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Es ist doch alles SO einfach ...!? - Anmerkungen zur Konstruktion von Horrorheftserien(helden)

Es ist doch alles SO einfach!?"Eine Horrorserie wie John Sinclair oder Tony Ballard
kann ich zwischen zwei Schluck Kaffee erfinden."
Horst von Allwörden, 1982 (1)

Es ist doch alles SO einfach...!?
- Anmerkungen zur Konstruktion von Horrorheftserien(helden) -

Einleitung
Viele kennen sie, die Horror-Serienhelden, die seit Jürgen Grasmücks aka Dan Shockers erstem Silber-Krimi Nr. 747 (Grusel Krimi 1) "Das Grauen schleicht durch Bonnards Haus" vom Juli 1968 von den Verlagen und Autoren vorgelegt worden sind: Larry Brent, Björn Hellmark, John Sinclair, Dorian Hunter, Gordon Black, Tony Ballard, Rick Masters, Professor Zamorra und wie sie alle heißen und hießen, denn bis auf Zamorra und John Sinclair befinden sich alle im Nirwana der Serienhelden, so dass dies fast schon eine literaturhistorische Betrachtung ist.
 
Wie nun ist so eine Serie aufgebaut, kann man Schemata ausmachen? Antworten gibt in diversen Folgen diese Artikelreihe.
 

 

  Zur Übersicht  aller Folgen

Denn: Diese Serienhelden begannen spätestens in den ausgehenden siebziger Jahren über den Einzelroman im Heft zu dominieren bzw. ihn abzulösen. Und der Geister jagende Oberinspektor und der Meister des Übersinnlichen sindheute die Reste des Booms.

Über die Gründe wiederkehrendde Heldenfiguren zu schaffen, äußerte sich Friedrich Tenkrat aka A. F. Morland in einem im Oktober 1982 auf einem Con in Meerbusch geführten Interview kurz nach dem Start der eigenständigen Tony Ballard-Serie folgendermaßen:

"Es war aber schwer mit jedem Roman eine neue Figur zu schaffen. Und er kann auch nicht immer dieselben Waffen haben. Dadurch ist der Autor gezwungen, immer etwas Neues zu erfinden. Dann kommt auch noch der Gewöhnungseffekt hinzu. Der Leser kann sich besser an eine immer wiederkehrende Figur gewöhnen." (2)

 

Diese Sätze eines der erfolgreichsten (Horror-)Heftautoren geben einen der wichtigsten Schlüssel zur Schaffung eines wiederkehrenden Helden bzw. einer Serie vor. Immerhin weiß er wovon er redet. Hatte er doch Horror in Basteis Gespenster-Krimi in Form von Einzelromanen und Duologien begonnen, bevor er dann seinen eigenen Helden entwickelte.

 

Der Identifikationseffekt und Wiedererkennungswert ist es, den ein wiederkehrender Held beim Leser hat. Dieser trifft auf Vertrautes.

 

Darüber hinaus bietet eine solche Schöpfung einen weiteren Vorteil. Der Autor hat es leichter und braucht nicht soviel Gehirnschmalz in die Schaffung seiner Hauptfigur investieren, denn es gibt sie ja schon.

 

Aber wichtiger ist der Identifikationseffekt. Der Heftroman soll Woche für Woche gekauft werden. Da springt der Vorteil einer wiederkehrenden Hauptfigur doch klar ins Auge.

 

Der beste Beweis für diese These ist dann auch der Sieg der Serie über den Einzelroman, was beim Heftroman heißt: Die Serie verkauft sich besser.

 

In der Tat war auch der letzte Versuch den Gespenster-Krimi zu retten, die komplette Umstellung der Reihe von Einzelromanen (mit gelegentlichen Subserien) auf eben diese Subserien.

 

Bastei hatte gute Erfahrungen mit dem Konzept der Sub-Serien gemacht, die immer wieder im Gespenster-Krimi liefen. Immerhin liefen sowohl John Sinclair als auch Tony Ballard zunächst im Gespenster-Krimi. Wie auch in anderen Verlagen Serie in Reihen starteten (u. a. Larry Brent, Dorian Hunter, Rick Masters)

 

Nun gut, ein immer wiederkehrender Held ist also als Wiedererkennungswert für den Leser wichtig. Er eignet sich als Führer durch die Handlung. Der Leser fühlt sich geborgen in einer vertrauten Umgebung. Dieser liefert ihm ein Held und einige weitere Dinge, de noch benannt werden.

