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KILLER SHARKS... ON DOPE!

StoryKILLER SHARKS... ON DOPE!

1st draft - 13/11/2016
Ein jeder Film ist ein Wahnsinn. -  R. W. Fassbinder
INSERT - TITLE:

Anmerkung des / der Produzenten: Das Drehbuch zu diesem Film wurde im Herbst 2016 verfasst, während des Wahlkampfes zwischen Hillary Clinton und Donald Trump um das Amt des Präsidenten / der Präsidentin der USA.

Also vor der Wahl.

Deren Ausgang offenbar auch den Autor überrascht hat.

Dasselbe gilt bzgl. der gleichzeitig durchgeführten Abstimmung über die Legalisierung von Cannabis in den Bundesstaaten Florida und Kalifornien.

Wir fühlen uns verpflichtet, hierauf hinzuweisen für den Fall, daß der Zuschauerin / dem Zuschauer im folgenden vielleicht das eine oder andere etwas merkwürdig vorkommt.

INSERT - TITLE:

Dem Haze - oder Dope - persönlich ist es völlig egal, ob du es mit Tabak gemischt als Joint oder pur als Reefer oder wie auch immer in einer Bong rauchst, es über einen Vaporizer inhalierst, es als Tee aufbrühst oder zu Butter verarbeitest oder zu Butterkeksen oder es als Pizzabelag verwendest. - Das einzige, was das Haze will, ist, dass du high wirst. - Also sprach die Goldene Schlange zum Medizinmann. - Erste Lektion.

Annika Hansen: Original Intoxications. A cultural history of animal, man, and drugs. University Press, Miami, Florida, 2014

PROLOG IM HEIMKINO

Thalia, die Muse des göttlichen Blödsinns. - Der Autor.

THALIA

Sand Sharks, Sharktopus, 2-Head Shark Attack, Megashark vs. Mechashark, Snow Sharks, Sharknado, Zig und Sharko. - Alles schön und gut, zugegeben, unter Umständen auch durchaus unterhaltsam, aber streng wissenschaftlich betrachtet ist das natürlich alles massiv grober Unfug.

DER AUTOR

Mag ja sein. Aber stinknormale Haie sind doch totlangweilig. Siehe diese Schlaftablette von Steven Spielberg oder wie er heißt.

THALIA

Kommt drauf an. Eine meiner Schwestern hatte mal so ein Poster, da waren verschiedene Spinnennetze drauf abgebildet. Sechs oder acht. Von Spinnen, denen man verschiedene Drogen verabreicht hatte. Dope, H, Koks, LSD, MDMA, DMT. Entsprechend die Netze der Spinnen. Sehr drollig, das.

DER AUTOR

Stimmt, kenn´ ich. - Du meinst also..?

 

THALIA

Na ja. Wenn Mariejohanna und ihre (und unsere) psychoaktiven Freunde sogar Spinnen zum Spinnen bringen - dann machen sie auch Haie high. Oder? Kann man irgendwie mal von ausgehen.

 

DER AUTOR

High Fish Fress Attack?

 

THALIA

Hm. Ich dachte eher so in Richtung: Killer Sharks... on Dope! - Schön stylish, mit Pünktchen und Ausrufezeichen.

 

DER AUTOR

Sekunde. Das muss ich aufschreiben...

 

ABBLENDE. - AUFBLENDE:

 

AUSSEN - ATLANTISCHER OZEAN VOR DER KÜSTE FLORIDAS - NACHT

 

Sternenklarer Himmel. Der Mond scheint. Ein Einsatzboot der US-Küstenwache liegt still, ohne elektrische Beleuchtung in der ruhigen See.   

 

 

INNEN - NAVIGATIONSDECK DES EINSATZBOOTES - NACHT

 

Spärliche Rotlichtbeleuchtung.

DEPUTY SUKI BJELLAND, Mitte zwanzig, kontrolliert eine Radaranzeige auf dem Steuerpult.

DEPUTY PETER BENCHLEY, Ende zwanzig, sucht mit einem Infrarot-Hightech-Fernglas das Meer ab.

Außerdem anwesend: zwei POLIZISTEN in schwarzer Kampfmontur mit schweren Waffen, die sich leise unterhalten.

Benchley lässt das Fernglas sinken, reibt sich die Augen und schaut auf seine Armbanduhr.

 

BENCHLEY

Sie hätten vor zwei Stunden hier sein sollen. 

 

BJELLAND

Locker bleiben. Erste Regel bei jedem Drogengeschäft: Der Typ, der den Stoff hat, ist nie pünktlich.

 

BENCHLEY

Auch das FBI kann sich mal irren.

 

BJELLAND

Kann -

 

Ein blinkender Punkt erscheint am Rand der Radaranzeige. Bewegt sich auf den Mittelpunkt zu.

 

BJELLAND

- Muss aber nicht. - Elf Uhr. Etwa drei Meilen.

 

Benchley nimmt sein Fernglas. Sucht die See ab.

 

BENCHLEY

Bestätigt. Hab´ sie.

 

BJELLAND (zu den beiden Polizisten)

Bereit machen, Jungs. Es geht los.

 

Die beiden Polizisten überprüfen ihre Waffen und steigen hinauf aufs Oberdeck.

 

 

AUSSEN - ATLANTISCHER OZEAN VOR DER KÜSTE FLORIDAS - NACHT

 

Das Einsatzboot liegt still, dunkel im Wasser. Ein weiteres Boot, ebenfalls unbeleuchtet, nähert sich.

Ein Flutlichtstrahler an Bord des Einsatzbootes flammt auf und taucht das zweite Boot in gleißendes Licht.

Benchleys Stimme ertönt verstärkt über Lautsprecher:  

 

BENCHLEY (v.o.)  

US-Küstenwache. Schalten Sie den Motor aus. Wir kommen an Bord. 

 

Das zweite Boot dreht ab und beschleunigt. Mehrere Leute mit Schusswaffen in den Händen stürmen an Deck. Feuern in Richtung des Einsatzbootes. Das Einsatzboot nimmt die Verfolgung auf. Die Polizisten schießen mit großkalibrigen Spezialgewehren auf das Schmugglerboot.

Von dort wird weiterhin zurückgeschossen.

Schließlich trifft einer der Polizisten den Tank des Schmugglerboots. Es explodiert in einem grellen Flammenball. Die verkohlten Wrackteile des Bootes versinken im Meer.

 

 

AUSSEN - OBERDECK DES EINSATZBOOTES - MORGENDÄMMERUNG

 

Bjelland und Benchley stehen an der Reling. Sehen den Resten des Schmugglerbootes beim Versinken im Meer zu.

 

BENCHLEY

Schätze, nach Überlebenden zu suchen können wir uns diesmal sparen.

 

BJELLAND

Wenn der Informant vom FBI die Wahrheit gesagt hat, versinken da gerade knapp zweieinhalb Tonnen Heroin, Kokain, Marihuana und LSD in den kalten Fluten des Atlantischen Ozeans. 

 

BENCHLEY

Dürfte für die Fische hier in der Umgebung ein denkwürdiges Wochenende werden.

 

Bjelland lacht.

 

 

AUSSEN - ATLANTISCHER OZEAN - MORGENDÄMMERUNG

 

Die Trümmer des Schmugglerbootes versinken im Meer. Zwischen den Trümmern versinken die Leichen der Besatzung und Dutzende großer, praller, in Plastik verschweißter Päckchen im Wasser.

Des weiteren ein etwa einen halben Meter langer, silbrig schimmernder röhrenförmiger Metallbehälter.

Ein Hai taucht auf, dann weitere, immer mehr, bis das Wasser von Haien wimmelt. Die Haie fressen erst die Leichen der Besatzung. Dann machen sie sich über die Drogenpäckchen her. Zerbeißen sie. Weiße Kokainwolken, braune Heroinwolken trüben das Wasser, bunte Tabletten und Cannabis treiben herum. Die Haie schwimmen durch das drogenverseuchte Wasser, die Mäuler weit offen. Bis das Wasser schäumt.   

Während die Haie sich an den Drogen berauschen:

 

 

INSERT - MAIN TITLE

 

 

AUSSEN - PARK - TAG

 

Zwei Männer, A und B, sitzen nebeneinander auf einer Bank im Park. Ihre Köpfe sehen wir - wenn - nur von hinten. Ihrer beider Gesichter sind während der folgenden Szene nicht zu sehen.  

A streichelt eine pechschwarze Katze, die auf seinem Schoß sitzt. 

 

A

Und ich dachte immer, die dämlichste terroristische Vereinigung, die innerhalb der USA operiert, seien die Nazischweine vom Ku-Klux-Klan. - Und ihr seid sicher, dass das Zeug noch nicht den halben Golf verstrahlt hat?

 

B

Die Küstenwache hat gleich nach der Havarie eine Wasserprobe genommen. Keine erhöhte Strahlung.

 

A

Das sagt wenig. Die Zeit arbeitet gegen uns.

 

B schaut auf seine Armbanduhr.

 

B

Unser Mann ist bereits vor Ort.

 

A

Nur einer?

 

B

Einer unserer besten.

 

 

INNEN - SEMINARRAUM / FLORIDA STATE UNIVERSITY - TAG

 

Der Raum ist abgedunkelt. Im Auditorium sitzt ein gutes Dutzend Studenten, darunter JEFF und STEVE.

  1. ANNIKA HANSEN, Mitte dreißig, steht neben einem Diaprojektor, der das Foto eines vollkommenen Spinnennetzes auf eine Leinwand projiziert.

 

ANNIKA

Dass psychoaktive Drogen, die beim Menschen  stimmungsverändernd wirken, bei anderen Säugetieren ähnliche Wirkungen hervorrufen, ist Ihnen hinlänglich bekannt. - Zigaretten rauchende Affen, die ausrasten, wenn man sie auf Nikotinentzug setzt. - Affen, Giraffen und Zebras in der afrikanischen Savanne, die vergorenes Obst fressen, um sich am darin enthaltenen Alkohol zu berauschen. - In Südkalifornien hat neulich ein Braunbär eine halbe Cannabisplantage verwüstet. Er hat dabei gezielt nur die dicksten und harzreichsten Blütenstände von den Pflanzen gefressen.

 

Steve kommentiert laut:

 

STEVE

Mistvieh.

 

Spärliche Lacher.

 

ANNIKA

Wie dem auch sei. - Drogen wirken jedoch nicht nur bei Säugetieren. 

 

Sie deutet auf das Diafoto auf der Leinwand.

 

ANNIKA

Spinnen bauen Netze, um Beute zu machen. Um Nahrung zu finden, um zu überleben. Es ist ein Instinkt, tief verwurzelt in ihren Genen. - Diese Spinne hier hat ihren Job hervorragend erledigt. Nüchtern und präzise.        

 

Annika betätigt den Diaprojektor. Das Foto des vollkommenen Spinnennetzes wird ersetzt durch das Foto eines anderen, riesigen Netzes, das aus vielen kleinen Netzen zusammengewebt scheint.

 

ANNIKA

Kokain. - Dieser Spinne wurde Kokain verabreicht. - Warum ein Netz bauen und dann aufhören, wo man doch gerade so schön auf Zack ist?

 

Lachen.

 

ANNIKA

Was Sie hier sehen, wurde nicht an einem Tag gesponnen - sondern in weniger als zwei Stunden.

 

Annika schaltet weiter zum nächsten Dia: das Foto eines Spinnennetzes, wirr, unstrukturiert, überall Löcher.

 

ANNIKA

Will jemand raten?

 

Keiner meldet sich.

 

ANNIKA

Das Netz einer Spinne auf Heroin. Diese Spinne wird verhungern. Aber möglicherweise ist ihr das ja vollkommen egal.

 

Das nächste Dia: Zwei einsame, lasch gesponnene Spinnfäden.

 

ANNIKA

Das kennen Sie aber wahrscheinlich alle.

 

Gelächter.

 

ANNIKA

Ich will´s gar nicht wissen. - Marihuana. Cannabis. Hasch. Pot. Shit. Peace. Gras. - Zwei Fäden gezogen - und keinen Bock mehr gehabt, wie man so schön sagt. Also zügeln Sie sich, ich will Sie nicht in zehn Jahren noch hier sitzen sehen.

 

Steve und Jeff tauschen einen Blick.

Eine Studentin meldet sich.

 

STUDENTIN

Vom Kiff-, also von Marihuana kann man aber

auch ´nen ziemlichen Hungerflash kriegen.

 

ANNIKA

Dann hat diese Spinne jetzt ein praktisches Problem.

 

Lachen.

 

ANNIKA

Und zu guter Letzt -

 

Das letzte Dia: Ein dreidimensionales Netz, ovale, irgendwie psychedelische Formen.

 

ANNIKA

Homo sapiens entert die neunte Dimension, unsere Arachne zumindest die dritte. - Albert Hoffmanns Zauberpulver, auch bekannt unter dem Akronym LSD. - Worauf ich hinaus will: Wenn all diese Substanzen selbst bei Spinnentieren dieselbe Wirkung zeitigen wie beim Menschen, gibt es keinen hinreichenden Grund anzunehmen, dass es überhaupt ein höher entwickeltes Lebewesen gibt, auf das Drogen keinerlei Einfluss haben. Ob Koka, Opiate, Crystal Meth oder THC - egal, was du bist - wenn du ein Gehirn hast, wie groß und komplex auch immer - dann wirst du high. Mit allen guten wie bösen Konsequenzen. 

 

Die Pausenglocke läutet.

