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Ist die Perry-Rhodan-Reihe degeneriert? - Naturwissenschaften in der deutschen Serien-SF

1Ist die Perry-Rhodan-Reihe degeneriert?
Naturwissenschaften in der deutschen Serien-SF

Also, vergleicht man PR heute mit kürzeren Serien wie  RAUMSCHIFF PROMET, REN DHARK, REX CORDA und anderen Serien, so können wir nicht behaupten, dass sich diese Reihen irgendwie voneinander unterscheiden, was Zusammenhänge in der Naturwissenschaft beschreibt.

Reale physikalische  Gesetze als Grundlage all des „Hyper“, wofür die SF bekannt und prädestiniert ist, kommen auch dort allzuselten vor.

Da ist der frühe PR dank Mahr und Scheer sogar besser ausgestattet und aufgestellt, als die anderen  Serien. Kurt Mahr war vom  Fach und Scheer war zumindest in der Mechanik halbwegs bewandert (so führt er in Band 19 einen impulsabsorbierenden Schutzschirm ein).Die anderen frühen Autoren wie Voltz und Brand verstanden weniger von den Naturgesetzen, wobei Kneifel immerhin noch Lexikonwissen zur Untermauerung der Story und zur erzähltechnischen Verdichtung halbwegs überzeugend  einbrachte.Bei REX CORDA kommt immerhin ein  Neutronen emittierender Reaktor in einem frühen Band vor, den die Featherheads orten könnten.Deutsche SF-Serien kommen also im Allgemeinen auch sehr gut ohne echte  Naturwissenschaft aus; eine  solche Erwähnung mit einem Satz würde allerdings die jeweilige Handlung konstruktiv fundamental untermauern.

Rainer Castor sagte einmal, man solle die Leser fordern und dieser Aussage kann ich nur zustimmen.Auch in der Paraliteratur soll der zweistündige, wöchentliche Eskapismus pro Serie nicht in einem Nur-Durchlesen enden. Mitdenken ist gefragt (mitfiebern mit den Helden sowieso), trotz aller Entspannung, zu der das Lesen der Serie durch Abtauchen aus dem Alltag führen soll.Nun vetlangen wir natürlich keine wissenschaftliche Abhandlung, es soll ja lockere, flockige Kost dennoch bleiben, aber man kann Naturwissenschaft als Grundlage auch plaudernd einbringen in Form eines Essays etwa – nicht nur Gasphänomene in einer Planetenoberfläche schildernd.

Solche Erwähnungen erschöpfen sich eben nicht in einem  sturen Aufzählen der pseudotechnischen Bezüge der erfundenen SF-Begriffe der Serie.Zunehmend wird die Serie von Leuten geleitet, die akademisch vorgebildet sind in geistes-oder gesellschaftswissenschaftlicher Form.Ob das der Serie dann andauernd gut tut, mag dahingestellt sein, man kann ja auch ohne akademische Ausbildung großartige Romane schreiben, wie man an Voltz und Vlcek sehen konnte: der Eine als psychologisch durchdachter Minimalist, der andere in überschwenglicher Phantasie schwelgend; Beides passte irgendwie als Aspekt zur Serie und rundete die Schreibstile und Weltansichten aller Autoren  zu einer Art Vollständigkeit ab.Scheer (und Schelwokat vielleicht auch) hätte  keinen Begriff wie „Stundenkilometer“ im Heft durchgehen lassen.

Ist die Basis der verwendeten Begriffswelt  nämlich klar und eindeutig definiert, so kann die Phantasie ruhig elaboriert darauf aufbauen. Dann kommen auch solche Begriffe und Sätze  wie „Meteoritenschwärme durchzogen das All“ nicht mehr vor, für die sich eigentlich jeder gestandene SF-Autor schämen sollte. (Als Meteoroiden bezeichnet man den Ursprungskörper, solange er sich noch im interplanetaren Raum befindet. Beim Eintritt in die Erdatmosphäre erzeugt er eine Leuchterscheinung, die als Meteor bezeichnet wird. Der Meteoroid verglüht entweder als Sternschnuppe in der Erdatmosphäre oder erreicht als Meteorit den Boden).
Soviel Vorwissen sollte auch jemand haben, der ansonsten Horror oder reine Fantasy schreibt.Man muss den Leser ernst nehmen, sagte Voltz einst, der merkt alles. Nun, nicht jeder merkt alles und nicht alle merken jedes Detail, das falsch ist, aber der Schwarmgeist der Leser seziert, oft unbewusst und findet die jenigern Dinge, die als Fehler gelten könnten.Einige Autoren tun das dann ab:Mensche machen eben Fehler, Autoren auch, Hoppla und schwamm drüber!Wenn man aber das Metier ernst nimmt, in dem man schreibt, sollte man sich die fünf Minuten Zeit nehmen, um den genauen Begriff zu recherchieren; das ist die Seriosität, die der Leser vom Autor  erwartet.Nicht einfach drauflos schreiben, sondern überlegen analytisch handelnd.

Die saubere Verwendung sauberer Begriffe und Definitionen.Klare Eindeutigkeiten, trotz all der Fantasykost, die heute im Heft serviert wird.Kann man die Serie deshalb heute als degeneriert beschreiben oder ist sie eben auch nur immer ein Kind ihrer Zeit, das die Wechselgedanken der Gesellschaft reflektiert?Die Schreibe war früher (insbesondere bei Clark Darlton) naiver, aber irgendwie auch ernster im Sinne der Ernsthaftigkeit.Es schadet auch als Perryautor nicht, das alte Buch über „Zen oder die Kunst ein Motorrad zu warten“, wieder einmal hervorzuholen.Sei überzeugt von der Qualität, die Du ablieferst und betrachte diese Dinge nicht nur als hastigen Schreibauftrag, um vom Honorar zu leben.Auch sollte man noch wissen, was man vor acht Wochen geschrieben hatte … und auch als Autor alle Romane der Kollegen aus dem laufenden Zyklus auch laufend vollständig mitlesen.Zumindest dieses.Das erfordert die erwartete Seriosität, finde ich.Der Leser merkt das!

© 2020 by H. Döring

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