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Around The Corner - Anime im deutschen Fernsehen – Eine leicht unvollständige Liste (Teil 2)

Around The CorberAnime im deutschen Fernsehen
Eine leicht unvollständige Liste
(Teil 2)

Wie mir von einigen Kommentatoren des letzten Artikels mitgeteilt wurde, habe ich doch glatt ein paar der alten Serien übersehen. Dafür möchte ich mich zutiefst entschuldigen. Die erste Liste kompilierte sich vor allem aus meiner Erinnerung, und wenn man nicht weiß, wonach man schauen sollte, kann man es nicht finden.

 

Speed RacerDie wohl erste japanische Animationsserie, die ihren Weg ins deutsche Fernsehen fand, war „Speed Racer“ (1967/68). Deren erste Episoden wurden 1971 von der ARD ausgestrahlt, musste aber auf Grund massiver Proteste seitens Eltern und Pädagogen wieder aus dem Programm genommen werden. Eine zweite gestartete Ausstrahlung 1973 rief ähnliche Reaktionen hervor; die Serie verschwand bis Anfang der 1990er-Jahre, wo sie von RTL aufgegriffen wurde und dieses Mal so gut wie komplett lief. Ein erteiltes FSK gab nun den Anime für Kinder ab 6 Jahren frei.

1977 erreichte eine weitere Co-Produktion zwischen dem ZDF, ORF und Nippon Animation die deutschen Bildschirme: „Pinocchio“ (1976/77) gab sein Debüt und lief dort sehr lange erfolgreich.

Im gleichen Jahr erfolgte auf dem ZDF auch die Erstausstrahlung des auf dem Werk „Jungle Taitai“ von Osamu Tezuka basierenden „Kimba, der Weiße Löwe“ (1965/66).

PinocchioNicht vergessen werden darf natürlich auch die Verfilmung aus den Geschichten von 1001 Nacht „Sinbad“ (1975/76), welches auch Ende der 1970er-Jahre, genauer 1978, auf dem ZDF einen Sendeplatz fand.

Am Anfang der 1980er-Jahre, ein genaues Datum ist nicht ganz belegt, fand sich bei den Öffentlich-rechtlichen auch ein weiterer Teil des WMT: „Ciao, Marco, Ciao!“ (1976) Basierend auf dem Buch „Cuore“ von Edmondo de Amici. Welches im Moment einen Sendeplatz auf dem Vierten bzw. Anex hat.

Das Jahr 1984 bescherte der deutschen Fernsehlandschaft gleich drei weitere Serien. Im Frühjahr strahlte das ZDF die liebevolle Animationsserie um Tierfabeln „Tao Tao“ (1983) aus und im Herbst fand sich weiterer literarischer Stoff mit „Alice im Wunderland“ (1983/84), welches nicht nur auf dem ersten Teil von Alice beruhte, sondern auch die Fortsetzung „Alice hinter den Spiegeln“, ebenfalls von Lewis Carroll, mit einbezog.

PuschelEbenso findet sich Mitte des Jahres auch „Puschel, das Eichhorn“ (1979) im Programm des ZDF und basiert auf dem Buch „Fahnenschwanz: Geschichte eines Grauhörnchens“ von Ernest Thompson Seton.

Nachtragen muss ich auch die Serie „Gundam Wing“ (1995/96), die 2003 zum ersten Mal auf dem neuen Tele 5 lief.

Sowie für RTL II „Ranma 1/2“ (1989-1992), das 2002 mit der Ausstrahlung begann.

Ein bisschen hier, ein bisschen da
Anders als im ersten Teil werde ich im Folgenden nicht chronologisch vorgehen, sondern die Serien verstärkt den Sendern zuordnen.

Den Anfang machen hier ProSieben, tm3 und Kabel 1. Alle drei Sender haben nur wenige Erstausstrahlungen im Anime-Bereich zu verzeichnen.

Card Captor sakuraSo überraschte ProSieben, als es begann, 2003 im Samstagsvormittagsprogramm „Card Captor Sakura“ (1998-2000) auszustrahlen. Jedoch blieb es nur bei der Übersetzung der 1. Staffel.

Recht unbekannt blieb auch „Die Champions - Anpfiff für 11 Freunde“ (1993/94) auf Kabel 1, das im Frühprogramm lief und über das ich selbst nur einmal stolperte, als ich krank war, und traurigerweise nie wieder gefunden hatte.

