Roman Schleifer Teil 1
Im Gespräch mit...
Roman Schleifer
Teil 1
Roman Schleifer: (lacht) Das frag ich mich auch seit Jahrzehnten...
Ja, aber die ist unbefriedigend.
Das war eine spontane Aktion, die sich aus der Idee "Fünf Fragen, fünf Antworten" abgeleitet hat. Eigentlich wollte ich nur die ersten drei, vier Autoren interviewen. Doch nach den ersten fünf Heften wurde das zum Selbstläufer. Nachdem es im Vorfeld weder mit der Redaktion noch mit den Autoren abgestimmt war, habe ich bei jedem Autor immer mit dem davor geworben - bis alle durch waren und es von vorn begonnen hat.
Diese unangekündigte und nicht abgesprochene Interviewserie hat wieder bewiesen, wie spontan und Fanfreundlich die RHODAN-Autoren sind. Immerhin haben alle zwei Jahre mitgemacht, egal wo sie sich auf dem Planeten aufgehalten haben. Hartmut Kasper (Wim Vandemaan) zB hat seine Fragen im Urlaub auf Hawaii beantwortet.
Ich wollte den Fans einen guten Einblick in die Arbeit der Autoren und in ihre Gedankenwelt ermöglichen. Die Aktion war wirklich cool, aber natürlich auch eine Herausforderung. Ich musste das Heft schnell lesen, dann die passenden Fragen finden, sie an den Autor verschicken und optimalerweise noch in derselben Woche die Antworten erhalten, um sie zu veröffentlichen. Da alle Autoren mitgespielt, und immer fristgerecht geliefert haben, konnte ich wirklich jedes Interview ein paar Tage nach der Veröffentlichung online stellen.
Also, liebe Kinder, das war so...
Anfang der 80iger Jahre war der kleine Roman lesefaul, denn er hat nur die schulischen Pflichtbücher gelesen. Doch dann hat ihm der Nachbar seiner Eltern zu Geburtstag im Juni silberne Bücher mit Hologramm auf dem Cover geschenkt. Durchaus interessiert, aber dennoch skeptisch hat der kleine Roman Buch Nr. 1 aufgeschlagen, den ersten Absatz gelesen und war sofort Feuer und Flamme.
Dummerweise hat der Nachbar ihm Buch Nr. 1.2,3 und 5 geschenkt. Heutzutage kaufen dir die Eltern einfach Band 4. Doch damals, liebe Kinder hieß es: "Roman, du kannst dir entweder Nummer 4 oder 6 zu Weihnachten wünschen." Ja, unvorstellbar heutzutage, aber so war das damals inmitten des Kalten Krieges.
Ein positiver Nebeneffekt war, dass allein durch das Lesen dieser drei Bücher sich meine Deutschnote auf 1 verbessert hat. Mein damaliger Deutschlehrer glaubt heute noch, das sei sein Verdienst.
Nummer 4. Nachdem ich dann bis Silberband 30 gelesen hatte, habe ich bemerkt, dass es dazu auch wöchentliche Hefte gibt und dass die Bücher genau diese Hefte enthalten. Ja, ja, hätte ich das Vorwort gelesen, hätte ich es früher gewusst...
Und so bin ich dann mit Band 1320 "Tostan, der Spieler" in die Hauptserie eingestiegen und habe begonnen, Leserbriefe zu schreiben.
Klar. Zuerst von Horst Hoffmann, dann von Ernst Vlcek und schließlich von Arndt Ellmer. Ich habe alle noch in einem Ordner. Der ist ziemlich dick, weil ich hab da echt viel geschrieben. Einmal habe ich mich über einen Clark Darlton-Roman aufgeregt und habe die 58 Fehler penibel aufgelistet. Heute schüttle ich darüber den Kopf, aber damals... nun ich war jung.
Dennoch war dieser Band aus den 500ern der Anlass, dass ich meine Schreibmaschine auf den Tisch gestellt und eine Kurzgeschichte geschrieben habe. Ganz nach dem Motto. das kann ich aber besser.
Ja, das kommt fast einem Frevel gleich.
Originellerweise ist die Story auf der Leserkontaktseite veröffentlicht worden. Dermaßen im Ego gestärkt, habe ich danach noch einige Kurzgeschichten auf der LKS veröffentlicht.
Nicht nur quasi!
Ab 1997 habe ich mich intensiv mit Schreiben beschäftigt, war auf Schreibseminaren und habe eine Unmenge an Schreibbüchern gelesen – und lese immer noch.
