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Die Blut GmbH - Eine Leseprobe von Hugh Walker

LeseprobeDie Blut GmbH
Eine Leseprobe von Hugh Walker

Teil 1: Die Blut-GmbH
Ich wusste, dass ich vorsichtig sein musste. Es war mir auch klar, dass ich in eine Falle ging, aber ich hatte keine andere Wahl. Es war kurz vor neun, als ich in der Nähe meines Büros den Wagen abstellte. Ich hatte noch ein paar Minuten Zeit, die Lage zu erkunden. Vielleicht ergab sich eine überraschende Chance, Freddie aus der Falle herauszuholen, bevor sie hinter mir zuschnappte.


DraculaIch befand mich in der Parallelstraße. Die Häuser waren hier vierkanthofartig, mit einem Hof in der Mitte und Haustoren in den beiden parallelen Straßen. Es war bereits dunkel. In der engen Straße war der Mond nicht zu sehen, aber der Himmel spiegelte sein Licht wider.

 Das Haustor war verschlossen. Ich klopfte am Fenster des Hausmeisters, der mich kannte, weil ich diesen Weg in mein Büro nicht zum ersten Mal nahm. Es war nie schwierig gewesen, ihn mit einem Trinkgeld bei guter Laune zu halten.

Er öffnete mir auch gleich eilfertig.

»Wieder einmal?«, meinte er.

Ich nickte.

»Wer ist es diesmal?«

»Ein paar üble Typen.«

Er nickte vor sich hin. Und ich stieg leise hinter ihm her. »Einen Schnaps?«, fragte er.

Das schlug ich ihm nie aus. Diesmal warf ich einen Blick auf die Uhr. Sechs vor neun. Ich hatte das Gefühl, dass ich ihn brauchen konnte. So folgte ich ihm in seine Wohnung. »Aber einen verdammt raschen«, sagte ich und sah nervös zu, wie er eingoss.

»Genießen Sie ihn. Jeder kann der letzte sein.« Die Äußerung eines Gemütsmenschen, aber das war mir nichts Neues, nur seine joviale Art, freundlich zu sein.

Ich genoss den Schnaps eine ganze Minute lang. Dann huschte ich die Treppen hinab zum Hof. Der Hausmeister schloss auf, viel zu laut für meine überreizten Nerven. Fünf vor neun. Wenn sie den Hof im Auge behielten, würde es schwierig werden. Aber ich nahm an, dass es ihnen genügt hatte, die Hoftür abgesperrt zu finden, und den Schlüssel innen hängen zu sehen. Ich winkte dem Hausmeister dankend zu und schlich über den Hof. Nichts geschah. Dann kletterte ich hoch bis zum Stiegenhausfenster des Halbstocks. Das ließ sich mit einem kleinen Trick aufdrücken. Ich stieg ein, die Schuhe in der Hand, und lauschte.

Absolut nichts regte sich. Langsam und mit angehaltenem Atem stieg ich hinab. Ich erreichte den Keller unangefochten. Das war verdammt ungewöhnlich. Irgendetwas stimmte nicht. Keiner schien nach mir Ausschau zu halten. Sie konnten doch nicht so einfältig sein, in meinem Büro auf mich zu warten. Wer garantierte ihnen denn, dass ich wirklich allein kam?

Ich erreichte die Bürotür und lauschte. Von drinnen kam ein leises Stöhnen, aber sonst herrschte Stille. War Tom wirklich so verrückt, allein auf mich zu warten?

Mir blieb nichts anderes übrig, als hineinzugehen. Dass mir keine von diesen Typen Kowalczs begegnet war, verringerte meine Chancen gewaltig. Ich hatte gehofft, auch mit einer Geisel aufzukreuzen und ein hübsches Tauschgeschäft vorzuschlagen.

Es war neun, irgendwo läuteten Kirchenglocken, und ich dachte, wenn ich zu lange zögerte, gefährdete ich Freddies Leben. Und er hatte gerade angefangen, mir ans Herz zu wachsen.

Ich stieß die Tür auf und platzte hinein wie einer dieser tasmanischen Teufel. Verblüfft stand ich in der Mitte des Zimmers, das auf den ersten Blick leer war. Dann klang ein Stöhnen rechts von mir in der Ecke. Freddie krümmte sich hinter dem Sofa, wohl verschnürt wie ein Rollschinken. Seine Backen waren aufgebläht, und ein Stück Leukoplast klebte über seinem Mund.

