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Feral 15

Feral 15

Die neueste Ausgabe von Feral bietet wieder eine schaurige Zeit. Satan wird von neun Generälen gestürzt, und Rose stößt in einem geheimnisvollen Schloss auf ein gefährliches Wesen. Ein Serienkiller macht eine neue Erfahrung, und zwei Frauen gelangen nach einer Autopanne zu einem abgelegenen Schloss. Zum Abschluss wird die Storyline nach Motiven des Films Cabaret Absinthe fortgesetzt.

 

Ömer Yalincilic, Zeichner und Herausgeber von Feral, versucht seit der ersten Ausgabe, nicht nur ein reines Comicmagazin auf den Markt zu bringen. Zwar bilden Werke der neunten Kunst den Schwerpunkt, doch immer wieder werden Berichte oder Veranstaltungshinweise zu Büchern, Filmen oder Musik eingestreut. In einigen Fällen versucht er zudem, die verschiedenen Medien miteinander zu verbinden. Bereits vor einigen Monaten veröffentlichte er ein Album mit Musik verschiedener Künstler, die thematisch zum Umfeld der abgedruckten Comics passen. Ein zweites Album befindet sich bereits in Planung.

Mit seinem neuesten Projekt widmet sich der Filmliebhaber Ömer nun dem Medium Film. Filmvorführungen von Klassikern und Amateurfilmen haben unter seiner Leitung bereits in verschiedenen Städten stattgefunden. Nun plant er, gemeinsam mit mehreren Filmschaffenden eine eigene Anthologie auf die Beine zu stellen und zu veröffentlichen.

Zur Finanzierung des Projekts ist ein Crowdfunding geplant. Neben Informationen zu den beteiligten Kreativen finden sich auf der Internetseite von Chapter Comics weitere Details zu diesem Vorhaben. Den Kern der 15. Feralausgabe bilden aber wieder die Comics. In der ersten Episode verlieren die neun Generäle der Hölle die Geduld. Entgegen Satans Willen verlangen sie einen sofortigen, entscheidenden Krieg gegen Gott. Doch Satan hält den Zeitpunkt für noch nicht gekommen und verweigert den Angriff. Daraufhin erheben sich die Generäle gegen ihren Herrscher, stürzen ihn und reißen die Macht an sich. In einem brutalen Kampf überwältigen sie Satan, fügen ihm schwere Verletzungen zu und schneiden ihm schließlich die Flügel ab. Gedemütigt und besiegt wird er in seinem eigenen Palast eingekerkert. Nun sitzt der einstige Herrscher in einer engen Zelle gefangen und ist gezwungen, auf die Überreste seiner abgeschnittenen Flügel zu blicken. Während die neun Generäle die Herrschaft übernehmen und ihre Pläne vorantreiben, bleibt Satan machtlos zurück.

Geschrieben und gezeichnet wurde diese Episode von Preston Asevedo, die vollständig in Farbe umgesetzt ist. Der Zeichenstil erinnert an traditionelle Gemälde und beeindruckt den Leser durch seine starken, ausdrucksstarken Farben. Die Fantasy-Ästhetik ist von zahlreichen Monstern, Dämonen und anderen fantastischen Kreaturen geprägt, die jede Seite mit Leben füllen. Asevedos detailreicher Stil lädt dazu ein, die Seiten immer wieder genauer zu betrachten. Die übliche Panelstruktur ist aufgehoben und die Layouts erstrecken sich teilweise über die ganze Seite. Oft wirken die Seiten wie ein Wimmelbild, in dem sich ständig neue Details entdecken lassen. Dadurch entsteht eine dichte, atmosphärische Welt.

Der Text verzichtet vollständig auf wörtliche Rede und setzt stattdessen ausschließlich auf erzählende Passagen. Die Handlung wird beschrieben, anstatt durch Dialoge der Figuren vermittelt zu werden, was den Lesefluss gelegentlich etwas bremst. Gleichzeitig erinnert diese Erzählweise an die frühen EC-Comics, sodass insbesondere Freunde dieser klassischen Comicform auf ihre Kosten kommen dürften.

In der zweiten Storyline wird „Bloodlust“ von Ester Cardella fortgesetzt. Rose erwacht ohne Erinnerung in einem geheimnisvollen Schloss und sucht nach der verschwundenen Luna. Hilfeschreie führen sie in einen Kerker, wo ein seltsames Wesen in einem Käfig gefangen ist. Das Wesen fleht sie verzweifelt an, es freizulassen, doch plötzlich schießt seine Hand durch die Gitterstäbe. Es packt Rose am Hals und versucht, sie in den Käfig zu ziehen. Während sie um ihre Freiheit kämpft, ahnt Rose, dass das Wesen und Lunas Verschwinden Teil eines düsteren Geheimnisses sind.