 

ANNIKA

Okay. - Nicht vergessen, bis nächste Woche Leary, Kapitel sieben. Und ich bin am Montag in meinem Büro, nicht Dienstag. 

 

Die Studenten packen ihre Sachen, verlassen den Seminarraum. Annika schaltet den Diaprojektor aus und die Deckenbeleuchtung an. Bemerkt erst jetzt einen Mann, PENDERGAST, Ende dreißig, der bereits die ganze Zeit über im hinteren Teil des Seminarraums im Schatten an der Wand gelehnt hat.     

 

ANNIKA

Kennen wir uns? - Kann ich Ihnen irgendwie helfen?

 

PENDERGAST

Noch nicht. - Aber, ja: Ich denke, das können Sie, Dr. Hansen.

 

Er tritt ihr gegenüber. Hält ihr einen Dienstausweis vors Gesicht.

 

PENDERGAST

Pendergast. Special Agent. FBI.

 

Annika runzelt die Stirn.

 

ANNIKA

FBI? Seid ihr nicht immer zu zweit?

 

Pendergast lächelt.

 

PENDERGAST

Nein. Nicht immer.

 

 

AUSSEN - TERRASSE EINER FINCA IRGENDWO IM SÜDAMERIKANISCHEN REGENWALD - TAG

 

ADOLFO CLEMENTE, 50 Jahre, sitzt mit seiner Tochter YASMINA, Ende zwanzig, an einem reichhaltig gedeckten Tisch und frühstückt. Sie sprechen Englisch, aber mit ausgeprägtem hispanischem Akzent.

 

CLEMENTE

Wenn dein Bruder unseren Schatz in die Vereinigten Staaten gebracht hat und der Deal mit Hollywood abgeschlossen ist, setze ich mich zur Ruhe. Dann werden du und Tomasz die Geschäfte führen.

 

Yasmina lächelt.

 

YASMINA

Ich bin bereit, Vater.

 

CLEMENTE

Du erinnerst mich jeden Tag mehr an deine Mutter.

 

Er drückt ihre Hand. MIGUEL, Mitte zwanzig, betritt die Veranda. Bleibt am Tisch stehen. Grüßt untertänig.

 

MIGUEL

Senor Clemente. - Senorita Clemente.

 

CLEMENTE

Was ist?

 

MIGUEL

Malos Nuevos, Senor Clemente. - Schlechte Neuigkeiten.

 

CLEMENTE

Que malo? - Wie schlecht?

 

MIGUEL

Tres malo, Senor Clemente. Tres malo.

 

 

AUSSEN - ATLANTISCHER OZEAN VOR DER KÜSTE FLORIDAS - TAG

 

Ein kleines Ruderboot dümpelt in Küstennähe auf dem Meer. In dem Boot: ein JUNGE und ein MÄDCHEN, beide - sagen wir - 18. Heftiges Geknutsche und Gefummel. Sie drückt ihn weg.

 

MÄDCHEN

Mach´ mal langsam. - Lass´ uns erstmal was rauchen.

 

Der Junge zückt einen kleinen Reefer. Raucht an. Reicht ihn dem Mädchen. Das Mädchen inhaliert. Blickt über die Bootsreling hinunter ins Wasser.

Direkt unter dem Boot kreisen unzählige Haie.

 

MÄDCHEN

Heilige Scheiße!

 

JUNGE

Entspann´ dich, Baby. Die tun nichts. Die wollen bloß ficken.

 

MÄDCHEN

Was?!

 

JUNGE

Die kommen jedes Jahr um diese Zeit hierher. Um sich zu paaren. Das ist hier praktisch so was wie ihr Schlafzimmer.

 

MÄDCHEN

Du hast wirklich nichts anderes im Kopf, oder?

 

Sie grinst dreckig, schmeißt den Reefer ins Wasser und stürzt sich auf den Jungen.

 

JUNGE

Hey, der Reefer!

 

 

AUSSEN - ATLANTISCHER OZEAN -TAG

 

Der Reefer schwimmt im Wasser. Ein Hai schwimmt heran. Frisst den Reefer mit einem Happs.

 

 

AUSSEN - FLORIDA STATE UNIVERSITY / PARK AUF DEM UNIVERSITÄTSGELÄNDE - TAG

 

Annika und Pendergast sitzen nebeneinander auf einer Bank im Park. Trinken Kaffee aus Pappbechern.

 

ANNIKA

Okay, noch mal von vorne. - Sie haben da draußen vor der Küste ein Boot versenkt...

 

PENDERGAST

Na ja, nicht ich persönlich.

 

ANNIKA

...das randvoll mit diversen Drogen war.

 

PENDERGAST

Mutmaßlich. Ja.

 

ANNIKA

In einem Gebiet, in dem es zu dieser Jahreszeit von Haien nur so wimmelt, weil auch Haie sich gelegentlich gerne mal fortpflanzen, und das machen sie nunmal am liebsten gerade jetzt, in genau jenem Gebiet, in dem Sie Ihr Boot versenkt haben.

 

PENDERGAST

Tja. Das nennt man dann wohl schlechtes Timing.

 

ANNIKA

Allerdings. - Und jetzt wollen Sie zum Wrack dieses versenkten Bootes hinuntertauchen.

 

Pendergast nickt.

 

ANNIKA

Warum auch immer.

 

Pendergast lächelt gequält. Zuckt mit den Schultern.

 

ANNIKA

Während das Meer von extrem aggressiven, paarungswütigen Haien wimmelt, die zudem noch - mutmaßlich - unter dem massiven Einfluss diverser hochpotenter psychoaktiver Drogen stehen.  

 

Pendergast lächelt. Nickt.

 

PENDERGAST

Genau so ist es, ja. Kurzgefasst.

 

ANNIKA

Und Sie erwarten allen Ernstes, dass ich Sie bei diesem komplett durchgeknallten, selbstmörderischen Schwachsinn begleite.

 

PENDERGAST

Sie würden mir eine große Freude machen, Dr. Hansen.

 

ANNIKA

Sie haben vorhin im Seminar offenbar nicht richtig zugehört, FBI Special Agent Pendergast. Eine Spinne auf Koks mag noch so viele drollige Netze spinnen. Ein Hai auf Koks hat definitiv nichts Drolliges. Und erst recht nicht, wenn er zudem noch unter einem cannabisinduzierten Hungerflash leidet.  

 

Pendergast seufzt.

 

PENDERGAST

Dr. Hansen. Wenn meine Informationen korrekt sind, sind Sie einer der führenden Köpfe auf dem Gebiet der Neurobiologie, Spezialgebiet: Drogen und ihre Wirkung auf nichtmenschliche Organismen. Sie haben mehrere hoch angesehene Standardwerke zu dem Thema verfasst, wozu Sie nicht zuletzt breite Feldforschungen in freier Natur, unter anderem der afrikanischen Savanne und im meso- und südamerikanischen Regenwald, betrieben haben. - Korrigieren Sie mich bitte, wenn ich falsch liege. - Ich unterstelle Ihnen also einfach mal eine gewisse naturwissenschaftliche Neugier. Daher meine Frage an Sie: Wie häufig hatten Sie in Ihrem Forscherinnenleben bereits Gelegenheit, bis zum Kragen zugekokste, zugespliffte und sonstwie zugedröhnte Haie in freier Wildbahn zu studieren?

 

ANNIKA

Ich denke, das wissen Sie genau, Special Agent Pendergast.

 

PENDERGAST

Heißt das, Sie sind dabei?

 

ANNIKA

Blöde Frage. Natürlich bin ich dabei.

 

 

AUSSEN - TERRASSE EINER FINCA IRGENDWO IM SÜDAMERIKANISCHEN REGENWALD - TAG (cont.)

 

Clemente und Yasmina am Tisch, Miguel steht davor. Clemente und Yasmina starren geschockt vor sich hin.

 

CLEMENTE

Und ihr seid ganz sicher, daß niemand überlebt hat?

 

MIGUEL

Si, Senor. Das Schiff ist explodiert. Die Bullen haben auf den Tank geschossen. Wenn jemand das überlebt hat, ist er  lebendig verbrannt oder ist ertrunken. Oder wurde von den Haien gefressen. Es tut mir so leid, Senor. Yasmina. - Die us-amerikanischen Bullenschweine haben nichts übrig gelassen.

 

Clemente hebt den Kopf. Schaut erst Miguel an, dann Yasmina.

 

 

INNEN - KONFERENZRAUM / POLIZEISTATION MIAMI - TAG

 

Ein langer Konferenztisch. An der einen Längsseite sitzen Benchley und Bjelland; an der anderen Pendergast und Annika. Bjelland referiert.

 

BJELLAND

Das Boot hat sich unerlaubt in US-amerikanischen Hoheitsgewässern aufgehalten. Wir haben uns als Beamte des Staates Florida zu erkennen gegeben. Wir haben die Besatzung des Bootes aufgefordert, den Motor abzuschalten und uns Zugang an Bord zu gewähren. Sie haben sich dem nicht nur durch Flucht zu entziehen versucht, sondern auch das Feuer auf uns eröffnet.

 

PENDERGAST

Und da haben Sie sie einfach versenkt?

 

BENCHLEY

Einer der Jungs von der Special Unit hat offenbar den Treibstofftank getroffen. Das war kein Boot, das war eine schwimmende Baracke. Ein Wunder, dass die damit überhaupt so weit gekommen sind.

 

ANNIKA

Und Sie sind sicher, dass all diese Drogen an Bord waren?

 

BJELLAND

Wir haben an Ort und Stelle eine Wasserprobe entnommen.

 

Sie reicht Annika einen Ausdruck. Annika überfliegt ihn.

 

ANNIKA

Heiliger Strohsack.

 

PENDERGAST

Nun gut. Was geschehen ist, ist geschehen. - Das Boot gehörte zu einer Schmugglerbande aus Bolivien. Der Kopf der Bande ist ein gewisser Adolfo Clemente. Als unser Informant dem FBI vor zehn Tagen den Tipp gegeben hat, dass Clemente wieder einen Transport in die USA via Karibik und Miami plant, war die Rede von knapp zweieinhalb Tonnen. Kokain, Heroin, LSD, Marihuana. Der Endabnehmer ist ein Großhändler in West Hollywood. 

 

BJELLAND

Wie viel ist so viel Stoff wert?

 

PENDERGAST

Je nach Qualität - hundert bis hundertfünfzig Millionen.

 

BENCHLEY

Autsch.

 

PENDERGAST

Das ist aber noch nicht alles. - Wie wir leider erst vor...

 

Pendergast schaut auf seine Armbanduhr.

 

PENDERGAST

... knapp neunzehn Komma zwei fünf Stunden erfahren haben, befand sich noch etwas an Bord. Etwas wesentlich, sagen wir: Problematischeres. Etwas, das es leider unbedingt erforderlich macht, zum Wrack des Bootes hinunterzutauchen und es zu bergen.

 

BENCHLEY

Ach? Und das wäre?

 

PENDERGAST

Ein Behälter mit 150 Gramm kernwaffenfähigem Plutonium.

 

ANNIKA

Heiliger Strohsack.

 

PENDERGAST

Wir wissen nicht, für wen das Zeug bestimmt war, müssen aber davon ausgehen, dass jemand möglicherweise einen terroristischen Anschlag in den USA plant. Das Plutonium befindet sich in einer hitze- und feuerfesten Platinplombe, die die Zerstörung des Schmugglerbootes überstanden haben dürfte. Lassen wir die Plombe im Meer liegen, dürfte sie aber über kurz oder lang durchrosten. Was das für Mensch und Umwelt bedeutet, brauche ich Ihnen nicht zu erklären. Außerdem müssen wir davon ausgehen, dass Clementes Bande versuchen wird, das Plutonium zu bergen. Wir müssen ihnen also zuvorkommen.

 

BJELLAND

Das Wrack liegt etwa zehn Meilen vor der Küste. Wassertiefe zwanzig, maximal fünfundzwanzig Meter. Wo liegt das Problem?

 

PENDERGAST

Nun ja, das eigentliche Problem liegt nicht. Das eigentliche Problem schwimmt. - Dr. Hansen?

 

Er schaut Annika an.

 

 

AUSSEN - TERRASSE EINER FINCA IRGENDWO IM SÜDAMERIKANISCHEN REGENWALD - TAG (cont.)

 

Clemente und Yasmina am Tisch. Auch Miguel sitzt jetzt.

 

CLEMENTE

Wo genau?

 

MIGUEL

Etwa zehn Meilen vor der Küste.

 

CLEMENTE

Wassertiefe?

 

MIGUEL

Zwanzig, maximal fünfundzwanzig Meter.

 

CLEMENTE

Na, schön. - Die Drogen können wir vergessen. Die stellen wir Kalifornien in Rechnung. Es sind immer die Lieferungen an Kalifornien, die die US-Bullen abgreifen. Kalifornien hat eine undichte Stelle - Kalifornien bezahlt. - Was die andere Sache angeht - nehmt ein Schnellboot. Bewegt eure Ärsche zu der Stelle, wo das Wrack liegt. Taucht hinunter. Und holt mir zurück, was mir gehört.

 

Er schaut Yasmina an.

 

CLEMENTE

Yasmina wird euch begleiten.     

 

Yasmina nickt ernst.

 

 

INNEN - KONFERENZRAUM / POLIZEISTATION MIAMI - TAG (cont.)

 

Bjelland, Benchley, Annika und Pendergast.