Shamn KingEinen weiteren Anlauf versuchte man dann 2004 mit „Shaman King“ (2001-2002), welches auch aktuell einen Sendeplatz im sonntäglichen Frühprogramm hat.

Tm3 ist für viele wahrscheinlich kein wirklicher Begriff mehr, ging der Sender doch 2001 in 9Live auf. Auch dieser Sender hatte ein Kinderprogramm und u. a. auch eine Serie im Programm, die wie „Die Champions“ nur dort zu finden gewesen war. 1998 gestartet wurde „Der Planet der Dinosaurier“ (1995/96), der auf Teilen von Jules Vernes „Zwei Jahre Ferien“ basiert, ebenfalls nur auf tm3 wiederholt.

Mitte/Ende der 1990er finden sich auf SuperRTL „Die kleinen Zwurze“ (1980).

Die Vox-Animenächte

Im Rahmen der dctp-Programme war Vox jener einzige deutsche Sender, der zu diesem Zeitpunkt Anime-Produktionen ins Programm brachte, die sich nicht an Kinder und Jugendliche alleine richteten, vor allem nicht an Kinder.

In Rahmen von Specials, die oft in drei oder vier Blöcken ganze Serien umfassten, wurde über Nacht eine lange Liste an Produktionen abgehandelt.

Im Folgenden möchte ich noch anmerken, dass ich nur Serien hineingenommen habe, deren Ausstrahlungstermin sich belegen lässt, bzw. ich die Serie auch mit eigenen Augen gesehen habe, entweder weil ich nachts vorm Fernseher gesessen habe oder ich doch tatsächlich noch alles auf VHS aufnahm.

Bubblegum CrisisVOX' Exkurs in die Anime-Welt beginnt 1996 mit „Street Fighter II – Victory“ (1994). Darauf folgte 1999 der bereits schon älterere Klassiker „Bubblegum Crisis“ aus den Jahren 1987 bis 1991. Sowie der Sci-Fi-Horror-Film „Lily C.A.T.“ von 1987.

Richtig durchstarten tat VOX dann in der 2000er-Zeit. Im neuen Millennium liefen „Tekken – Die eiserne Faust“ (1988) und „Agent AIKa“ (1997/98). Sowie „Kite“ (1998) und jene epochale Serie, die ich allen ans Herz lege, die auch nur ein bisschen begonnen haben, sich für Anime zu interessieren: „Neon Genesis Evangelion“ aus den Jahren 1995 und 1996.

ecord of Lodoss War2001 folgten dann ebenfalls großartige Produktionen wie „Record of Lodoss War“ (1990), „Armitage – Cybermatrix“ [Armitage III] (1994) und „Gun Smith Cats“ (1995). Serien eher experimenteller Natur, wie „Blue Submarine No. 6“ (1998), und Ausflüge in die erotischen Gefilde mit „Midnight Panther“ (1998). Ebenfalls gezeigt wird auch „Riding Bean“ aus dem Jahr 1989.

Ebenfalls liefen wohl beide Teile von „M. D. Geist“ (1996 und 1997) hintereinander.

Silent MoebiusEin Jahr später wartete der Sender mit Serien wie „Silent Möbius“ (1991) und der dreiteiligen OVA-Serie aus dem Jahr 2000 auf, basierend auf der gleichnamigen bei Carlsen erschienen Manga-Reihe „Angel Sanctuary“ von Kaori Yuki.

Im Rahmen der im Oktober laufenden „Anime Comedy Nacht“ fanden sich weitere Produktionen, wie den ersten Film zu „Slayers“ (1995) (die vollständige Serie lief im gleichen Jahr früher auf K-Toon), die ersten Episoden der Superhelden-Parodie „Moldiver“ (1993) und die OVA-Reihe „Phantom Quest Corperation“ (1994), sowie die ersten beiden OVA-Episoden der Haremsgeschichte „El Hazard“ (1995/96; 2004 komplett ausgestrahlt). Ebenfalls lief „The Irresponsible Captain Taylor“, aber nur das erste Special.

Überraschenderweise findet sich aber auch die OVA-Reihe zu Wedding Peach „Wedding Peach DX“ (2006) auf dem Sendeplan, leider aber auch hier nur die erste Episode.

