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Brauchts das? - Total Recall – oder träum ich?

Brauchts das?Total Recall – oder träum ich?

Es gibt sie noch, diese Momente des Glücks. Sie müssen nicht definierbar sein, aber diese Momente lassen einen lächeln, man weiß, dass man etwas Besonderes erlebt hat.

Solche Momente sind im Kino rar geworden, und auf jeden übertragbar sind sie schon lange nicht mehr. Momente des Besonderen, die ganz individuell ansprechen.

Wie neulich, als sich Liam Neeson erinnerte. In UNKNOWN IDENTITY hatte er nach einem Unfall seine Erinnerung verloren. An einem gewissen Punkt beginnt er, sich wieder an die Zeit vor dem Unfall zu erinnern. Er sieht sich mit seiner Frau im Hotel einchecken, er sieht sich im Taxi von der Brücke stürzen. Das waren keine besonderen Momente.

Ein paar Tage in meinem Leben zurückgespult. Liam Neeson ist noch weit entfernt, jetzt ist erst James Franco dran, und er ist kurz davor, sich in 127 STUNDEN den Arm abzusäbeln. Ohne Zweifel versteht es Danny Boyle, herausragende Filme zu machen. Filme, die nicht jedermann ansprechen, aber etwas Besonderes sind, weil Boyle parallel zu den Konventionen dreht und ihnen nicht verfällt. Vom Standpunkt des Rezensenten aus ist 127 HOURS ein guter, mitreißender Film. An keiner Stelle lässt Boyle den Zuschauer von der Hand. Nur über das Attribut Meisterwerk könnte man lange Diskussionen führen. Doch auch das ist nicht der Punkt.

Der Punkt ist, dass Danny Boyle für 127 HOURS etwas gemacht hat, wovon mir jede Erinnerung abhandengekommen ist, wann dies das letzte Mal im Kino passiert ist. James Franco erkennt an einer bestimmten Stelle, dass er sterben muss. Im Delirium sieht er Bilder der Erinnerung. Und er sieht diese Bilder aus seinem Blickwinkel. Er sieht nicht sich selbst eingebunden in der Szenerie, sondern tatsächlich, wie er es von seinem Standpunkt aus gesehen hat. Da war dieser Moment, dieser Moment des Besonderen.

127 HOURS ist ein sehr dramatischer Film, aber er erzeugte dennoch ein Lächeln. Wann hat sich ein Filmteam das letzte Mal die Mühe gemacht, relevante Szenen, die eines Rückblicks bedurften, nochmals zu drehen, und zwar aus dem Blickwinkel des Betrachters? Oftmals sind diese Erinnerungen für die Handlung wichtig. Sie decken auf, enthüllen bisher nicht Gesehenes, rekapitulieren wichtige Informationen. Aber diese Erinnerungen werden aus bestehendem Material erzeugt, in dem sich der Erinnernde immer selbst mit im Bild sieht.

Die Frage ist also, warum dieses absolut unlogische Szenario immer und immer wieder praktiziert wird. Mag es tatsächlich das Unvermögen des Zuschauers sein, zwei verschiedene Blickwinkel nicht miteinander in Kontext zu bringen? Ist es Einfallslosigkeit oder Faulheit? Im real gezeigten Unfall, den Liam Neeson in UNKNOWN IDENTITY zu erleben hat, gibt es einige Einstellungen, die das Geschehen aus seinem Blickwinkel zeigen. Wenn er aber diesen Unfall in seiner Erinnerung noch mal erlebt, wieso steht er dann im Fluss und sieht das Taxi von der Brücke stürzen, in dem er zu diesem Zeitpunkt sitzt?

Es wäre absolut unfair, UNKNOWN IDENTITY auf inszenierte Erinnerungen hin abzustrafen. Doch er lag als Beispiel zeitlich so nah an diesem einen Moment, der etwas Besonderes hatte. Der Moment, als sich James Franco eben nicht selbst in seiner Erinnerung sieht.

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