Leit(d)artikel KolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

›Gus‹, Fans, Cons, Marlos und Autos

Teestunde mit Rolf...Moin Rolf, heute verlassen wir die Geschichte des Islam und auf gehts in die Welt der Horror-Fans. Nachdem Thomas Backus gestern den Montsalvat erstürmte bzw. sich daran erinnerte, kommt nun der Blick Rolf Michaels in die Vergangenheit. Der Tee ist serviert ...

›Gus‹, Fans, Cons, Marlos und Autos

Das Schöne an einer Kolumne wie der Teestunde ist, dass ich keine Vorschriften bekomme, was ich so erzähle. Und dass ich auch aus
›aktuellem Anlass‹ ein Thema wie die Geschichte des Islam unterbrechen darf, wenn ein Artikel erscheint, der in meinem Inneren wieder etwas aufwühlt und Erinnerungen zutage bringt, die ich eigentlich schon fast vergessen habe. Und der Artikel von Thomas ›Gus‹ Backus, den ich zu meinen Freunden des ›erweiterten Kreises‹ zähle, hat da einiges hochgekocht.

 

Gewisse Erinnerungen reichen bis in meine Kindergartenzeit zurück, die Schule, die Lehre, die Bundeswehr ... und ... und ... und ... und natürlich die Zeit, wo ich nicht nur als Schlagzeuger erfolgreich war, sondern auch die Jahre, in der ich Erfolg mit der Schreibe hatte … und auf diese Art Kontakt mit Leuten, die mit mir in gewissen Dingen ›eines Geistes‹ waren.

Gemeint ist hier nicht unbedingt der Kreis der Autoren-Kollegen, sondern das damalige Horror-Fandom, das man heute eher als Phantastik-Fandom bezeichnen kann, weil die Grenzen immer mehr zerfließen. Von etablierten Autoren wurde Werner und mir immer wieder eindringlich gesagt, wir sollten uns nicht zu sehr mit dem Horror-Fandom einlassen. Schon wegen eines gewissen Abstandes.

Nur kamen Werner Kurt Giesa und ich im Gegensatz zu den meisten Autoren der Branche gerade aus dem Fandom und fühlten da zwei Seelen in unserer Brust. Wir standen mit einem Bein im Lager der Autoren und mit dem anderen im Horror-Fandom. Das bedeutete manchmal einen echten Spagat.

Der Artikel von Thomas ›Gus‹ Backus hat so alte Erinnerungen an diese schöne Zeit hochkommen lassen. Und natürlich sind mir seine Worte von damals noch mal wie Balsam über meine Seele gelaufen. Meine Feinde, Kritiker oder sonstige Leute nennen das vielleicht ›ruhmesgeil‹ - und in gewisser Weise haben sie recht damit. Ich liebe es, gelobt und gepriesen zu werden. Und wenn mir der Zucker zu viel wird und ich nach Salz verlange, dann lasse ich eben Hermann reden. Der ist nämlich auf seine Art in gewisser Weise wie der Sklave auf dem Wagen eines römischen Triumphators, der den Lorbeerkranz über ihn hält und ihm von Zeit zu Zeit zuruft: »Gedenke, dass du ein sterblicher Mensch bist.«

Doch Werner und ich schwammen auf den Cons, die wir besuchten, wenn wir umringt und gefeiert wurden, in einem geistigen Meer der Glückseligkeit ... Die Riffe brachte dann der heutige Herausgeber des Zauberspiegels, der in seiner norddeutschen Offenheit und Kenntnis Hunderter Heftromane eine Kritik brachte, die zwar fundiert, aber nicht immer angenehm war. Jason Dark hat Hermann wegen seiner Offenheit die nie geschlossene Freundschaft gekündigt. Allerdings im Gegensatz zu anderen Kritikern, die nur sagen, dass du »Scheiße geschrieben hast«, sagt dir Hermann auch, warum es Stoffwechsel-Endprodukt war. Das ist der Unterschied zwischen Meckerei und fundierter Kritik.