2007 durfte ich dann bei der Science Fantasy Reihe SUNQUEST von Uschi Zietsch (Susan Schwartz) gemeinsam mit Wolfgang Oberleithner einen Band schreiben. Und irgendwann 2008 hat Michael Marcus Thurner eine Email mit der Vorinfo zu einer neuen RHODAN- Kurzgeschichten-Serie geschickt.
Ja. Für den Namen stand das gleichlautende Raumschiff STELLARIS Pate. Die Idee war, dass die Kurzgeschichten den Alltag der Raumfahrer auf einem Frachtraumschiff erzählen.
Du meinst, weil Leser mit Alltag meistens Langeweile assoziieren?
Zumindest war das der Plan. Nach der Veröffentlichung meiner Kurzgeschichte "Schatten der Vergangenheit" hatten die Nachfolge-Autoren zumindest noch eine andere Möglichkeit. Captain Lewis Silberberg wurde von mir nämlich als ehemaliger Agent des Terranischen Liga Dienstes, sprich des Geheimdienstes, geoutet.
Nachdem mittlerweile über hundert Kurzgeschichten vorliegen, können wir in der Rückschau sagen: viel Alltag war da nicht. Dafür aber Krimis, Thriller, Hard SF und dergleichen. Und neben den üblichen RHODAN-Autoren auch Spiegel-Bestsellerautor Andreas Gruber und Literaturpreisträger Michael Marrak.
BTW: Die Stellaris-Stories gibt es für alle, die reinschnuppern wollen, als E-Book in knackigen 10 Story-Einheiten.
Ja, ich halte bei 16.
Die PERRY RHODAN-Serie besteht ja aus mehreren Formaten. Da gibt es die seit 1961 laufende Hauptserie, die Erstauflage, die kontinuierlich die Geschichte der Menschheit erzählt. Da halten wir derzeit bei Band 3400. Ergänzt wird sie um abgeschlossene zwölfbändige Miniserien. Zusätzlich gibt es noch die Taschenbücher aus dem vorigen Jahrhundert, die ebenfalls zur Serienergänzung beigetragen haben. Gerade die Miniserien sind ohne Vorwissen ein guter Einstieg in den RHODAN-Kosmos.
Ja, ich habe beim Großteil der Miniserien mitgeschrieben. Nachdem ich die Serie selbst lese, war es natürlich toll, sie in Teilbereichen selbst zu ergänzen. Für Insider: ich konnte Alaska Saedelaere schildern, bevor er sein Fragment bekommen hat. Da bin ich anfangs bereits bei dem Gedanken daran in Ehrfurcht erstarrt.
Gerade als neuer Autor im RHODAN-Team ist man übermotiviert und will unbedingt etwas reinbringen, selbst wenn es gar vielleicht nicht passend ist. Diese Ideen müssen letztendlich unter dem zu Recht strengem Auge des Redakteurs bestehen. Meine verrückte Idee war, in der Miniserie STARDUST alle Schiffe mit Albumnamen der Band Metallica zu versehen. (Anm.: Dazu muss man sagen, dass Roman noch nie ohne Metallica Shirt gesehen wurde.)
Eigentlich hätte ich erwartet, dass der Redakteur die Namen rausstreicht, aber er fand es für ein Heft durchaus unterhaltsam. Und so gibt es nun eine MASTER OF PUPPETS und eine AND JUSTICE FOR ALL im RHODAN-Kosmos.
Ein weiteres Highlight war bei der Miniserie ATLANTIS, dass ich den unsterblichen Arkoniden Atlan als eine der Figuren schildern durfte.
Ja, das war eine Geschichte in der Perry Rhodan und Atlan, also die NEO-Variante, gemeinsam in einen Undercover-Einsatz gegangen sind.
Mit NEO wurde die ursprüngliche RHODAN-Serienidee im Jahre 2011 komplett neu gestartet und erzählt. Mit der seinerzeitigen Ausgangsidee – Perry Rhodan trifft auf dem Mond auf Außerirdische, die für einen Technologieschub sorgen und letztendlich den Weltraum für die Menschheit öffnen – wurde eine eigenständige, alternative Erzählung begonnen. Alternativ natürlich nur für jene, die bereits die Erstauflage lesen. Neu für all jene, die nichts von RHODAN kennen.
Da steht mit Band 400 im Jänner 2027 ein weiterer Meilenstein bevor.