Ich sah mich vorsichtig um. Es bestand kein Zweifel: Wir waren allein.

»Na so was«, sagte ich verblüfft. Dann schob ich das Sofa zur Seite und zog meinen Partner hervor. »Pausbäckig gefällst du mir ganz gut«, erklärte ich, während ich ihm das Pflaster vom Mund riss. »Du wirkst bürgerlicher.«

Er spuckte einen alten Lappen aus und verzog angewidert das Gesicht.

»Schmeckt nicht, ha?«, sagte ich mitfühlend.

»Nicht besonders«, stimmte er zu. »Mach mich los, und dann nichts wie hinterher!«

»Hinterher?« Ich hatte den Knoten auf und begann ihn auszuwickeln.

»Ich bin dir ja dankbar dafür«, meinte er, »aber du bist ihnen auf den Leim gegangen. Sie wollten dich aus dem Haus haben, weil sie es auf die kleine Rothenberg abgesehen hatten …«

Natürlich! Fluchend hielt ich inne, und er zappelte, weil er noch immer nicht allein loskam. »Mach schon!«

»Aber warum?«, entgegnete ich und wickelte weiter. Er war endlich frei und fing an, seine gefühllos gewordenen Gelenke zu massieren.

»Erstens weil Tommie eine Stinkwut auf dich hat, und zweitens, weil Kowalcz glaubt, dass eine größere Sache dahintersteckt und meint, mit der Kleinen einen prima Trumpf in der Hand zu haben.«

Ich sprang zum Telefon.

»Hat wenig Sinn. Das haben sie abgeschnitten.«

»Sie?«

»Ja, Karlie war mit einem halben Dutzend seiner Leute da. Denkst du, dieser debile Tommie hätte mich allein überrumpelt?« Es schien ihn einigermaßen zu ärgern, dass ich das angenommen haben könnte.

»Also los!«, sagte ich und stürmte zur Tür.

»Aber wohin? Wir kommen zu spät!«

»Erst mal zur nächsten Telefonzelle, und dann zum schönen Alby. Bist du nun endlich auf den Beinen? Du hast einen Job. Seit Stunden liegst du hier herum!«





Wir waren bereits zu spät dran, wie es schien. Alle Welt verdammend lauschte ich dem Rufzeichen. Aber niemand hob ab. Hatten sie sie mitgenommen, oder …

Ich dachte den Gedanken nicht zu Ende. Ich wählte erneut – Eriks Nummer. Er meldete sich so rasch, als hätte er auf meinen Anruf gelauert.

Ich erklärte ihm in hastigen Worten, was geschehen war. Zum Glück begriff er rasch. Ich schlug ihm vor, uns bei Rothenbergs zu treffen. Aber er hatte eine bessere Idee. Wir sollten uns bei Alby treffen. Er wollte ihn sehen, und wir konnten dort alles besprechen. Um die Rothenbergs sollte sich Inspektor Hartwig kümmern.

Wir fuhren los. Freddie schien mit meiner Fahrweise nicht sonderlich einverstanden. Er sagte nichts, aber ich sah es an seinen verkrampften Fingern, mit denen er sich festklammerte. An einer Kurve wurde es wirklich etwas brenzlig, und ich war auch schon versucht zu glauben, dass es besser wäre, etwas später, als gar nicht anzukommen. Aber mit Vollgas ging es weiter. Und das war unser Glück. Als wir in die Straße einbogen, in der Alby wohnte, sahen wir eine Gestalt aus dem Haustor kommen.

»Das ist er!«, entfuhr es Freddie.

Ich nickte. Kein Zweifel, da ging Alby. Er war allein. Niemand folgte ihm. Das war seltsam. In der Verfassung, in der er sich befand, konnte er kaum in der Lage sein, Spaziergänge allein zu unternehmen. Es sah auch nicht aus, als ob er nur in einem unbewachten Augenblick entkommen wäre. Die Art, wie er sich umsah und sich vergewisserte, dass ihm auch niemand aus dem Haus folgte, wies auf einen Kontakt zur Umwelt hin, wie er ihn während unseres Besuches nicht besessen hatte. Entweder, man hatte uns ein gut gelungenes Theater vorgespielt, oder es war etwas Entscheidendes im Werden. Beides war äußerst interessant.