Der Artikel von Gus Backus, auch wenn gewisse Passagen schon zehn Jahre alt sind, hat innerlich meine Seele wie das Harfenspiel des Orpheus berührt und Erinnerungen geweckt. Zumal er auch noch einige interessante Bilder aus jenen Tagen angefügt hat, von denen das letzte beim Con in Marburg entstanden ist, wo ich ihn sofort wiedererkannt habe. Und das ist, bei meinem mehr als miserablen Personengedächtnis, schon beachtlich. Andererseits ist Gus natürlich das, was man einen ›Charakterkopf‹ nennt – den vergisst man nicht so leicht.

Bilder aus verschiedenen Jahren ... fast dreißig Jahre liegen dazwischen. In gewissen Dingen ein halbes Leben. Und mit Wehmut betrachte ich wieder mal mein damals volles Haar und meinen Bart, den ich heute nicht mehr tragen kann, weil ich nachts unter einer Atem-Maske schlafen muss, die sonst nicht richtig abdichtet. Aber ohne die Maske und den zusätzlichen Sauerstoff würde ich bald in einen anderen Schlaf sinken – der eine Ewigkeit dauert und erst dann endet, wenn zur Schlacht von Armageddon oder Ragnaröck Schwertkämpfer gebraucht werden. Deshalb also nur noch meinen Oberlippenbart Marke ›Förster vom Silberwald‹ - der den Bart genau so trägt – oder Paul McCartney auf dem ›Sergeant Peppers‹-Album.
 
Zurück zum Artikel und dem Fandom. Ja, ich kann mich noch sehr gut an den Besuch von Gus und seinem Freund in Kassel erinnern. Dass das in den Tagen passiert ist, als mir durch eine Computerpanne ein kompletter ›Trucker-King‹ abgestürzt ist, den ich völlig neu schreiben musste, hatte ich allerdings vergessen. Es war beim Korrekturlesen, und der Satan muss seine Hände selbst im Spiel gehabt haben. Jedenfalls war der Text weg – und mein Bus für eine Woche Rom ging am nächsten Tag.

Hilferufe zu Hermann und anderen Computer-Experten, die er kannte, brachten nichts. Der Text war verschwunden. Also fuhr mein Bruder Peter am nächsten Tag für mich nach Rom – und ich hatte eine Woche Urlaub, den Trucker-King (Montezuma-Highway) völlig neu zu schreiben. Ja, das sind so die Freuden eines Schriftstellers, wenn er mit neuer Technik arbeitet, von der er wenig versteht. Heute verstehe ich nicht viel mehr davon, doch weil wir in den letzten Jahren bei der Stadtverwaltung Computer am Arbeitsplatz hatten und mir am Schreibtisch gegenüber der Computer-Administrator des Ordnungsamtes saß, habe ich dann doch einiges dazugelernt. Dennoch hat Hermann recht, wenn er mich als ›Comp-Dummy‹ oder so was bezeichnet. Man kann schließlich nicht alles wissen. Wie sagt im »Faust« der Mephistopheles? »Alles weiß ich nicht - doch ist mir viel bewusst!« Nur eben nichts, was mit Computertechnik zu tun hat.

Der Wetterschlag im Zirkus Lieberum Ja, das Schwert auf den Bildern. Der ›Wetterschlag‹ wurde es genannt. Heute erwirbt es Ruhm in der Manege des »Circus Lieberum«. Da ich mit Michael Lieberum und seiner Familie gut befreundet bin und Michael eine sehr gute Show als Fakir und Feuerschlucker und -speier macht, kam mir der Einfall eines brennenden Schwertes. Nun hatte ich schon einige der Klingen weggegeben, weil für mich einfach die Zeit über einige Dinge hinweggegangen ist.
 
