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Larry Ballard Akte 2: DAS RÄTSEL UM DEN TOTEN

StoryDAS RÄTSEL UM DEN TOTEN

"Es ist eine verrückte Sache, Herr Ballard! Am besten kommen Sie mit, damit ich Ihnen das ganze vor Ort erklären kann.” Der Kripobeamte, der sich mir als Kommissar Graf vorgestellt hat, deutet in eine Richtung. Seinen Unmut darüber, auf jemanden wie mich, der sich auf übernatürliche Phänomene und nicht erklärbare Ereignisse spezialisiert hat, zurückgreifen zu müssen, steht ihm ins Gesicht geschrieben.

Doch was soll's?

Kommissar Graf reiht sich somit nur in die lange Liste jener Zweifler ein, die ihre Skepsis mir gegenüber nur schwer überwinden können - oder wollen. Zu sehr sind sie ihrem festgefahrenen Weltbild verbunden, als dass sie  ein auf dem ersten Blick unerklärliches Phänomen aufgeschlossen betrachten würden.

 

Zumindest Kommissar Graf würde in den nächsten Minuten oder Stunden die Gelegenheit bekommen, einige Dinge zu überdenken.

Hoffe ich zumindest. Denn der Fall, der auf mich zukommt, kann sich immer noch als Ente erweisen.

Tatsächlich sieht das Szenario, das ich vorfinde, eher unscheinbar aus: Am Eingang der örtlichen Post liegt ein toter Mann. Von Gewalteinwirkung ist nichts festzustellen, und wie der vorläufige medizinische Bericht des Polizeiarztes aussagt, starb er höchstwahrscheinlich an einem Herzinfarkt. Der Tote scheint um die siebzig zu sein, eher noch ein paar Jahre älter als jünger, und muss bereits zu Lebzeiten einen gesundheitlich angeschlagenen Eindruck erweckt haben.

Nichts jedoch, was auf übernatürliche Phänomene deuten würde.

Sicherlich lässt der Anblick des Toten einen jeden Betrachter nachdenklich werden und ihn über das Leben und Sterben seine Gedanken machen, doch im Augenblick komme ich mir fehl am Platz vor. Auch die Leute von der Spurensicherung stehen ziemlich unschlüssig herum. Sie wissen nicht, wonach sie suchen müssen. Tod durch Herzinfarkt! Wo soll da, aus polizeilicher Sicht betrachtet, das Problem sein?

Da beginnt Kommissar Graf mit seinen Erklärungen. "Wir haben folgendes Rätsel, Herr Kollege: Um 16.30 Uhr bekamen wir einen anonymen Telefonanruf. Der Unbekannte sagt aus, dass in der Aula des Gymnasiums sich ein toter Mann befindet.” Graf dreht sich und nickt dann in Richtung eines Gebäudes.

Das Gymnasium. Zusammen mit der Post grenzt es an einen Parkplatz mit viel gepflegter Grünfläche. Am heutigen Samstag wirkt die große Fläche ein wenig ausgestorben, da die Post bereits vor der Mittagszeit schließt und auch das Gymnasium natürlich seine Tore an diesem Tag nicht öffnet.

"Dort drüben also sollte er sich befinden!" fährt Graf fort. "Gleichzeitig hatten einige Streifenbeamte dienstlich hier auf dem Platz zu tun und fanden im Eingang zur Post diesen Toten. Die zwei Kollegen wurden dann von der Einsatzzentrale informiert, dass sich auch im Gymnasium eine Leiche befinden soll, doch konnte diese nicht mehr vorgefunden werden!" Graf atmet heftig ein. "Unser erster Gedanke war, dass sich der anonyme Anrufer irrte und der Mann, als der Unbekannte ihn fand, noch gar nicht gestorben war, sondern sich aus nicht nachvollziehbaren Gründen bis hierher schleppen konnte. Der Polizeiarzt hat dieser Theorie inzwischen einen Strich durch die Rechnung gemacht: er eruierte, dass der Mann bereits deutlich vor 13.00 Uhr verstorben sein muss."

"Konnte festgestellt werden, von wo aus der anonyme Anrufer die Polizei informierte?" frage ich.

"Nein, leider nicht. Im Grunde kann dafür jedes Telefon in Frage kommen, egal ob Zelle oder Privattelefon."

"Daraus kann man schließen, dass die Leiche im Gymnasium theoretisch einige Minuten nach dem Auffinden wieder alleine war."