Ich hielt an. »Bleib du beim Wagen, Freddie, und warte auf Dr. Fellner. Er ist ein großer, hagerer Typ, der …«

»Ich kenne ihn. Hab euch ja einen ganzen Abend beschattet.«

»Gut. Sag ihm, er soll wieder in sein Büro fahren. Ich werde anrufen, sobald ich etwas entdeckt habe. Du bleibst hier und behältst das Haus im Auge. Aber lass dich nicht sehen. Viel Spaß!«

»Danke«, meinte er trocken.

Ich stieg aus. Albrecht ging eilig die Gasse entlang. Er sah sich gelegentlich um. Ich lief auf die andere Seite und folgte ihm. Es war die dunkle Seite, und er konnte mich nicht bemerken. Ihn sah ich deutlich im Mondlicht. Feine Sache, so ein Vollmond.

Er war offenbar auf dem Weg stadtauswärts. Er bog ab, und ich holte ein wenig auf, genug, um ihn nicht aus den Augen zu verlieren. Nach einer Weile hörte er auf, sich nach irgendwelchen Verfolgern umzusehen.

Als wir in den Außenbezirk im Osten der Stadt kamen, bereute ich langsam, dass ich die Verfolgung nicht mit dem Wagen aufgenommen hatte. Der Weg schien kein Ende zu nehmen. Ich war nie ein guter Fußgänger gewesen.

Es war das Villenviertel, hügelig, unübersichtlich und mit wenig Deckung, so absurd das auch klingt. Ich musste erheblich näher an ihn heran, um ihn nicht plötzlich in einer Seitenstraße aus den Augen zu verlieren.

Er ging sehr zielbewusst, und zeigte im Gegensatz zu mir keinerlei Anzeichen von Ermüdung. Über eine Stunde waren wir nun unterwegs. Die ganze Zeit über verstärkte sich in mir das Gefühl, dass da vieles nicht in Ordnung war.

Endlich, kurz vor elf, hielt er an einem großen, vergitterten Tor, das eine übermannshohe Mauer durchbrach. Er betätigte den Klingelknopf neben dem Eingang. Sekunden später erschien eine Person in Schwesterntracht, weißer Kittel und Häubchen, und schloss auf.

»Zu Dr. Lükaar, Zimmer vierzehn«, sagte sie. Sie lächelte, und sie war jung und schön. Wenn es eine Illusion war, dann eine verdammt perfekte. Sie betonte das ›A‹, und es klang wie ein französischer Name. Beide verschwanden. Das Tor wurde geschlossen. Ich schlich mich näher heran und schaute durch das Gitter. Ich sah sie auf einem mondhellen Kiesweg auf ein langgestrecktes, hellerleuchtetes Haus zugehen. Dann sah ich mir das Tor genauer an. Über der Klingel stand:



KLINIK Dr. Alfred Lukard



Lukard, Lükaar!! Also doch ein Franzose.

Ich wartete eine Zeitlang, aber Albrecht kam nicht wieder.

Einen Augenblick war ich unentschlossen. Ich hätte liebend gern Erik angerufen, um ihm ein paar Hinweise zu geben, für den Fall, dass ich hier in eine Falle lief. Aber in diesen abgelegenen Straßen eine öffentliche Telefonzelle zu finden, mochte Stunden dauern. Ich musste es also ohne Rückhalt versuchen.

Kurz entschlossen drückte ich auf die Klingel. Ich bemühte mich ein wenig teilnahmslos auszusehen. Gleich darauf kam die Schwester wieder aus dem Gebäude. Sie schloss das Tor auf.

Ihr Gesicht erschreckte mich. Es war so weiß, ihre Miene so kalt, ihre Augen tiefschwarz und dunkel. Unwillkürlich dachte ich an unser nächtliches Erlebnis mit dem Beißer. Nur eines fehlte, um die Ähnlichkeit perfekt zu machen: Das Feuer in den Augen!

»Dr. Lükaar, Zimmer vierzehn«, erklärte sie auch mir, als ich durch das Tor trat.

Dann ergriff sie mich am Arm, und ich erschrak zutiefst: Ihre Hand war eiskalt. Ich musste mich zwingen, sie nicht abzuschütteln. Schweigend schritt ich neben ihr her auf das Haus zu. Mich ergriff große Furcht. Ihre Hand strich an meinem nackten Unterarm auf und ab, als genösse sie die Wärme, die davon ausströmte.

Wir standen unter der Lampe über der Haustür. Die Schwester ließ mich los und öffnete. Unwillkürlich glitt mein Blick über ihre Schulter an ihrem weißen Ärmel nach unten. Und da, am Oberarm sah ich es – das verkehrte Kreuz!