Hubert Straßl hat das Löwen-Schwert bekommen und auch Hans Klipp bekam zu seinem 50sten Geburtstag eine Klinge, die ›dem Herrscher von Helleb‹ angemessen ist. Die im Artikel erwähnten von Yakup geschnitzten Statuen von Zamorra und Asmodis hat ein Zamorra-Fan bekommen, der mich mal besucht hat und dessen Namen ich vergessen habe. Nur die drei Schwerter Gorgran, Salonar und Gwaiyur hängen bei mir über dem Bett ... die gebe ich auch nicht her.

Und der Wetterschlag? Nun, zur Conan-Musik speit Michael Lieberum Feuer und die Schwertklinge brennt. Dann schwingt er das Schwert wie weiland Schwarzenegger – das ist der Auftakt seiner Show. Außerdem habe ich ihm noch zwei Malayen-Schwerter gegeben – etwas kleiner wie Samurai-Schwerter. Die lässt er auch brennen – und kann sie noch besser wirbeln lassen. Wenn also mal der Circus Lieberum in eurer Gegend gastiert, könnt ihr mein braves Schwert sehen. Bei mir stand es jahrelang in der Ecke, weil ich zu keinen Mittelalter-Märkten oder Fantasy-Festen mehr fahre. Hier kommt die Klinge noch einmal zu Ruhm und Ehre.

Zu den »Wölfen des Nordens« sei noch gesagt, dass sie bei „Readers-Planet“ im Programm sind, die E-Books und solche Sachen machen. Die wenigen Beleg-Exe der gedruckten Ausgabe reichten gerade für meinen engsten Freundeskreis aus.

Für den „Zauberspiegel“ meine Teestunde zu machen – das macht mir einfach Freude ... auch wenn ich das immer erst ›auf den letzten Drücker‹ mache und Hermanns noch vorhandene Haare vermutlich auch daher schon einen gewissen Grauschimmer haben.

Ja, so einige Sachen sind auch noch aus heutiger Sicht zum Artikel von Gus zu sagen. Wobei ich mich gar nicht mehr so recht daran erinnern kann, wie wir uns kennengelernt haben. Aber das waren ja die Zeiten, als Werner und ich bei Cons immer heiß umringt waren und manchmal zwei oder drei Gespräche gleichzeitig führen mussten. Sicher war dieses Abweisen der Bitte um Signatur des »Götterkrieges« nicht so unwirsch gemeint, wie es vielleicht geklungen hat und angekommen ist. Es ist bei so was wie in vielen anderen Dingen ... man muss den richtigen Zeitpunkt abpassen – und dann zuschlagen.

Aber – erzähl das mal einem Fan, für den Schriftsteller, Musiker und was weiß ich für Leute was Besonderes sind. Was dem ›eenen sien Uhl, ist dem anderen sien Nachtigal‹. Pop-Stars, die von der Allgemeinheit heute hoch gehimmelt werden, bringen bei mir nur ein Achselzucken zustande, wenn ich ihnen fünf Minuten auf die Gitarre geguckt habe. Und in der Schreibe hat die Höhe der Auflage nichts mit der Qualität des Textes zu tun – wobei man sich eben auch fragt, wo das Zielpublikum liegt. Günter Grass hat gigantische Auflagen und sicher mehr Geld, als der Bauer Mäuse in der Scheune – ob seine Werke überall, wo sie im Regal stehen, gelesen wurden – und auch verstanden wurden, das muss bezweifelt werden.

Und für uns, die Autoren der ›Unterhaltungs-Literatur, Abteilung: Phantastisches Abenteuer‹, wie man es nennen könnte, um den Begriff ›Heft-Autor‹ zu vermeiden, gilt ein von mir abgewandelter Vierzeiler, den ich damals bei gewissen elitären Kreisen immer zum Besten gab, wenn es drum ging, dass wir ja ›minderwertige Sachen‹ schreiben würden:

„Wer wird nicht Böll und Grass hoch loben?
Doch wird sie jeder lesen? - Nein!
Wir wollen weniger erhoben -
doch dafür mehr gelesen sein“.

