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Kurt, SF und Satire

Teestunde mit Rolf...Moin Rolf, Kurt Brand ist eine der Figuren unter den deutschen SF-Autoren, die man mochte oder nicht. Aber ein paar Erinnerungen an ihn wären doch was. Der Tee ist serviert ...

Kurt, SF und Satire

Ich hatte vor einiger Zeit versprochen, in den letzten Teestunden noch einmal einige Erinnerungen an Kurt Brand hervor zu kramen, nachdem in den Interviews schon geschildert wurde, wie wir uns kennen lernten. Immerhin gilt es ja noch den April zu überbrücken und bis dahin kann ich noch ein paar lustige Sachen erzählen.

Denn - wen Kurt mit dabei war, dann war immer was los und es wurde meistens dabei getrunken und gelacht.

Einige Sachen habe ich gewiss schon erzählt. Es ist nur die Frage, ob sich die ganzen Teestunden wieder rekonstruieren lassen. Denn ich habe die jeweils vorhergehende immer gelöscht und musste also im Zauberspiegel-Archiv selbst nachsehen, wo ich was erzählt hatte. Also kann es diesmal keine ›Querverweise‹ geben.

Als Kurt Brand mit seiner Tochter Doris damals bei Werner Kurt Giesa in Lippstadt zu Gast war und Hans und ich hinfuhren, um diesen großen, alten Mann der deutschen Science Fiction kennen zu lernen, lief die zweite Auflage von »Ren Dhark« in den letzten Bänden. In dieser Auflage kam auch eine erste ›öffentliche Publikation‹ auf der Leser-Kontaktseite - die SF-Story ›Bis zu zwei Stunden‹. Und weil mir das eben wieder eingefallen ist, habe ich zu graben begonnen und bin - Hamdullillah - Preis sei Allah - fündig geworden. Ich brauche also nicht lange zu erzählen, was das für eine SF-Satire-Story war, die ich da so vor mehr als 30 Jahren verbrochen habe. Und ich verzichte darauf, hier noch etwas zu redigieren und die Geschichte für die heutige Zeit ›lesbar‹ zu gestalten. Es ist genau so geblieben, wie ich das damals lange vor der Zamorra-Zeit geschrieben habe.

Wer Spielbergs Film »Unheimliche Begegnung der Dritten Art« gesehen hat, kennt die Kulisse - nur dass es eben hier nicht der ›Devils-Tower‹ in Ami-Land, sondern der Friedrichsplatz in Kassel ist. Unfassbar für mich kam dann die Story auf der LKS-Seite bei Ren Dhark. Auch Hans hatte dort eine Story veröffentlicht und so kannte und Kurt Brand nicht nur als Macher und Herausgeber der Ren-Dhark-Fanzines »Point Of« sondern auch als ›Kollegen‹.

Alsdann - viel Vergnügen und hoffentlich ein Schmunzeln bei der inzwischen etwas angestaubten Story ... die ich damals unter "Erlik von Twerne" veröffentlichte... so was kommt eben raus, wenn kommende Fantasy-Autoren sich in Science Fiction versuchen ... auch, wenn es Satire ist ...

Nur bis zu zwei Stunden

Dass man den Friedrichsplatz in Kassel als einen der schönsten und größten Plätze Europas bezeichnet, steht in den Werbeprospekten. Das sich in seinem Mittelpunkt ein tausend Meter anger Messingstab befindet, den eine gewisse Gruppe Intellektueller als "Kunst" bezeichnet, weiß jedes Kind - es sei aber mal am Rande erwähnt.

Ortsunkundigen sei gesagt, dass sich dieser Friedrichsplatz mitten im pulsierenden Leben von Kassel - City befindet. Direkt an der großen Geschäftsstraße, die mit ihrem Warenangebot und Straßen-Cafès viele Menschen anzieht.

So auch an diesem Tag. So auch heute...

Irgendeinem war es zuerst aufgefallen.

"Gugge moh do owen!" stieß er seinen rechten Nachbarn an, der gleich ihm auf einer Bank sitzend an einer Bratwurst kaute. (Guck mal da oben - Übersetzung aus dem Kasseläner Fullebrücken-Platt)

Ein Unbeteiligter hätte nun vermuten müssen, dass der Senf der Wurst zu scharf war. Der Angesprochene starrte nach oben und rieb sich dann heftig die Augen. "Das gibbets doch gar net!" jappste er dann. "Das darf je doch gar nit wohr sinn!"
 
Unbeteiligte Spaziergänger hasteten vorbei. "Da! Da!" Die Hand, die die Bratwurst samt Brötchen hatte fallen lassen zeigte gen Himmel. Ein Polizist musterte ihn neugierig, vermutetet er doch hier die Sympathie-Kundgebung für eine nicht mehr geduldete Partei.

