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Die Abschaffung des Todes

Die Abschaffung des Todes

James Windover ist Journalist und Herausgeber einer hochexklusiven Tageszeitung, der Windover View. Für eine besonders gute Geschäftspartnerin erklärt er sich - zunächst widerstrebend - bereit, mehr über ein Unternehmen aus Silicon Valley herauszufinden, das nichts weniger als die Abschaffung des Todes verspricht.

Dabei beschäftigt sich Eschbach mit einer Vielzahl an Fragen, die um das Thema herum auftauchen.

 

Die Frage nach dem Ende des Lebens und einer möglichen Verlängerung ist wahrscheinlich so als wie der Mensch selbst, und dank technischer Innovationen ist der Mensch einer Antwort auf diese Frage so nahe wie noch nie.

James Windover "stolpert" mehr oder weniger über das Thema der Unsterblichkeitspläne und recherchiert in der ihm gewohnten Art nach Fakten und Hintergründen zum Thema. Anders als geplant, wird aus dem reinen Nachforschungsauftrag ein viel größeres Abenteuer.

Andreas Eschbach antwortet auf die Frage, wie er auf die Idee des Romans kam: "Letztlich basiert mein Roman auf zwei Gedankenspielen: Eines zeigt, dass ein Download des Bewusstseins in naher Zukunft durchaus realistisch ist – und das andere, dass es gar nicht funktionieren kann." (amazon.de)

Tatsächlich geht es um die Erfindungen eines Tech-Unternehmens Youvatar, das behauptet dazu in der Lage zu sein, das Bewusstsein des Menschen aus dem Gehirn downzuloaden und so eine Trennung von Bewusstsein und Körper zu schaffen.

James fühlt sich zunächst erhaben über die Frage, denn für ihn stehe dies nicht zur Disposition, bis er von seiner Vertrauten Marta gefragt wird "Ein gewisser Herr Windover sagt gern, man solle sich immer fragen, was man sich in einer bestimmten Angelegenheit wünscht. Was wünschst du dir, James?"

Bei dieser Frage stellt er schlagartig fest, dass auch er sich mit den Fragen nach dem persönlichen Leben und Tod beschäftigt. "Die Wahrheit sah so aus, dass mich eine diffuse Angst umtrieb vor dem Altwerden und vor dem Tod, eine Angst, die ich mir noch nie eingestanden und über die ich folglich auch noch nie nachgedacht hatte. Und ja, ich würde, wenn man es mir anböte, nur zu gern alldem entgehen - dem Verfall, dem Nachlassen der Kräfte, dem Schwinden der Attraktivität. Und natürlich vor allem dem Ende selbst, dem Verschwinden im großen schwarzen Nichts."

Und er muss sich eingestehen, dass er das Thema längst nicht so objektiv sehen kann, wie er es sich - und den anderen - gerne vormachen würde. 

Der Verlag bezeichnet das Buch als Thriller, dem kann ich mich nicht so ganz anschließen, wenn man die "klassische" Definition eines Thrillers zugrunde legt. "Die Abschaffung des Todes" ist ein ausgesprochen spannendes Buch, auch wenn ich gestehen muss, dass ich vieles am biologischen und technischen Hintergrund nicht verstanden habe.

Spannend und wirklich mitreißend ist dieser bedrohliche Unterton, der die Geschichte begleitet. Es erzeugt ein unangenehmes Basisgrummeln in meinem Magen, wenn ich mir vorstelle, diese Utopie (wenn es denn noch eine ist) könnte wahr werden. Natürlich würden die Neuerungen von Youvatar nicht allen zugutekommen, sondern (angeblich zunächst) nur denen, die dazu in der Lage sind, genug Geld für die weitere Forschung zur Verfügung zu stellen. Und ich frage mich unwillkürlich wieder einmal, wie nahe wir den Dystopien inzwischen sind, die wir vor einigen Jahren noch mit leichtem Gruseln im Kino oder Fernsehen angeschaut haben. 

 

Kommentare  

#1 Des Romero 2026-03-02 07:01
Die Vorgabe, einen Bewusstseinsdownload durchzuführen, basiert auf der veralteten Vorstellung eines mechanistischen Weltbildes. Bewusstsein ist nicht verortbar, kann also nicht Bestandteil des Gehirns sein. Es ist nicht einmal Bestandteil der materiellen Welt, sondern erschafft diese.
"Tod" ist lediglich das Ende einer körperlichen Erfahrung und einzig im biologischen Sinne endgültig.
Hervorheben möchte ich dazu etwa die Forschungen des Quantenphysikers Richard Feynman, ebenso die Erkenntnisse von Lothar Göring zum Aufbau des Universums und des Menschen sowie deren Wechselwirkungen.
#2 Mainstream 2026-03-02 09:54
-
...wir haben alle unseren Feynman gelesen. Und dennoch geht es hier um spannende und fiktionale Lektüre.
#3 Andy 2026-03-03 20:19
@Des Romero, Zitat:
"Tod" ist lediglich das Ende einer körperlichen Erfahrung und einzig im biologischen Sinne endgültig.
Finde ich sehr interessant und habe schon oft darüber nachgedacht. Manchmal diskutiere ich auch tatsächlich über solche Dinge. Für mich ist irgendwie klar, dass der Tod einfach nicht das Ende sein kann. Ich habe echte Schwierigkeiten, mir vorzustellen, dass man stirbt und dann gar nichts mehr sein soll.

Wie kann das gehen, nichts mehr zu denken, nichts mehr zu fühlen. Wird es wie ein Traum sein? Da ich Atheist bin, glaube ich auch nicht an ein Jenseits, sondern eher daran, dass wir alle in so etwas wie eine Zwischendimenson abwandern und dort neu geboren werden. Das wäre doch eigentlich nichts weiter als ein physikalischer Vorgang, oder so - was auch immer, so gut kenne ich mich denn doch nicht aus. :-*

Möglich, dass es auch ganz anders ist, dass man irgendwann, irgendwo einfach als Kind wieder erwacht und sich auch diesmal an eine Geburt gar nicht erinnern kann.

Ich weiss, das hat etwas "leicht verrücktes", aber für mich ist das ein faszinierender Gedanke.

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