Übrigens – nicht nur das ›einfache Volk‹ liest Hefte. Wenn ich meinen Hausarzt besuche, bringe ich ihm regelmäßig meine gelesenen Unger-Western und Jerry Cotton mit. Der Doc sagt, dass dies für ihn die beste Entspannung zwischendurch ist. Und auch wenn ich in der Klinik war, finden die Western und Cotton-Romane bei Ärzten und Pflegepersonal bei meiner Entlassung schnell Abnehmer. Allerdings hätte das weibliche Pflegepersonal es lieber, wenn ich die Romane mit der ›weißen Kante‹ lesen würde ... also Liebes-Romane.
 
Wie ich selbst dazu kam, zu schreiben und dann auch den ersten Zamorra-Roman fertigzustellen und nach einigen Schwierigkeiten zu verkaufen, habe ich schon erzählt. Auch von den noch größeren Problemen, nach einem bei Bastei erst mal in der ›Feuerreserve‹ abgelegten Erstlingswerk weiter drinzubleiben, habe ich bereits berichtet. Weniger allerdings von meinen Kontakten zum damals sehr aktiven Fandom.

Das Fandom. Ja, eigentlich hatte ich davon die Schnauze gestrichen voll, wenn ich an die Querelen in der AGSF dachte und auch an die damals bei FOLLOW betriebene Vereinsmeierei. Das hat mich in beiden Fällen dazu gebracht, den ›Staub von meinen Sandalen zu schütteln‹ und in gewisser Weise auf Abstand zu gehen. Ein ›Austreten‹ aus einem Verein muss ja keine Feindschaft bedeuten – nur geht eben der kluge Wolf nur einmal in die Falle. Und für mich war eigentlich das Fandom mit meinem Austritt aus der AGSF abgehakt.

Nicht jedoch die Freundschaft und die Kontakte zur Lippstädter Gruppe, zu der neben ›Kaffee-Charly‹ natürlich Werner Kurt Giesa gehörte. Ich habe schon darüber berichtet, dass Hans Klipp und ich Werner dann als ›Baron von Helleb‹ in den Kreis unserer engsten Freunde zogen. Das war es, was die Mitgliedschaft in der AGSF uns Positives gebracht hat.

Ich habe auch schon erzählt, wie Werner dann ins Profi-Geschäft kam, immer mehr Romane verkaufte und irgendwann die Serie »Professor Zamorra« de facto übernommen hatte. Mein ›Krakengötze‹ war erschienen und ich experimentierte mit allen möglichen Themen für Zamorra-Romane oder Gespenster-Krimis herum, ohne dass sich ein Erfolg einstellte, der sich auf meinem Konto bemerkbar machte, als Werner meinte, zum ›Marlos-Con‹ in Frankfurt am Main müsste ich mit. Schon deshalb, damit ich meinen Agenten Dan Shocker alias Jürgen Grasmück tatsächlich einmal von Angesicht zu Angesicht kennenlernen würde.
 
Also stand wieder mal der Kontakt zu einem mir bis dato unbekannten Fandom bevor. Allerdings erklärte mir Werner, dass die ›Marlos‹-Leute eben ganz anders seien als das allgemeine Horror-Fandom, zu dem er damals auch schon Kontakte hatte. Nun ja, die Aussicht, Dan Shocker einmal kennenzulernen, das war schon mal ein Anlass, nach Frankfurt zu fahren. Auch wenn wir vorher über die IAA gehen wollten, die zur gleichen Zeit lief.

Autos und sonstige Kraftfahrzeuge sind für mich eigentlich von Kindheit an von wenig Interesse – für Werner waren sie schon fast eine Art Ersatzreligion. Nun ja, in dieser Zeit bin ich ja, was die Schreiberei anging, hinter ihm hergedackelt – und habe seinen Autospleen nicht nur toleriert, sondern mich teilweise auch davon anstecken lassen.