Der Blick des Herren in Grün-Weiß folgte dem entlang gestrecktem Arm. Seine Augen weiteten sich und alle Farbe wich aus dem Gesicht, das augenblicklich bleich wurde wie ein mit "Crash" gewaschenes Laken. Schweißperlen tropften von seiner Stirn. Mit fahriger Hand griff er zum Sprechfunkgerät.

"Falke, hier Falke VI!" krächzte er. "Habe soeben eine Begegnung der Ersten Art...!"

Nun sahen mehrere Leute zum Himmel. Ungläubiges Staunen malte sich auf den Gesichtern. Bestürzung. Verwirrung. Niemand wusste das schimmernde, rotglühende runde Etwas zu deuten. Schließlich hatten nicht alle Leute Spielbergs Film gesehen und nur ein verschwindend geringer Prozentsatz der Leute gehörte dem erlauchte Kreis der Ren-Dhark-Leser an.

"Sicher irgend so ein Reklametrick der Firma Meckermann!" mutmaßte eine robust aussehende Hausfrau. "Sehet, der Herr kommet mit flammendem Schwert zum Gericht über die Rechtschaffenden und die Roten!" krähte irgend ein Sektiker.

Aber bald hatte es sich herum gesprochen. Ein UFO flog das verträumte Beamten-Städtchen in Nordhessen an....

"Ob da Mister Spock an Bord ist, Mami?" wollte ein kleiner Junge wissen, dessen Mutter den widerstrebenden Kleinen fort zog. Wie es nämlich so üblich ist, erschien auf dem Schauplatz niemand anderes als die Polizei, dein Freund und Helfer und Kleingeldabnehmer. Ausgerüstet wie zu einem Rendezvous mit einer Kommunisten-Gruppe machten sie der neugierigen Menge klar, dass sie hinter die Absperrung zu treten hätte. Drohend wurde der einzige am Ort befindliche Wasserwerfer in Stellung gebracht.

Währenddessen war das UFO näher gekommen. Verschiedene Konturen waren schon mit dem bloßen Auge erkennbar. Grollen und ein Pfeifton, der fast das Trommelfell sprengen konnte, wurde hörbar. Das Flugobjekt stürzte der Erde zu. Genau in Richtung Friedrichsplatz - den vertikalen Erdkilometer als Landepunkt anpeilend.

Die Menge wich etwas zurück, "Großer Dänicken! Das ich das noch erleben darf." staunte ein schon ergrauter Mann. Reporter drängten sich durch die Menge. "Was erwarten Sie von diesem UFO?" wurde jemand gefragt. "Das die Mysterious da raus krabbeln und uns über die Technik der Ringraumer aufklären!" - "Häääh???!!!" -"Das Lukas Himmelslatscher mit einem Riesenaffen angetrabt kommt und uns zu dem ewigen Theater in Nah- und Fernost noch den Krieg der Sterne bringt!" Kopfschütteln de Pressemannes. Ein Unbedarfter war an einen SF-Fan geraten.

Langsam, als sei die Schwerkraft nicht existent, senkte sich das UFO nieder. Achtzehn Teleskop-Landebeine schwenkten aus und und setzten auf dem Boden des dritten Planeten der Sonne auf.

Die Menschheit hielt den Atem an. Es gab sie also doch. Sie waren doch gekommen. Aber - wie waren und wie würden sie kommen. Kamen sie in friedlicher Absicht oder würden sie sich gebärden wie die Mars-Menschen aus H.G.Wells "Krieg der Welten"? Dieser Film war erst kürzlich im Fernsehen gelaufen und Otto Normalverbraucher hatte ihn noch in den Knochen.

Alles starrte zu dem Diskus-Raumer, dessen Äußeres zu pulsieren schien. Aber nichts regte sich oder deutete darauf hin, dass die fremden Besucher Kontakt wünschten.

Bei der Polizei herrschte planmäßige Verwirrung. Dieses Geschehen war nicht als Planspiel geübt worden. Folglich wusste niemand, wie er sich zu verhalten hatte. Der sofort zum Friedrichsplatz gerufene Polizei-Präsident wusste Rat. "Hier scheint sich eine Lage anzubahnen, die zum Politikum wird. Dafür bin aber nicht ich, sondern der Oberbürgermeister ist zuständig."

Der befand sich glücklicherweise im Rathaus, in einem Berg Unterschrift-Mappen vertieft. Ärgerlich hob er den Telefonhörer ab, lauschte, krauste die Stirn und erhob sich mit einem knappen: "Ja, ich komme!" - "Dass es Menschen gibt, die schon am frühen Morgen saufen müssen..." dachte er, als er per pedes dem Friedrichsplatz zustrebte. Was er dann sah, ging über sein Begriffsvermögen...