 

ANNIKA

... Es gibt bisher keinerlei empirische Untersuchungen zu der Wirkung bei Haien. Vielleicht kann ein Hai ein Pfund reines Kokain fressen und spürt absolut gar nichts. Oder es bringt ihn um. Wie gesagt: Man weiß es nicht. - ICH weiß es auch nicht.

 

BJELLAND

Geil. Keiner weiß also gar nichts.

 

BENCHLEY

Ist ja großartig.

 

PENDERGAST

Niemand verlangt von Ihnen, dass Sie sich in Lebensgefahr begeben, Deputies. Aber wie Sie diesem Einsatzbefehl -

 

Pendergast kramt zwei DIN A 4-Seiten aus seiner Aktentasche und händigt sie Benchley und Bjelland aus, die sie flüchtig überfliegen, bevor sie anfangen, richtig zu lesen -

 

PENDERGAST

- entnehmen können, finden Sie sich morgen früh um acht Uhr fünfundvierzig auf Hafenkai 37B ein etc. pp., um Dr. Hansen und mich zur geographischen Koordinate des von Ihnen versenkten Bootes zu transportieren. So schnell wie möglich und unter allen Umständen. - Noch Fragen?

 

Benchley und Bjelland lesen ihre Einsatzbefehle.

 

PENDERGAST

So sieht übrigens die Unterschrift ihres Vorgesetzten aus, wenn er gerade mal nicht die allerruhigste Hand hat.

 

Benchley und Bjelland schauen einander an.

Pendergast und Annika schauen einander an.

 

 

INNEN - WOHNRAUM IN CLEMENTES FINCA - NACHT

 

Clemente und Yasmina sitzen einander gegenüber.

 

CLEMENTE   

Diese verdammten Yankee-Bullenschweine haben Tomasz getötet. - Deinen Bruder. Meinen Sohn. - Tomasz und sechs weitere von unseren Leuten. Sie haben unser Boot versenkt. Sie haben gestohlen, was uns gehört. - Nimm eins von den kleinen, schnellen Booten. Nimm ein halbes Dutzend Männer. Nehmt Panzerfäuste und Granatwerfer. Nehmt großkalibrige

Waffen und panzerbrechende Munition. - Fahrt dorthin. - Die Drecksbullen haben das Boot in flachem Gewässer versenkt. Die Drogen sind verloren. Aber das Andere - unser Schatz - ist noch dort. - Bring uns zurück, was uns gehört, Yasmina. Und bring von deinem Bruder zurück, was die Bullenschweine und die Haie von ihm übrig gelassen haben.

 

YASMINA

Das werde ich, Vater.

 

CLEMENTE

Damit wir ihn wenigstens anständig begraben können.

 

YASMINA

Das werde ich, Vater.

 

CLEMENTE

Die U.S.-Amerikaner werden mittlerweile wissen, dass nicht nur Drogen auf dem Boot waren. Sie werden dort sein. Sie werden versuchen, unseren Schatz zu bergen.

 

YASMINA

Ich töte sie alle.

 

CLEMENTE

Für Tomasz.

 

YASMINA

Für Tomasz, Vater. Und für uns.

 

Sie umarmen einander.

 

 

INNEN - ANNIKAS UND DARLENES APARTMENT - NACHT       

 

Annika und ihre Mitbewohnerin DARLENE, Ende zwanzig, sitzen im Wohnzimmer. Trinken Rotwein, teilen sich einen fetten Joint.

Der Fernseher läuft. Die lokalen Abendnachrichten. Die Nachrichtensprecherin liest vor.

 

DARLENE

Wenn wir nicht bald mal die Küche putzen, könnte sich das am Ende in der ganzen Wohnung ausbreiten.

 

ANNIKA

Ich bin strikt gegen Chemiewaffen.

 

DARLENE

Dann bleibt uns nur, die Küche im Meer zu versenken.

 

NACHRICHTENSPRECHERIN

Heute morgen gegen vier Uhr ist es etwa zehn Meilen vor der Küste zu einer Explosion gekommen, die in Teilen auch von der Küste aus zu sehen war.

 

Ein paar Sekunden Film werden eingespielt. Alles dunkel, dann explodiert in der Ferne lautlos ein Feuerball.

 

NACHRICHTENSPRECHERIN

Die Küstenwache teilte auf Nachfrage mit, daß es sich höchstwahrscheinlich um einen abgestürzten Wetterballon gehandelt hat, der beim Absturz aufgrund eines Kurzschlusses Feuer gefangen hat. Derlei komme häufiger vor, nicht nur in Nevada. Für die Bevölkerung bestand zu keiner Zeit Gefahr.

 

DARLENE

Wetterballon?

 

ANNIKA (mit Blick auf die Nachrichtensprecherin)

Den Quatsch glaubt die doch selbst nicht. - Sollten die nicht vielleicht mal besser die Strände sperren? Nur mal so vorsichtshalber?

 

DARLENE

Apropos. - Ein Typ vom FBI? Das ist ja abgefahren. Erzähl´!

 

ANNIKA

Was gibt´s da zu erzählen?

 

DARLENE

Ist er süß?

 

ANNIKA

Hm, geht so. Scheint ein bisschen steif zu sein.

 

DARLENE

O lala! Jetzt schon? Richtig so.

 

ANNIKA

Steif im Sinne von...

 

DARLENE

... verklemmt.

 

ANNIKA

Steif im Sinne von - sehr korrekt.

 

DARLENE

Darum nennt man sie Beamte.

 

Annika betrachtet den Joint in ihrer Hand.

 

ANNIKA

Hm. Vielleicht sollte ich das hier lieber lassen. 

 

DARLENE

Absolut. Wenn ich wüsste, dass ich morgen zwischen bekifften und zugekoksten Killerhaien herumschwimme, um irgendeine radioaktive Scheiße aus dem Meer zu fischen, wäre ich auf alleräußerste Nüchternheit bedacht.

 

Annika betrachtet den Joint. Zündet ihn wieder an und inhaliert, inhaliert, inhaliert.

  

DARLENE

Wow, heidewitzka, Schätzchen! - So war das nicht gemeint!

 

 

INNEN - YASMINAS ZIMMER - NACHT

 

Yasmina kniet vor einem kleinen Hausaltar, die Hände zum Gebet gefaltet. Auf dem Altar ein elektrisch beleuchtetes Kreuz, ein Bildnis der Heiligen Jungfrau Maria und ein Foto ihres toten Bruders.

 

YASMINA

Dein Tod wird gerächt werden, mein Bruder. Ich werde jedes einzelne der dreckigen Bullenschweine, die dich ermordet haben, an die Haie verfüttern. Das Meer vor der Küste Floridas wird rot sein vor Bullenblut. Das Meer wird rot schäumen vor Blut. In dieser Saison werden die Haie gemästet. - Amen.

 

Sie bekreuzigt sich.

 

 

INNEN - ANNIKAS APARTMENT - NACHT       

 

Annika und Pendergast sitzen - wie kurz zuvor Annika und Darlene - im Wohnzimmer. Trinken Rotwein, teilen sich einen fetten Joint. Aber irgend etwas ist anders, vielleicht das Licht.

Der Fernseher läuft. Die lokalen Abendnachrichten. Die Nachrichtensprecherin liest vor.

 

NACHRICHTENSPRECHERIN

Die Küstenwache teilte auf Nachfrage mit, dass es sich höchstwahrscheinlich um einen abgestürzten Wetterballon gehandelt hat, der beim Absturz aufgrund eines Kurzschlusses Feuer gefangen hat. Derlei komme häufiger vor, nicht nur in Nevada. Für die Bevölkerung bestand zu keiner Zeit Gefahr.

 

ANNIKA (zu Pendergast)

Warum belügen Sie die Leute?

 

Pendergast zuckt mit den Schultern.

 

PENDERGAST

Ich weiß nicht. - Was denken Sie, Annika?

 

ANNIKA

Das war kein Wetterballon. Und auch kein Schmugglerboot voller Drogen. Hab´ ich recht?

 

Pendergast schüttelt den Kopf.

 

ANNIKA

Was war es dann?

 

PENDERGAST

Genau das wollen wir herausfinden. Bislang wissen wir nur eins...

 

ANNIKA

Was immer es ist - es ist nicht irdischen Ursprungs.

 

Pendergast nickt.

 

ANNIKA

Ein UFO? Ist es das?

 

PENDERGAST

Möglicherweise - mutmaßlich, ja.

 

ANNIKA

Und wir fahren da raus, um es zu bergen. Das UFO - und die Besatzung.

 

Pendergast nickt wieder.

 

ANNIKA

Denken Sie, jemand - oder etwas - hat den Absturz überlebt?

 

PENDERGAST

Unwahrscheinlich. Aber nicht unmöglich. - Ich verlasse mich in dieser Sache auf Ihre absolute Verschwiegenheit, Annika. Ich hoffe, das ist Ihnen bewusst.

 

ANNIKA

Sie sind nicht wirklich vom FBI, oder?

 

Pendergast lächelt. Antwortet nicht.

 

ANNIKA

Und warum ich? Ich meine, was hab´ ich damit zu tun? Ich bin Neurobiologin...

 

PENDERGAST

Sie sind etwas ganz besonderes, Annika. - Schauen Sie in den Spiegel.

 

Annika dreht den Kopf, um Pendergast anzusehen, doch neben ihr sitzt nun nicht mehr Pendergast, sondern ein anthropomorphes Alien á la GREY. 

 

 

INNEN - ANNIKAS SCHLAFZIMMER - NACHT

 

Annika im Bett. Schreckt mit einem Schrei aus dem Schlaf / Traum auf.

 

ANNIKA

Scheiße. - Was sollte das denn jetzt?

 

 

AUSSEN - ATLANTISCHER OZEAN VOR DER KÜSTE FLORIDAS - LUXUSJACHT "LORRAINE GARY" - TAG

 

Die Jacht - etwa 30 Meter lang - pflügt durch den atlantischen Ozean. Auf dem offenen Oberdeck ein STEUERMANN in klassischer blau-weißer Matrosenuniform am Steuer. Auf dem Vorderdeck liegen die üblichen Babes in Bikinis (oder oben ohne, je nach Altersfreigabe) in der Sonne.

Jachtbesitzer BLAISDALE, Mitte 50, führt ein halbes Dutzend Gäste auf dem Unterdeck herum.

 

BLAISDALE

Wie man 28 Millionen im Jahr verdient? Ganz einfach. Man zahlt keinen Mindestlohn. Und wenn die Mexen rumzicken und keine unbezahlten Überstunden machen wollen, dann ruft man mal kurz die Jungs vom Zoll, und - zack, bumm - sind die Mexen wieder in Caracas oder Nicaragua oder wie das Scheißloch heißt, wo sie herkommen. Und fressen wieder Maisfladen statt Doppelwopper. - Ich hasse Arbeiter. Nur raffen und fressen auf Kosten derer, die es zu was gebracht haben. Parasitenpack. - Wollen Sie einen kostenlosen Tipp? Lassen Sie im Knast produzieren. Knackis sind die perfekten Angestellten. Keine Gewerkschaft, kein Mindestlohn, kein Streik. Die können nicht mal von sich aus kündigen. Ganz davon abgesehen, daß Arbeit den Charakter bessert. So tun Sie sogar noch etwas für die Gesellschaft. - Ich liebe Gefängnisse. Ich liebe Bullen und Politiker, die dafür sorgen, dass die Knäste immer voll sind. - Ich liebe Florida. 

 

Blaisdale verteilt Champagner, Whisky und Kaviar auf Schwarzbrot vom Buffet.

 

BLAISDALE

Echter russischer Kaviar. Probieren Sie! Ich stehe absolut hinter unserem Handelsembargo gegen diese dreimal verfluchten Bolschewistenschweine. Ich unterstütze die Opposition. Die wissen, wie man sich bedankt. - Na, schmeckt´s? - Aber hallo!   

 

Am Heck der Jacht sind mehrere Angeln aufgestellt. Die Leinen liegen im Wasser.

 

BLAISDALE

Ich hab´ fünf Millionen in Donald Trumps Wahlkampf gesteckt, und ich hab´ jeden Augenblick der Show genossen. Ich liebe Trump. Trump ist Amerika. Erst der Bimbo mit seiner Scheißkrankenversicherung für Junkies, und jetzt ´ne Matrone, deren Gatte sich lieber von seiner verfetteten Praktikantin das Rohr durchpusten lässt. Amerika braucht wieder echte Männer.

 

Blaisdale kippt einen Eimer Schweineblut ins Heckwasser der Jacht, wo die Angelschnüre ins Wasser hängen. Einer der Gäste zückt ein Smartphone, richtet es auf Blaisdale, filmt ihn.

 

BLAISDALE

Männer, die was können. - Männer, die sich was trauen. - Männer mit Saft im Sack.

 

Das Publikum guckt bzw. filmt. Blaisdale kippt noch einen Eimer Blut ins Wasser.

 

BLAISDALE

Letzten Monat war ich mit Justin Bieber hier draußen. Barrakudas fischen. Hat genau da gestanden, wo Sie jetzt stehen. - Meine Stieftochter hat mit ihm gebumst, aber nur einmal. Nicht hier. An Land. Hat gesagt, der bringt´s nicht. - Wussten Sie, dass Justin Bieber tätowiert ist? Hier unten, mein´ ich.  

 

Die Schnur einer der fixierten Angelruten spannt sich. Die Rolle spult ab. Blaisdale bemerkt es.

 

BLAISDALE

Na, endlich. Scheiß Fische. Die werden nie diesen Planeten beherrschen.