Der Ton der Story bleibt unverändert und besticht weiterhin durch die gezielt in das Schwarz-Weiß eingestreuten Rottöne. Mit lediglich vier Seiten fällt der Umfang vergleichsweise knapp aus. Daher empfiehlt es sich, die vorherigen Kapitel aus der letzten Ausgabe noch einmal zu lesen, um leichter wieder in die Handlung hineinzukommen.

In der folgenden Geschichte ermordet ein Serienkiller Prostituierte. Als er bei einer weiteren Prostituierten ist, plant er, die junge Frau ebenfalls zu ermorden. Er nimmt ein Strumpfband und geht auf sie los. Die wiederum nimmt eine Schere und tötet ihn damit. Im Radio läuft derweil ein Bericht, dass in der Gegend mehrere tote Männer nach einem Bordellbesuch gefunden worden sind.

Klewers Zeichnungen bestechen wiederum durch ihr detailreiches Artwork und einen hohen Wiedererkennungswert. In dieser Geschichte fällt jedoch auf, dass er den Fokus deutlich auf die Figuren legt, während die Hintergründe ungewöhnlich spärlich gestaltet sind. Dadurch bleibt offen, ob er die Aufmerksamkeit bewusst auf die Charaktere lenken wollte oder ob die Zeichnungen unter erheblichem Zeitdruck entstanden sind. Dafür spricht, dass sich die Handlung auf den Serienkiller und die Prostituierte konzentriert und zielstrebig auf den Twist hinarbeitet. Eine Geschichte in bester Horrorkurzgeschichtentradition.

Die nächste Geschichte erzählt von zwei jungen Frauen, die nach einer Autopanne in einem abgelegenen Schloss Zuflucht suchen. Dort werden sie von einem scheinbar freundlichen Butler aufgenommen, der ihnen jedoch nachts die Lebensenergie raubt, um selbst jung zu bleiben. Besonders wirkungsvoll sind die düstere Atmosphäre und die überraschende Enthüllung des Kellers voller Autos früherer Opfer. Die Handlung greift klassische Horrorelemente auf und erzeugt Spannung durch das Geheimnis um den Butler und sein ewiges Leben. Eine kurze, aber gruselige Horroridee mit einem unheimlichen Ende.

Geschrieben und gezeichnet ist die Story von Ezra Tsegaye, der mit seinen klaren und aufgeräumten Zeichnungen eine spannende Geschichte hinlegt, die in bester Gruseltradition präsentiert ist. Diese Episode ist ebenfalls farblich gestaltet, so dass von dieser Ausgabe gar nicht mehr von einem Schwarz-weiß-Magazin gesprochen werden kann.

Den Abschluss macht Ömer Yalincilic mit der Fortsetzung seiner Storyline nach einem Film von Cosmotropia de Xam. Die gleichnamige Storyline "Cabaret Absinthie" verläuft über drei Seiten und wird in der nächsten Ausgabe fortgesetzt. Viel erfährt der der Leser noch nicht. Zwei siamesische Schwestern teilen sich einen Traum und begegnen dort ihrer Mutter, die als unheimliche Präsenz in den Träumen weiterlebt. Realität und Traumwelt verschmelzen dabei. Bei den Schwestern scheint es sich um die beiden Protagonistinnen Ligéia und Séraphine zu handeln, die im Film zwischen den Dimensionen wandeln und dort von ihrer Hexenmutter geleitet werden.

Es ist davon auszugehen, dass nicht einfach nur die Story des Films nacherzählt wird. Wie schon in seinen früheren Arbeiten greift er Figuren und Motive seiner Lieblingsfilme auf, um sie weiterzuentwickeln und ihnen neue Facetten hinzuzufügen. Die Atmosphäre besticht durch eine düstere und intensive Stimmung und wird wiederum durch die tollen Schwarz-Weiß-Zeichnungen unterstützt, die mit starken Hell-Dunkel-Kostrasten arbeiten. Ein Manko dieser Erzählung ist, dass sie nach drei Seiten bereits beendet ist. Kaum hat sich der Leser in die geheimnisvolle Stimmung eingefühlt, ist es auch schon wieder vorbei. Das Feral-Magazin hat einen Umfang von 31 Seiten, wohl auch um den plakativen Preis von 6,66€ zu halten. Ewig wird das nicht möglich sein und eine Preiserhöhung unabänderlich sein. Schon jetzt dürften die Druckkosten steigen, da einige Geschichten koloriert sind. Eine Erweiterung des Umfangs mit einer Anhebung des Preises dürfte daher in Ordnung gehen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist jetzt schon außerordentlich gut.

 

 

9 Devils
Autor: Preston Asevedo
Zeichner: Preston Asevedo

Bloodlust
Autor: Ester Cardella
Zeichner: Ester Cardella

Diesmal für immer
Autor: M.W. Ludwig
Zeichner: Detlef Klewer

Der Butler
Autor: Ezra Tsegaye
Zeichner: Ezra Tsegaye

Cabaret Absinthie
Autor: Ömer Yalincilic
Zeichner: Ömer Yalincilic

 

08/2026

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