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Kurt Vethake - Ein Hörspielpionier

KurtKurt Vethake
Ein Hörspielveteran

Es ist sicher gewagt Kurt Vethake als Veteranen des Mediums Hörspiel zu bezeichnen, denn andere waren schon vor ihm tätig. Besonders wenn es um Radiohörspiele geht. Doch Vethake brachte neuen Schwung in diese Gattung Hörspiele. Er kommerzialisierte sie. Obwohl man diesen Ausdruck damals sicher nicht gebrauchte. Aber seine Hörspiele hatten eben alle Merkmale von kommerziellen Produktionen, wie sie jedoch erst Jahre später herauskamen.


Er brachte Farbe und Tempo in die Hörspiele und vor allem wagte er sich in neue Genres vor.

KurtVethake wurde am 5. April 1919 in Berlin geboren. Er widmete sich zunächst dem Medizinstudium, als der Krieg zuende war. Keine ganz zufällige Wahl. Kriegserfahrungen spielte hier eine große Rolle. Nicht umsonst ehrte er den Rotes Kreuz-Erfinder Henri Dunant mit einer Hörspielproduktion. Diese frühe Produktion des Autors gilt heute als verschollen. Sie stammt aus dem Jahr 1951. Mit Glück könnte man noch eine Buchausgabe auftreiben. Zunächst war er mehr als Autor anstatt als Regisseur tätig.

Vethake verlagerte sich in den sechziger Jahren wie gesagt auf die Unterhaltung und inszenierte einige Science-Fiction-Hörspiele. Man kann in diese Jahre seine aktivste Zeit vermuten. So erschienen im Bertelsmann-Verlag u.a. Titel wie "SOS- Gefahr an Bors" und "Weltraumschiff gestartet":

Vielleicht berichten uns schon morgen die Schlagzeilen der Zeitungen vom Start eines Menschen ins Weltall. Was gestern noch Hirngespinste schienen, ist bereits Wirklichkeit geworden: Wir leben in der Epoche der Weltraumfahrt ! Noch vor siebzig Jahren prophezeiten Wissenschaftler, daß die Elektrizität zur Beleuchtung zu benutzen wäre, ohne jedoch dafür einen exakten Beweis erbringen zu können. Doch wer glaubte das schon 1890? Die Eroberung des Weltalls wird ebenso bedeutsam werden wie das erste Dampfschiff 1802, die erste Eisenbahn 1835 und das erste Flugzeug 1903. Niemand, der die Entwicklung der letzten Jahre aufmerksam verfolgt hat, zweifelt ernstlich daran, daß noch zu unseren Lebzeiten Menschen auf dem Mond landen, was der bekannte Raketenforscher Wernher von Braun bereits für das Jahr 1970 vorausgesagt hat. Fest steht jedoch, dass die Eroberung des Weltraums in den kommenden Jahren neue Industriezweige mit neuen Berufen entstehen lassen wird, in denen sicherlich viele derjenigen jungen Mitglieder aus dem Bertelsmann Schallplattenring Aufgaben finden, die jetzt mit heißen Backen die Abenteuer des Leutnant Carpenter verfolgen ...

[aus: Hörspiel-Box.de]

Der Bertelsmann Schallplattenring brachte seinerzeit nur sehr wenige Hörspiele heraus.

Die Begründung war einfach:

...der Versuch mit anspruchsvollen Hörspielplatten wie einer Faustintepretation Will Quadfliegs, die Verbindung von Literatur und Platte herzustellen, scheiterte am geringen Interesse der Abonnenten und wurde dann nur im geringen Umfang weiterverfolgt ... das Medium Schallplatte konnte Wortbeiträge nur an der Peripherie in kleinsten Stückzahlen mitverkaufen - aber durch Wortplatten keine Sekunde existieren ...

[aus Das Medienhaus von Thomas Lehning]

Gleichfalls schrieb Vethake Jugendbücher für Bertelsmann und diese fanden dann auch eine Umsetzung als Hörspiel. Hier lag irgendwo der Ursprung des Unterhaltungshörspiels, so wie es heute kennen. Der Fehler damals war , aus dem Hörspiel eine Kunstrichtung mit Anspruch zu machen, selbst bei Jugendbuchstoffen. Verständlich, das dieser Schuss nach hinten los ging.

Nicht nach hinten los ging es jedoch für Kurt Vethake. Er machte mit seinen Werken auf sich aufmerksam. So bekam er Angebote Fernsehserien als Buchprojekte zu realisieren. So auch für bekannte Serien wie "Funkstreife Isar 12", "Flipper" und "Bonanza". In der großen Fernsehzeit, als eben Serien immer beliebter wurden setzte er zusammen mit Hörspielmacher Benno Schurr die erfolgreichen Serien des TV auch im Hörspiel um. So entstanden Schallplatten zu "Funkstreife Isar 12", "Lassie" u.a. Der Erfolg gab ihnen Recht. Bald folgten Krimis und bekannte klassische Werke der Weltliteratur. Weiter arbeitete Vethake für das Radio. Doch sein hauptbetätigungsfeld war längst das kommerzielle Hörspiel, das Unterhaltungshörspiel, dessen Erfinder er eigentlich war. Dabei erschienen die meisten seiner Inszenierungen bereits beim Label FONTANA, welches dem Polygramm Schallplatten Verlag zuzuordnen war.

Später arbeitete er dann noch für Ariola. Hier entstanden u.a. einige seiner beliebten Karl May-Hörspiele. Abenteuer, Western und Lausbubgeschichten waren in den 70ern das bevorzugte Hörspielgenre. Zwar veriirte sich auch mal ein Krimi in diese Äre, und seltener auch ein Gruselhörspiel, doch das Gro der Hörspiele kam aus dem Genre des Fassbaren. Vagabunden, Abenteuer, Dramen.

Für Mercato produzierte er einige Fünf-Freunde-Hörspiele. Er ließ eigentlich keine Helden der großen und kleinen Literatur aus. Sein Markenzeichen war es auch, daß er ein festes Sprecherensemble um sich scharrte. Egal für welches Label er arbeitete. Der Kern seiner "Lieblingsmannschaft" war immer dabei. Zu Ihnen gehörte Klaus Jepsen, Santiago Ziesmer und auch Peter Schiff.

In dieser kleinen Artikelreihe werden noch einige von Ihnen vorgestellt. Ebenso ein paar Hörspielperlen des großen Meisters, der im jahre 1990 verstarb.

Weitere Artikel:

Vethake-Klassiker:

  • Der Seewolf
  • Die Schatzinsel

Vethake-Ensemble:

  • Klaus Jepsen
  • Peter Schiiff
  • Santiago Ziesmer

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