 

Blaisdale nimmt die Angelrute aus ihrer Befestigung und holt die Schnur ein. Zug um Zug. Salbadert dabei munter weiter.

 

BLAISDALE

Golf und Tennis sind mir - ehrlich gesagt - zu schwul. - Nichts gegen Schwule, solange sie sich gegenseitig in den Arsch ficken. Dafür hat der liebe Gott schließlich AIDS gemacht. - Wo war ich? Ach, ja. Hochseefischen. - Das ist echter Männersport. Hemingway. Ich lese nur noch Hemingway. Lesen Sie Hemingway? Haben Sie schon mal Hemingway gelesen? Mein Tipp: Lesen Sie Hemingway. - Hochseefischen ist Großwildjagd auf hoher See. Ich sag´ immer: Hochseefischen ist wie eine Schachtel Pralinen. Man weiß nie, was man kriegt.

 

Blaisdale holt weiter die Schnur ein. Plötzlich springt ein Hai, den Angelhaken an der Schnur im Maul, aus dem Wasser quer über die Jacht, beißt im Vorbeiflug Blaisdales Kopf ab und taucht auf der anderen Seite wieder ins Wasser. Reisst dabei die Angelrute mit sich.

Blaisdales kopfloser Körper bricht auf dem Deck zusammen. Blut spritzt aus seinem Halsstumpf.

Das halbe Dutzend Gäste steht und guckt. Schampus, Whisky und Kaviarkanapees in den Händen. Der Gast, der Blaisdale gefilmt hat, lässt das Smartphone sinken. Keiner der Gäste sagt etwas. Wie schon die ganze Szene über.

Schließlich dreht sich der Gast, der gefilmt hat, um in Richtung des Steuermanns auf dem Oberdeck.

 

GAST

Äh, Steuermann? - Sind Sie so nett und bringen uns zurück an Land? 

 

STEUERMANN

Ay, ay, Sir.

 

Der Steuermann dreht das Ruder. Die Jacht dreht scharf bei. Die Gäste widmen sich dem Buffet.

 

 

AUSSEN - OBERDECK DER "SINE ESPERANZA" - TAG

 

Die "Sine Esperanza" ist eine etwas heruntergekommene 20 Meter-Motorjacht. Sie kreuzt mit hohem Tempo durch den Golf von Mexiko. Yasmina steht am Bug. Blickt hinaus aufs Meer. CARLOS, Anfang vierzig, tritt neben sie.

 

CARLOS

Ich habe einen Störsender installiert. So können die Bullen uns mit ihrem Radar nicht orten. Selbst wenn wir schon in Sichtweite sind.

 

YASMINA

Muy bueno. Wie lange noch?

 

CARLOS

Sechs Stunden. Höchstens sieben.

 

Yasmina nickt.

 

Neben der Jacht taucht ein Hai auf. Rammt von außen seinen Kopf gegen die Schiffswand. Folgenlos, das Schiff schwankt lediglich ein bisschen.

 

CARLOS

Schon wieder einer. Hier wimmelt´s von den Biestern. Und sie benehmen sich ziemlich merkwürdig.

 

Die Schiffskatze kommt vorbei. Streift Yasmina um die Beine. Yasmina packt die Katze, hebt sie hoch. Wirft sie über Bord.

Der Hai schnappt die Katze aus der Luft. Yasmina lächelt.

 

YASMINA

Sie haben Hunger.

 

CARLOS

Was machst du? Fritz the Cat war das Schiffsmaskottchen. Wer soll uns jetzt noch vor Unglück beschützen?

 

Yasmina deutet auf den Hai, der neben dem Schiff schwimmt.

 

YASMINA

Er ist jetzt unser Maskottchen.

 

Wie zur Antwort rammt der Hai von außen seinen Kopf gegen die Schiffswand. Yasmina lächelt.

 

 

AUSSEN - HAFENKAI - TAG

 

Das Einsatzboot der Küstenwache liegt am Kai vor Anker. Benchley und Bjelland bringen Verpflegung und Waffen an Bord.

 

Ein alter, BLINDER MANN sitzt mit einer Gitarre auf der Kaimauer. Neben dem Mann sitzt ein kleines MÄDCHEN, vielleicht sechs, sieben Jahre alt, mit einer Puppe im Arm. Der Mann spielt auf der Gitarre einen getragenen Blues im 3/4tel-Takt und singt dazu: 

 

ALTER MANN

 

O Lord, I´m a sinner, I smoke weed ev´ry day

O Lord, please help me keep the damn weed away

I want to be a good man, like those I see on tv    

O Lord, have mercy, have mercy on me

 

O Lord, I´m a sinner, I watch porn ev´ry day

O Lord, please help me keep the damn porn away

I want to be a good man, like madonna and angie jolie

O Lord, have mercy, have mercy on me

 

Pendergasts PKW hält am Kai, Annika und Pendergast steigen aus. Holen ihre Taschen aus dem Kofferraum. Das kleine Mädchen, das neben dem Mann mit der Gitarre sitzt, steht auf und geht zu ihnen.

 

MÄDCHEN

Fahrt ihr zum Fischen raus?

 

PENDERGAST

So was in der Art.

 

Das Mädchen schaut zum Einsatzboot.

 

MÄDCHEN

Da werdet ihr aber ein größeres Boot brauchen.

 

PENDERGAST

Ach, ja? - Und wieso das?

 

MÄDCHEN

Hört ihr etwa keinen Wetterbericht? Ein Sturmtief ist im Anzug. Soll richtig übel werden.

 

 

INNEN - NAVIGATIONSDECK DES EINSATZBOOTES - TAG

 

Bjelland steuert das Boot aus dem Hafenbecken. Annika und Pendergast stellen ihr Gepäck ab. Benchley schaut zu.

 

BENCHLEY

Ein Sturmtief im Anzug? Das ist mir neu.

 

BJELLAND

Die Kleine hat euch verarscht.

 

BENCHLEY

Hat euch wahrscheinlich für Touristen gehalten.

 

BJELLAND

Immer wieder drollig, diese Fischermädchen. 

 

 

AUSSEN - HAFENKAI - TAG (cont.)

 

Der alte Mann und das Mädchen sitzen nebeneinander am Kai. Er zupft auf seiner Gitarre, sie schaut hinaus aufs Wasser, dem sich entfernenden Einsatzboot nach. Spielt dabei mit ihrer Puppe.

 

MÄDCHEN

Von wegen Fischen. Die verarschen uns doch. Hast du gestern Abend die Nachrichten gesehen?   

 

Der alte Mann hört auf zu zupfen. Schaut erst dem Einsatzboot nach, dann das Mädchen an.

 

ALTER MANN

Du meinst den Zwischenfall mit dem Wetterballon?

 

MÄDCHEN

Wetterballon? Dass ich nicht lache. Den Scheiß erzählen sie seit mittlerweile siebzig Jahren. Soll ich dir mal was sagen?

 

ALTER MANN

Klar.

 

MÄDCHEN

Ich hab´ so was von die Schnauze voll. Von allem. Ich hab´ tierisch Bock auf Revolution. Mit allem Zipp und Zapp und Rambazamba.

 

ALTER MANN

Hm. - Und soll ich dir mal was sagen?

 

MÄDCHEN

Na klar. Lass´ hör´n.

 

ALTER MANN

Das hab´ ich schon seit mindestens neunzig Jahren.

 

MÄDCHEN

Echt jetzt?

 

ALTER MANN

Aber hallo.

 

 

INNEN - NAVIGATIONSDECK DES EINSATZBOOTES - TAG (cont.)

 

Nur Bjelland und Benchley. Bjelland steuert das Schiff.

 

BENCHLEY

Der Typ vom FBI hat doch gesagt, diese Dr. Hansen studiert Tiere, die unter Drogeneinfluss stehen.

 

BJELLAND

Und?

 

BENCHLEY

Nun, ja. - Ich wüsste gerne mal, wo die Tiere die Drogen eigentlich her haben.

 

BJELLAND

Frag´ sie doch.

 

BENCHLEY

Als ob Tiere sprechen können...

 

 

AUSSEN - LAGUNE - TAG

 

Eine kleine, feine, ansonsten menschenleere Strandlagune, zur Landseite abgeschirmt durch Hügel und Bäume. Steve und Jeff, die wir bereits aus Annikas Seminar kennen, stehen in Badehosen bis zum Bauch im Wasser, trinken Bier aus Dosen und teilen sich eine gut geladene Bong.

 

STEVE

Die Hansen soll mal bloß nicht so tun. Ich wette, die kifft selber. Montags hat die regelmäßig ganz schöne Ringe unter den Augen. Weiß selbst nicht mehr, was sie eine Minute vorher noch gesagt hat, und zuckt bei jedem lauten Geräusch zusammen.

 

JEFF

Wann warst du denn das letzte Mal montags an der Uni?

 

STEVE

Werd´ mal nicht frech. - In Washington ist kiffen legal. In Colorado ist kiffen legal. In Kali-fucking-fornia ist kiffen praktisch legal. Und in scheiß Faschisten-Florida? In scheiß Faschisten-Florida ist kiffen ein Kapitalverbrechen.

 

JEFF

Tja, irgendwie müssen die Bullen und Politärsche ihre privat betriebenen Knäste ja voll kriegen. That´s Capitalism. Hauptsache, der Dollar lacht.  

 

STEVE

Hast du dir schon mal mit ´nem Dollar als Papier ´ne Tüte gedreht?

 

JEFF

Ich glaub´ nicht.

 

STEVE

Lass´ bleiben. Schmeckt scheiße.

 

JEFF

Ich hab´ mir mal mit ´nem Dollar den Arsch abgewischt. Hatte nichts anderes. Auf ´nem Schulausflug, draußen in den Everglades... 

 

Ein Päckchen Marihuana, eingeschweißt in Plastik, kommt geschwommen. Jeff fischt es aus dem Wasser.

 

JEFF

Ist das das, was ich denke?

 

STEVE

Wenn du das denkst, was ich denke, was du denkst und was ich insofern auch selber denke, zumindest indirekt -

 

JEFF

Spinn´ ich?! Is´ heute Weihnachten?

 

STEVE

Ne. Ist doch Frühling. Weihnachten ist im Winter.

 

Eine Dreiecksflosse taucht in einiger Entfernung aus dem Wasser auf. Bewegt sich auf Jeff und Steve zu. Steve sieht sie als erster.

 

STEVE

Oh, oh.

 

Dann sieht auch Jeff die Flosse.

 

JEFF

Fuck. Was tun wir jetzt?

 

STEVE

Gib ihm das Gras.

 

Jeff hält das Marihuanapäckchen am ausgestreckten Arm hoch.

 

JEFF

Was, das hier? Bist du bescheuert? Das ist mindestens ein halbes Pfund, wenn nicht...

 

STEVE

Verdammt, Jeff, gib ihm das beschissene Gras. - Er will bloß das Gras.

 

JEFF

Hä?! Das ist doch absurd...

 

Der Hai springt aus dem Wasser und beißt Jeff den ausgestreckten Arm, an dem der das Marihuanapäckchen hält, ab. Jeff schreit. Steve auch. Jeff spritzt mit seinem Armstumpf Steve von oben bis unten mit Blut voll. Dann spritzt sein Blut ins Meerwasser.

 

STEVE

Ey Mann, Alter, ich hab´s dir doch gesagt. - Hab´ ich´s dir gesagt?

 

Die Dreiecksflosse des Hais, der Jeffs Arm abgebissen hat, bewegt sich hinaus aufs offene Meer. Gleichzeitig tauchen zwei Dutzend weitere Dreiecksflossen auf und bewegen sich zielstrebig auf Steve und Jeff zu.

 

STEVE

Oh, oh. Blut im Wasser. Nicht gut.

 

Die Haie stürzen sich auf Jeff und Steve. Jeff und Steve werden schreiend unter Wasser gezogen. Eine Blutwolke steigt aus der Tiefe auf, färbt die Wasseroberfläche rot.  

 

 

AUSSEN - OBERDECK DES EINSATZBOOTES - TAG

 

Das Boot schippert aus dem Hafen. Annika und Benchley lehnen an der Reling.

 

ANNIKA

Wo die Tiere die Drogen hernehmen? - Aus der Natur. Meistens. Genau wie die Menschen. Cannabis, Koka, Schlafmohn, aus dem Opium gewonnen wird, Meskalin, Psilocybin, Yage - alles Pflanzen, die Mutter Natur bereitstellt. Alkohol entsteht durch natürliche chemische Gährungsprozesse. Jeder Knacki weiß das.

 

BENCHLEY

Sie kennen sich ja aus.

 

ANNIKA

Sorry, aber das ist mein Fachgebiet.

 

BENCHLEY

Meins auch. Drogen, mein´ ich.

 

ANNIKA

Na, dann sind wir ja schon zu zweit.

 

BENCHLEY

Also der Kampf dagegen. Gegen die Drogen.

 

ANNIKA

Genau so hab´ ich Sie verstanden.

 

BENCHLEY

Hm. Was ich Sie fragen wollte: Dieser Typ vom FBI - kennen Sie den schon länger?

 

ANNIKA

Pendergast? Seit gestern, um genau zu sein. Wieso?

 

Benchley schaut rüber zu Pendergast, der auf der anderen Schiffsseite an der Reling steht, aufs Meer hinaus schaut und ihnen dabei den Rücken zudreht.

 

BENCHLEY

Nur so ´ne Frage. 