Obwohl ich mir meinen Daimler nicht wegen Werner gekauft habe, sondern weil meine Mutter, als ich stolzer Besitzer eines Opel Rekord geworden war, mir erklärte, dass der Begriff ›Auto‹ eben bei ›Mercedes‹ anfing. Und das war schließlich auch Werners Glaubensbekenntnis, wenn es um einen fahrbaren Untersatz mit Verbrennungsmotor ging. Weshalb er kurz vor seiner Heirat mit Heike einen silbergrauen Daimler kaufte – die ›Imperator‹. Wie üblich mit Automatik, weil Werner ungern mit Schaltgetriebe fuhr.

Auf der IAA sind Werner und ich damals ›hocherhobenen Hauptes‹ an ›Kleinwagen‹ und ›Volkswagen‹, die für Werner so eine Art Parias der Motor-Fahrzeuge darstellten, vorbeigezogen. Natürlich ging es zu den Ami-Schlitten … Cadillac, Chevrolet und so weiter. Und so sah Werner auch den ›Bitter CD‹, den dann bei der ›Magier‹-Serie der Held Roy deVoss fuhr. So kommen manchmal Ideen zustande. Werner wollte für diesen Helden einen ganz speziellen Sportwagen – und nicht unbedingt den angedachten Porsche. Jerry Cotton hatte seinen ›Jaguar E‹ – und der Magier eben den ›Bitter CD‹.

Und dann waren wir natürlich am Stand von Werners Kult-Autos. Na, welche wohl? Na klar - ›Rolls-Royce‹, es kann nur einen geben. Von einem ›Rolli‹ hat Werner immer geträumt. Einmal einen Rolls-Royce zu besitzen – fast wäre dieser Traum Werners in Erfüllung gegangen.

Er hatte nach langem Suchen ein Angebot für ein etwas älteres Rolls-Royce-Modell, das ungefähr 25.000 Mark kosten sollte. Fast hätte er es gekauft. Aber eben nur fast.

Denn zur gleichen Zeit hatte sich das Finanzamt Lippstadt mit ihm und seiner Tätigkeit als Schriftsteller beschäftigt. Immerhin war Werner ja noch offiziell Student in Paderborn – wenn ich mich recht erinnere bis zu sieben oder acht Jahren, die er bereits als freier Schriftsteller tätig war. Inwieweit er da ›dem Kaiser gab, was des Kaisers ist‹ entzieht sich meiner Kenntnis. Jedenfalls knurrte Werner immer wieder, seinen Rolls würde jetzt das Finanzamt fahren.
 
Er war ohnehin der Meinung, er würde einen Sachbearbeiter beim Finanzamt mit seinen Steuergeldern alleine bezahlen. Und der Begriff ›Finanzamt‹ wirkte auf W. K. Giesa so wie das ›Halleluja‹ auf den Teufel. Kein Wunder, dass wir damals, als wir den Zamorra-Film drehten, den siebenten Dämon aus dem Kasseler Finanzamt kommen ließen.

Es muss jedenfalls eine stattliche Summe gewesen sein, die Werner damals an den Fiskus bezahlen musste. Und so ist der Rolls-Royce für ihn ein unerfüllter Traum geblieben. Aber große und schnelle Wagen hat er immer gehabt. Zu unserer Zeit waren es meist Opel-Fahrzeuge, in den letzten Jahren dann BMW, wobei er für seine Fahrzeuge dann nach Kurt Brands Tod den Namen ›Point Of‹ für seine Autos übernahm. Vorher hießen selbstverständlich alle Fahrzeuge von Kurt Brand ›Point Of‹. Und wie Kurt fuhr Werner dann eben auch BMW.
 
