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Eine Frage an ... Dietmar Kuegler: Wie war das mit Jason Betzinez?

Eine Frage an Dietmar KueglerWie war das mit Jason Betzinez?

Dietmar Kuegler erinnert auf Facebook immer wieder an bestimmte Daten und Ereignisse der amerikanischen Geschichte. Diese mehr oder weniger kurzen Vignetten sind interessant und ausgesprochen informativ und auf jeden Fall lesenswert.

In Absprache mit Dietmar Kuegler wird der Zauberspiegel diese Beiträge übernehmen.

Dietmar KueglerDietmar Kuegler: Der letzte Krieger des berühmten Apachenführers Geronimo starb am 1. November 1960 – vor gerade einmal 59 Jahren. Sein Name war Batsinas, später christlich getauft als „JASON BETZINEZ“. Er war sogar ein Cousin Geronimos.

Geboren in einer Grashütte – einem Wickiup – der Bedonkohe Band der Chiricahua, wuchs Jason zum Krieger heran und kämpfte in den letzten Auseinandersetzungen der Apachen gegen die US-Armee. Als sein Geburtsdatum wird der 4 Juli 1860 angegeben. (Der 4. Juli wird bei den meisten missionierten Indianern als Geburtstag genannt: in Ermangelung des genauen Datums, wurde in der Regel der amerikanische Nationalfeiertag genommen.)

Schon als Kind verlor Jason seine Eltern; sein Vater starb im Kampf als er 12 Jahre alt war, seine Mutter wurde zweimal entführt und versklavt; er sah sie erst als junger Mann wieder.

Die Bedonkohe (auch Bi-dan-ku) waren eine von 4 Chiricahua-Untergruppen. Ihr Name bedeutete: „Jene, die an der Grenze zum Feind siedeln“.

Auch Geronimo (Gokhlayeh oder Goyathlay) war ein Bedonkohe. Das ursprüngliche Stammesgebiet befand sich im Westen New Mexicos, teilweise in den Mogollon- und Tularosa-Bergen. Die Armee nannte sie daher auch Mogollon-Apachen oder „nordöstliche Chiricahua“.

Ab den 1820er Jahren wurde Mangas Colorados Häuptling der Bedonkohe, ein eindrucksvoller, für einen Apachen körperlich sehr großer Mann. Er war neben Cochise – dessen Schwiegervater er war – der vermutlich einflußreichste Apache im frühen 19. Jahrhundert.

Geronimo, der Sohn des einstigen Häuptlings Mahko, wurde durch seinen hartnäckigen Widerstand gegen das Vordringen der Weißen nach dem Tod von Mangas Coloradas und Cochise in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts die dominante Führungsgestalt der Apachen dieser Region.

Jason zog mit Geronimos Kriegern. Er behauptete später, niemals jemanden im Kampf getötet zu haben – aber auch das hatte er mit vielen jungen Kriegern gemein, die befürchteten, von der weißen Justiz bestraft zu werden, wenn sie öffentlich über Kämpfe oder Raubzüge redeten. Seine Angabe sollte daher nicht zu ernst genommen werden. Die Apachenkriege im amerikanischen Südwesten wurden mit großer Grausamkeit geführt; Jason war ein Apachenkrieger und kämpfte an der Seite von anderen jungen Männern. Geronimo haßte vor allem die Mexikaner, denen er die Schuld am Tod seiner Familie gab. Betzinez gehörte zu jenen, die sich besonders eng an Geronimo anschlossen – und er blieb mit ihm bis zu dessen Tod verbunden.

Nachdem er mehrfach die Reservationen in Arizona zusammen mit Geronimo verlassen hatte, um den Krieg gegen die weißen Eindringlinge wieder aufzunehmen, sah er irgendwann ein, dass diese Kämpfe hoffnungslos waren. Er kehrte Anfang der 1880er Jahre freiwillig in die Reservation zurück und akzeptierte eine Anstellung als Scout der Armee – jetzt führte er die Truppen gegen seinen einstigen Mentor.

Trotz seiner Loyalität, wurde er – so wie die anderen Apachenscouts – nach der Kapitulation Geronimos aus dem Dienst entlassen und als „Kriegsgefangener“ behandelt. Er wurde mit Geronimos Männern, gegen die er zuletzt gekämpft hatte, nach Fort Marion in Florida deportiert, wo die Apachen inhaftiert waren. Hier nahm er das Angebot an, in die Carlisle Indian School zu gehen, jenes berüchtigte Internat in Pennsylvania, in dem junge Indianer aller Völker ihrer eigenen Kultur entfremdet werden sollten. Hier lernte Betzinez Lesen und Schreiben und wurde zum Schmied ausgebildet. Er arbeitete zunächst für die „Pennsylvania Iron Works“ und siedelte 1897 in die Cheyenne-Reservation nach Colony (Oklahoma) über. Hier erfuhr er zu seiner Überraschung, dass seine Mutter, Nah-thlet-tla, inzwischen als Kriegsgefangene in Fort Sill lebte. Als sie ihn in Colony besuchte, entstand das einzige Foto, das ihn mit ihr zeigt.

Zeitweise lebte er mit der Apachenfrau Dorothy Nahwats zusammen und zeugte einen Sohn, der aber sehr früh starb.

Im Jahr 1900 zog auch er auf die Apachen-Reservation in Fort Sill. Er konvertierte zum Christentum und heiratete am 18. Juni 1919 in Lawton (Oklahoma) Anna Heersma aus Chicago, eine weiße Missionarin der Dutch Reformed Church. Betzinez legte eine erfolgreiche Farm an und wurde zu einem der Sprecher der Reservations-Apachen. Seine Erfahrungen in der Welt der Apachen und der Weißen, in der alten Welt der Indianerkriege und der neuen Welt der anglo-amerikanischen Lebensweise befähigten ihn, besonders nachdrücklich und respektiert für sein Volk einzutreten.
1959 erschien seine Autobiographie – „I fought with Geronimo“ -, die ihn in den USA national bekannt machte. Der Mann, der unter steinzeitlichen Bedingungen geboren worden war, der in den Apachenkriegen auf dem Pferderücken die Wüsten und Berge der Grenzregionen von New Mexico und Arizona durchstreift und gegen US-Kavallerie und mexikanische Rurales gekämpft hatte, reiste mit dem Flugzeug nach Kalifornien und gab Interviews im Radio und Fernsehen.

1960, im Alter von 100 Jahren, starb Jason Betzinez – noch immer geistig rege und körperlich rüstig – tragisch bei einem Autounfall. Er liegt auf dem Apachenfriedhof von Fort Sill beerdigt.

Als Jason Betzinez starb, waren die Apachen keine Kriegsgefangenen mehr. Dieser Status war im August 1912 aufgehoben worden. Im Jahr darauf verließen 187 Apachen Fort Sill und zogen in die Mescalero-Reservation in New Mexico. In Fort Sill blieben 84 Apachen zurück, deren Status als Kriegsgefangene 1914 endete. Sie erhielten Ländereien zugeteilt, wurden aber erst 1977 als „Fort Sill Apachen“ regierungsamtlich anerkannt, nachdem sie sich eine Stammesverfassung gegeben hatten. Heute gibt es knapp 700 Fort Sill Apachen. Sie betreiben zwei Spielkasinos in der Nähe der Stadt Lawton (Oklahoma).


Dietmar Kuegler gibt viermal im Jahr das »Magazin für Amerikanistik« heraus. Bezug: amerikanistik(at)web.de

Das Magazin für Amerikanistik, September 2019Die kommende Ausgabe

 

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