 

Benchley steigt unter Deck. Annika schaut ihm nach. Dann geht sie rüber zu Pendergast. Stellt sich neben ihn. Pendergast schaut weiter unverwandt aufs Meer hinaus.

In Sichtweite planscht ein halbes Dutzend Haie im Meer. Die Haie tollen miteinander, springen aus dem Wasser und vollführen Schrauben und Saltos in der Luft.

Pendergast deutet in Richtung der planschenden Haie.

 

PENDERGAST

Schauen Sie, Annika. - Delfine.

 

Annika schaut. Verzieht das Gesicht.

 

ANNIKA

Ne. Das sind keine Delfine.

 

Pendergast schaut genau hin.

 

PENDERGAST

Haie? - Zugegeben, ich kenn´ Haie eigentlich nur vom Discovery Channel; und aus den üblichen viertklassigen Tierhorror-Filmen. Aber ich hab´ noch nie gesehen, dass ...

 

Annika deutet vor ihnen aufs Wasser.

Ein Päckchen eingeschweißtes Marihuana treibt dicht am Boot vorbei.

 

PENDERGAST

Hallo, was schwimmt denn da? - Schätze, wir nähern uns unserem Zielort.

 

ANNIKA

Wo alles begann...

 

PENDERGAST

... und hoffentlich auch enden wird.

 

ANNIKA

Wir sollten es rausfischen. - Mal gucken, wie potent das Zeug ist.

 

Pendergast lüpft die Augenbrauen. 

 

ANNIKA

Na, um die Wirkung auf die Haie abschätzen zu können, mein´ ich. - Streng wissenschaftlich, natürlich.

 

PENDERGAST

´Gucken´?

 

Annika lächelt unschuldig. Achselzucken.

Unvermittelt taucht ein junger Hammerhai aus dem Meer auf und happst das Marihuanapäckchen weg.

 

ANNIKA

Und tschüss.

 

PENDERGAST

Das waren drei oder vier Pfund.

 

ANNIKA

Weg mit einem Happs.

 

PENDERGAST

Sie sind die Wissenschaftlerin. - Was lernen wir daraus?

 

ANNIKA

Augenblick...

 

Annika geht kurz weg. Kommt zurück, mit einer Packung Marshmallows. Pfeift auf zwei Fingern, laut, in Richtung des Hammerhais, der das Marihuanapäckchen gefressen hat und seitdem träge in der Meeresströmung neben dem Boot treibt.

Der Hammerhai zuckt bei Annikas Pfiff zusammen, kommt zur Reling geschwommen und streckt den Kopf aus dem Wasser.

Annika wirft dem Hai einen Marshmallow zu. Der Hai schnappt ihn aus der Luft. Kaut. Schluckt. Reißt gierig das Maul auf. Annika reicht Pendergast einen Marshmallow.

 

ANNIKA

Hier. Versuchen Sie´s auch mal.

 

Pendergast nimmt den Marshmallow. Wirft. Direkt ins Maul des Hais. Der will mehr. Annika reicht Pendergast die Packung Marshmallows. Pendergast füttert den Hai. Annika zückt ihr Smartphone. Richtet die Kamera auf den Hai.

Pendergast greift nach Annikas Hand mit dem Smartphone.

 

PENDERGAST

Tut mir leid, Dr. Hansen, aber ich kann nicht zulassen, dass Sie Foto- oder Filmaufnahmen von mir machen. Zu meiner eigenen Sicherheit. Ich arbeite undercover. - Ich hoffe, Sie verstehen das.

 

ANNIKA

Ich will doch nur den Hai filmen.

 

Pendergast zögert.

 

PENDERGAST

Okay. Aber passen Sie bitte auf. Sonst muss ich das Gerät konfiszieren.

 

Annika nickt. Filmt den Hai. Pendergast verfüttert weiter Marshmallows.    

 

PENDERGAST

Ich fütter´ einen bekifften Haifisch mit Marshmallows. - Unser War on Drugs wird langsam aber sicher unheimlich.

 

ANNIKA

Sie machen das hervorragend, Special Agent Pendergast. - Und, um auf Ihre Frage zurück zu kommen, was lernen wir daraus? - Erstens: Marihuana macht Hunger auf Süßkram. Zweitens: Haie und Menschen sind vielleicht weniger unterschiedlich, als wir bislang dachten.

 

Pendergast isst einen Marshmallow. Reicht Annika einen. Sie nimmt ihn, isst.

Der Hammerhai planscht im Wasser. Rollt sich in Rückenlage. Klatscht mit den Vorderflossen wie ein dressierter Delfin.

 

 

AUSSEN - ATLANTISCHER OZEAN - TAG   

 

Das Einsatzboot unterwegs zu seinem Zielort.

Der Marshmallow-Hammerhai folgt dem Boot in Sichtweite. Rollt sich gelegentlich in Rückenlage und klatscht mit den Flossen.

 

 

AUSSEN - LAGUNE - TAG (cont.)

 

Jeff und Steve treiben im blutigen Wasser. Jeff hat keine Arme, Steve keine Beine mehr.

 

STEVE

Ich spür´ meine Beine nicht mehr.

 

JEFF

Ich spür´ meine Arme nicht mehr.

 

STEVE

Weil du keine Arme mehr hast, Vollidiot.

 

Steve schaut an sich herunter.

 

STEVE

Fuck! Und ich hab´ keine Beine mehr!

 

JEFF

Was sollen wir jetzt tun?

 

STEVE

Wo sind die verfickten Haie?!

 

JEFF

Ich glaub´, sie sind weg.

 

STEVE

Wir müssen aufhören zu bluten! Sofort!

 

JEFF

Klugscheißer.

 

Jeff schwimmt an Steve heran und tritt ihm vor den Kopf.

 

STEVE

Aua! Bist du bescheuert?!

 

Steve packt mit der Hand Jeffs Bein. Jeff tritt.

 

JEFF

Lass´ mich los!

 

Mehrere Dreiecksflossen pflügen durch die Wasseroberfläche auf die beiden zu.

 

STEVE

Bravo. Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank. Du hirnamputiertes Arschloch.

 

 

AUSSEN - OBERDECK DES EINSATZBOOTES - TAG (cont.)

 

Annika und Pendergast stehen an der Reling. Blicken hinaus aufs Meer.

 

ANNIKA

Wie lange sind Sie schon beim FBI?

 

PENDERGAST

Es ist vielleicht besser, wenn Sie nicht allzu viel über mich wissen.

 

ANNIKA

Uh. - Tatsächlich?

 

PENDERGAST

Hm. Möglicherweise.

 

ANNIKA

Sind Sie verheiratet?

 

PENDERGAST

Nur mit meinem Beruf.

 

ANNIKA

Und was machen Sie so in Ihrer Freizeit?

 

PENDERGAST

Essen. Schlafen. Mich fortbilden. - Was ist mit Ihnen, Dr. Hansen? Sind Sie verheiratet?

 

ANNIKA

Ich wette, das wissen Sie genau, Special Agent Pendergast.

 

PENDERGAST

Natürlich. Sie haben recht. Entschuldigung.

 

Ein paar Sekunden Schweigen.

 

PENDERGAST

Was ich allerdings nicht weiß: Wie kommt jemand dazu, sein Leben dem Studium von Tieren zu widmen, die auf Droge sind?

 

ANNIKA

Sind Sie sicher, dass Sie das wissen wollen? - Ist ´ne ziemlich üble Geschichte.

 

PENDERGAST

Schätze, wir leiden beide an der selben Berufskrankheit.

 

ANNIKA

Dass ich in den Everglades aufgewachsen bin, wissen Sie?

 

Pendergast nickt.

 

ANNIKA

Und dass meine Eltern tot sind ebenfalls.

 

Pendergast nickt.

 

PENDERGAST

Ihre Mutter starb als sie drei waren. Ihr Vater, als sie zwölf waren.

 

Annika nickt. Atmet ostentativ tief durch.

 

ANNIKA

Okay. - Also die Glades. - Wir hatten einen Nachbarn. In den Sümpfen. Dizzy Winky Willy. Haben Sie schon mal gesehen, wie ein 800 Kilo schwerer Keiler einen Alligator zerfleischt? Schweine sind intelligente Tiere. Genau wie Haie.

 

PENDERGAST

Ich glaube nicht.

 

ANNIKA

Ist auch irrelevant. - Mein Vater war Ranger. In den Sümpfen. Ein Teil der Sümpfe ist seit Jahrzehnten Naturschutzgebiet.

 

Pendergast nickt.

 

ANNIKA

Eines Tages erreichte uns ein Funkspruch. Also meinen Vater. Dass ganz in der Nähe - in den Sümpfen - ein Flugzeug abgestürzt war. Keine große Sache, so was passiert häufiger...

 

 

AUSSEN - OBERDECK DES EINSATZBOOTES - TAG (cont.)

 

ANNIKA

Er nahm mich mit zu der Absturzstelle. Mein Papa. Ich weiß bis heute nicht, warum. Es war die reinste Hölle. Das Flugzeug war in der Mitte auseinander gebrochen. 

 

 

AUSSEN - OBERDECK DES EINSATZBOOTES - TAG (cont.)

 

ANNIKA

Das Flugzeug, das abgestürzt war, gehörte Schmugglern. Zu der Zeit war Acid die Partydroge Nummer Eins. - Ecstasy. MDMA.

 

Pendergast nickt.

 

 

AUSSEN - OBERDECK DES EINSATZBOOTES - TAG (cont.)

 

ANNIKA

Es war Frühling. Zu der Jahreszeit wimmelt es in den Sümpfen von Krokodilen.

 

PENDERGAST

Paarungszeit?

 

Annika nickt.

 

ANNIKA

Einer der Schmuggler lebte noch. Er war in dem Flugzeugwrack eingeklemmt. Mein Vater schwamm zu ihm rüber, um ihn zu befreien. Dann kamen die Krokodile. Randvoll mit dem Acid, das das Flugzeug geladen hatte.

 

PENDERGAST

Gott, Annika. Ich muss mich bei Ihnen entschuldigen. Ich hatte ja keine Ahnung.

 

Annika schaut Pendergast an. Bricht abrupt in lautes Gelächter aus. Pendergast guckt verdattert.

 

ANNIKA

Mann, Pendergast, das haben Sie doch jetzt nicht allen Ernstes geglaubt, oder?

 

Pendergast guckt immer noch. Sprachlos.

 

ANNIKA

Verdammt. Sie haben´s geglaubt. - Nein, die Antwort ist ganz einfach: Ich steh´ einfach total auf Tiere. Ich liebe Tiere. Und diese Liebe hab´ ich zum Beruf gemacht.

 

Pendergast guckt immer noch.

 

ANNIKA

Und das Arschloch, das laut Autopsiebericht an einem Drogencocktail aus Speed, Koks, Benzedrin und Rattengift gestorben ist, als seine Stieftochter, mit der er allein in den Sümpfen lebte, gerade mal zwölf Jahre alt war, war übrigens nicht mein Vater, sondern mein Stiefvater. Und der war ein treuer Jünger von Beck´s, Schlitz, Johnny Walker und Jim Beam und nichts anderem. - Und wenn ich Sie wäre, Special Agent Pendergast, würde ich spätestens an dieser Stelle jetzt nicht weiter nachfragen. - Haben die Polizisten damals nämlich auch nicht.    

 

 

AUSSEN - LAGUNE - TAG (cont.)

 

Jeff und Steve treiben beide ohne Arme und Beine im Wasser. Dreiecksflossen umkreisen sie.

 

STEVE

Zappel´ nicht rum!

 

JEFF

Ich zappel´ nicht! Womit denn auch?!

 

STEVE

Keine Ahnung. Mit dem Kopf. - Wenn ich noch Hände hätte, würde ich dich erwürgen.

 

JEFF

Wenn ich noch Beine hätte, würde ich dir in die Fresse treten.

 

Steve spuckt Jeff Meerwasser ins Gesicht.

 

JEFF

Hey! Was soll das?!

 

STEVE

Ich spuck´ dir ins Auge und blende dich.

 

JEFF

Sehr witzig. Das mit meiner Schwester kannst du so was von vergessen.

 

Mehrere Päckchen Marihuana schwimmen vorbei. Die Dreiecksflossen nähern sich den Päckchen. Die Haie verschlingen die Päckchen. Jeff und Steve schauen zu.

 

JEFF

Oh, nein. Jetzt kriegen sie wieder Hunger.

 

 

AUSSEN - OBERDECK DES EINSATZBOOTES - TAG (cont.)

 

Annika und Pendergast an der Schiffsreling. Annika erzählt, Pendergast hört zu.

 

ANNIKA

... Und als wir zurückkamen, hatte sein Hamster das ganze Gras gefressen. Komplett. 20 Gramm feinstes Killer Haze. Mit Strunk und Stiel. Ein Hamster auf Dope und Red Bull, das ist wie ein Kindergeburtstag für Erwachsene. Das muß man mal erlebt haben. Ich weiß nicht, wie ich´s sonst beschreiben soll...

 

 

INNEN - NAVIGATIONSDECK DES EINSATZBOOTES - TAG

 

Bjelland kontrolliert die Radaranzeige auf dem Steuerpult. Benchley schaut aus dem Fenster. Dorthin, wo Annika und Pendergast stehen und sich unterhalten.

 

BENCHLEY

Irgendwas an diesem Pendergast gefällt mir nicht. Ganz und gar nicht.

 

BJELLAND

Nicht alle FBI-Typen sind Arschlöcher.

