Sunshine - Ein Hauch von Sonnenschein - Opulente Familien- und Zeitgeschichte
Sunshine – Ein Hauch von Sonnenschein
Opulente Familien- und Zeitgeschichte
Adam Sors (Ralph Fiennes) ist stolz auf seinen Namen, und er ist stolz auf seine Goldmedaille im Fechten, die er bei den Olympischen Spielen 1936 für sein Heimatland Ungarn in Berlin gewonnen hat. So stolz, dass er sich beharrlich weigert, seinen Namen und seine sportlichen Leistungen zu verleugnen, als er 1944 von Nazis im Arbeitslager dazu gezwungen wird. Sein Vater wurde noch als Ignatz Sonnenschein (ebenfalls Ralph Fiennes) geboren und beantragte die Namensänderung, um als Richter Karriere machen zu können. Adam selbst war, um das Fechten im Offiziersclub erlernen zu können, vom Juden- zum Christentum konvertiert. Im Arbeitslager wird er diese Abstammung nun mit seinem Leben bezahlen: Von den Nationalsozialisten wird er vor den Augen seines Sohnes Ivan (später auch Ralph Fiennes) zu Tode gefoltert.
Ralph Fiennes wurde von István Szabó („Mephisto“) ausgewählt, diese drei Männer im Erwachsenenalter zu spielen. Der Engländer, der die unterschiedlichsten Charaktere verkörpern kann, gibt hier auch den drei Generationen ihre individuellen Gesichter. Besonders beeindruckend gerät sein Wandel vom Peiniger Amon Goeth in „Schindlers Liste“ zum Gepeinigten Adam Sors in diesem Film. Unterstützt wird Fiennes von einem ausgesprochen guten Ensemble, das bis in die Nebenrollen echte Gefühle vermittelt und nicht nur plakativ-oberflächlich bleibt. Zu erwähnen sind hier vor allem Miriam Margolyes in der Rolle der Urgroßmutter und William Hurt als Major Knorr. István Szabó nutzt auch in diesem Film die Einzelschicksale seiner Protagonisten, um Geschichte transparent zu machen. Seine Handlung setzt 1840 ein, umspannt mehr als 100 Jahre und endet kurz nach der ungarischen Revolution von 1956. Historische Epochen wie die Doppelmonarchie Österreich-Ungarns, die beiden Weltkriege und das kommunistische Regime bleiben nicht nur Orientierungspfeiler in einer bewegten Familienchronik, sondern werden durch das politische Engagement der Sors-Männer immer wieder plastisch erfahrbar gemacht. Und diese Familiengeschichte ist nicht nur geprägt von politischen Veränderungen und konfessioneller Unentschlossenheit, sondern –natürlich – auch von den die Generationen durchziehenden Liebesproblemen. Ignatz heiratet gegen den Willen seiner Familie seine Cousine Valéria (Jennifer Ehle), Adam heiratet die ebenfalls zum Katholizismus übergetretene Hannah (Molly Parker), nur, um sie mit seiner Schwägerin Greta (Rachel Weisz) zu betrügen, und Ivan schließlich hat eine zum Scheitern verurteilte Affäre mit einer verheirateten Frau, Carola (Deborah Kara Unger). Die sich anstauenden Emotionen entladen sich immer wieder in animalisch wirkenden, reichlich unerotischen Sexszenen. Liebe, auf der ein Fluch lastet.
Warme, herbstliche Farben dominieren den Beginn von „Sunshine – Ein Hauch von Sonnenschein“. Musikalisch untermalt werden die Bilder von einem Leitmotiv, das aus der Feder von Maurice Jarre stammt. Und ähnlich wie „Laras Thema“ aus „Dr. Schiwago“ hat auch diese Melodie Ohrwurmcharakter. „Ohne den Staub, worin er aufleuchtet, wäre der Sonnenstrahl nicht sichtbar.“ (André Gide) – heißt es auf dem BluRay-Cover. Anders ausgedrückt: Ohne die Schicksalsschläge wüsste man die Glücksmomente im Leben nicht zu schätzen. Die Kameraführung von Lajos Koltai bleibt im Verlauf des gesamten Films präzise und ästhetisch eindrucksvoll. Seine Farben verlieren jedoch zusehends ihre herbstliche Wärme, werden analog zur Handlung gegen winterliche Kälte eingetauscht. In Ermangelung eines tröstlichen Schlusses liegt es beim Zuschauer, sich ein erneutes Frühlingserwachen auszumalen. Die BluRay-Erstveröffentlichung bei One Gate basiert auf einer 4K-Restaurierung des Films aus dem Jahr 2022 und bietet entsprechend ein sehr gutes Bild (im Widescreen-Format 1,85:1). Der Ton (Deutsch und Englisch, optional mit deutschen Untertiteln) liegt leider nur im DTS HD Master Audio 2.0 Stereo vor. Auch das Bonusmaterial ist mau ausgefallen und umfasst lediglich den deutschen Kinotrailer des Films in SD-Qualität.



