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Jubiläums-Beweihräucherung - Die EUROPA-Chronik

Die EUROPA-ChronikJubiläums-Beweihräucherung
»Die EUROPA-Chronik«

Die EUROPA-Chronik ist ein Buch über die Geschichte des Labels EUROPA und führt in einer wundervollen, bunt illustrierten und anekdotenreichen Zeitreise von der Gründung 1965 bis in die Gegenwart 2020.

Hörspiel-Fans kommen dabei voll auf ihre Kosten, denn von den drei ??? über TKKG bis hin zu den Fünf Freunden ist alles dabei!

Die EUROPA-ChronikGeschrieben wurde die EUROPA-Chronik von den beiden Hörspiel-Fans Frank Boldewin und Wolfram Damerius, die ein umfangreiches und mit interessanten Geschichten gespicktes Komplettwerk erstellt haben, das Hörspielherzen höher schlagen lässt. (1)

Ganz zu Beginn dieser Rezension sei darauf verwiesen, das dieses Buch in der Tat ein "tonnenschwerer" Wälzer ist. Wobei sich das tonnenschwer auf die vergleichsweise bekannten Buchformate stützt, die man eher locker leicht, kurz vor dem einschlafen in Händen hält. Das ist hier nicht möglich. Man liegt diese Chronik lieber auf einen großen Tisch, der rundherum frei ist von ablenkungsfähigen Gegenständen. Zudem sollte die Tischplatte von oben gut beleuchtet sein. Noch besser wäre eine beleuchtete Leselupe - besonders für die gesetzteren Jahrgänge. Denn soviel vorweg: Die beste Brille allein tuts nicht und sich extra zum Buch eine noch bessere anzuschaffen, erscheint mir vermessen.

Ich muss das eingangs erwähnen, denn in vielen Beschreibungen zu diesem Buch fehlt mir eines. Konstruktive Kritik. Es mag dem Fan und EUROPA-Anhänger schmecken wieder etwas tolles für die Sammlung zu haben, um diese zum erstrahlen zu bringen. Doch es ist nicht alles Gold was glänzt. Und in diesen Zeiten, wo jene Anhänger, die fast die ganze Zeit vom Hörspiellabel bis heute überblicken können, merklich kleiner wird, sind solche Sammler-Stücke weit weniger eindrucksvoll und für den Sammlerwert eher unbedeutend.

Ich blättere diese Chronik von vorne bis hinten durch und entdecke zunächst die Anfangszeit als EUROPA noch Musik als alleiniges Genre im petto hatte. Irgendwann kamen dann die Hörspiele. 1956 gründete man die Miller International. EUROPA als Label kam erst später. Zunächst machte man sich einen Namen mit Orchesteraufnahmen. Es folgten Sprachkurse und dann vorgelesene Märchen, die Vorstufe zum Hörspiel.

Beeindruckend sind die zahlreichen Fotos und Bilder, die bekannte Menschen in jungen Jahren zeigen, gepaart mit Bildern von weniger Bekannten. Dies ist ein großes Plus dieser Chronik.

Wenn man wirklich hintergründiges finden will, wird man oft enttäuscht. Die broschierten Seiten bieten all die Infos, die man zum Teil schon kannte oder sich aus anderen Quellen auch beschaffen konnte. Neu war für mich das farbige Vinyl, welches 1973 bei einigen der bekannten Abenteuer-Hörspiele eingesetzt wurde. Heute sind diese Platten sicher unermesslich wertvoll. Wobei unermesslich vom Geldbeutel abhängt und ich kenne keine Hörspieler (wie sich die Fans mittlerweile nennen), bei denen der Geldbeutel so groß ist, dass er locker baumelt. Jedenfalls kennt die Hörspielfreude bei den meisten wohl Grenzen. Doch zurück zum Buch. Einige Passagen werden doch noch interessant. So zum Beispiel, die in denen es um die Erwachsenen-Hörspiele geht oder um deren Vorstufe. Also zum Beispiel die einzelnen Grusel-Klassiker bis hin zur Neon-Gruselserie. Das alles mündet in Larry Brent, Macabros und den Dämonenkiller. Es endet bei Perry Rhodan. Wie in ihrer kommerziellen Zeit auch, sind diese Hörspiele auch im Buch nur eine Episode. Im Grunde erfährt man kaum was Neues. Außer dass von den Folgen 6-10 beim Dämonenkiller sogar Drehbücher vorgelegen haben mochten. Das belegen aber wiederum nur Fotofragmente in dem Buch. Auch das Peer Schmidt dort dann Horst Frank als Erzähler ablösen sollte ist neu.
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Fotos von Drehbuchauszügen gibt es zu Larry Brent, Macabros und Perry Rhodan. Auch für den kosmischen Helden waren zumindest drei weitere Folgen in Planung, als die Serie leider mit Folge 12 endete.