Und Volks- und Kleinwagen? Nun, Werner hatte seinerzeit, als er versuchte, mit seiner Firma ›W.K.-Design‹ ins Werbe- und Präsentations-Geschäft einzusteigen, einen VW Passat als ›Lieferfahrzeug‹. Womit ich ihn zwar etwas aufgezogen habe, aber er hatte ja noch die ›Imperator‹, den silbergrauen Daimler, in der Garage. Nur dass der nicht mehr fahrbereit war und zudem noch der Bank gehörte. Was draus geworden ist? Zwei richtige Automechaniker aus dem Freundeskreis von Hans Klipp und mir sind mit nach Altenstadt gefahren und haben es nicht geschafft, den Wagen wieder fahrbereit zu machen. Die Kiste hatte sich über die Jahre schlicht und ergreifend kaputtgestanden.

Was draus geworden ist, weiß ich nicht – die beiden Kumpels bezeichneten den Wagen als Schrotthaufen. Allerdings sei noch kurz erzählt, dass ich in eben diesem Daimler damals die Ehre hatte, Werner und Heike zum Standesamt zu fahren. Wobei das mit der Automatik für mich echt problematisch war. Zudem hatte ich meinen Daimler bereits verkauft und fuhr einen Fiat Uno namens ›Frodo‹ - auch genannt der ›Hobbit-Rolls-Royce‹ oder ›das feuerrote Spiel-Mobil‹.

Das war zwar in Werners Augen kein Auto, sondern ein Kleinwagen – allerdings konnte ich ihm beweisen, dass der Uno seine Anforderungen an ein Auto erfüllte. Er fuhr – und ich konnte mit Hut drin sitzen. Wie Werner trug ich ja damals auch immer einen Stetson. Und als ich Werner dann erzählte, wie gering der Spritverbrauch des Uno war, wurde er blass um die Nasenspitze. Dennoch setze ich bei dem Begriff ›Auto‹ auch heute noch immer die Worte ›im Giesa'schen Sinne‹ hinzu. Freunde von uns verstehen das noch und lächeln dann.

Ja, Werner und Autos. Jeder, der ihn kannte, wird sich erinnern, dass er bei diesem Begriff sofort loslegen konnte. Weshalb er auch bei seinen ›Trucker-King‹-Romanen die Hintergründe sehr authentisch hatte. Auch wenn er von der Erfahrung her nur deutsche Trucks kannte. Doch als ich dann bei meiner USA-Rundreise an einem Truck-Stop an einer Teilstrecke der ehemaligen ›Route 66‹ nahe dem legendären Ort ›Seligman‹ mit einem Trucker ins Gespräch kam und auch mal auf den ›Bock‹ steigen konnte, um das Gefühl zu empfinden, wurde mir erst klar, wie authentisch Werner das alles beschrieben hat. Ja, ich hätte ihm wirklich gewünscht, dass er Arizona, Nevada und Kalifornien mit seinen Felsen, Wüsten und Wäldern hätte sehen können. Und natürlich die Highways, die er wirklich ziemlich authentisch beschrieben hat. Aber Werner war eben wie Karl May, von Ausnahmen abgesehen, nie am Handlungsort seiner Romane.

Allerdings – ich habe ja damals beim Zamorra auch meine Ägypten-Kenntnisse aus dem Reiseführer genommen und war erst viel später da. Und bei Besuchen von Fans, wie es damals der Besuch von Gus war, könnte ich heute mehr erzählen als nur von Ägypten. Aber heute, fast 30 Jahre danach, bekomme ich solche Besuche nicht mehr. Was ich auch nicht unbedingt bedauere. Denn auf dem Marburg-Con damals war Gus für mich der Einzige, der mich noch kannte. Und mit dem ich mich unterhalten konnte. Für den Rest war ich völlig unbekannt. Nun ja, viele der Anwesenden waren in den Zeiten, von denen ich hier erzähle, ja noch nicht geboren oder haben im Sandkasten gespielt.

Für die anderen Besucher des Marburg-Con war ich also uninteressant – genauso unbekannt wie damals auf dem Marlos-Con in Frankfurt, auf den ich jetzt, nach einem Ausflug über ›Autos, Klein- und Volkswagen‹ wieder zurückkomme.

