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Sieben gegen die Hölle - Torven Farbauti 3. Teil

Sieben gegen die HölleSieben gegen die Hölle

Torven Farbauti (Folge 3)
Jon Lovely
Torven Farbauti hatte Jon Lovely 1966 in einer jener Kneipen kennengelernt, die nur von Andersweltlern besucht werden konnten. Ein normaler Mensch wäre achtlos an diesen Etablissments vorbeigegangen. Nur mit speziell verfeinerten Sinnen konnte man die Eingangstüren dieser Pubs bemerken.

Vampire, Werwölfe, Ghule, Magiergesindel aller Coleur, Schattenfresser und Götterbastarde konnte man hier in geselliger Runde antreffen.


Durch die Schundliteratur mag der Normalsterbliche annehmen, dass das Volk der Nacht nur Blut zugetan sein mochte. Aber Torven konnte versichern, dass er jede Menge Vampire kannte, die ausgesprochene Alkoholiker waren. Schnapsnasen gab es in jeder Bevölkerungsschicht und Vampire machten da keine Ausnahme.

Jon Lovley war aber kein Vampir, ja, Torven konnte ihn eigentlich in keine der bekannten Kathegorien einsortieren.

Eines wusste Torven aber mit ziemlicher Sicherheit: Jon Lovely war eines der ältesten Lebewesen dieses Kontinents. Lovely wusste ebenso Anekdoten aus dem 30-jährigen Kriege wie aus dem alten Rom zu erzählen, die ungeheuer detailliert und überzeugend waren. Und da Lovely ein versoffenes Plappermaul vor dem Herrn war, gab er seine Lebensgeschichte mit Alkohol getränkter Leidenschaft an jeden Thekennachbarn weiter, dessen er habhaft werden konnte.

Wie Lovley all die Turbulenzen seiner 2000-jährigen Existenz lebend überstehen konnte, war Torven ein Rätsel. Lovely schien keine größeren magischen Fähigkeiten zu besitzen und seine Kodderschnauze hatte ihm schon so manch blutige Nase beschert. In der Humunkuligasse hatte Lovely einen winzigen Laden für okkulte Literatur. Eine schmale Treppe führte in die muffige Bude, deren aufwirbelnder Staub eine stete Atmosphäre des Zwielichts schuf.

Als Torven den Laden betrat, stieg ihm der Geruch von altem Zigarettenrauch, alten Büchern und noch älteren Männern entgegen.

Zwei faltige Knacker mit Gandalfbärten und okkulten Tattoos unter den Augen begutachteten einen dicken, in Leder gebundenen Klotz und hielten beschwörend ihre Finger über das Buch.

„Mmh, ich weiß nicht. Das ist kein Original“, brummte der Größere von beiden, der eine leuchtende Schnapsnase spazieren führte und allerhand magische Amulette um den Hals trug.

„Kann schon sein, Gunther, aber es ist das beste, was du kriegen kannst. Nimm’s oder schieb ab!“, erwiderte Lovely in seiner gewohnt charmanten Art.

„Du bist ein schäbiger Straßenräuber, Lovely!“, blaffte der andere Zottelbart, zückte aber seine Brieftasche und legte ein paar Scheine auf die Ladentheke.

Zufrieden schmatzend und mit leuchtenden Augen schlurften die beiden Schmalspurzauberer aus dem muffigen Raum. So glücksversunken waren die beiden, dass sie nicht einmal die beiden Vampire bemerkten, die Torven Farbauti begleiteten.

Jon Lovely nuckelte an seinem kalten Kaffee. Die verdreckte Tasse, aus der er den Kaffee schlürfte, stülpte Torven beinah den Magen um.

Lovely nickte kurz in Torvens Richtung, zu einer richtigen Begrüßung schien er sich nicht durchringen zu wollen. Aus einem Nebenraum, der durch einen Perlenvorhang abgetrennt war, kam eine betörend aussehende Asiatin. Sie schenkte Lovely Kaffee nach und stellte ein Glas Whisky auf die Theke. Lovely schenkte ihr keine Beachtung und blätterte in einem staubigen Fotoalbum vor sich.

„Sklavenhaltung mittels magischer Manipulation ist in diesen Breiten nicht besonders gern gesehen, Jon“, sagte Torven, wobei er sich einen Hocker mit den Füßen heran zog und sich darauf niederließ.

„Aber, aber, Farbauti, wer wird denn solche niederträchtigen Anschuldigungen machen. Mia ist meine … hm … meine charmante … wie sagt man … Lebensabschnittsgefährtin. Etwas devot vielleicht, aber mir lediglich in natürlicher amouröser Weise verfallen, hehe. Aber du hast dich sicherlich nicht dazu herabgelassen mich in meiner Gruft zu besuchen, um mir moralinsaure Vorträge zu halten, oder?“

„Nein, sicher nicht. Jon, was weißt du über Engel? Besonders über kampfestolle Flügelmännchen, die so geil auf Keile mit Dämonenpack sind, dass es ihnen aus den Ohren rausschwitzt?“

Lovely verzog den Mund und sah aus der Wäsche, als hätte er seit drei Wochen akute Verstopfung.

„Engel, ph, so nennen sich diese Typen gern. Manche habe sogar ein wenig dieser alttestamentarischen Attitüde, aber die meisten von ihnen sind einfach nur arrogante Mistkerle. Ein besonders widerliches Kontingent dieses Packs nenne ich nur ‚Gottes Sturmtruppe‘. Geflügelte Kraftpakete, kaum zu stoppen, wenn sie in den Kampfmodus schalten.“

„Hm, kann ich mir gut vorstellen, ich hatte eine kurze Begegnung mit einem dieser Energiebolzen. Haben die Lutscher irgendwelche Schwächen, die wir schamlos ausnutzen könnten?“

Lovely nahm einen Schluck seines schrecklichen Kaffees, dann blickte er sinnierend an seine verdreckte Decke, als würde er angestrengt nachdenken.

„Nee, nicht dass ich wüsste, …. obwohl, ich hab‘ mal `ne Story gehört, über so’nen Typen, der von sich behauptet einer von Jesus originalen Jüngern zu sein. Tz, völlig durchgeknallt, was? Aber der Typ soll einem Engel so richtig den Arsch aufgerissen zu haben. Genau. Tz, von wem hab‘ das noch mal erzählt bekommen?“

Lovely kratzte sich am Hinterkopf, die Frage schien ihn wirklich zu beschäftigen.

Torven rempelte Lovely an.

„He, viel wichtiger wäre es wo wir den Jesusjünger finden können und wie er heißt?“

„Häh, dir scheint dein mickriger Arsch ja auf Grundeis zu gehen, Farbauti, wenn du solchen Schmalspurgerüchten Glauben schenkst …“

Helmut fauchte wie eine Katze, der man den Schwanz ausgerissen hat.

„Schon gut, schon gut. Nu mach mal nicht den Dracula, ich geh mal nach hinten und werf `nen Blick in mein kleines Notizbuch. Ich muss mir ein paar Infos zu dem Kram notiert haben …“

„Notizbuch, heutzutage hat man seine Kontakte doch in seinem Handy!“, raunzte Alex Lovely hinterher.

„Ich bin Old School, Blutschlabberer, veeeeryyyy Old School.“

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