American Monster - Geflügeltes Ungeheuer
American Monster
Geflügeltes Ungeheuer
Schon der ursprüngliche Originaltitel dieses Films ist äußerst ungewöhnlich – schlichtweg als „Q“ kam Larry Cohens (1936-2019; „Die Wiege des Bösen“, "Tanz der Hexen“) Creature Feature 1982 heraus. Das Q steht dabei für die mittelamerikanische gefiederte Schlange Quetzalcoatl, die über mehrere Jahrhunderte hinweg bei den Menschen gleichermaßen für Bewunderung und Furcht sorgte. Später wurde der Film dann auch unter den Titeln „The Winged Serpent“ oder „Q – The Winged Serpent“ eingesetzt, und auch in Deutschland war er unter verschiedenen Titeln bekannt: „American Monster“, „Das Ungeheuer von New York“ oder auch „American Monster – Das Ungeheuer von New York“. Egal unter welchem Titel waren die Veröffentlichungen hierzulande aber fast immer um drei Minuten gekürzt, wobei dies noch nicht einmal nur die blutigen Darstellungen der Menschenopfer betraf, sondern auch einige simple Dialogpassagen – die in dieser Mediabook-Veröffentlichung des Films nun in der deutschen Fassung dann im englischen Original mit deutschen Untertiteln vorliegen. Genauso ungewöhnlich wie der Titel ist auch die Handlungsführung und das Figurenensemble von „American Monster“. Denn Larry Cohen stellt in seinem Drehbuch einen Antihelden ins Zentrum, der auf geniale Weise von Michael Moriarty verkörpert (und auf kongeniale Weise von Ernst Jacobi deutsch synchronisiert) wird. Dieser James Quinn ist ein weinerlicher Versager, der von Gangstern in einen Diamantenraub eingespannt und anschließend zum Sündenbock gestempelt wird. Auch von seiner Freundin wird er schließlich abserviert. Aber er kommt hinter das Geheimnis eines fliegenden Monsters, das die Bevölkerung von New York gehörig dezimiert.
James Quinn (Michael Moriarty) soll den Fluchtwagen bei einem Diamantenraub fahren, wird aber schließlich von seinen sinistren Kumpanen doch dazu gezwungen, ebenfalls mit in das Geschäft einzudringen. Bei der überhasteten Flucht verliert Quinn die Beute und verschanzt sich im Chrysler Building, das er im Innern bis zu dessen chromglänzender Spitze erklimmt. Dort angekommen, traut er seinen Augen nicht, denn er findet dort ein gigantisches Ei in einem überdimensionalen Nest vor. Außerdem liegen drumherum Leichen, von deren Haut und Fleisch nichts mehr übriggelassen wurde. Parallel beschäftigen sich die Polizisten Shepard (David Carradine) und Powell (Richard Roundtree) mit einigen ungewöhnlichen Todesfällen in New York. Einem Opfer hat man am ganzen Körper die Haut abgezogen, einem Fensterputzer wurde der Kopf abgetrennt, der unauffindbar bleibt. Shepard informiert sich in Museen und Universitäten und gelangt dabei zu der Erkenntnis, dass aztekische Rituale rund um die geflügelte Gottheit Quetzalcoatl mit den Taten in Zusammenhang stehen könnten. Quinn wird derweil von seinen Komplizen aufgesucht, die vermuten, dass er mit der Beute allein türmen möchte. Um die unliebsamen Mitwisser aus dem Weg zu räumen, führt Quinn die beiden ins Dachgeschoss des Chrysler Buildings, wo er angeblich die gestohlenen Diamanten versteckt haben will.
„American Monster“ ist von seiner Handlungsführung, seinen Figuren und seiner Umsetzung ein sehr origineller und ungewöhnlicher Monsterfilm geworden. Die fliegende Schlange wurde teilweise mit Stop Motion, teilweise in Originalgröße geschaffen, und diese Tricks wirken heute mitunter doch reichlich angestaubt und unglaubwürdig. Aber vom Finale abgesehen nehmen sie einen eher bescheidenen Teil im Film ein, der ansonsten auch eine Gangstergeschichte mit faszinierenden Figuren erzählt. Auch die Luftaufnahmen von New York tragen zum Gelingen des Films bei, da hierbei die Perspektive des fliegenden Monsters eingenommen und das Publikum damit beeindruckt wird. Für Splatterfans gibt es auch einige recht explizite Einstellungen. Ein liebevolles Relikt aus der Ära vor der Digitalisierung der Tricktechnik, das nach wie vor kurzweilige und ungewöhnliche Unterhaltung bietet.
Das Mediabook enthält zwei BluRays sowie ein 24seitiges Booklet mit einem Text von Christoph N. Kellerbach, das zu Rezensionszwecken nicht zur Verfügung stand. Auf der Hauptscheibe findet sich der 93minütige Hauptfilm in ganz gutem, wenngleich auch ein wenig blassen Bild (im Widescreen-Format 1,78:1). Der Ton (Deutsch und Englisch im Linear PCM 2.0 Mono, Englisch zusätzlich auch im DTS HD Master Audio 5.1, optional mit deutschen und englischen Untertiteln) ist stets gut verständlich und angesichts des Alters des Films nicht zu beanstanden. Das üppige Bonusmaterial umfasst zwei Audiokommentare von Larry Cohen (einen zusammen mit seinem Regiekollegen Bill Lustig), einen neuen deutschen Retro-Trailer, US-Trailer, -Teaser und -TV-Spot sowie eine Bildergalerie mit über 130 Motiven (inklusive Behind-the-Scenes-Material). Auf der zusätzlichen Bonus-BluRay finden sich die deutsche Kinofassung (90 Minuten), die deutsche Super-8-Fassung (30 Minuten), aktuelle Interviews mit dem Make-up-Künstler Steve Neill (50 Minuten) und dem Visual-Effects-Künstler Randy Cook (43 Minuten), ein Promo-Video (3 Minuten), die Stop-Motion-Dailies (6 Minuten), ein Trailer from Hell mit Larry Cohen (2 Minuten) sowie die Behind-the-Scenes-Featurettes „Animation Studio Tour“ (18 Minuten), „Puppet Molding/Casting“ (30 Minuten), „Baby Bird Puppeteering“ (43 Minuten) und „David Animating/Shop Work“ (56 Minuten).