Zum Schreiben oder zum Lesen? (lacht)
Da gibt es mehrere Antworten. Einerseits braucht man als Autor nicht darüber nachdenken, ob man in der Hauptserie schreiben möchte, denn der Ruf aus Rastatt muss einen ereilen. Und sofern dich dieser Ruf aus Rastatt ereilt, gibt es nur eine Antwort, und die heißt: Ja.
Andererseits bin ich nebenberuflicher Schriftsteller. Ich habe einen 38 Stunden Job und eine Familie samt Tochter. Mein Schreiballtag sieht so aus, dass ich mich um 23:37 Uhr zum PC setze, bis 2:00 Uhr schreibe, ins Bett falle und um 6 Uhr früh vom Wecker nachhaltig gestört werde. Und in meinem Hauptjob rede ich mit Menschen, da lässt sich der Büroschlaf schlecht integrieren.
Durch die Familie ist es natürlich eine finanzielle Frage. Und sofern ich nicht gerade den Weltbesteller schreibe, weiß ich, in welcher Branche ich mehr verdiene.
Heutzutage heißt das Shitstorm.
Es gehört viel Mut dazu, eines deiner Markenzeichen zu töten.
Bei RHODAN sind die oben genannten Figuren mit Copyright geschützt und dementsprechend sakrosant. Und der Shitstorm hat damals gezeigt, wie die Leser ticken. Der Redakteur hat erzählt, dass ihn Leser, die er vor 40 Jahren das letzte Mal getroffen hat, kontaktiert und angefleht haben, dass Gucky wieder zurückkommen muss. Und viele haben gedroht, ihr Abo zu kündigen.
Obwohl ich schon geahnt hatte, dass Guckys Tod ein Fake ist, habe ich damals die Petition "Rettet Gucky" ins Leben gerufen, dem mehr als tausend Leute gefolgt sind. Das war schon sehr nerdig damals.
Einerseits gibt es in verschiedenen Städten Österreichs und Deutschland RHODAN-Stammtische, andererseits gibt es in Köln, Braunschweig und Garching im Zwei-Jahrestakt stattfindende Conventions. Und die PR-Online Abende.
Ja, das geht auf die Corona-Zeit zurück. 2020 wurden sowohl der ColoniaCon als auch 2021 der GarchingCon wegen dem Virus abgesagt. Und ich habe mich darüber so geärgert, dass ich meine Freunde nicht sehe, dass ich nach Alternativen gesucht habe. Aus der Idee eines Online WochenendCons wurde dann ein "Hey, warum nicht gleich eine ganze Woche?"
Nachdem die Autoren zugestimmt hatten, gab es im Juli 2020 sieben Tag jeweils fünf Stunden lang Online-Gespräche mit Autoren, Risszeichner und Titelbildzeichner.
Wäre es nur so gewesen. Nachdem ich gerne Fragen stelle und manche Autoren gern reden, ging es teilweise statt bis zur offiziellen Deadline von 22 Uhr bis weit nach Mitternacht.
Ihr Gesicht hättest du sehen müssen, als ich ihr von der Idee erzählt habe. Am Ende des Tages hat sie mir aber den Rücken freigehalten, sonst wäre das unmöglich gewesen. Der nächste logische Schritt war dann, ein…
Das war je nach Uhrzeit, Tag und Autor unterschiedlich. Beim Exposéautor gab es eine Spitze von 400 Teilnehmern.
Ja, außer mir gab es einen Teilnehmer, der wirklich immer online war. Ob er wirklich zugesehen oder zugehört hat, weiß ich natürlich nicht.
Der jährliche Online Abend zur Jubiläumsnummer. Begonnen haben wir mit Band 3100, bei dem der Expokrat Wim Vandemaan Rede und Antwort gestanden ist. Und wer Wim kennt, weiß, dass er viel zu erzählen hat und, wenn er erzählt, jeder an seinen Lippen hängt. Und so endeten die Online Abende statt um 21 Uhr meist kurz vor 1 Uhr früh.
Uschi Zietsch, Leo Lukas, Klaus N. Frick und Rüdiger Schäfer haben ihre persönlichen Highlights aus der Seriengeschichte erzählt. Wer nicht dabei war und reinschnuppern möchte, findet den ganzen Abend auf https://www.youtube.com/@sincovenethos636.
Selbstverständlich. Am 20. Oktober 2026 wird Michelle Stern Rede und Antwort stehen und über den neuen RHODAN-Zyklus "Chroniden" erzählen. Da bin ich auch schon gespannt, was sie über die Psyche der RHODAN-Leser erzählt. Schließlich betreut sie lang genug die Leserkontaktseite, um das beurteilen zu können.