Gewiss, ich hatte einen Heftroman veröffentlicht – und kam mir da doch als was Besonderes vor. Und ich dachte, dass eben jeder diesen Roman gelesen hätte und mit mir drüber reden wollte.

WK und ich - Halloween 81Pustekuchen. Selbst als mich Werner als ›Erlik von Twerne‹ vorstellte – die meisten Leute wissen, dass ich unter diesem Pseudonym auch privat sehr lange gesegelt bin – der Mann, der den ›Krakengötzen‹ geschrieben hat, gab es keinerlei Reaktion.

Das lag aber nicht nur am ›Über-Vater Dan Shocker‹, der natürlich in Marlos der Dreh- und Angelpunkt und der Nabel des Universums war, sondern auch daran, dass eben Werner der Star der zweiten Reihe war. Es gab bei diesem Con, so weit ich mich erinnere, von Jürgen und Karin Grasmück mal abgesehen, nur zwei Leute, die sich näher mit mir beschäftigten, als Werner sie mir vorstellte. Und mit beiden bin ich bis auf den heutigen Tag befreundet – auch wenn ich sie sehr selten sehe.

Der eine wurde mir als ›Privat-Sekretär‹ von Dan Shocker vorgestellt und war niemand anderes als Uwe Schnabel. Und der andere war ein damals schon recht massig gebauter Typ, dessen richtigen Namen ich sofort vergessen habe, auch wenn da ein ›von‹ drin war, was einen ›von Twerne‹ ja Anlass genug sein sollte, sich den Namen zu merken.

Aber den Begriff ›Hexen-Hermann‹ hatte ich natürlich sofort im Gedächtnis. Und das war, um einen Spruch aus dem Film »Casablanca« zu benutzen, »der Beginn einer wundervollen Freundschaft« - auch wenn sie durch besondere Umstände für einige Jahre unterbrochen wurde.

Das also war mein erster Con und mein erster Kontakt zu dem damaligen Horror-Fandom, in dem ich im Verlauf der nächsten Jahre noch sehr viele Freunde finden sollte und mit dem sich viele Erinnerungen verknüpfen.

Zu viele, um sie heute alle zu erzählen. Also werde ich auch die Teestunde der nächsten Woche noch brauchen und hoffe, dass ich damit den anderen Teestunden-Freunden, die sich nicht so sehr für die Geschichte des Islam interessieren, eine Freude mache. Denn es werden bei diesen Erinnerungen eine ganze Menge Episoden mit Werner und anderen Autoren der damaligen Zeit einfließen, von denen ich bisher noch nichts erzählt habe.

Bis in einer Woche also ...

Kommentare  

#1 Thomas Backus 2011-10-27 12:00
Vielen Dank, lieber Rolf. Nicht nur für diesen Artikel, sondern auch für Deine Freundschaft. ;-)
Früher war alles einfacher, zumindest, was das Fandom angeht. Immerhin waren wir alle Heftchenleser, und die Szene war überschaubar.
Heute gilt das Faninteresse Fernsehserien, Kinofilmen, Büchern, eBooks und vielleicht an letzter Stelle den Heftromanen. Und wir sind die Dinosauerier. Wir werden aussterben, es ist nur eine Frage der Zeit. :oops:
Ich finde es schade, dass Dich auf den Cons keiner mehr kennt, als Autor. Als Mensch wirst Du sicherlich auf jedem Treffen neue Bekannte treffen, die sich vielleicht auch mal zu Freunden entwickeln. Freunde sind rar, und gerade das macht sie so bedeutend! :roll:
Aber he, es wird wirklich Zeit, dass Du Neues schreibst, denn Du bist der geborene Geschichtenerzähler! Vielleicht solltest Du den Buchmarkt für Dich erobern!
#2 Mikail_the_Bard 2011-10-27 12:02
Zitat:
Aber heute, fast 30 Jahre danach, bekomme ich solche Besuche nicht mehr. Was ich auch nicht unbedingt bedauere. Denn auf dem Marburg-Con damals war Gus für mich der Einzige, der mich noch kannte. Und mit dem ich mich unterhalten konnte. Für den Rest war ich völlig unbekannt.
Eigentlich wollte ich dieses Jahr zum Marburg-Con, Zur Buchmesse (und vielleicht zum Con) um mal wieder Leute zu treffen, die man seit "Jahrhunderten" nicht mehr gesehen hatte. Aber die Gesundheit spielte mir ja einen Streich! Auch zum, Perry Rhodan Con, der mich eingentlich nur am Rande interessierte, da ich nicht so DER Perry Fan bin, wäre ich gerne gegangen - alleine schon um Mechthild (Weichelt) zu treffen, aber Pustekuchen! Aber, so der Schöpfer aller Dinge mir noch eine Chance gibt, das nächste Jahr werde ich mich irgendwo blicken lassen. Und ich hoffe, das ich dann noch ein paar von euch "alten Hasen" sehe!