Eine besondere Freude für die Fans war die Ausstrahlung des Films „X – The Movie“ (1996), die erste Anime-Adaption des Erfolgsmangas „X-1999“ von CLAMP (ebenfalls bei Carlsen erschienen, im Moment pausierend). Diese Reihe wurde später auch in einer TV-Serie umgesetzt, „X – The Series“ (2001/02).

SprigganEbenfalls zum ersten Mal ausgestrahlt wurde der Film „Spriggan“ aus dem Jahr 1998.

Der im gleichen Jahr entstandene Movie „Jin-Roh“, der auch ein paar Jahre später auf arte lief, wurde ungekürzt im Jahr 2003 im deutschen Fernsehen gezeigt.

Im Rahmen einer „Lange(n) Anime Nacht“ wurden auch im Jahr 2003 verschiedene Serien mit jeweils nur ihrer ersten Episode präsentiert. Dies waren „Earth Girl Arjuna“ (2001; später von VIVA aufgegriffen), „Comic Party“ (2001), „Cosplay Complex“ (2002), „DNA2“ (1994), „Kishin Corps“ (1993/94), „The Hakkenden“ (1990-1992), „Legend of Basara“ (1998), „Najica“ (2001), wiederum die erste Episode von „Phantom Quest Corperation“ und „Sakura Wars“ (1997). Über Sinn und Unsinn einer solchen Anime-Nacht kann wahrlich gestritten werden und wurde auch in verschiedenen Foren damals heftig diskutiert. Fakt ist, dass Arjuna später komplett im Fernsehen zu sehen war, ebenso auch The Hakkenden, Najica und DNA2.

2004 finden wir dagegen nur als Erstausstrahlung „Record of Lodoss War: The Chronicles of the Hero Knight“ aus dem Jahr 1998.

Umfangreicher wird es dann wieder ein Jahr später mit „Samurai Champloo“ (2004/05) und „Submarine 707 Revolution“ (2003). Ebenfalls werden die ersten vier Folgen von „Heat Guy J“ (2002/03) ausgestrahlt, eine der Serien, die später von Animax übernommen wird.
 
An Neustarts die folgenden Jahre haben wir dann lediglich nur noch 2006 „Soultaker“ (2001), und 2007 „Texhnolye“ von 2003.

MTV
MTV begann seine Anime-Karriere 2001 mit „Golden Boy“ (1995/96) und „City Hunter“ (1987/88). Produktionen, die unterschiedlicher nicht sein konnten.

LupinIIIIn den Zeitraum fiel auch die Ausstrahlung „Lupin III.“, jedoch lässt sich nicht ganz ermitteln, welche Teile der sehr umfangreichen und lang laufenden Lupin-Reihe es am Ende auf die heimatlichen Bildschirme geschafft hatten.

2002 folgte „Escaflown“ (1996), das vor allem durch seinen neuen Vor- und Abspann von Daft Punk auffiel, die bei den Fans nicht auf allzu viel Gegenliebe stießen.

Mit „Cowboy Bebop“ (1998/1999) legten sie jedoch einen Meilenstein, der auch Nicht-Anime-Menschen stark begeisterte.

Etwas, was sie 2006 mit „Ghost in the Shell: Stand Alone Complex“ (2002/03) wiederholen konnten. Im gleichen Jahr wurden ebenfalls auch „Gantz“ (2004) ausgestrahlt.

2007 legt MTV dann die letzte Reihe vor und beendet seinen Anime-Exkurs mit „Wolf's Rain“ aus dem Jahr 2003.

VIVA
Auch VIVA machte sich das Geschäft zunutze und holte sich Anime-Serien an Land. Vor allem zwar zum Teil schon gelaufene, aber einige wenige Neustarts sind mit dabei.

Hellsing2003 sind dies „Hellsing“ (2001/02) und „Candidate for Goddess“ (2000). Im Jahr 2004 folgen dann die bereits erwähnten vollständigen Ausstrahlungen von „Earth Girl Arjuna“ und „Najica“, sowie als Neueinstieg „Noir“ von 2001.

Als letzten Punkt möchte ich an dieser Stelle noch die Ausstrahlung der Ghibli-Produktionen erwähnen, von denen einige wenige im deutschen Fernsehen gelaufen sind.

