Cold Storage - Tödlicher Pilz aus dem All
Cold Storage
Tödlicher Pilz aus dem All
Viele Horror- und Splatterfilme sind in ihrer Konzeption bereits dermaßen übertrieben, dass Gruseln und Lachen sehr dicht beieinanderliegen. Da ist es nur noch ein kleiner Schritt zu einer handfesten Splatterkomödie, und spätestens seit den 1980er Jahren hat sich dieses Genre kontinuierlich entwickelt. Die ersten Arbeiten des „Herr der Ringe“-Regisseurs Peter Jackson gehören dazu, „Bad Taste“ und „Braindead“ haben sicherlich maßgeblich dazu beigetragen, dass Gore Comedies populär wurden. Auch B-Movie-Fan Robert Rodriguez hat mit „Planet Terror“ eine durchgeknallte Hommage inszeniert, Simon Peggs und Edgar Wrights „Shaun of the Dead“ ist eine mit typisch unterkühltem britischen Humor gedrehte weitere Variante. Nun hat sich Jonny Campbell des Genres mit „Cold Storage“ angenommen. Die Grundprämisse seines Films ist eine Variation der klassischen Michael-Crichton-Geschichte „Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All“, die 1971 von Robert Wise kongenial verfilmt wurde. Darin ging es um ein Virus aus dem All, das eine ganze Kleinstadt eliminierte, und Wissenschaftler vor die Aufgabe stellte, dieses möglichst rasch einzudämmen. Auch Campbells Film ist eine Buchadaption. „Cold Storage“ basiert nämlich auf dem 2019 erschienenen Debütroman des Drehbuchautors David Koepp („Jurassic Park“, „Illuminati“), der darin ebenfalls bereits Thrillerspannung und wissenschaftliche Akkuratesse mit einer ordentlichen Prise Humor mixte. Campbell war für eine Adaption sicherlich der richtige Regisseur, denn neben seinen zahlreichen Arbeiten für bekannte Fernsehserien wie „Doctor Who“ und „Westworld“ hat der Filmemacher bereits in seinem Kinodebüt „Alien Autopsy“ 2006 Science-Fiction mit Humor verquickt.
Es ist fast 20 Jahre her, dass in Australien ein mutierter Pilz, der von einer abgestürzten NASA-Raumkapsel stammte, ein ganzes Dorf ausgelöscht hat. Robert Quinn (Liam Neeson) und Trini Romano (Lesley Manville) gehörten zum Spezialteam, das eine Katastrophe verhinderte und den Pilz – bis auf eine kleine Probe für die Wissenschaft – eliminierte. Die Probe lagerte jahrelang in einem NASA-Depot und war streng gekühlt, doch im Laufe der Jahre geriet sie in Vergessenheit, die Hallen wurden anderweitig verkauft. Nun befindet sich an derselben Stelle ein privater Miet-Lagerraum. Teacake (Joe Keery) und Naomi (Georgina Campbell) haben dort gerade Nachtschicht, als sie von einem seltsamen Piepen angelockt werden, das seinen Ursprung hinter einer Pappwand hat. Beherzt reißen die beiden die Wand ein und entdecken das geheime NASA-Lager, das noch immer hinter und unter dem eigentlichen Lagergelände schlummert. Während die beiden jungen Leute auf abenteuerliche Entdeckungstour unter die Erde gehen, wird auch Robert Quinn von den Behörden kontaktiert. Denn das Piepen ist ein Warnsignal, das anzeigt, dass die Temperatur in den unterirdischen Lagerräumen zu stark angestiegen ist. Der mutierte Pilz findet dadurch bessere Lebensbedingungen vor und vermehrt sich explosionsartig. Erste Lebewesen wie Kakerlaken und Ratten sind ihm bereits zum Opfer gefallen. Und der Pilz ist intelligent genug, das Gehirn seiner Wirtskörper zu manipulieren und sich auf diese Weise schneller und gezielter verbreiten zu können.
Das erste Drittel des Films ist noch wie ein normaler Katastrophen-Horrorfilm inszeniert und verbreitet eine unheimliche und spannungsgeladene Atmosphäre. Mit dem Zeitsprung in die Gegenwart und die Verlagerung in die Miethallen ändert sich auch die Tonalität von Jonny Campbells Film. Nun dominiert der Witz, der immer absurdere Formen annimmt, je mehr Lebewesen sich mit dem tödlichen Pilz infizieren. Dann explodieren Bäuche und Köpfe und der Splatterfaktor steigt gewaltig an. Wer auf Ekelhorror mit ironischen Brechungen steht, dürfte bei diesem durchgeknallten Spaß anderthalb Stunden kurzweilig unterhalten werden. Die BluRay-Erstveröffentlichung von StudioCanal (parallel ist der Film auch als 4KUHD und als DVD erschienen) bietet ein exzellentes Bild (im Widescreen-Format 2,39:1) und einen gleichfalls überzeugenden Ton (Deutsch und Englisch in Dolby Atmos oder wahlweise auch jeweils im DTS HD Master Audio Stereo, optional mit deutschen Untertiteln oder englischen Untertiteln für Hörgeschädigte). Auf dem zur Verfügung gestellten Pressescreener gibt es keinerlei Bonusmaterial, ob dies bei der regulären Kaufversion anders ist, ließ sich im Vorfeld nicht klären.



