In brightest day, in blackest night - Green Lantern auf dem Bildschirm 5
In brightest day, in blackest night
Green Lantern auf dem Bildschirm 5
Im Zentrum der Handlung steht der hochbegabte Testpilot Hal Jordan, der von Ryan Reynolds gespielt wird. Sein Leben ist von einem früheren Trauma überschattet, als er als kleiner Junge mit ansehen muss, wie sein Vater als Testpilot bei einem Absturz ums Leben kommt. Als ein sterbendes Alien ihn auswählt, Teil des Green Lantern Corps zu werden, wird aus dem Draufgänger wider Willen ein Hoffnungsträger. Das Corps ist eine intergalaktische Polizeieinheit, die das Universum vor dem Bösen schützt. Er erhält einen Ring, der ihm die Fähigkeit verleiht, alles zu erschaffen, was seine Vorstellungskraft hergibt. Eine Idee, die vor Kreativität nur so strotzt.
Doch genau hier beginnt das Paradox des Films. Die Prämisse verspricht grenzenlose Möglichkeiten, die Umsetzung aber wirkt einfalls- und farblos. Die Konstrukte, die Hal mit seinem Ring erschafft, bleiben oft banal. Die Macher des Films verzichten auf die Möglichkeit, dem Zuschauer spektakuläre oder überraschende Effekte zu bieten. Statt Fantasiefeuerwerk bekommt er visuelle Pflichtübungen zu sehen, die noch nicht einmal Mittelmaß sind.
Das Beste am Film ist noch Ryan Reynolds, der im ersten Drittel der Handlung den Film vor dem Totalabsturz rettet. Sein natürlicher Witz, sein Timing und die Fähigkeit, selbst in schwächeren Szenen noch ein Schmunzeln herauszukitzeln, retten viele Momente. Sein Hal Jordan ist kein makelloser Held, sondern ein Mann mit Selbstzweifeln, Verantwortungsproblemen und einer gehörigen Portion Ego. Es ist also viel Potential vorhanden, aus einem eindimensionalen Helden eine spannende Charakterstudie zu machen.
Doch das Drehbuch scheint sich nicht entscheiden zu können, ob es diese Figur ernsthaft entwickeln oder nur als Vehikel für Actionsequenzen nutzen will. Emotionale Konflikte werden kurz angerissen, aber selten vertieft. In dem Directors Cut sind einige Szenen hinzugefügt, die den Absturz Hal Jordans Vaters zeigen. Hier entsteht ein Versuch, die Zerrissenheit Hals weiter zu beleuchten. Allerdings wiederholen sich diese Szenen in einer späteren Rückblende und der Zuschauer erkennt, wie lieblos dieser Film zusammengeklatscht ist. Hals Wandel vom inneren, von Angst getriebenen Einzelgänger zum mutigen Helden wirkt daher nicht mehr, wie ein abgearbeiteter Punkt auf einer Einkaufsliste.
Ein echtes Highlight der Comicvorlage ist das Green Lantern Corps selbst. Die Idee einer intergalaktischen Polizeiorganisation aus unterschiedlichsten Spezies, vereint durch den Willen, Ordnung und Gerechtigkeit zu wahren, eröffnet dem Film viele Möglichkeiten. Die Szenen auf dem Planeten Oa, deuten kurz an, wie faszinierend dieses Universum hätte aussehen können.
Doch auch hier kratzt der Film nur an der Oberfläche. So visuell interessant sie auch gestaltet sind, bleiben die Nebenfiguren blass. Schurke und Mentor Sinestro bekommt nicht die Tiefe, die er verdienet. Schauspieler Mark Strong liefert eine sehr gute Leistung ab, wirkt aber unterfordert. So stapft er verloren durch das lieblose Setting und der Zuschauer spürt förmlich die vergebenen Chancen dieses Films.
Ein Superheldenfilm steht und fällt mit seinem Antagonisten, und hier gerät Green Lantern ins Straucheln. Parallax, die Verkörperung der Angst, ist als Konzept durchaus reizvoll. Eine kosmische Macht, die sich von Furcht nährt und ganze Welten verschlingt, klingt nach einem Gegner mit Gewicht. In den Comics nimmt Parallax eine wichtige Rolle ein, die der Film nicht im mal im Ansatz erreichen kann.
In der Praxis jedoch wirkt Parallax wie eine überdimensionierte CGI-Wolke mit schlechter Laune. Die Bedrohung bleibt abstrakt und schwer greifbar. In den ersten zwei Minuten soll eine Zusammenfassung der Geschichte Parallax` dem Zuschauer den Einstieg in die Welt Green Lanterns erleichtern. Tatsächlich werden die kryptischen und verdrehten Worte beim Zuschauer ein großes Fragezeichen erzeugen und eine Gleichgültigkeit erzeugen, tiefer in die Mythologie Green Lanterns einzusteigen.
