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Gespenster-Krimi (neue Reihe) Band 200; erschienen am 06.06.2026 Der Hexer von Salem – Die Wiederkehr - Buch 2: Mit dem Nebel (Seite 66 bis 127)

Gespenster-Krimi (neue Reihe) Band 200; erschienen am 06.06.2026

Der Hexer von Salem – Die Wiederkehr Buch 2: Mit dem Nebel
(Seite 66 bis 127)

Vorbemerkung:
Für die Besprechung des 1. Teils des neuen Hexer-Zyklus habe ich die Zusammenfassung noch sehr kurz gehalten; diese Vorgehensweise ist leider ab dem 2. Teil so nicht mehr möglich. Die folgende Inhaltszusammenfassung und die Besprechung enthalten nun viele Spoiler!

(Eine größere Ansicht des Covers erhältst du durch einen Klick auf die Coverabbildung.)

Gladys und Robert Craven planen eine Führung durch das Tiefsee-Archiv des National Historical Museum. Commissioner Wilbur Cohen folgt ihnen. Der Kurator des Museums denkt irrtümlich, dass der Scotland-Yard-Mann wegen eines zur Anzeige gebrachten Einbruchs das Museum aufgesucht habe.

Ein Taucher findet im Wrack der Squid ein totes Besatzungsmitglied. Dann ein Krötenwesen, das nun auch ihm nach dem Leben trachtet und eine Meerjungfrau, die auf das Monster mit ihrem Dreizack einsticht. Zu spät, um ihn zu retten.

Im Museum entdecken Craven und seine Begleiter Krötenspuren in der Größe eines Menschen; Gladys zerstört dabei ungeschickt die Spuren, dann werden sie von einem Wesen, halb Kröte, halb Mensch, angegriffen. Tiefe Wesen - Dienerkreaturen der Großen Alten? Zumindest besteht eine Ähnlichkeit.

Nachdem die HMS Thunderchild II bereits im Gespenster-Krimi 200/1 in einem Fischerdorf ein totes Krötenmonster und auf einem Fischerboot eine 'Jane Doe' gefunden hat, stößt die Besatzung erneut auf Ungewöhnliches:
Von weitem hatte es ausgesehen wie ein Schiff, das kieloben im Meer trieb, aber je näher sie gekommen waren, desto weniger sicher war Ogilvy, dass es ein Schiff war. Wenigstens keines, wie er es jemals gesehen hatte. (Seite 92)
Im Inneren des ansonsten leeren Schiffes finden die Marinesoldaten fünf weitere Frauen, die Jane nicht nur ähneln, sondern absolut identisch sind.

Die HMS Thunderchild II nimmt nun Kurs auf London.

Cohen bringt Gladys, Robert Craven, Howard Lovecraft und Rowlf zum Zirkus. Ein ausgebrochener Löwe hat einen Menschen getötet; „Gottlob hat es nur diesen einen Toten gegeben.“ (Seite 110). Es stellt sich heraus, dass der Zirkusdirektor ein Krötenwesen in einem Käfig eingesperrt hält. Es kann fliehen.

In der Kirche der Pfarrei Saint Michaels stößt Schwester Gertrud auf Meerjungfrauen, die sie gesucht haben.

 

Unterschätzen Sie niemals die Hartnäckigkeit eines Lesers, der hinter die Geheimnisse seines Lieblingsautors kommen will.“ (Seite 105)

Diese Textzeile nehme ich mal als Anregung.

Die Figur Gladys gefällt mir weiterhin ausgezeichnet; das Zusammenspiel mit den uns bereits lange bekannten Protagonisten funktioniert sehr gut, die Dialoge sind kurzweilig. Die Szenen mit ihr sprühen von innerer Spannung.

Die Andeutungen, die sie immer wieder macht, und natürlich auch ihre Aktionen an sich, lassen vermuten, dass sie die Schlüsselfigur des Zyklus sein wird.

Ihre Betroffenheit beim Anblick ausgestopfter Seehunde im Museum wirkt sympathisch, der folgende Dialog mit Robert gibt ihr Tiefe, wenn man die Figur auch noch nicht zur Gänze einordnen kann.

Allerdings: Dass Robert die Bekanntschaft mit ihr so intensiv pflegt, während um ihm herum Vorfälle geschehen, die er, sei es als Romanheld, sei es als „Hexer“, nicht ausblenden sollte, beschädigt in meinen Augen weiterhin die ungewöhnlich passive Titelfigur. Spätestens ab dem Moment, in dem feststeht, dass es sich bei den krötenähnlichen Monstern um keine Tiefen Wesen handelt und daher wahrscheinlich kein Bezug zu Cthulhu gegeben sein sollte, müsste er aktiv werden. Und selbst wenn ein Bezug gegeben ist, würde es bedeuten, dass die Vereinbarung nichtig ist.

