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Große Stimmen des deutschen Hörspiels: Arnold Marquis

Große Stimmen des deutschen HörspielsArnold Marquis

Das Raubein unter den Synchronstimmen ist Arnold Marquis gewesen. Seine Passion schien es gewesen zu sein, die harten und verwegenen Helden zu sprechen. Nicht umsonst hat er viele legendäre Westernhelden "verdeutscht", unter anderem den großen John Wayne in unzähligen Filmen.

Aber auch James Arness als Marshall Matt Dillon in "Rauchende Colts". Für seine Reibeisenstimme waren u. a. unzählige Glimmstängel vonnöten. Er trainierte seinen "Bariton" auf seine Art.


1Leider mit dem unvermeidbaren Ende im Jahre 1990. Er erlag dem Lungenkrebs. Am einprägsamsten war seine Synchronrolle als Chauffeur Max in "Hart, aber herzlich".

Er wurde am 6. April 1921 in Dortmund geboren und absolvierte dort auch seine Schauspielausbildung. Er synchronisierte nach seiner Theaterkarriere im Wesentlichen. U. a. Richard Widmark, Bud Spencer und Kirk Douglas. Marquis’ Identifikation mit seinen Synchronprojekten war groß. Toningenieure, die mit ihm zusammengearbeitet haben, nannten ihn und seinen Kollegen Gert-Günther Hoffmann „König der Synchronsprecher“. Er selbst nannte John Wayne „den größten der Cowboys, meinen Freund“. Nach Waynes Tod 1979 produzierte er ihm zu Ehren die Schallplatte "Ich war die Stimme von John Wayne". Er schrieb ihm sogar ein Lied: »John Wayne, der Held«.

In kommerziellen Hörspielen war er kaum vertreten. Wohl aber in Radiohörspielen. Und da sehr häufig. Und in allen Genres wie Krimi, SF und Komödie. Zum Beispiel 1973 in dem SF-Krimi-Gemisch "Demolition", wo er eine Hauptrolle neben Gerd-Günther Hoffmann und Joachim Kerzel innehatte:

In dem Science-Fiction-Krimi geht es um einen Kampf auf Leben und Tod, den sich die beiden letzten verbliebenen universalen Wirtschaftsimperien des Sonnensystems - personifiziert durch die Großkonzerninhaber - liefern. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Gilde der Gedankenleser, "Esper" genannt, die jeden Plan schon im Entstehen aufdecken kann und dadurch eine entscheidende Kontrollposition einnimmt. Doch Ben Reich, der sich seines Rivalen entledigen will, setzt gegen die "Esper" eine telepathische Sperre ein: das "Trenser-Lied", einen musikalischen Ohrwurm.

"Demolition" ist die erste Kunstkopf-Produktion der Hörspielgeschichte und wurde auf der Funkausstellung in Berlin 1973 als Sensation gefeiert.
Anfang der 70er-Jahre machte eine neue Aufnahmetechnik im Radio von sich reden, die inzwischen fast wieder in Vergessenheit geraten ist: die Kunstkopf-Stereophonie. Als herausragendes Demonstrationsprojekt wurde 1973 in den damaligen RIAS-Studios ein Science-Fiction-Krimi nach dem Roman "The demolished man" des bekannten amerikanischen Autors Alfred Bester produziert. Ziel war es, für ein Hörspiel sämtliche Wirkungsmöglichkeiten der neuen Aufnahmetechnik, unter Einbeziehung von Mono-, Stereo- und Quadrophonie-Technik, optimal zur Geltung zu bringen.
Die Redaktion "TV Hören und Sehen" verlieh dem Realisationsteam des Hörspiels "Demolition" für die erfolgreiche Anwendung der Kunstkopf-Stereophonie im Hörfunk das GOLDENE MIKROPHON 1973. Die Produktion gehört inzwischen zum festen Bestand moderner Hörspielklassiker.

In den 70er-Jahren trat er in mehreren Raymond Chandler-Krimis auf. Er spielte dort zumeist die Hauptrolle des Ermittlers, aber gelegentlich auch andere Rollen. Seine Partner waren u. a. Marius Müller-Westernhagen, Hans-Peter Hallwachs und Eberhard Feik. Der erste Chandler-Krimi des WDR hieß "Heim zu Beulah" (1971):

Wie die meisten seiner Kriminalgeschichten hat Chandler auch "Heim zu Beulah" nicht kriminalistisch-logisch, nicht analytisch und nicht psychologisch angelegt, sondern als lakonische, scheinbar distanzierte Beschreibung des Stadt-Dschungels. Die Gewalttat ist alltäglich, die Brutalität das stillschweigend respektierte Gesetz, unter dem die Menschen ihren Existenzkampf ausfechten.


Der Privatdetektiv Carmady trifft vor Shameys Spelunke in der Central Avenue auf einen bunt gekleideten Riesenkerl. Steve Skalla, nach achtjähriger Haft soeben aus dem Zuchthaus entlassen, ist auf der Suche nach seiner früheren Freundin Beulah. Sie hat mit ihm bei Shamey gearbeitet, damals, als das Lokal noch für Weiße geöffnet war. Skalla schleppt Carmady mit sich und dringt zum Chef des Lokals vor, der das Opfer von Skallas Ungestüm wird. Carmady, um Beulah besorgt, wettet mit dem Polizeileutnant Hiney, dass er noch vor ihm Beulah finden wird.

Den Abschluss fand die Reihe 1973 mit "Zielscheibe". 1983 legte der SWR noch einen weiteren Chandler-Krimi mit Marquis nach: "Die Tote im See":

Der Wirtschaftsboss Derace Kingsley engagiert Privatdetektiv Marlowe, um Mrs Kingsley zu finden. Die junge Schönheit hat ihrem wesentlich älteren Mann vor einigen Tagen ein Telegramm aus El Paso geschickt: Sie sei auf dem Weg nach Mexiko, um sich dort scheiden zu lassen und ihren Liebhaber Lavery zu heiraten. Kingsley ist nicht überrascht. Er macht sich erst Sorgen, als er Lavery auf der Straße trifft und dieser ihm versichert, dass er nichts von einer Reise nach Mexiko weiß ...

Ferner sprach er in den nach Hans Gruhl produzierten Werken "Das vierte Skalpell" und "Nimm Platz und stirb". Außerdem war er in vier Professor van Dusen-Hörspielen zu Gast. Seine Auftritte in kommerziellen Hörspielen beschränkte sich eigentlich nur auf Gastspiele in O-Ton-Hörspielen von Fernsehserien wie "Fred Feuerstein" und "Max Headroom".
1986 nahm er an einer Diskussion im Radio zum Thema "Hat das Hörspiel in der Zukunft eine Chance?" teil. Diese Frage stellte sich also bereits damals.

Arnold Marquis starb 1990. Er hat eine Tochter und war dreimal verheiratet. 

Kommentare  

#1 GoMar 2013-06-13 20:02
Ich finde, er sieht einem anderen Raubein aus dieser Zeit recht ähnlich, nämlich Jack Palance.

Hat er diesem Schauspieler auch seine Stimme geliehen? Das wäre doch was gewesen ...
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#2 G. Walt 2013-06-13 20:44
Ja hat er. Einige Male sogar, laut Synchrondatenbank.
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