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Extrawurst - Kommunikationsschwierigkeiten

Extrawurst

Kommunikationsschwierigkeiten

 

Die Frage um einen neuen Grill in einem Tennisclub eskaliert in Streitereien. Die pointenreiche Satire rund um die aktuelle Debattenkultur beruht auf einem Bühnenstück von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob, das Marcus H. Rosenmüller zu einem Kinofilm umgestaltet hat. Nun ist der Film auch fürs Heimkino zu haben, u.a. in einer BluRay-Version.

Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob haben mit dem Bühnenstück „Extrawurst“ eine exzellente Satire um die allgemeine deutsche Debattenkultur abgeliefert, das seit 2019 in den deutschen Theatern gespielt wird und das Publikum zu Lachstürmen anregt. Die beiden Autoren sind dabei so nah am Puls der Zeit, dass sich die meisten im Publikum in den irrwitzigen Diskussionen wiedererkennen dürften, die hier aufgrund eines eigentlich banalen Vorfalls losgetreten werden. Dass „Extrawurst“ nicht nur auf der Theaterbühne funktioniert, sondern auch das Potenzial zu einem großen Kinofilm hat, haben die Autoren offensichtlich erkannt und aus ihrer Vorlage ein Drehbuch gezimmert, das nun von Komödienspezialist Marcus H. Rosenmüller („Neue Geschichten vom Pumuckl“) unter Beteiligung eines prominenten Starensembles verfilmt wurde. Die Dialoglastigkeit macht zwar deutlich, dass die kammerspielartige Geschichte ihren Ursprung auf der Bühne hat, aber Rosenmüller hat das Setting des Tennisclubs so abwechslungsreich in Szene gesetzt, dass man schnell darüber hinwegsieht und sich von den witzigen und detailliert der Realität abgeschauten Dialogen in den Bann ziehen lässt.

Im Tennisclub Lengenheide geht es zu, wie in ganz vielen alteingesessenen Sportclubs kleiner Gemeinden. Banalitäten führen zu Verstimmungen und Knatsch, bei Mitgliederversammlungen geht es hitzig zu. Nun soll über die Anschaffung eines neuen Grills abgestimmt werden, der zu Stoßzeiten mit größeren Würstchenmengen klarkommen kann. Melanie (Anja Knauer), ein besonders empathisches Neumitglied, das mit ihrem ebenso politisch korrekten Ehemann Torsten (Christoph Maria Herbst) aus Berlin zugezogen ist, möchte darauf hinweisen, dass man dem muslimischen Mitglied Erol (Fahri Yardim) einen eigenen Grill zur Verfügung stellen sollte, da er und seine Familie aus religiösen Gründen kein Schwein essen dürfen. Erol hält diese Ausnahmeregel zwar selbst für überflüssig, aber von hier an bricht eine heiße Debatte vom Zaun, bei der es schnell um viel mehr geht als nur um den Grill für die Extrawurst. Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob haben den Zustand unserer Gesellschaft dabei auf sehr feinfühlige Weise seziert und entfalten ein Szenario, das sich so oder in ähnlicher Form sicherlich schon so mancherorts zugetragen haben dürfte. Wokeness, die weiter geht, als es die vermeintlich von Ungerechtigkeiten Betroffenen selbst empfinden, unter der Oberfläche schlummernde Vorurteile, die in Stresssituationen ans Tageslicht kommen, oder die immer weiter ausufernde Debattenkultur, die kaum je zu einem Kompromiss kommen kann und Fortschritt oder Weiterkommen lähmt.

„Extrawurst“ ist so viel mehr als die anfängliche Grill-Diskussion ahnen lässt. Marcus H. Rosenmüller erweist sich einmal mehr als exzellenter Komödienregisseur, der sein grandioses Schauspielerensemble mit hervorragendem Timing zu leiten versteht und auch mit visuellen Slapstickgags einen effektvollen Gegenpol zu den messerscharfen Dialogen setzt. Die BluRay-Erstveröffentlichung von StudioCanal Film bietet ein sehr gutes Bild (im Widescreen-Format 2,35:1) und einen unspektakulären, aber auch nicht zu beanstandenden Ton (Deutsch im DTS HD Master Audio 5.1, optional auch als Audiodeskriptionsfassung für Sehbehinderte im DTS HD Master Audio 2.0, wahlweise auch mit deutschen Untertiteln für Hörgeschädigte). Das überschaubare Bonusmaterial besteht lediglich aus einem Mini-Making Of (3 Minuten) und dem Kinotrailer.

Kommentare  

#1 Des Romero 2026-06-12 08:20
Ich wollte es schon nicht mehr glauben, aber dieser Film hat mich eines Besseren belehrt: Der Deutsche kann Komödie!
Tolle Schauspieler und erstklassige Dialoge, die absolut natürlich und nicht einstudiert rüberkommen.
Ich sag' dazu nur: "Wie geht stabile Seitenlage? – Scheiße! Ich hab' nur einen Balken!" :D
#2 Mainstream 2026-06-13 10:32
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Da muss ich mich anschließen. Wirklich hervorragend gespielt, sehr intelligente Dialoge (sprich aus dem Leben gegriffen), und ein exzellentes Timing.

Hätten die Macher auf die letzten fünf Minuten schwachsinnigen Slapsticks verzichtet, wäre „Extrawurst“ perfekt.

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