Leit(d)artikel KolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Gruselhörspiele: Larry Brent (41) Die Lady mit den toten Augen

Gruselhörspiele: Larry Brent (41) Die Lady mit den toten Augen

Auf einer Autofahrt treffen die PSA-Agenten Larry Brent und Iwan Kunaritschew eine verstörte traumatisierte Frau…ohne Augen! Zunächst glauben die PSA-Agenten an einen Unfall, doch ihre Recherchen führen sie zu Lord Billerbroke. Sein Schloss ist eine Nervenheilanstalt für Geisteskranke. Bald überschlagen sich die Ereignisse und Larry Brent gerät in einen Strudel aus Rätseln und Geheimnissen. Wer ist die junge Frau ohne Augen? Welche Rolle spielte der geheimnisvolle Komet der in dieser Gegend einschlug? Larry Brent und Iwan Kunaritschew begeben sich auf die Spur des Grauens…! (1)

 

Der Larry-Brent-Roman mit der Nummer 99 ist mir bis heute in bleibender Erinnerung geblieben. Als ich ihn in den 1980er-Jahren zum ersten Mal las, war ich sofort gefesselt. Schon damals stellte ich mir während der Lektüre vor, wie die Geschichte als Hörspiel klingen würde, denn die legendären EUROPA-Hörspiele existierten bereits. Aufgrund der frühen Einstellung der Hörspielserie und schließlich auch des Endes der Romanreihe im Jahr 1986 schien es jedoch, als würde dieser Roman für immer unvertonbar bleiben.

Atmosphäre bleibt auf der Strecke
Doch wie so oft im Leben kommt alles anders als erwartet. Das Label Zauberstern Records begann ab 2012 damit, weitere Larry-Brent-Romane zu vertonen, und mit Folge 41 fand schließlich auch "Die Lady mit den toten Augen" seinen Weg ins Hörspielregal. Entsprechend gespannt, aber auch mit einer gewissen Skepsis, hörte ich mir die Produktion an. Schließlich hatte mich ein Großteil der bisherigen Vertonungen aus diesem Hause nicht wirklich überzeugen können.

Positiv fiel mir auf, dass viele Elemente der Romanvorlage sehr gelungen umgesetzt wurden. Allerdings gelingt es dem Hörspiel nur selten, die beklemmende Atmosphäre des Originals einzufangen. Das alte Schloss der Billerbrokes in seiner abgelegenen ländlichen Umgebung sowie die düsteren Schlossbewohner werden zwar durchaus treffend dargestellt, doch die bedrohliche Stimmung und der schaurige Grundton des Romans bleiben weitgehend auf der Strecke.

Das hat mehrere Ursachen. Zum einen wirken einige der Sprecherrollen deutlich überzeichnet und stellenweise sogar aufgesetzt. Zum anderen fehlt eine wirklich packende musikalische Untermalung. Das Sounddesign wirkt oft eher konstruiert als atmosphärisch und entfaltet selten jene Wirkung, die eine Geschichte dieser Art benötigt.

Besonders schmerzlich macht sich jedoch das Fehlen eines präsenten Erzählers bemerkbar. Gerade ein Hörspiel lebt davon, visuelle Eindrücke durch Worte zu ersetzen und Bilder im Kopf des Hörers entstehen zu lassen. Die atmosphärischen Beschreibungen und Erzählpassagen von Dan Shocker, die den Roman so lebendig machen, gehen hier nahezu vollständig verloren. Wie schon in den vorherigen Folgen der Reihe wird ein echter Erzähler schmerzlich vermisst. Lediglich einige wenige, eher unbedeutende Passagen werden von David Gallun gesprochen. Auch Larry Brent fungiert besonders im Finale zeitweise als Ich-Erzähler. Doch diese Einsätze bleiben Beiwerk und können die erzählerische Kraft der Romanvorlage nicht ersetzen.

Unnötige Verwirrung
Dennoch ist nicht alles negativ. Die Geschichte bleibt spannend und bietet genügend Rätsel und Geheimnisse, um den Hörer bei der Stange zu halten. Allerdings verlangt sie volle Aufmerksamkeit. Wer während des Hörens abschweift, verliert leicht den Faden und damit auch das Interesse. Gerade die Anfangsszenen wirken unnötig verwirrend, da wichtige Zusammenhänge zunächst fehlen. Auch dies ist eine Folge des fehlenden Erzählers. So wird zwar gezeigt, wie eine Frau ohne Augen auf einer Landstraße aufgegriffen wird und Larry Brent sowie Iwan Kunaritschew zutiefst erschreckt sind. Was genau sie derart erschreckt, nämlich die fehlenden Augen der Frau, erfährt der Hörer jedoch erst deutlich später.

Auch die Covergestaltung der Serie hat bei mir schon häufig für Stirnrunzeln gesorgt. Das Motiv dieser Ausgabe hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Während die Lady im Vordergrund, das Schloss und die dargestellten Augen durchaus gelungen und stimmungsvoll wirken, erscheint die Figur des Mannes mit den leuchtenden Augen eher unfreiwillig trashig. Die rote Schrift des Untertitels ist zwar etwas dezenter als bei manch anderer Ausgabe der Reihe, bleibt aber dennoch nicht besonders augenfreundlich.

Fazit
Letztlich bleibt "Die Lady mit den toten Augen" ein hörbares und durchaus spannendes Hörspiel, das der Handlung der Romanvorlage weitgehend gerecht wird. Was jedoch fehlt, sind genau jene Elemente, die den Roman seinerzeit so besonders machten: die dichte Atmosphäre, der schleichende Grusel und die eindringliche Erzählweise Dan Shockers.

Darsteller
Chronist: Nils Weyland
David Gallun: Jo Jung
Larry Brent: Jaron Löwenberg
Iwan Kunaritschew: David Nathan
Roy Events: Kevin Kasper
Mutter Events: Joseline Gassen
Edith Shrink: Cornelia Waibel
Arzt: David Riedel
Chief-Superintendent Carlton: Kevin Kraus
Dr. Hill: Helmut Gauß
Lord Billerbroke: Wolfgang Rositzka
Lady Gaynor Billerbroke: Julia Kaufmann
Mister Burke: Felix Würgler
Alter Mann: Thomas Kästner

Skript: Jürgen Grasmück, Markus Auge
Skriptsupervisor & Redaktion: Simeon Hrissomallis
Regie: Simeon Hrissomallis
Sounddesign: Wolfgang Strauss
Musik: R&B Company, Michael Donner
Coverzeichnung: Timo Wuerz
Covergestaltung: Wolfgang Strauss, Timo Wuerz
Dialogschnitt: Thomas Mrochen

Spielzeit: 66:15 Minuten
Erscheinungstermin: 30. Juli 2021

(1)= Klappentext des Hörspiels

08/2026

Der Gästezugang für Kommentare wird vorerst wieder geschlossen. Bis zu 500 Spam-Kommentare waren zuviel.

Bitte registriert Euch.

Leit(d)artikelKolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Wir verwenden Cookies, um Inhalte zu personalisieren und die Zugriffe auf unsere Webseite zu analysieren. Indem Sie "Akzeptieren" anklicken ohne Ihre Einstellungen zu verändern, geben Sie uns Ihre Einwilligung, Cookies zu verwenden.