Wieder wird die Handlungsfolge von vielen Zufällen bestimmt (z.B. ist der Kurator des Museums der Vater eines Forschers der Squid). Auch nach der Lektüre des 2. Romans kann man zu vielen Punkten nur spekulieren, aber ich lehne mich sicherlich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass einige der Zufälle im Nachgang des Zyklusendes nicht ganz so zufällig sein werden, wie der Ich-Erzähler es hingenommen hat.

Die sich widersprechende Handlung setzt sich in einigen Punkt fort; hier muss ich aber meine zu Band 1 geäußerte Kritik gegebenenfalls revidieren: Die – hoffentlich nur vordergründig - unstimmigen Handlungsfragmente haben die Gemeinsamkeit, dass sie inhaltlich geschwächt gegenüber der neutralen Beschreibung im Roman bei Robert Craven ankommen. Keine Toten bei dem Schiffsunglück bei Band 1? Kein Toter durch den folgenden 'Unfall'? Kein getötetes Kind bei dem Vorfall im Zirkus, dort insgesamt 'nur' ein Opfer?
Vielleicht bin ich tatsächlich nicht der Schnellste in der Wahrnehmung dessen, was zwischen den Zeilen steht, aber ich glaube nun eine Struktur zu erkennen.

Was natürlich zum Spekulieren anregt, und spätestens jetzt muss ich bei Wolfgang Hohlbein bei mindestens einem Kritikpunkt Abbitte leisten (wobei: Meine nun positiven Spekulationen müssen sich, wie auch immer, natürlich erst Bewahrheiten – ja, Herr Hohlbein, so fühlt es sich an, wenn Aussagen immer wieder in kurzen Abständen revidiert werden! :-) ). Tatsächlich hat sich der Ärger über die – vermeintlich? - eingeschlichenen Handlungsungenauigkeiten in eine anregende inhaltliche Auseinandersetzung gewandelt.

Vor uns hockte das Ungeheuer, das uns im Museum angegriffen hatte!

Gleichzeitig wurde aus meiner Vermutung endgültig Gewissheit: Es war ganz eindeutig kein Tiefes Wesen, sondern nur etwas Ähnliches. (…)

„Sie haben so ein Wesen schon einmal gesehen, habe ich recht?“

„Nein“, sagte ich. Und log dabei nicht einmal.
(Seite 114/115).

Ja, was denn nun?
Derlei erzählerischen Ungenauigkeiten des Autors, sorry, des Ich-Erzählers Robert Craven, machen es dem Leser schwer, Gegebenheiten einzuordnen. Ein dermaßen gravierender Widerspruch innerhalb von nur fünf kurzen Absätzen mag nicht gefallen. Leider hat sich der Autor insgesamt angewöhnt, Atmosphäre aufzubauen, inhaltlich nach einem Kapitelsprung (oder auch nur nach fünf Absätzen) das Szenario anders darzustellen und zum Teil ohne Erläuterung zu revidieren. Das ist aus Lesersicht mitunter sehr frustrierend; und meine oben angeführte Spekulation, dass sich zumindest die inhaltliche Differenzen noch aufklären, gerät wieder ins Wanken.

Der oben angeführte Textbaustein mag noch recht banal sein. Wenn Robert im Museum beim Angriff durch das Krötenwesen jedoch verletzt wird, sein Blut am Rücken hinunterlaufen spürt und es sogar riechen kann, dann sollte diese Verletzung durchaus ein Thema sein und er wenigstens im Nachgang ein angemessenes Heftpflaster bekommen.

Das von der HMS Thunderchild II entdeckte U-Boot wird namentlich nicht benannt; da die Nautilus in der Heftserie bereits mehrfach mitgewirkt hat, drängt sich natürlich der Verdacht auf, dass es sich um genau dieses legendäre Schiff handelt. Die erste Sichtung bleibt mysteriös, das folgende konkrete Aufeinandertreffen erklärt die Vorgänge der Sichtung nicht. Ich mag dies aber gar nicht (schon wieder) näher kritisieren – die Nautilus ist wieder da, da verzeiht man vieles.