Den Beginn machte „Prinzessin Mononoke“ (1997) 2003 auf RTL 2 in einer ungekürzten Fassung. 2005 folgte „Chihiros Reise ins Zauberland“ (2001). 2007 legte dann SuperRTL nach und strahlte zum ersten Mal „Das Schloss im Himmel“ (1986), „Mein Nachbar Totoro“ (1988) und „Kikis kleiner Lieferservice“ (1989) aus. ARD folgte 2008 mit „Das wandelnde Schloss“ (2004).

Schlussworte
Welchen Sinn macht eine solche Liste, die vor allem garantiert nicht vollständig ist?

Prinzessin MononokeSie macht in zwei Dingen Sinn. Erstens, um zu zeigen, welche Vielfalt die Anime-Welt zu bieten hat. Es immer zu sagen reicht nicht, es nur anhand der Reviews und der Genre-Vielfalt zu zeigen auch nicht. Nur wenn man sich bewusst wird, dass man schon einmal einen Anime gesehen hat, sei es als Kind oder auch, als man schon älter war, besteht überhaupt die Möglichkeit, zu erkennen, dass Anime soviel mehr zu bieten hat, als es auf den ersten Blick den Anschein macht oder wie es gerne von Anfechtern vertreten wird.
Nicht, dass dies hier in irgendeiner Form geschehen ist.

Viele von euch haben im ersten Teil die eine oder andere Serie wiedererkannt, die sie als Kind gerne gesehen haben, fühlten sich nostalgisch an sie zurückerinnert. Das heißt, seitdem Sie ein Kind waren, sind Sie bereits mit der Anime-Welt auf eine gewisse Art und Weise verbunden. Doch die Serien haben da nicht Halt gemacht, und noch immer haben wir einen jährlichen Output an grob gerechneten 60 bis 80 Serien. Und noch immer sind Kinderserien dabei sowie Produktionen für Erwachsene, für Jugendliche, schlechte und sehr, sehr gute.

Selbst unsere Fernsehlandschaft ist mal mehr und mal weniger gut damit durchdrungen.

Zweitens macht es Sinn, um sich vor Augen zu führen, wie sehr die Sender bereits begonnen hatten, den Anime als einen potenziellen Zuschauermagneten zu betrachten. Nicht erst, seitdem Manga und Anime begonnen haben, sich in den 1990er-Jahren durchzusetzen, sondern hier hatten vor allem die öffentlich-rechtlichen Sender bereits schon sehr früh die Nase vorn.

Was ich mir nun wünschen würde, ist, dass dieser Trend nicht aufhört, sondern wiederum einen Ausbau erfährt.

Anmerkungen zum Schluss:
  • Auf Anixe bzw. dem Vierten laufen zurzeit vor allem ältere Produktionen aus dem WMT.
  • RTL II und Tele 5 sind im Begriff, ihr Programm wieder komplett umzustellen.
  • Der bisher einzige deutsche Animesender heißt Animax (Pay-TV) und bringt relativ viele deutsche Synchro-Produktionen.
 
In zwei Wochen: Gundam 00 – Tür auf ins Mecha-Universum, oder: Was verstehen Japaner unter langlebigen Serien?

 

Kommentare  

#1 Yugoth 2011-03-23 08:06
Danke, da bekomm ich feuchte Augen, wenn ich an die Serien aus meiner Kindheit denke. Erinnert sich noch jemand, wer das Titellied von Pinocchio gesungen hat? Ich schäme mich nicht zuzugeben, dass ich es weiss und leichte Gänsehaut bekomme: Es war.......legendär, nein, kleiner Scherz: Mary Roos. 8)
#2 Eleos 2016-10-17 06:30
Hi ich bin 22 Jahre alt und suche nach einem speziellen Anime ending dass ich damals mit meiner Schwester gesungen hab . Sie muss ab 1998 im deutschen Fernsehen gelaufen haben. Im Hintergrund sach man einen kleinen Jungen laufen relativ dunkel gehalten . Es gab ein Chorus welcher mimibibido wiederholt hat also abwechselnd kura Kura kura .Kura kura Kura mimibibido mimibibidoooo. Suche schon nach Jahren danach vllt kann mir jemand dabei helfen den zu finden.

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