 

BENCHLEY

Das mein´ ich nicht.

 

 

AUSSEN - OBERDECK DES EINSATZBOOTES - TAG (cont.)

 

Annika und Pendergast.

 

PENDERGAST

Sind Sie schon mal mit Haien getaucht, Dr. Hansen?  

 

ANNIKA

Vor einigen Jahren, nördlich von Australien. Wir hatten sie vorher ordentlich gefüttert. Tiger- und Katzenhaie. Die waren so vollgefressen, die ließen sich sogar die Bäuche kraulen. - Das hier dürfte eine etwas andere Nummer werden. - Was ist mit Ihnen? Sind Sie schon mit Haien geschwommen?

 

PENDERGAST

Nein. Bisher noch nicht.

 

Benchley schaut hinauf aufs Oberdeck.

 

BENCHLEY

Null minus dreißig Minuten. Besser, ihr macht euch fertig.

 

ANNIKA (zu Pendergast)

Keine Angst. Mehr als fressen können die Biester Sie nicht. - Andy Warhol hat mal gesagt, wenn´s ganz schlimm wird, soll man sich einfach vorstellen, das Ganze sei bloß ein Film.

 

PENDERGAST

Wenn das hier ein Film ist, würde ich gerne mal den Regisseur sprechen.

 

ANNIKA

Oder die Regisseurin.

 

Pendergast zuckt die Achseln.

 

ANNIKA

Verschonen Sie die Regisseure, Pendergast. Die wahren Schuldigen sind immer die Drehbuchautoren.

 

PENDERGAST

Wenn man sich´s mit denen verscherzt, lassen die einen aber am Ende einen richtig fiesen Tod sterben.

 

ANNIKA

Wir sterben doch nicht, Pendergast. Wir sind die Guten.

 

Annika zwinkert und steigt hinab aufs Unterdeck. Pendergast schaut ihr nach. Blickt hinaus aufs Meer.

 

PENDERGAST (bei sich)

Wär´ schön, wenn´s so wäre.

 

Benchley taxiert Pendergast.

 

BENCHLEY

Wissen Sie was, Pendergast?

 

PENDERGAST

Mal gucken. Wenn Sie nicht wählerisch sind, fällt mir bestimmt was ein.

 

BENCHLEY

Ich trau´ Ihnen nicht. Irgendwie trau´ ich Ihnen ganz und gar nicht.

 

PENDERGAST

Ich weiß. Und wissen Sie was, Benchley? Es ist mir absolut scheißegal.

 

 

ZWISCHENSPIEL IM HEIMKINO

 

Thalia, die Muse des göttlichen Blödsinns. - Der Autor.

 

DER AUTOR

Was war das eben mit den Drehbuchautoren? - Wer schreibt denn solche Dialoge?

 

THALIA

Guck´ mich nicht an. Ich bin nur die Muse. Du bist der Autor. Schon vergessen?

 

DER AUTOR

Vielleicht sollte ich mich mal mit meinen Figuren unterhalten...

 

THALIA

Übertreib´s nicht. So was kann unvorhersehbare Folgen haben.

 

DER AUTOR

Hm.

 

THALIA

Was machen eigentlich Jeff und Steve?

 

 

AUSSEN - LAGUNE - TAG (cont.)

 

Jeff und Steve liegen, beide nur noch Kopf und armloser Torso, aus dem unterhalb des Bauches die Eingeweide raushängen, nebeneinander am Lagunenstrand im Sand. Jeff fehlt außerdem der Unterkiefer.

 

STEVE

Wo ist eigentlich die Bong?

 

Jeff keucht ein fieses, kehliges, feuchtes, trauriges Zombie-Keuchen. Spuckt dabei einen Schwall Blut.

Sie sehen einander an.

 

STEVE

Du hast sie fallen lassen.

 

 

AUSSEN - OBERDECK DER "SINE ESPERANZA" - TAG

 

Das Boot liegt still in der Dünung. Carlos steht an der Reling, späht durch ein Fernglas hinaus aufs Meer. Beobachtet das Einsatzboot der Küstenwache, das in einiger Entfernung auf dem Meer dümpelt.

 

CARLOS

Die Bullen halten die Position. Es scheint...

 

Yasmina und Miguel stehen hinter ihm. Beide tragen Taucheranzüge. Yasmina hält eine Langharpune in der Hand.

 

YASMINA

Wir sind da. - Dies ist der Ort.

 

Zu Miguel:

 

YASMINA

Gehen wir tauchen.

 

 

AUSSEN - OBERDECK DES EINSATZBOOTES - TAG (cont.)

 

Annika und Pendergast tragen Taucheranzüge und Sauerstoffflaschen. Beide fummeln mit kleinen elektronischen Geräten herum.

 

ANNIKA

Und? Funktioniert Ihr Geigerzähler?

 

PENDERGAST

Selbstverständlich. Funktioniert Ihr Bewegungsmelder?

 

ANNIKA

Heben Sie mal die Hand.

 

Pendergast hebt eine Hand. Annika drückt ein paar Knöpfe.

 

ANNIKA

Und jetzt die andere.

 

Pendergast hebt die andere Hand. Annika runzelt die Stirn. Schüttelt ihr Gerät.

 

ANNIKA

Und jetzt beide.

 

PENDERGAST

Erlauben Sie sich etwa schon wieder einen Jux mit mir, Dr. Hansen?

 

ANNIKA

Einen Jux mit einem Special Agent des FBI? Ist das denn nicht verboten?

 

PENDERGAST

Kommt wohl drauf an.

 

Benchley und Bjelland kommen aufs Oberdeck. Nähern sich Annika von hinten. Annika schaut auf ihren Bewegungsmelder.

 

ANNIKA

Hey. Da kommt was auf uns zu. Zwei Objekte. Sechs Uhr. Vier Meter. - Drei. Zwei. Eins...

 

Bjelland reicht Annika und Pendergast je eine Harpunenpistole. Annika und Pendergast nehmen die Waffen entgegen. Inspizieren sie.

 

BJELLAND

Ein Pfeil im Lauf, zwei weitere im Handgriff. Ihr habt also jeder maximal drei Schüsse. 

 

ANNIKA

Das ist ein Witz, oder? - Wenn ich damit auf einen Hai schieße, fängt der höchstens an zu lachen, weil´s ihn kitzelt.

 

PENDERGAST

Die Pfeilspitzen sind mit Flüssigsprengstoff, Phosphor und Strichnin gefüllt. Damit töten Sie ein Rhinozeros in weniger als zwei Sekunden. - Sie verfügen doch über Erfahrung im Umgang mit Schusswaffen, Dr. Hansen? 

 

ANNIKA

Machen Sie Witze? Wir sind hier in Florida. Ich bin hier aufgewachsen.

 

PENDERGAST

Dachte ich mir.

 

BJELLAND

Na dann - viel Glück.  

 

 

AUSSEN - ATLANTISCHER OZEAN / EINSATZBOOT - TAG

 

Annika und Pendergast tauchen unter Wasser.

Handzeichen: Alles okay.

Pendergast taucht voraus, dem Geigerzähler nach, Annika ihm nach, den Bewegungsmelder in der Hand.

 

 

AUSSEN - ATLANTISCHER OZEAN / "SINE ESPERANZA" - TAG

 

Yasmina und Miguel tauchen unter Wasser.

Handzeichen: Alles okay.

Yasmina taucht voraus. Miguel ihr nach.

 

 

AUSSEN - ATLANTISCHER OZEAN - TAG (cont.)

 

Annika und Pendergast begegnen einem Hai. Der Hai dreht sich permanent um sich selbst beim Versuch, sich selbst in die Schwanzflosse zu beissen. Annika und Pendergast ignoriert er komplett.

Annika und Pendergast haben Sprechfunkgeräte in ihren Taucherhelmen, über die sie sich - akustisch leicht verzerrt - unterhalten können.

 

ANNIKA

Hoppla, das ist ja mal schräg.

 

PENDERGAST

Sagen Sie mir bitte, dass das kein Balztanz ist, was der da gerade aufführt, Annika.

 

ANNIKA

Locker bleiben, Pendergast. Das ist ein Carcharhinus amblyrhynchos.

 

PENDERGAST

Ein was?

 

ANNIKA

Ein Grauer Riffhai. - Witzig. Wusste gar nicht, dass es die hier gibt.

 

PENDERGAST

Riffhai? Der macht auf mich eher den Eindruck eines Kiffhais.

 

ANNIKA

Oh, Pendergast. - Kaum unter Wasser, schon wird´s unterirdisch...

 

 

AUSSEN - ATLANTISCHER OZEAN - TAG (cont.)

 

Yasmina und Miguel tauchen durchs Wasser. Begegnen einem Hai. Der Hai dreht sich permanent um sich selbst beim Versuch, sich selbst in die Schwanzflosse zu beißen. Yasmina und Miguel ignoriert er komplett.

Auch Yasmina und Miguel haben Sprechfunkgeräte in ihren Taucherhelmen, über die sie sich - akustisch leicht verzerrt - unterhalten können.

 

MIGUEL

Madre dios! Hier geht´s ja mächtig rund!

 

YASMINA

Willkommen in scheiß USA. - Hier spinnen sogar die Fische.

 

MIGUEL

Verfickter Kapitalismus! Der Haifisch fährt Karussell mit sich selbst! - Warte, Yasmina!

 

Miguel zückt sein Smartphone und filmt den rotierenden Hai.

 

YASMINA

Miguel!

 

MIGUEL

Warte kurz! - Für Youtube!

 

Miguel filmt weiter. Der Hai stellt seine egozentrische Rotation ein. Schwimmt ruhig im Wasser. Fixiert Miguel mit dem Blick.

Miguel lässt langsam das Smartphone sinken. 

Miguel und der Hai starren einander an.

 

YASMINA

Miguel!

 

Jetzt registriert auch Miguel, was die Stunde geschlagen hat.

 

MIGUEL

Ich liebe dich, Yasmina! Ich hab´ es dir nie gesagt, aber schon im Kindergarten...

 

YASMINA

Was?! - Miguel, beweg´ deinen Arsch..!

 

MIGUEL

Schon als wir Kinder waren..!

 

Der Hai krümmt sich und kotzt Miguel eine fette, flockige Wolke Haifischkotze ins Gesicht.

 

MIGUEL

Madre dios! Diabolo! Te quiero! Yasmina! Aiuda me!

 

YASMINA

Ach, Miguel...

 

Der Hai beißt Miguel in den Bauch und reißt ihm die Bauchdecke auf. Miguels Eingeweide schwimmen vor ihm im Wasser. Miguel versucht, sie wieder in seine offene Bauchhöhle zu stopfen. Der Hai beißt nochmal zu, diesmal in Miguels Gesicht. Reißt Miguel die Haut vom Schädel.

 

YASMINA

... Du Vollidiot.

 

Sie macht, dass sie wegkommt.

 

Miguels Smartphone sinkt in einer Wolke von Blut und sonstwas hinab auf den sandigen Meeresgrund und bleibt dort - weiter filmend - liegen.

 

 

AUSSEN - ATLANTISCHER OZEAN - TAG (cont.)

 

Pendergast dreht sich um. Hinter ihm steht still ein vier Meter langer Weißer Hai im Wasser. Glotzt Pendergast aus glasigen, blutunterlaufenen Augen an.

 

PENDERGAST

Äh - was mache ich jetzt, Annika?

 

ANNIKA

Nicht bewegen.

 

Der Hai gafft Pendergast an. Schnüffelt. Schnappt nach ihm. Wie in Zeitlupe und mindestens einen Meter daneben. Pendergast weicht elegant aus und schlägt dem Hai mit der flachen Hand auf die Nasenspitze. Der Hai schüttelt sich, maunzt (!), dreht sich um und schwimmt langsam, in Schlangenlinien, davon.

 

PENDERGAST

Puh, das war knapp.

 

ANNIKA

Ach, was, knapp. - Der wollte doch bloß spielen. Der Hai ist rattendicht, haben Sie das nicht gesehen? Ich tippe auf Opiate. Hat vermutlich vom Heroin genascht.

 

PENDERGAST

Wie bitte?! Bloß spielen?!

 

ANNIKA

Na, klar. - Und Sie haben ihm einen Nasenstülper verpasst.             

 

 

AUSSEN - OBERDECK DES EINSATZBOOTES - TAG

 

Benchley und Bjelland stehen an der Bootsreling. Beobachten die Fortschritte der Mission.

 

BJELLAND

Die Biologieprofessorin hat doch gesagt, die Haie kommen jedes Jahr hierher, um sich zu paaren.

 

BENCHLEY

Und?

 

BJELLAND

Na, wenn die jetzt alle stoned sind - geht das dann überhaupt noch?

 

BENCHLEY

Soll das ein Witz sein? - Und du willst auf ´nem College gewesen sein?

 

BJELLAND

Wieso?

 

Benchley grinst. Antwortet nicht.

 

BJELLAND

Ich war auf dem College. - Ich war sogar dreimal Jahrgangsbeste.

 

BENCHLEY

Glaub´ ich glatt.

 

BJELLAND

Bitte sehr. - Hab´ ich schwarz auf weiß.

 

 

AUSSEN - ATLANTISCHER OZEAN - TAG (cont.)

 

ANNIKA

Sigmund Freud war der Ansicht, dass die männliche Angst vor Fischen eine Projektion der männlichen Angst vor der weiblichen Vagina ist.

 

PENDERGAST

Ich habe keine Angst vor Fischen. 

 

ANNIKA

Selbstverständlich nicht.