Graf stimmt mir nickend zu, schüttelt erst dann verneinend den Kopf. "Das mag stimmen, Herr Ballard. Nur vergessen Sie bitte nicht, dass sich zwei Polizeibeamte hier auf dem Platz befunden haben und diese Leiche hier entdeckten. Nur der Eingang zur Aula des Gymnasiums war geöffnet, alle anderen nicht. Wir haben die Eingänge kontrolliert und bei keinem eine Gewalteinwirkung festgestellt. Somit hätten die Kollegen etwas sehen müssen!"

"Wenn eine konventionelle Erklärung gesucht wird. Glauben Sie mir, Herr Graf: Zwischen Himmel und Erde gibt es mehr, als wir ahnen."

Tatsächlich bin ich in meiner gesamten Laufbahn bereits auf mehrere Phänomene gestoßen, die interessante Schlussfolgerungen zulassen. Unter anderem, dass es Menschen gibt, die sich aufgrund ihrer Willenskraft von einem Ort zu einem anderen versetzen können. Eindeutige Beweise konnte ich leider noch nicht vorfinden oder mir erarbeiten, aber der heutige Tag kann mich in dieser Richtung einen gewaltigen Schritt voran bringen.

"Kann ich mit den zwei Polizeibeamten sprechen, die den Toten gefunden haben?"

"Natürlich!"

***

Das Gespräch mit den zwei Beamten hat mich keinen Schritt weiter gebracht. Fest steht nach wie vor, dass der anonyme Anruf zur gleichen Zeit geschah wie das Auffinden der Leiche in der Post - wenn man den Angaben der Beamten trauen darf.

Mich stören die Gesten der Polizisten, und ich vermute, dass sie mehr gesehen haben als sie zu berichten bereit sind. Es mag gut möglich sein, dass sie etwas beobachteten, das sie nicht akzeptieren können und nach gemeinsamer Absprache unerwähnt lassen.

Um diese Vermutung zu bestätigen oder zu wiederlegen wage ich den nächsten Schritt: Ich will die beiden Beamten unter Hypnose befragen!

Erst nach einigem Zögern und dem autoritärem Blick eines Vorgesetzten sind die beiden bereit.

***

"Erzählen Sie, wie sie den Toten gefunden haben, Herr Mayer!"

Das Gesicht des schlanken Mannes wirkt dank der Hypnose ausdruckslos. Keinerlei Gefühl ist daran abzulesen, und auch der Tonfall hat während seiner Rede immer die gleiche Höhe.

"Kollege Birnkammer und ich mussten dienstlich einen Brief aufgeben, als wir bemerkten, dass die Eingangstür zum Gymnasium offen steht, was an einem Samstag doch ungewöhnlich ist."

Kommissar Graf wirft mir einen verwirrten und verdutzten Blick zu. Plötzlich also sagen die beiden Beamten etwas ganz anderes aus!

Was mag der Grund für die vorher gemachten Falschangaben sein?

Der unter Hypnose stehende Mayer erzählt währenddessen ungestört weiter: "Wir gingen zum Gymnasium und fanden den Toten vor."

"Der gleiche Mann, der in der Post gefunden wurde?" frage ich.

"Ja."

"Wie ist der Mann vom Gymnasium zur Post gelangt?"

"Birnkammer und ich haben ihn hierher getragen."

Langsam wird es interessant!

"Aus welchem Grund?"

"Ich erinnerte Birnkammer daran, dass wir über das Auffinden des Toten einen Bericht würden aufsetzen müssen und fragte ihn, ob er weiß, wie man Gymnasium schreibt. Er meinte, Post würde sich leichter schreiben lassen."
ENDE

Kommentare  

#1 Rin - tin - tin 2010-05-15 20:57
Also nee,
einen Kalauer aus den sechzigern, aufgebläht als Kurzgeschichte und eingebunden als Mystery - Serie Larry Ballard funktioniert nicht.
In Anlehnung einer eurer Artikel deshalb:
Sitzen, sechs,
also ehrlich, das habe ich schon besser gesehen.
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#2 Laurin 2010-05-17 21:57
Öhh...ich fand die Story lustig...manche Kalauer sind eben unvergänglich :-) !
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#3 Mikail_the_Bard 2010-06-13 21:45
Nein, konnte ich mir bei der ersten Geschichte noch was zusammenreinem, war diese hier nicht der Knaller... Das ist ja schon kriminell was die beiden Polizisten gemacht haben. Vernichten von Spuren am Tatort, usw. usw.
Und selbst wenns der uralteste Kalaur der Welt ist... passt net.
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