Parallel dazu gibt es mit Hector Hammond, gespielt von Peter Sarsgaard, einen zweiten, deutlich greifbareren Gegenspieler, dessen tragische Entwicklung eigentlich das stärkere Drama bietet. Doch die Doppelstruktur der Antagonisten verwässert den Fokus des Films zusätzlich und lässt die Handlung so dahingleiten.
Green Lantern verlässt sich stark auf computergenerierte Effekte, insbesondere beim Anzug des Helden. Dieser ist nicht etwa ein echtes Kostüm, sondern vollständig digital erzeugt. Das Ergebnis ist ein Look, der selten überzeugt und eher an ein Videospiel erinnert als an einen Kinofilm.
Gerade in den seltenen emotionaleren Szenen, die den Film noch retten könnten, wirkt diese Künstlichkeit störend. Wenn selbst das Gesicht des Protagonisten von digitalen Elementen umgeben ist, fällt es schwer, eine echte Verbindung zur Figur aufzubauen. Hier zeigt sich das grundlegende Problem, dass Technik keine Inszenierung ersetzt, und schon gar kein gutes Storytelling.
Ein weiteres Hindernis ist die uneinheitliche Erzählweise. Der Film schwankt zwischen humorvollen, fast schon selbstparodistischen Momenten und dem Versuch, eine ernsthafte, epische Geschichte zu erzählen. Diese Balance gelingt nur selten. Während Reynolds’ Humor durchaus funktioniert, bringt er damit die Struktur des restlichen Films ins Wanken. Dem Film fehl eine klare Richtung. Er ist nicht leichtfüßig genug für reine Unterhaltung, aber auch nicht tiefgründig genug für ein ernsthaftes Science-Fiction-Epos. Das Ergebnis ist ein unausgegorener Film, der sich nie ganz stimmig anfühlt.
Die Handlung des Films ist mitunter ziemlich sprunghaft. Es wirkt, als seien ganze Szenen ausgelassen worden. Martin Campbell distanzierte sich im Anschluss nicht vollständig von dem Film, äußerte sich aber mehrfach kritisch. Er konnte demnach seine Vision des Films nicht umsetzen. Es gab einen starken Einfluss des Studios, die besonders den Einsatz von CGI-Effekten vorantrieb. Campbell hatte sich mehr praktische Effekte gewünscht, konnte sich aber nicht durchsetzen. Er räumte zudem ein, dass ihm die Balance zwischen Charakterentwicklung und Superhelden-Event nicht so gut gelungen sei.
Hauptdarsteller Ryan Reynolds ließ ebenfalls kein gutes Haar an dem Machwerk. Reynolds verbarg seine Enttäuschung nicht und ließ in die Drehbücher seiner folgenden Filme kleine Seitenhiebe gegen seine Rolle als Green Lantern einbauen. In einem Kurzfilm reist er als Deadpool (den Reynolds gegenwärtig im Marvel Cinematic Universe verkörpert) in die Vergangenheit, um den Schauspieler Ryan Reynolds an der Unterzeichnung des Vertrages zur Übernahme der Hauptrolle in Green Lantern hindern.
Green Lantern ist kein Komplettausfall, aber ein Paradebeispiel für verschenkte Chancen. Die Zutaten für einen herausragenden Superheldenfilm sind alle vorhanden: ein charismatischer Hauptdarsteller, ein faszinierendes Universum, eine starke thematische Grundlage. Doch statt diese Elemente zu einem überzeugenden Ganzen zu verbinden, bleibt der Film in der Mittelmäßigkeit stecken.
Es war geplant, Green Lantern zu einem starken Franchise innerhalb des Film-DC-Universums auszubauen. Der Film erwies sich als finanzieller Flop und bescherte dem Studio einen Verlust von ca. 75 Millionen US-Dollar. Weitere Planungen wurden daher verworfen. Für das Jahr 2020 war ein Film mit dem Titel „The Green Lantern Corps“ angekündigt, der aber niemals realisiert worden ist.
Für den August 2026 ist die Serie „Lanterns“ auf dem Streaming-Kanal HBO angekündigt. Sie ist Teil des neuen DC-Universums von James Gunn und wird einen eher düsteren Stil anschlagen, der sich an Formaten wie True Detective orientiert.
05/2026




Kommentare
Ich muss mich immer wieder über die alten, eingdeutschten Titel amüsieren. Aber abgesehen davon habe ich noch gar nicht soviele Superheldenfilme gesehen, diesen auch nicht. Nach der Beschreibung hier will ich das aber doch mal nachholen.