. Zieht man also die Larmoyanz ab und die überhöht geschilderte  Wichtigkeit des Randplaneten mit seinem kleinen Gefecht, das galaktisch global wirklich unwichtig ist, und beschränkt sich lesemäßig auf die ersten drei Viertel des Romans, dann ist er auch heute noch halbwegs gut lesbar. Insgesamt aber schwächelt er doch wegen des letzten Teiles. Das ist aber insofern verständlich, weil HK hier wahrscheinlich bereits die Folgeromane um Seymour Alcolaya vorbereitet. Eine anschauliche Agentengeschichte, bei der auch das geschilderte Ambiente der planetaren Umgebung gut herüberkommt. An sich für die Entwicklung der Gesamtserie eine total unwichtige Geschichte am Rand des Imperiums und doch ganz gut dargestellt. Wie immer bei Kneifel fehlt Humor, denn alle Prota- und Antagonisten fühlen sich reichlich wichtig mit ihren Problemen, die sie mit sich herumschleppen, nehmen sich selbst so furchtbar  ernst, aber Ironie und Action  ist immerhin  reichlich vorhanden. Das entschädigt für die allzu romantischen Schwächen des Romans.

Der Einsame von TerraDer Einsame von Terra
Perry Rhodan Planetenroane Bd. 23
von Hans Kneifel
Titelbild von Johnny Bruck
(5. Auflage) Alfred Kelsner
Erscheinung: 1966
Handlungszeitraum: 2359 oder früher
Handlungsort: Shand'ong
Untertitel:
Sie kommen von den Sternen – Händler, Gangster und Spione – um die Wunder-Droge zu rauben und das Geheimnis des Planeten Shand'ong zu enträtseln ...

(5.Auflage)
Sie kommen von den Sternen – als Händler, Gangster und Spione

v© 2021 by H. Döring

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