Ich war auf der richtigen Spur.

Aber ich war plötzlich gar nicht mehr sicher, ob ich das wollte.





Als sich die Tür hinter uns geschlossen hatte, sagte sie: »Die letzte Tür rechts.« Und ließ mich stehen.

Ich schritt automatisch weiter, ohne mich umzusehen, bis ich ihre Schritte nicht mehr hörte. Dann verlangsamte ich meinen Schritt und blickte den hellerleuchteten Gang entlang. Links und rechts befanden sich Türen mit alphabetischer Bezeichnung. Gedämpfte Stimmen kamen von irgendwo her. Ich sah mich vorsichtig um. Ich stand allein auf dem Korridor. Ein schwerer süßlicher Duft von Desinfektionsmitteln hing in der Luft, und noch ein anderer Geruch, vor dem mich ekelte. Ich wusste nicht, was es war, aber in Kliniken gab es sicher vielerlei Gerüche, die Ekel auslösen konnten.

Vor mir trat ein Mann im weißen Arztkittel aus einer der Türen. Dahinter schien eine Treppe nach unten zu führen, wahrscheinlich in den Keller.

Der Mann musterte mich kurz. Ich sah gleichmütig durch ihn hindurch, obwohl sein Anblick mir Schauder verursachte. Auch sein Gesicht besaß eine totenähnliche Blässe. Der Mund war zusammengekniffen, die Pupillen kohlrabenschwarz und irgendwie stumpf – als wären sie gebrochen.

Er wandte seinen Blick ab, durchquerte den Korridor und verschwand in einem der Räume.

Ich atmete auf und rüttelte an der Tür, aus der er gekommen war. Erleichtert stellte ich fest, dass sie sich öffnen ließ. Dahinter war es dunkel. Rasch schloss ich die Tür hinter mir. Ich wartete ein paar Sekunden, bis mein hämmernder Puls etwas ruhiger ging. Ich konnte die Hand nicht vor den Augen sehen. Nach einigem Tasten an den Wänden fand ich den Schalter und knipste das Licht an.

Die Treppe führte ein Stück nach unten, vielleicht zwanzig Stufen. Sie krümmte sich dabei ein wenig, und ich landete schließlich wieder auf einem schmalen Gang, der vor einer Glastür endete. Auf der mittleren Scheibe stand – sinnigerweise in roten Buchstaben –  



B L U T – G.M.B.H.



das las ich verwundert. Ich hatte von dieser Firma bestimmt noch nichts gehört. Aber mein Gehirn ist immer verdammt schnell mit den Assoziationen. Barbaras Vermutung, jemand könnte ihrer Schwester Blut abgezapft haben, ergab plötzlich mehr Sinn, obwohl ich mir selbst noch nicht vorstellen konnte, wie und warum.

Die Tür ließ sich öffnen. Sie knarrte verdächtig. Ich löschte rasch das Licht und lauschte mit angehaltenem Atem. Aber niemand warf einen Blick durch die Kellertür.

Aufatmend drehte ich das Licht wieder an. Vier Türen lagen vor mir, alles feuerfeste Metalltüren. Und überall steckten die Schlüssel. Wer das Ganze hier leitete, hatte entweder nichts zu verbergen, oder fühlte sich sehr sicher.

Ich probierte die erste. Dahinter befand sich die Ölheizung. Die daneben führte in einen großen Tankraum. Die dritte war schon interessanter. Sie führte in ein Labor. Ich sah es mir genau an. Hier wurden offenbar Blutanalysen und dergleichen vorgenommen. Daran war natürlich in einer Klinik nichts Besonderes, auch nicht in einer Firma, die Blut-GmbH hieß. Ich fand auch nichts besonders Seltsames. Ein wenig enttäuscht verließ ich das Laboratorium und warf einen Blick in den vierten Raum.

Unwillkürlich stieß ich einen leisen Pfiff aus. Auf großen Regalen reihten sich zu Hunderten Blutkonserven. Der Raum barg eine gewaltige Blutbank. Beeindruckend, aber unter den gegebenen Umständen auch nicht ungewöhnlich.

Sonst schien es in dem Keller keine Räumlichkeiten mehr zu geben. Was sollte ich nun tun? Es würde nicht einfach sein, die oberen Räume zu inspizieren, ohne entdeckt zu werden. Aber Schnüffeln war nun einmal mein Beruf.