 

Doch schon stoßen wir auf das erste Problem, das wir mit einem Helden haben: Der Ausgang eines Romans wird berechenbar. Der Held muss zumindest überleben, wir aber wohl meistens die Bedrohung beseitigen.

 

Nun besteht die Möglichkeit einzuwenden, auch der Held eines einzelnen Romans wird im Heft zumeist gewinnen und am Ende die Frau in die Arme schließen, aber: Es besteht zumindest – in der Theorie – die Möglichkeit, dass er den Heldentod stirbt, um die Bedrohung zu beseitigen. Der Leser ist nicht komplett sicher, ob der Held für einen Roman nicht doch über den Jordan geht.

Was viele Horrorhefthelden prädestinierte war die Herkunft aus dem Krimiheft. In mancherlei Hinsicht standen neben den erfolgreichen Hammer-Filmen und den SF-/Horrorfilmen aus den USA der fünfziger und sechziger Jahre die Edgar-Wallace-Reihe und der deutsche Kriminalfilm Pate. Hinzu kommt, dass Jürgen "Dan Shocker" Grasmück seinen großen Wurf und ersten Helden Larry Brent  für die Krimi Reihe des Zauberkreis Verlages entwarf.

Und wie das so ist: Nachahmung ist die höchste Form der Verehrung. Viele der Nachfolger übernahmen das Modell des Krimis als Vorbild, um ihre Helden als Polizisten und Detektive auf die Spur des Bösen zu setzen. Die Liste der Polizisten des ist lang: John Sinclair, James Mc Allister (Nebelgeister), Tony Blllard, das OCCU-Team, Gordon Black, (in den ersten 120 Bänden) Profesor Zamorra, auch in ihrer ersten Phase Damona King, Jack Callum und Rick Masters. Mark Tate und noch andere Serien- und Sub-Serienhelden mehr. Es ist ein sehr einfaches Grundkonzept und läßt viele Möglichkeiten offen.Da braucht man kein gewaltiges Hintergrundszenarion, sondern schickt seinen Polizisten, Detektiv oder Journalisten in den kampf gegen das Übersinnliche, wo der klassische Krimiheld gegen Mafia, Mörder und Bankräuber gekämpft hat.

Der Dämonenkliller und Jürgen Grasmücks zweiter Held Macabros wichen da vom Schema ab und wiesen einen anderen Weg. Dem folgten Professor Zamorra (nach dem W.K. Giesa und andere die Regie übernahmen), Damona King (nachdem Hohlbein und Eisele die Serie neu strukturierten)und andere, denn mit den Jahren war fürden Horror der markt erobert und man schüttelte den Krimi ab, wenn man dies wollte.

 

Um dem Erfolg von Serien und deren Helden näher zu kommen, gehen wir es an und konstruieren also nun beides: Serie und Held.

Also wird hier mit der Zeit eine Art Gebrauchsanleitung für eine Horrorheftserie entstehen ...

Hier geht es zu den bisherigen Beiträgen:

Zitate:

 

  • 1.     Horst von Allwörden, zitiert nach Zauberspiegel Nr. 1, Drochtersen / Hamburg, 1982
  • 2.     Friedrich Tenkrat, zitiert nach Zauberspiegel Nr. 3, Drochtersen / Hamburg, 1983

 

 

Kommentare  

#1 Mikail_the_Bard 2008-09-02 23:51
"How to write a horror novel for Dummies" (Wie schreibt man einen Horror-Roman für Anfänger)

Ist klar das ich auf die Hauptseite dieses Artikels schreiben muss :-)
Nachdem ich "Wie man einen verdammt guten Roman schreibt, Bd.1&2 von James N.Frey" dachte ich eigentlich: ok, war zwar nicht viel neues was ich mir nicht schon zusammengereimt habe, aber einiges was ich nun besser wusste und neu gerlernt hatte. Diese Bücher beschreiben fast das Gleiche wie dieser Artikel, nur für jeden x-beliebigen Roman.
Doch das hier ist für mich interessant weil es um Phantastische Romane geht. Ich werde mit Interesse weiterlesen. Dieser Kurs hat gerade noch gefehlt! Ich meine das absolut positiv!
Als gebunde Form, wenn alles fertig ist, stelle ich den neben die obengenannten Werke in mein Regal.

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