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Der modifizierte Mensch

Der modifizierte Mensch

 Nach der Idee meines Sohnes

 

Es ist das Jahr 2093. Geboren wurde ich 1965, das war eine Zeit so verschieden von heute, als wäre es eine andere Welt gewesen. Aber ich lebe offensichtlich noch. Damals hätte man es sich kaum vorstellen können, so alt zu werden, doch nun ist es der Standard.

 

Natürlich bin ich modifiziert. Bis auf meine linke Niere und die Bauchspeicheldrüse sind alle meine Organe im 3D-Druck aus künstlichem menschenähnlichem Gewebe entstanden.
Mein rechtes Bein und mein linker Unterarm sind durch Prothesen ersetzt, die jedoch angewachsen sind, aussehen wie echt und besser als natürliche Gliedmaßen funktionieren.
Jede zweite Woche wird mein Hormonspiegel gemessen, und, falls notwendig, werde ich mit der Natur nachgebildeten Hormonen versorgt.
In meinem Gehirn trage ich mehrere Implantate. Eines davon baut
Beta-Amyloid zur Vorbeugung gegen Alzheimer ab. Ein anderes sorgt für eine verbesserte Denkleistung. Ein drittes dient als Gedächtnisstütze.
Leider funktioniert es überhaupt nicht, wie es sollte. Ich habe sehr viel vergessen; und was einmal weg ist, kommt nicht wieder, hat mir der Neurologe erzählt. Wenn man sagt, dass ein Mensch zu einem großen Teil aus seinen Erinnerungen besteht, ist von mir nur noch wenig vorhanden.

Und es wird so weitergehen. Im Jahr 2200 kann ich immer noch auf der Welt sein, aber dann werde ich mehr ein Roboter sein als ein Mensch.

 

(Foto: Systemupdate wird installiert.jpg von Bright Angel)

 

Bright Angel (Pseudonym) wurde Mitte der 1960er Jahre in Kärnten geboren. Er ist ein unsteter Geist und ein rollender Stein. Er schreibt Lyrik, Prosa und Hörspiele und fotografiert. Er veröffentlichte Texte und Fotos in Zeitschriften und Anthologien und bei „Erozuna“, „Zukunftia“, „Gangway“, „zugetextet.com“, „Zauberspiegel“ und dem „Verein Fit for Life“ im Internet.

 

Kommentare  

#1 RainerTD 2026-09-12 21:21
eine erschreckende Vorstellung, das eigene Menschsein so zu beenden, und gleichzeitig als, ja was? Androide? endlos zu werden...
#2 Bettina.v.A. 2026-09-13 16:11
Ich finde auch, dass es eine erschreckende Vorstellung ist, ich denke auch, dass die Möglichkeiten bereits zum großen Teil vorhanden sind - oder in Kürze vorhanden sein werden.
"Die Abschaffung des Todes" von Andreas Eschbach spielt ja mit Einschränkungen in ähnlicher Richtung www.zauberspiegel-online.de/index.php/krimi-thriller-mainmenu-12/gedrucktes-mainmenu-159/43401-die-abschaffung-des-todes.
Es bleibt - wie bei Eschbach - die Frage, was den Menschen letzten Endes wirklich ausmacht. Ist der Mensch und sein Wesen, seine Persönlichkeit etc tatsächlich "nur" das Ergebnis von Nerven, Synapsen etc, oder gibt es da etwas mehr, vielleicht nennen wir es "Seele"?
Ich möchte glauben, dass es nicht möglich sein wird, den Menschen so komplett nachzubilden, dass wir nur noch aus Ersatzteilen bestehen, fürchte aber ein wenig, dass die Medizin und Forschung alles, was möglich ist, auch machen wird.
#3 Larandil 2026-09-14 15:52
Sehen wir's mal unter einem etwas anderen Blickwinkel. Rote Blutkörperchen haben eine Lebensdauer von vier Monaten. Schleimhautzellen liegen auch so etwa in dem Bereich. Muskelzellen - habe ich mir angelesen - werden bis zu fünfzehn Jahren alt. Men Körper besteht zu einem nicht geringen Anteil aus anderen Zellen als vor zwanzig Jahren. Lebenslänglich halten wohl nur Nervenzellen.
Wieviel von mir kann mit der Zeit ersetzt werden - natürlich-biologisch oder technisch - bevor ich aufhöre ich zu sein? Das ist als Paradoxon des Schiffs des Theseus bekannt, lässt sich aber genauso gut in japanischen Shinto-Schreinen und Tempeln aus Holz wiederfinden, die ständig repariert werden.
Vor langer Zeit schon hat Kurt Mahr bei Perry Rhodan das Thema angeschnitten, ab wieviel Prozent bionischem Ersatz eine Person juristisch gesehen zum Ding werden könnte. Und von der anderen Seite her angenähert: Wann wird eine Künstliche Intelligenz als Person betrachtet, vor dem Gesetz und von den Menschen?

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