 

PENDERGAST

Hab´ ich nie gehabt.

 

ANNIKA

Warum auch.

 

PENDERGAST

Werd´ ich auch nie haben.

 

ANNIKA

Abwarten.

 

 

AUSSEN - OBERDECK DES EINSATZBOOTES - TAG (cont.)

 

BENCHLEY

Wie paaren sich Haie eigentlich?

 

BJELLAND

Wie war das mit dem College?

 

 

AUSSEN - ATLANTISCHER OZEAN - TAG (cont.)

 

ANNIKA

Wenn ein Hai auf Droge ist - weiß er vielleicht gar nicht mehr, dass er ein Hai ist.

 

PENDERGAST

Wie bitte?!

 

ANNIKA

Drogeninduzierte Depersonalisation. - Er könnte sich selbst für alles mögliche halten. - Einen Schuhschrank. Oder eine Espressomaschine...

 

PENDERGAST

Schuhschrank? 

 

ANNIKA

Oder einen gelben Haushaltsschwamm, der in einer hohlen Ananas wohnt, mit einer miauenden Schnecke als Haustier. Oder Angelina Jolie.

 

PENDERGAST

Äh, Annika?

 

ANNIKA

Oder Fritz the Cat. Kennen Sie Fritz the Cat, Special Agent Pender ..?

 

PENDERGAST

Ich unterbreche nur höchst ungern ihren zweifelsohne so unterhaltsamen wie informativen Monolog, Annika. Ich frage mich nur gerade, ob es vielleicht sein könnte, dass sich hier immer noch Drogenrückstände im Wasser befinden?

 

ANNIKA

Bei der Strömung hier draußen eher unwahrscheinlich. - Wieso? Sind Sie high?

 

 

AUSSEN - OBERDECK DES EINSATZBOOTES - TAG (cont.)

 

BJELLAND

Man kann auch ohne Drogen ein glückliches, zufriedenes, erfülltes Leben führen. Und man lebt gesünder und länger.

 

Der Marshmallow-Hammerhai schwimmt vorbei. In Rückenlage. Klatscht dabei mit den Vorderflossen wie ein dressierter Delfin.

 

BENCHLEY

Sag´ dem das mal.

 

Bjelland seufzt, greift nach der Marshmallow-Packung und füttert den Hai mit Marshmallows.

 

 

AUSSEN - ATLANTISCHER OZEAN - TAG (cont.)

 

Annika und Pendergast tauchen. Der Meeresgrund ist voller verkohlter Bootstrümmer. Dazwischen funkelt etwas silbern. Ein etwa einen halben Meter langer, röhrenförmiger Metallbehälter.

Die Plombe mit dem Plutonium.

Annika sieht sie. Macht Pendergast darauf aufmerksam. Der taucht Richtung Plombe.

Plötzlich ist Yasmina direkt vor ihm.

 

YASMINA

Pendergast! - Ich hätte es wissen müssen!

 

PENDERGAST

Yasmina Clemente. So trifft man sich also wieder.

 

YASMINA

Wie sagt doch das dumme amerikanische Sprichwort? - Man trifft sich immer zweimal im Leben.

 

PENDERGAST

Dann ist dieses Mal unser letztes Mal.

 

YASMINA

Unser allerletztes, Schätzchen. - Macht euch bereit zu sterben.

 

Yasmina zielt mit ihrer Harpune auf Pendergast. Im selben Moment, als sie abdrückt, taucht hinter ihr plötzlich der Marshmallow-Hammerhai auf und rammt Yasmina seinen Kopf in den Rücken. Yasmina verreißt den Schuss, der Harpunenpfeil verfehlt Pendergast um Haaresbreite. Pendergast zielt seinerseits mit seiner Harpunenpistole auf Yasmina, drückt den Abzug, doch nichts passiert. Seine Pistole hat Ladehemmungen. Yasmina zieht ihr Tauchermesser und schwimmt auf Pendergast zu. Pendergast lässt seine Harpunenpistole fallen.

 

PENDERGAST

Annika! Schießen Sie!

 

Yasmina hat Pendergast erreicht. Sie ringen miteinander. Annika richtet ihre Waffe auf die beiden, drückt aber mangels freier Schussbahn nicht ab.

 

PENDERGAST

Annika!

 

ANNIKA

Ich kann nicht!

 

Yasmina hebt die Hand mit dem Messer, um Pendergast zu erstechen, da ist plötzlich der Hammerhai wieder da. Schwimmt blitzschnell vorbei und beisst Yasmina dabei die Messerhand ab. Yasminas Blut strömt ins Wasser.

 

ANNIKA

Oh, Scheiße.

 

Pendergast stößt Yasmina von sich weg und taucht nach der Plutoniumplombe.

 

ANNIKA

Pendergast! Schnell! Wir müssen hier weg!

 

Dunkle Schatten nähern sich, ein Hai, dann noch einer, bis ein gutes Dutzend Haie die drei umkreisen. Pendergast hält die Plombe in den Händen.

 

PENDERGAST

Sag´ es mir, Yasmina! - Für wen ist das Plutonium bestimmt?!

 

YASMINA

Fahr´ zur Hölle, Pendergast.

 

Die Haie stürzen sich auf Yasmina. Reißen sie in Stücke. Annika und Pendergast machen, dass sie wegkommen. 

 

 

AUSSEN - HAFENKAI DER KÜSTENWACHE - TAG

 

Das Einsatzboot liegt wieder am Kai. Benchley, Bjelland, Annika und Pendergast gehen von Bord. Pendergast trägt die Plombe unterm Arm. Wendet sich zuerst an Bjelland.

 

PENDERGAST

Nehmen Sie´s nicht persönlich, Deputy Bjelland, aber Ihr Partner ist ´ne ausgemachte Pfeife.

 

BJELLAND

Tu´ ich nicht, Special Agent Pendergast. - Der weiß nicht mal, wie Haie sich paaren.

 

PENDERGAST

Ein Elend. Was ist bloß aus dem erstklassigen amerikanischen Bildungswesen geworden?

 

BJELLAND

Ach. Er müsste ja bloß mal googlen.

 

PENDERGAST

Ich empfehle Wikipedia.

 

BJELLAND

Ich liebe Wikipedia.

 

PENDERGAST

Deputy Bjelland, es war mir ein Vergnügen, mit Ihnen zusammenarbeiten zu dürfen.

 

BJELLAND

Das Vergnügen war ganz auf meiner Seite, FBI Special Agent Pendergast.

 

Pendergast verabschiedet sich mit einer Verbeugung und einem Handkuss. Bjelland ist entzückt.

Pendergast wendet sich Annika zu.

 

PENDERGAST

Tja, dann...

 

ANNIKA

Special Agent...

 

PENDERGAST

Ich täte gerade nichts lieber, als Sie nach Hause zu fahren, Annika, das wissen wir beide, aber ich habe es wirklich eilig.

 

ANNIKA

Kein Problem.

 

PENDERGAST

Danke, Annika. Für alles.

 

ANNIKA

Immer wieder gern.

 

PENDERGAST

Ich melde mich bei Ihnen. Sobald ich kann. Versprochen.

 

Pendergast läuft im Laufschritt zu seinem Wagen, der am Kai geparkt steht. Die anderen schauen ihm nach.

 

BENCHLEY

Sorry, aber ich trau´ ihm noch immer nicht.

 

BJELLAND

Ach, halt´ endlich die Klappe.

 

Pendergasts Wagen rast davon.

 

ANNIKA

Und? Wer bringt mich jetzt nach Hause? 

 

Benchley und Bjelland sehen einander an.

 

ANNIKA

Wenn ich den Bus nehmen muss, könnte es sein, dass ich direkt danach mal die Tusse von den Lokalnachrichten anrufe.

 

Bjelland seufzt. Benchley nickt.

 

 

EPILOG IM HEIMKINO

 

Thalia, die Muse des göttlichen Blödsinns. - Der Autor.

 

THALIA

Schade.

 

DER AUTOR

Schade?

 

THALIA

Na ja. - Ich dachte, sie kriegen sich. Annika und Pendergast, mein´ ich.

 

DER AUTOR

Abwarten. Noch ist der Film nicht zuende.

 

THALIA

Was soll jetzt schon noch groß passieren?

 

Der Autor lächelt.

 

 

AUSSEN - INTERSTATE HIGHWAY - TAG

 

Pendergasts Wagen fährt den Highway entlang.

 

 

INNEN - PENDERGASTS WAGEN - TAG

 

Pendergast am Steuer, neben ihm auf dem Beifahrersitz liegt die Plombe mit dem Plutonium. Pendergast tippt mit einer Hand eine Nummer in sein Mobiltelefon. Hält es ans Ohr.

 

PENDERGAST (ins Telefon)

Der Problemlöser vom Dienst hier. - Allerdings. - Sagen Sie dem Bolivianer, ich habe seinen Schatz. Er ist unterwegs nach Hollywood. Lieferung erst nach Bestätigung des

Zahlungseingangs.- Danken Sie nicht mir, danken Sie dem FBI. - Ist immer ein Vergnügen, mit Ihnen Geschäfte zu machen. - Ja, du mich auch.

 

Er beendet das Gespräch.

 

 

AUSSEN - INTERSTATE HIGHWAY - TAG (cont.)

 

Pendergasts Wagen fährt den Highway entlang.

 

 

INNEN - ANNIKAS UND DARLENES APARTMENT - BACHT       

 

Annika und Darlene sitzen wieder im Wohnzimmer. Trinken Rotwein, teilen sich einen Joint. Wieder der Fernseher. Die lokalen Abendnachrichten. Die Nachrichtensprecherin liest vor.

 

DARLENE

Ich betrachte die Küche als endgültig verloren.

 

ANNIKA

Schon wieder umziehen?

 

DARLENE

Sieh´s positiv. Unsere Talente liegen einfach komplett woanders.

 

NACHRICHTENSPRECHERIN

Der Multimilliardär Dalton Blaisdale, einer der größten Arbeitgeber des Staates Florida, wurde heute bei einem Angelausflug vor der Küste Opfer eines bizarren Haiangriffs.

 

Ein paar Sekunden Film werden eingespielt. Das Smartphone-Video von Blaisdales filmendem Angeltour-Gast. Blaisdale, der die Angelschnur einholt. Der springende Hai. Blaisdale, plötzlich kopflos.

 

NACHRICHTENSPRECHERIN

 Mr. Blaisdale trug Ehrendoktortitel von 27 Universitäten, galt als enger Freund des ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und war für sein soziales Engagement bekannt. Er hinterlässt eine Frau, drei Exfrauen und eine vierzehnjährige Stieftochter.

 

DARLENE

Quizfrage: Wer freut sich jetzt wohl am meisten?

 

ANNIKA

Verflixt. Das war einer unserer Hauptsponsoren. Vom biologischen Institut, mein´ ich. - Passionierter Großwildjäger, aber man kann sich´s ja schließlich nicht aussuchen.

 

Darlene nimmt einen früheren Gesprächsfaden wieder auf.

 

DARLENE

Sorry, Schätzchen, aber das will absolut nicht in mein kleines, dummes Köpfchen rein. - Er hat die ganze Zeit mit dir geflirtet, ihr habt zusammen mit Killerhaien auf Dope getaucht, ihr habt die Welt vielleicht vor einem nuklearen Holocaust gerettet - und dann lässt du ihn einfach so davonfahren?! - Hast du irgendwas unterschlagen? Ist er ein perverser Serienkiller, der noch bei seiner Mutter wohnt?

 

ANNIKA

Hm. Ich weiß nicht mal, in welcher Stadt er wohnt. Irgendwie schwer vorstellbar, dass Special Agent Pendergast überhaupt irgendwo wohnt.

 

DARLENE

Du weißt nicht mal seinen Vornamen.

 

ANNIKA

Nimm den Finger vom Panikknopf. - Er hat gesagt, er ruft mich an, oder?

 

DARLENE

Das hab´ ich auch mal geglaubt. - Wie häufig hab´ ich das schon geglaubt... 

 

 

AUSSEN - EVERGLADES / SÜMPFE VON FLORIDA - TAG

 

Eine kleines, zweimotoriges Flugzeug fliegt in geringer Höhe über die Sümpfe Richtung Norden. 

 

 

INNEN - COCKPIT DES FLUGZEUGS - TAG

 

Zwei Männer sitzen im Cockpit. PILOT und COPILOT.

 

PILOT

Wie liegen wir im Zeitplan?

 

COPILOT

Knapp eine Stunde dreißig zu spät.

 

PILOT

Verdammt. Diese Kiste ist total überladen. Und wir fliegen viel zu niedrig. Dieses verdammte EXTRA -

 

COPILOT

Wenn wir höher fliegen, haben die Bullen uns auf dem Radar.

 

PILOT

Ich scheiß´ auf die Bullen.

 

Der Pilot schaut aus dem Seitenfenster auf die Triebwerkturbine unterm Seitenflügel. Die Turbine fängt an zu stottern und stößt schwarzen Rauch aus.

 

 

AUSSEN - EVERGLADES / SÜMPFE VON FLORIDA - TAG

 

Die Sümpfe. Schlamm, Wasser, überwuchert von gewaltigen Mangrovenbäumen. Unzählige Krokodile tummeln sich im Wasser und am Ufer.

 

 

INNEN - COCKPIT DES FLUGZEUGS - TAG (cont.)

 

Der Pilot schaut zu, wie das Triebwerk unterm Seitenflügel stottert, raucht und den Geist aufgibt. 

