Der modifizierte Mensch
Der modifizierte Mensch
Natürlich bin ich modifiziert. Bis auf meine linke Niere und die Bauchspeicheldrüse sind alle meine Organe im 3D-Druck aus künstlichem menschenähnlichem Gewebe entstanden.
Mein rechtes Bein und mein linker Unterarm sind durch Prothesen ersetzt, die jedoch angewachsen sind, aussehen wie echt und besser als natürliche Gliedmaßen funktionieren.
Jede zweite Woche wird mein Hormonspiegel gemessen, und, falls notwendig, werde ich mit der Natur nachgebildeten Hormonen versorgt.
In meinem Gehirn trage ich mehrere Implantate. Eines davon baut Beta-Amyloid zur Vorbeugung gegen Alzheimer ab. Ein anderes sorgt für eine verbesserte Denkleistung. Ein drittes dient als Gedächtnisstütze.
Leider funktioniert es überhaupt nicht, wie es sollte. Ich habe sehr viel vergessen; und was einmal weg ist, kommt nicht wieder, hat mir der Neurologe erzählt. Wenn man sagt, dass ein Mensch zu einem großen Teil aus seinen Erinnerungen besteht, ist von mir nur noch wenig vorhanden.
Und es wird so weitergehen. Im Jahr 2200 kann ich immer noch auf der Welt sein, aber dann werde ich mehr ein Roboter sein als ein Mensch.

(Foto: Systemupdate wird installiert.jpg von Bright Angel)




Kommentare
"Die Abschaffung des Todes" von Andreas Eschbach spielt ja mit Einschränkungen in ähnlicher Richtung www.zauberspiegel-online.de/index.php/krimi-thriller-mainmenu-12/gedrucktes-mainmenu-159/43401-die-abschaffung-des-todes.
Es bleibt - wie bei Eschbach - die Frage, was den Menschen letzten Endes wirklich ausmacht. Ist der Mensch und sein Wesen, seine Persönlichkeit etc tatsächlich "nur" das Ergebnis von Nerven, Synapsen etc, oder gibt es da etwas mehr, vielleicht nennen wir es "Seele"?
Ich möchte glauben, dass es nicht möglich sein wird, den Menschen so komplett nachzubilden, dass wir nur noch aus Ersatzteilen bestehen, fürchte aber ein wenig, dass die Medizin und Forschung alles, was möglich ist, auch machen wird.
Wieviel von mir kann mit der Zeit ersetzt werden - natürlich-biologisch oder technisch - bevor ich aufhöre ich zu sein? Das ist als Paradoxon des Schiffs des Theseus bekannt, lässt sich aber genauso gut in japanischen Shinto-Schreinen und Tempeln aus Holz wiederfinden, die ständig repariert werden.
Vor langer Zeit schon hat Kurt Mahr bei Perry Rhodan das Thema angeschnitten, ab wieviel Prozent bionischem Ersatz eine Person juristisch gesehen zum Ding werden könnte. Und von der anderen Seite her angenähert: Wann wird eine Künstliche Intelligenz als Person betrachtet, vor dem Gesetz und von den Menschen?