Jetzt kam mir Gus mit seinem Kommentar zuvor :)
[...] Aber he, es wird wirklich Zeit, dass Du Neues schreibst, denn Du bist der geborene Geschichtenerzähler! Vielleicht solltest Du den Buchmarkt für Dich erobern! [...]

ZUSTIMMUNG!!! Zählt mich als potienziellen Käufer dazu!!!
#3 Schnabel 2011-10-29 13:38
Rolf jetzt sind es schon dreißig Jahre her, als wir uns auf dem 3. Marlos-Treffen - also kein Con - in Frankfurt 1981 kennenlernten. Mensch wie die Zeit vergeht.
Ich hoffe, daß du auch weiterhin deine Teestunde mit Erinnerungen aus der glorreichen Zeit des Grusel-Fandoms bestreiten wirst...
#4 Monster Hunter 2011-11-19 18:53
Soweit ich mich erinnern kann, fand das 3. Marlos-Treffen in der Nähe des Frankfurter Hauptbahnhofs statt. Leider will mir aber der genaue Ort partout nicht mehr in den Sinn kommen. Wer hilft mir diesbezüglich auf die Sprünge?
#5 Harantor 2011-11-19 19:04
Das war das Treffen in der Mainzer Landstraße. In der Tat in der Nähe des Hauptbahnhofes. Uwe hatte da Kontakte
#6 Monster Hunter 2011-11-19 19:13
Mmmh, ja... die Mainzer Landstraße in Frankfurt... ich erinnere mich an diese Ecke. Aber war es eine Privatwohnung gewesen, in der wir uns damals trafen, ein Jugendzentrum oder was auch immer? Das bekomme ich nicht jetzt mehr zusammen. :-?
#7 Harantor 2011-11-19 19:16
Ich auch nicht mehr, aber da kann Uwe vielleicht Licht ins Dunkel bringen. Die Wohnung war aber mit Sicherheit so eine Art Gemeinschaftsanlage
#8 Schnabel 2011-11-20 16:05
In der Mainzer Landstraße gab es in den Etagen zwei bis vier Wohngemeinschaften für junge Leute.
Die erste Etage war so eine Art Jugendtreff und durch Beziehungen konnte ich mir die Räumlichkeiten des "Jugendtreff" vor dreißig Jahren für das 3. Marlos-Treffen sichern...
#9 Thomas 2011-11-20 18:35
Hiess dieser Jugendtreff nicht "Offener Raum" oder so ähnlich...?
#10 Schnabel 2011-11-20 18:46
Sorry, das weiß ich nach 30 Jahren nicht mehr...

Der Gästezugang für Kommentare wird vorerst wieder geschlossen. Bis zu 500 Spam-Kommentare waren zuviel.

Bitte registriert Euch.

Leit(d)artikelKolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Wir verwenden Cookies, um Inhalte zu personalisieren und die Zugriffe auf unsere Webseite zu analysieren. Indem Sie "Akzeptieren" anklicken ohne Ihre Einstellungen zu verändern, geben Sie uns Ihre Einwilligung, Cookies zu verwenden.