 

PILOT

Und tschüss.

 

COPILOT

Scheiße, Mann, tu´ doch was!

 

PILOT

Oh, das tu´ ich, Mann. - Das tu´ ich.

 

COPILOT

Ach, ja?! - Und was?!

 

PILOT

Ich bete für uns beide. Madre dios.

 

 

AUSSEN - EVERGLADES / SÜMPFE VON FLORIDA - TAG

 

Das Flugzeug stürzt, eine Rauchfahne hinter sich her ziehend, in die Sümpfe. Wird beim Aufprall in zwei Hälften gerissen. Koffergroße braune, weiße und grau-grüne Päckchen werden aus dem Inneren des Flugzeugs heraus in die Sümpfe geschleudert. Einige der Päckchen platzen dabei auf, Kokain, Heroin, Marihuana und bunte Pillen treiben im Sumpfwasser.

Dutzende Krokodile schwimmen heran. Machen sich über die Drogenpäckchen und die frei im Wasser schwimmenden Drogen her.

 

 

ABBLENDE.

 

 

Schwarze Leinwand. Das gedämpfte Piepen, wenn man ein Mobiltelefon anruft und darauf wartet, dass das Gespräch am anderen Ende entgegengenommen wird. Nach mehrmaligem Piepen meldet sich eine Stimme, durchs Telefon leicht verzerrt. 

 

ANNIKA (v. o.)   

Special Agent Pendergast. Ich hatte die Hoffnung schon beinah aufgegeben. - Wie geht es Ihnen?

 

PENDERGAST (v. o.)

Hallo, Annika. Ganz hervorragend, danke der Nachfrage. Und Ihnen? 

  

ANNIKA (v. o.)

Zwei meiner Studenten werden vermisst. Die Küstenwache hat Körperteile, aber... - Ganz ehrlich?

 

PENDERGAST (v. o.)

Selbstverständlich. Nach allem, was wir zusammen...

 

ANNIKA (v. o.)

Ich brauch´ dringend mal Ferien.

 

PENDERGAST (v. o.)

Das trifft sich hervorragend, Annika. - Haben Sie am Wochenende schon was vor?

 

ANNIKA (v. o.)

Sie rufen nicht an, um mich zum Essen auszuführen, oder?

 

PENDERGAST (v. o.)

Hm. Vielleicht im Anschluss.

 

ANNIKA (v. o.)

Na schön. - Was ist es diesmal?

 

PENDERGAST (v. o.)

Ich fürchte, das wird Ihnen überhaupt nicht gefallen, Annika.

 

ANNIKA (v. o.)

Und Sie denken, auf diese Weise wird das was mit uns beiden, Special Agent Pendergast?

 

PENDERGAST (v. o.)

Ich bin in dreiundvierzig Komma fünf Minuten bei Ihnen, Annika.

 

Freizeichen.

 

 

AUSSEN - HAFENKAI - TAG

 

Der alte, blinde Mann mit der Gitarre und das kleine Mädchen mit der Puppe sitzen auf der Kaimauer. Der Mann spielt einen lässigen 4/4-Takt. Sie singen abwechselnd.

Während des Liedes:

 

 

INSERT - END TITLE

 

 

ALTER MANN / MÄDCHEN

 

I was a teenage killer shark on dope

in technicolor and cinemascope

I had no future and I had no hope

I was a teenage killer shark on dope

 

I was a teenage killer shark on smack

I went to Miami and never came back

where every shot is a shot in the head

I was a teenage killer shark on smack

 

I was a teenage killer shark on coke

I sucked and sniffed, shot and smoked

it might sound funny but it´s nothing of a joke

I was a teenage killer shark on coke

 

I was a teenage killer shark on metamphetamine

I was as illuminated as no shark has ever been

I saw the light no shark has ever seen

I was a teenage killer shark on metamphetamine

 

so listen, every single one of god´s creatures out there

drugs are foul and drugs are fair

every one gets high who´s got only something of a brain

that´s Dr. Hansen´s lesson, for everyone of us to learn

 

 

AUSSEN - STRAND - TAG

 

Ein etwa sechs Jahre alter, ziemlich dicker JUNGE steht bis zum Bauch im flachen Wasser. Leckt an einem Eis.

Das Eis schmilzt. Ein Tropfen Eiskrem tropft ins Wasser.

In einiger Entfernung taucht eine Dreiecksflosse auf. Nähert sich zielstrebig dem Jungen. Umkreist ihn, wobei die Kreise immer enger werden.

Es ist der junge Hammerhai mit der Vorliebe für Marshmallows.

Der Junge guckt. Plötzlich springt der Hai aus dem Wasser und schnappt dem Jungen das Eis aus der Hand.

Der Junge fängt an zu heulen.

Die Flosse entfernt sich hinaus aufs Meer.

 

 

AUSSEN - STRAND - TAG (cont.)

 

Die MUTTER des Jungen, etwa Mitte zwanzig, liegt am Strand und sonnt sich. Bikini, Sonnenbrille. Raucht dabei einen fetten Joint. Der Junge tritt neben sie. Sein Schatten fällt über ihr Gesicht. Sie blinzelt zu ihm auf.

 

JUNGE

Ein voll hässlicher Fisch hat mein Eis gefressen.

 

MUTTER

Du bist sogar zu blöd zum Lügen. - Ganz der Vater.

 

JUNGE

Das stimmt aber!

 

MUTTER

Und wenn schon. - Du bist eh zu fett. Mit dem Arsch wirst du garantiert kein Football-Star. Und auch kein zweiter Justin Bieber.

 

JUNGE

Ich will ein neues!

 

Sie seufzt. Greift in ihr Bikinioberteil. Zieht einen 5-Dollar-Schein heraus. Streckt ihn dem Jungen entgegen.

 

MUTTER

Kann ich dann vielleicht mal ´ne halbe Stunde Ruhe haben?

 

Der Junge antwortet nicht. Reißt ihr den Geldschein aus der Hand und läuft den Strand hinauf.

Die Mutter zündet den Joint wieder an. Inhaliert.

 

MUTTER

Scheiße. - Einmal ohne Gummi...

 

 

AUSSEN - STRAND - TAG (cont.)

 

Der Junge steht wieder bis zum Bauch im flachen Wasser. Leckt an einem neuen Eis. Seine Augen suchen das Meer ab.

Nichts.

Der Junge lässt vorsätzlich sein Eis ins Meer fallen.

Prompt taucht in einiger Entfernung eine Dreiecksflosse auf. Nähert sich zielstrebig dem Jungen.

Der Junge lächelt.

Rechts und links neben der Flosse tauchen zwei Dutzend weitere Flossen auf.

Die Formation schwimmt auf den Jungen zu.

 

JUNGE

Oh, oh...

 

Er versucht hektisch, sein Eis wieder aus dem Wasser zu fischen.

 

 

AUSSEN - STRAND - TAG (cont.)

 

Die Mutter liegt am Strand. Kifft. Wassergeplansche und die Schreie des Jungen schallen gedämpft vom Meer herüber. Sie hört es, reagiert aber nicht.

 

MUTTER

Drama, Drama, Drama. - Ein einziges Mal ohne Gummi...

 

 

INNEN - DISPENSARY - TAG

 

Ein typischer Dispensary, irgendwo in Kalifornien.

Auf der Verkaufstheke sind ein Dutzend Gläser voll Marihuana aufgereiht. Hinter der Theke der VERKÄUFER. Vor der Theke Annika und Darlene. Inspizieren die verschiedenen Grassorten.

 

VERKÄUFER

Sie dürfen sich auch gern einen olfaktorischen Eindruck verschaffen. - Vielleicht hilft Ihnen das bei der Auswahl.

 

Annika und Darlene öffnen Gläser, schnüffeln.

 

VERKÄUFER

Es soll Ihnen ja schließlich auch schmecken. Neben dem vorrangigen medizinischen Nutzen.

 

DARLENE

Absolut.

 

Sie deutet auf ein Glas.

 

DARLENE

Pussy Juicer? - Wirkt das etwa so, wie es heißt?

 

VERKÄUFER

Es wirkt auf jeden Fall. Kommt darauf an, wofür Sie es brauchen. - Sie leiden unter wiederkehrenden Alpträumen, in denen Sie Opfer einer Invasion durch Außerirdische werden?

 

ANNIKA

So was in der Art. Kurzgefasst. 

 

VERKÄUFER

Hm. -

 

Der Verkäufer deutet auf ein anderes Glas.

 

VERKÄUFER

- Dann ist das hier vielleicht eher was für Sie.

 

Annika und Darlene lesen das Label.

 

ANNIKA / DARLENE

Intergalactic World Peace.

 

VERKÄUFER

Sie können es pur kaufen und rauchen oder über einen Vaporizer inhalieren. Wir haben aber auch Kekse, Marshmallows, Frühstücksflocken...

 

Darlene hält ein weiteres Glas hoch.

 

DARLENE

Und das hier?

 

 

AUSSEN - VOR DEM DISPENSARY - TAG

 

Annika und Darlene verlassen den Dispensary, volle Plastiktragetaschen in den Händen.

 

DARLENE

Chronisch krank in Kalifornien. - Das ist der Himmel auf Erden.

 

ANNIKA

Und man braucht bloß einen befreundeten Mediziner, der einem ein Zettelchen ausfüllt.

 

DARLENE

Und alles völlig legal.

 

ANNIKA

So viel zum Thema.

 

DARLENE

California -

 

ANNIKA /  DARLENE

- Here we come!

 

 

AUSSEN - ATLANTISCHER OZEAN - TAG

 

Ein Taucher taucht durchs Meer. Dicht am Meeresboden. Findet dort verschiedene Dinge.

Wrackteile eines Bootes.

Eine Pistole.

Einen menschlichen Totenschädel. Daneben ein Amulett mit einem Foto von Yasmina Clemente, lächelnd.

Miguels Smartphone. Der Taucher drückt die Wiedergabetaste. Auf dem Display erscheint das Video des Hais, der sich permanent um die eigene Achse dreht beim Versuch, sich selbst in die Schwanzflosse zu beißen.

Der Taucher schüttelt den Kopf. Lässt das Smartphone fallen.

Sucht weiter den Meeresboden ab.

Findet ein Päckchen eingeschweißtes Marihuana.

Der Taucher hebt das Päckchen auf. Inspiziert es.

Schaut auf.

Vor ihm schwimmt ein vier Meter langer Weißer Hai. Fletscht die Zähne.

Der Taucher legt das Marihuanapäckchen ostentativ behutsam wieder auf den Meeresboden und schwimmt langsam rückwärts. Lässt den Hai dabei nicht aus den Augen.

Der Hai schwimmt heran, schnüffelt an dem Marihuanapäckchen und frisst es mit einem Happs.

Fixiert wieder den langsam zurückweichenden Taucher.

Fletscht die Zähne und stürzt sich auf ihn.

Gurgelnde Unterwasserschreie.

Das Bild färbt sich erst rot, dann schwarz.

ENDE.

Kommentare  

#1 Robert Martschinke 2020-10-21 01:56
Anmerkung des Autors: Dieses (bisher leider unrealisierte - schnief) Filmscript hab´ ich dem Zauberspiegel vor etwa einem halben Jahr zur Veröffentlichung angeboten; dass es hier jetzt online steht, hat auch mich überracht. Daher im Folgenden ein paar Erläuterungen zum Text. (Ich zitiere mich der Einfachheit halber selbst aus einer Vorbemerkung zu selbigem, die bereits an anderer Stelle erschienen ist.)
"... ein Filmscript.
Die Basis-Idee ist denkbar einfach: Warum nicht mal ein Rudel Killerhaie, wie sie die im "Prolog im Heimkino" erwähnten Creature-Feature-C-Movies der Billigfilmschmiede The Asylum oder aus dem Hause Corman bevölkern, gehörig unter Drogen setzen? Cannabis wirkt bekanntlich appetitanregend, Koks putscht zusätzlich auf, LSD bringt Farbe ins Spiel.
Dann lässt man nur noch ein paar Leute ins Wasser springen oder - wenn sie nicht freiwillig wollen - fallen ... und ein actionreiches Schlachtfest inklusive einiger überraschender Wendungen, bei dem man zusätzlich noch so einiges über Tiere und Drogen lernen kann, nimmt seinen Lauf.
Aus naheliegenden Gründen hab´ ich das Script auf Deutsch verfasst. Ursprünglich war geplant, eine nachträgliche Übersetzung ins Englische den oben erwähnten Produktionsfirmen zur Verfilmung anzubieten.
Als ich die Übersetzung in Angriff nahm, musste ich allerdings feststellen, dass ein Großteil des Witzes (und Charmes) des Scripts auf das Konto von Wort- und Sprachwitzen ging. Die wären in der Übersetzung zwangsläufig zum allergrößten Teil hopps gegangen. Weshalb ich die Übersetzung letztendlich drangegeben habe.
Da das Script im deutschen Sprachraum indes keinerlei Chance auf filmische Umsetzung hat, es jedoch durchaus auch zur unterhaltsamen Lektüre taugt (vorausgesetzt, man steht auf so was ;-), ist es an dieser Stelle vielleicht ganz gut aufgehoben ..."
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#2 Cartwing 2020-10-21 16:45
Immerhin weiß ich jetzt, wie man ein Drehbuch schreibt... ;-)
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#3 Robert Martschinke 2020-10-22 13:40
Nun ja, ein wenig Talent und Fleiß gehören natürlich auch dazu ... ;-)
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