Ich lauschte auf die gedämpften Geräusche von oben. Es schien eine Menge Betrieb zu sein. Am besten war es wohl, wenn ich eine Weile wartete. Es war fast halb zwölf. Sie machten vielleicht um Mitternacht Schluss, und die Nachtschicht würde nicht so lebhaft sein.

Ich drehte das Licht aus und ließ die Geräusche auf mich einwirken. Es war ein seltsames Gemisch von Tönen überwiegend menschliche Laute: Stöhnen, Weinen, Schluchzen, Schreien, Murmeln und scharfe Kommandos. Sie vermittelten den Eindruck von Pein und Furcht, und noch etwas mehr, über das ich mir nicht klar wurde. Dazwischen das Klappern von Instrumenten.

Meine Gedanken wanderten zu Barbara, und die Furcht, dass ihr und ihrer Schwester etwas geschehen sein könnte, krampfte in mir alles zusammen. Diese Ungewissheit machte mir mehr zu schaffen, als meine etwas unübersichtlich gewordene Lage.

Eine Menge Zeit verstrich, und es wurde nicht ruhiger über mir. Ich begann ungeduldig zu werden. Dieses Warten in der Finsternis schien mir plötzlich unerträglich. Ich fasste den Entschluss. Ich musste Albrecht finden und sehen, was mit ihm geschah.

Bevor ich aber einen Schritt machte, flammte das Licht auf, und jemand kam die Stufen herab. Rasch begab ich mich in den Tankraum. Der schien mir am sichersten. Wer ging schon mitten in der Nacht in den Keller, um nach den Öltanks zu sehen?

Durch das Schlüsselloch sah ich, dass der Mann in den Blutkeller ging. Mit einem Arm voll Konserven kam er nach einer Weile wieder heraus. Aber er verschwand nicht gleich. Er warf noch einen Blick ins Labor, bevor er wieder nach oben ging.

Aber ich kam nicht weit, da ging das Licht erneut an. Diesmal war es eine Frau. Auch sie ging in den Blutkeller und verließ ihn mit einigen Konserven. Das schien der große Ansturm auf die Vorräte zu sein. Da anzunehmen war, dass gleich wieder jemand kam, begann ich mich im Tankraum nach einem Fluchtweg umzusehen. Aber es gab keinen. Die Fenster waren vergittert. Nur die Einfüllschläuche ragten hinaus.

Ich tastete in den Heizungskeller. Hier fand ich, was ich suchte: Ein Fenster, das sich öffnen ließ. Draußen war ein Schacht mit einem Gitter. Mit etwas Mühe konnte ich mich hinauszwängen. Das Gitter ließ sich leicht hochheben. Nun, nachdem ich einen bequemen Fluchtweg gefunden hatte, fühlte ich mich bedeutend wohler.

Ich wartete gespannt. Es war schon lange nach Mitternacht. Es wurde nicht ruhiger, im Gegenteil. Ein Kommen und Gehen im Keller, alle holten Blutkonserven. Da oben musste eine Katastrophe ausgebrochen sein, aber gleichzeitig hörte es sich an, als feierten sie ein Fest.

Schließlich konnte ich meine Neugier nicht mehr unterdrücken. Schon gute zehn Minuten lang hatte sich hier unten Ruhe eingestellt. Es war ein Wagnis, aber ich sollte doch etwas herausfinden, und nicht mich verkriechen. Ich schlich die Treppe hoch und lauschte an der Tür. Es war schwer zu sagen, ob der Korridor dahinter leer war. Ich musste es riskieren.

Vorsichtig öffnete ich die Tür einen Spalt. Niemand zu sehen. Das war meine Chance. Aber wohin?

Der Lärm kam vom jenseitigen Ende des Ganges. Jemand rezitierte etwas, aber ich konnte es nicht verstehen. Ich huschte hinaus und horchte an der nächsten Tür. Dahinter war Stille. Die Tür war leicht zu öffnen. Es schien ein Krankenzimmer zu sein. Außer den stillliegenden Patienten befand sich niemand darin. Rasch trat ich ein und machte hinter mir zu. Ich sah mir die Betten an. Drei Männer und eine Frau lagen darin, alle sehr blass und still. Einer davon war Alby. Ich dachte erst entsetzt, sie wären tot, aber dann bemerkte ich, dass Alby die Augen geöffnet hatte und dass sein Blick mir folgte. Es war ein wenig gespenstisch, weil er sonst nichts tat, weder ein Wort sagte, noch einen Muskel bewegte, als wäre eine große Schwäche in ihm.


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