Die Schlacht von Marathon - Kämpfe im Lendenschurz
Die Schlacht von Marathon
Kämpfe im Lendenschurz
Steve Reeves‘ (1926-2000) Karriere als Schauspieler begann schon kurz nachdem er erste Titel im Profi-Bodybuilding gewonnen hatte. So war er beispielsweise bereits 1953 in einer kleinen Rolle als Olympiateilnehmer im Filmklassiker „Blondinen bevorzugt“ mit Marilyn Monroe und Jane Russell zu sehen. Im Jahr darauf war es schon eine deutlich größere Sprechrolle in Ed Woods Gangsterstreifen „Jail Bait“, der in Deutschland allerdings keinen Verleih fand. Der endgültige Durchbruch zum Star gelang Reeves schließlich 1958, als findige italienische Filmemacher seine Muskeln als Kapital nutzten und den „Mr. Universe“-Gewinner in „Die unglaublichen Abenteuer des Herkules“ als antiken Kraftprotz inszenierten. Der Film war, trotz seiner schlichten und naiven Machart, ein großer Erfolg, weswegen Reeves nur wenige Monat später in der Fortsetzung „Herkules und die Königin der Amazonen“ erneut in Italien vor der Kamera stand. Damit begründete der US-Amerikaner nicht nur seine Filmkarriere in Europa, bei der er in den kommenden neun Jahren auch als Hunnenschreck, Pirat, Dieb von Bagdad oder Sandokan zu sehen war und dabei stets seine Muskelmassen ins rechte Licht zu rücken verstand. Gleichzeitig gaben seine Filme in Italien auch den Startschuss für das Cinema Peplum, hierzulande als „Muskel- und Sandalenfilme“ bekannt. Mehr als 150 solcher Werke entstanden in knapp zehn Jahren, die neben Herkules auch andere Antikhelden wie Samson, Maciste und Ursus in den Mittelpunkt rückten und weiteren Bodybuildern wie Brad Harris, Mark Forest, Samson Burke oder Dan Vadis zu kurzzeitigem Filmruhm verhalfen. „Die Schlacht von Marathon“ zählt ebenfalls noch zu den Vorreitern dieser Reihe und ist vergleichsweise aufwändig gestaltet.
Rund 500 Jahre vor Christus ist Phillipides (Steve Reeves) einer der großen Sieger der olympischen Spiele in Griechenland. Er wird von den Massen frenetisch gefeiert und bekommt einen Ehrenplatz in der Garde, die die Akropolis bewachen soll. Wie sich schon bald darauf herausstellt, ist die Verteidigung Athens tatsächlich bitter notwendig, da der persische König Darius (Daniele Vargas) einen Eroberungszug nach Griechenland plant. Dabei kann er auf die Unterstützung von Hippia (Gérard Herter) und Theokrit (Sergio Fantoni) zählen, die sich mit dem Bündnis wichtige Stellungen und Ruhm versprechen. Denn tatsächlich scheint der Sieg der Perser so gut wie sicher, da sie rein zahlenmäßig weit überlegen sind. Um auch Phillipides auf seine Seite zu bringen, möchte Theokrit die hübsche Karis (Daniela Rocca) als Köder für den Muskelmann einsetzen. Der hat aber kurz zuvor per Zufall die Bekanntschaft mit Andromeda (Mylène Demongeot) gemacht, in die er sich Hals über Kopf verliebt hat. Andromeda, die Tochter des Senators Kreteos (Ivo Garrani), ist zwar ebenfalls von Phillipides angetan, weist diesen aber zurück, weil sie schon seit Jahren Theokrit versprochen ist. Während zwischen den jungen Leuten Eifersucht, Missverständnisse und Intrigen hochkochen, nähern sich die Perser unter König Darius mit einer stattlichen Flotte Griechenland an, weswegen die Recken des Landes ihre Kräfte bündeln müssen, um der Invasion Widerstand entgegenzusetzen.
Aus heutiger Sicht ist „Die Schlacht von Marathon“ ein leidlich unterhaltsames Historienepos, das kaum Wert auf geschichtliche Fakten legt und stattdessen eine konventionelle Heldengeschichte erzählen möchte, die zu großen Teilen mit Liebesverwicklungen untermauert ist. Steve Reeves macht auch hier wieder eine überzeugende Figur, zumal ihm die Rolle darstellerisch kaum etwas abverlangt. Ungewöhnlich ist die finale Schlacht zur See, bei der die Griechen lediglich mit Lendenschürzen bekleidet ihr Land verteidigen. Hier gibt es auch einige erstaunlich brutale und explizite Todesszenen zu sehen. Die BluRay-Erstveröffentlichung von Explosive Media (parallel ist der Film hier auch wieder auf DVD erschienen) bietet ein exzellentes Bild (im Widescreen-Format 2,35:1) und einen stets gut verständlichen Ton (Deutsch, Italienisch und Englisch im DTS HD Master Audio 2.0, optional mit Untertiteln in diesen drei Sprachen). Da diese Fassung rund drei Minuten länger ist als die deutsche Kinofassung (enthalten ist die Synchronfassung der Wiederaufführung des Films aus dem Jahr 1974, die Erstsynchronisation aus dem Jahr 1960 scheint verschollen zu sein), liegen die neu hinzugekommenen Szenen im Original mit Untertiteln vor. Alternativ kann man auch auf die geschnittene Fassung zurückgreifen. Außerdem bietet die Veröffentlichung einen Audiokommentar der Filmexperten Benedikt Wilken und Leonhard Elias Lemke, den US-Kinotrailer und eine größere animierte Bildergalerie.