Was ich hingegen nicht verzeihe: Die HMS Thunderchild II nimmt Kurs auf London. So weit so gut; die Handlungsstränge werden dort in Band 3 oder 4 sicherlich zusammengeführt - das macht Sinn. Aber kein Hinweis auf den weiteren Verbleib der Nautilus, kein Gedankengang eines Protagonisten zu dem ungewöhnlichen Schiff? Herr Hohlbein, das sind Punkte, die zwingend auch dem Leser gegenüber dargelegt werden müssen; es macht keinen Sinn den Protagonisten zu folgen, wenn nur partiell etwas dargestellt wird und vieles, was den Figuren faktisch bekannt ist, dem Leser gegenüber sinnfrei zurück gehalten wird. Das ist keine Spannungskurve, die ich goutiere!

In einer Diskussion zwischen Robert und Howard wird Bezug auf „Das Haus der bösen Träume“ (Weltbildausgabe Band 24, neu geschriebener Abschlussband) genommen; der „Waffenstillstand“ mit Cthulhu wird erwähnt. Wenn sich der neue Hexer-Zyklus auch weiterhin zeitlich nicht konkret einordnen lässt („Wir haben seit fünfzehn Jahren nichts mehr von ihnen gehört, und ich bin nicht scharf darauf, dass sich das ändert.“ Seite 100.), so ist jetzt zumindest klar, dass die Serienkontinuität gewahrt bleibt.

Die 1937 angesiedelte Handlung des Oculus-Taschenbuch-Zweiteilers (2017 erschienen) scheint hingegen keine Rolle zu spielen; ich bin mir zudem nicht sicher, inwieweit das sehr lang ausgefallene John-Sinclair-Crossover tatsächlich zum Hexer-Serienkanon gehört, wenn es auch im gleichen Verlag erschienen ist und vom Serienhauptautor selbst verfasst wurde. Die – handlungsrelevante? - Traumsequenz zum Schluss von Band 1 mit dem zukünftigen London könnte allerdings doch eine Anspielung auf Oculus gewesen sein?
Andererseits: 1937 – das würde zumindest für eine tragende Figur zeitlich sehr knapp werden … und kann daher fast ausgeschlossen werden, da ja noch sehr aktiv vertreten.

Howard Philips Lovecraft Figur tritt weiterhin stark verändert auf; möglich, dass ich auch einiges nicht mehr richtig im Gedächtnis habe? In „Die Wiederkehr Buch 2 - Mit dem Nebel“ ist er mehr Schriftsteller als je in der Serie zuvor, während von seinen Fähigkeiten, die er früher in der Serie hatte, wie auch bei Robert Craven, nichts mehr erwähnt wird.

Trotz der erwähnten 15 Jahre ergibt sich ein neues zeitliches Problem: Das Pulp-Magazin Weird Tales erschien erstmals 1923; die Zeitschrift wird im Roman erwähnt. Sehr wahrscheinlich spricht Gladys im Roman zudem „Berge des Wahnsinns“ an; diese Lovecraft-Geschichte wurde erst 1936 veröffentlicht.

Auch dies mag geplant sein und sich noch auflösen lassen, vieles spricht dafür.

Andererseits ist Wolfgang Hohlbein auch oft sehr großzügig gegenüber geschichtlichen Daten, hier fällt mir aus der Classic-Serie spontan das Modell der Freiheitsstatue ein, das von der Handlungszeit her von der Realität abgewichen ist. Es ist also schwierig zu bestimmen, ob der Autor uns mit den nicht stimmigen Angaben Indizien für eine Handlungsauflösung kredenzt, ob sich „Der Hexer“ weiterhin in manchen Punkten von der Realität unterscheidet und quasi grundsätzlich in einer Parallelwelt spielt oder nur eine schlampige Ausarbeitung des Romans vorliegt.

Fazit:
Auch der 2. Roman leidet darunter, dass noch keine direkt zusammenhängende Geschichte erzählt wird.

Die einzelnen Fragmente laden mittlerweile zum Spekulieren ein. Während ich die faktischen Widersprüche für lösbar halte (und auf den erforderlichen Twist hierfür gespannt bin), bin ich von den erzählerischen Widersprüchen weniger angetan.

Positiv gespannt bin ich auf die noch zu erklärenden Hintergründe der krötenähnlichen Wesen sowie der aufgetauchten, identischen Frauen/Meerjungfrauen. Nicht zu vergessen die Nautilus – da erwarte ich mir noch einiges!

Tatsächlich bin ich also weiterhin hin- und hergerissen.

Aber:
Ich habe Lust bekommen, die Serie nach langer Zeit erneut von Beginn an zu lesen – was ich mal als großes Lob so stehen lasse.

 

 

06.2026

 

 

 

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