Nach der Zeit der erwachsenen-Hörspiele endet das Buch eigentlich für mich. Denn es beginnt die Phase der Kinderhörspiele, die immer kindlicher werden. Von Popeye zu Mopsy Mops. Von Regina Regenbogen zum Li-La-Launebär. Vorbei die Zeit der Horror-Trash-Hörspiele. Hatte es sie je gegeben?

Flankiert wurde die Kinderzeit von den Matel-Vertonungen wie Masters of the Universe und She-Ra.

Irgendwann dann wieder ein aufblitzen von Horror mit Nightmare on Elm Street. Aber nur, um gleich wieder in Sesamstraße und Kasperl und seine Abenteuer zu verfallen.

EUROPA war nicht nur Hörspiele, sondern mehr und die Vielfalt war das Programm. Diese Chronik wird aber immer ermüdender. Umso mehr ich darin blättere. Nach 230 Seiten juckt mich nichts mehr. Und von den 230 Seiten, die ich bisher erblätterte, waren 25 interessant. Spätestens als aus EUROPA noch das Label EUROPA Mini erwuchs war ich raus. Nach 415 ist Schluss. Lediglich bei der Rückkehr der Klassiker und der neuen Gruselserie schaut man nochmal kurz hin. Von den drei ??? und TKKG weiß man eh schon alles. Jedenfalls alles, was wichtig ist.

Dieses Buch ist eine reine Festschrift. Zum 50. Geburtstag des Labels EUROPA. Die beiden Autoren haben sich Mühe gemacht.

Journalistisch ist dieses Buch eine Null-Nummer, den investigativ und hintergründig ist es nur im Ansatz. Kritik fehlt ganz. Es ist im Zeichen des Labels entstanden und unter dessen nicht unmaßgeblicher Mitarbeit, die aber auch nötig war.

Ein Buch mit Stärken und Schwächen. Die Schrift ist unnötig klein, da genug Platz da war. Die Fotos sind klasse. Die Infos nur am Rande interessant.

Für jeden eingefleischten EUROPA-Fan ist es eine Bereicherung.

Die EUROPA-ChronikDie EUROPA-Chronik 
von Boldewin, Frank; Damerius, Wolfram
ISBN 9783862122509
VERÖFFENTLICHUNGSDATUM 14.12.2020
Hardcover
UMFANG ca. 450 Seiten
pop.de

Kommentare  

#1 matthias 2021-03-15 10:43
Zitat:
"Journalistisch ist dieses Buch eine Null-Nummer, den investigativ und hintergründig ist es nur im Ansatz. Kritik fehlt ganz. Es ist im Zeichen des " Labels entstanden und unter dessen nicht unmaßgeblicher Mitarbeit, die aber auch nötig war.
Ein Buch mit Stärken und Schwächen. Die Schrift ist unnötig klein, da genug Platz da war. Die Fotos sind klasse. Die Infos nur am Rande interessant."

Also Schrott!
Fotos finde ich im Netz zuhauf
#2 G. Walt 2021-03-15 10:51
zitiere matthias:
Zitat:
"Journalistisch ist dieses Buch eine Null-Nummer, den investigativ und hintergründig ist es nur im Ansatz. Kritik fehlt ganz. Es ist im Zeichen des " Labels entstanden und unter dessen nicht unmaßgeblicher Mitarbeit, die aber auch nötig war.
Ein Buch mit Stärken und Schwächen. Die Schrift ist unnötig klein, da genug Platz da war. Die Fotos sind klasse. Die Infos nur am Rande interessant."

Also Schrott!
Fotos finde ich im Netz zuhauf


Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Es gibt Fans, die es unentbehrlich finden und eine Bereicherung. Kommt immer darauf an, was einen interessiert und was man will.

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