Und nun rollte das Karussell der Zuständigkeiten. Die Telefondrähte glühten. Der Herr Ministerpräsident von Hessen könne keinesfalls die Gesandtschaft einer fremden, außerplanetarischen Macht ohne Zustimmung des Bundeskanzlers empfangen, wurde aus Wiesbaden mitgeteilt. Dieser wiederum tippte sich in Bonn an die Stirn und sagte, er würde eine Kabinettssitzung einberufen. Außerdem müssten noch die Stimmen der Opposition gehört werden.

Und so geschah es, das Nichts geschah...

Träge verrann die Zeit. Gebannt schauten die Menschen auf das UFO. Wann würden sich die Fremden zeigen? Wie würden sie aussehen? Wie würden sie auf die Menschen reagieren? Alles Fragen, die im Raum standen.

Nur ein älterer Polizist blickte von Zeit zu Zeit neugierig auf seine Uhr. Plötzlich straffte sich dieser Mann und bevor ihn jemand zurück halten konnte, schritt er würdig gemessenen Schrittes auf das UFO zu.

Die Menge atmete flach. Tuscheln beim Führungsstab. War dies der Mann, den das Schicksal ausersehen hatte? Vielleicht würden ihn die Außerirdischen für den Herrn des Planeten halten? Oder würden sie ihn für seine Tolldreistigkeit zerstrahlen?

Auf jeden Fall wollte keiner mit diesem mutigen Mann tauschen.

Der Polizist war beim UFO angelangt. Er zog - nein, das darf nicht wahr sein - er zog ein Notizbuch aus der Tasche, schrieb etwas und - zum Donnerwetter, was machte er da am UFO fest?

Ein Gelenkarm zog den Zettel in das Innere des Raumschiffes, während der Polizist auf die Reihen der Wartenden zuschritt. Blitzlichter blitzen und Mikrophone wurden ihm entgegen gestreckt.

Im gleichen Moment ein unirdisches Grollen und Pfeifen. Das UFO hob ab und war weniger Sekunden später hinter einer Wolkendecke verschwunden.

"Wissen Sie", antwortete der Polizist gemütlich auf die Fragen der Reporter. "Parken in der Innenstadt ist in Kassel nur bis zu zwei Stunden erlaubt.

Und da habe ich eine gebührenpflichtige Verwarnung..."

E n d e

Ja, damals hatten wir in Kassel noch die Parkscheibe und in anderen Städten war das Parken in den Innenstädten noch völlig kostenlos. Aber wer die Mentalität des echten Kasselaners kennt der weiß, das so was bei uns hätte passieren können.

Als wir Kurt Brand damals kennen lernten, hatte ich zwar brav meinen Ren Dhark gelesen - war aber eigentlich von den ersten 200 Perry-Rhodan-Bänden mehr angetan - wie ich heute mal schamhaft zugeben muss. Dafür haben mit Kurts Western begeistert - die ich schon als Schuljunge gelesen hatte. Und es war interessant, dann zu erfahren, das er auch bei gewissen Abenteuer-Serien als ›Joe Amsterdam‹ mitgeschrieben hat - das waren Doppelhefte mit zwei Titelbildern. Auf der einen Seite ein Abenteuer-Roman - auf der anderen Seite ein Western. Die Story jeweils ungefähr ein halber Heftroman lang.

Kurt hat und dann in Kaltern einige dieser Hefte gezeigt und da kochten Erinnerungen an meine Kinderzeit hoch. Mein Vater bekam die Hefte von einem Nachbarn im Haus geschenkt. Western, Krimis, die alten Utopia-Romane und auch diese Abenteuer-Romane, die von der Aufmachung im Stil der alten Hefte von Billy Jenkins, Tom Prox oder Pete lagen. Besonders diese Abenteuer-Romane, die in fremden Häfen rund um die Welt spielten, hatten es mir angetan... noch mit 25 träumte ich davon, einfach alles hinzuwerfen und wenn schon nicht zum Circus zu gehen, so doch zur See. Auf einem Tramp-Schiff würde ich sicher Arbeit findenden. So wie es mein Freund Horst Hübner gemacht hat. Aber da war immer irgendwo so eine innere Sperre, die mich nicht ›ausbrechen‹ ließ. Wie Karl Valentin es in seiner Weisheit so sagte: »Mögen täten wir schon wollen - aber können haben wir uns nicht getraut.« So bin ich eben braver Beamter geworden und fast 40 Jahre geblieben - der seine Abenteuer im Urlaub erlebt hat - und sie heute noch beim Schreiben oder in Cyber-Welten erlebt, weil mit dem Asthma heute keine weiten Fahrten oder Flugreisen mehr möglich sind.

Ja, die Wochen mit Kurt Brand in Kaltern... das waren immer die Höhepunkte des Jahres. Da waren wir alle zusammen - wie die vierzig Räuber ohne Ali Baba ... und Kurt war meist so etwas wie der Räuberhauptmann ...

Ich denke, mit wird nächste Woche so das eine oder andere Stücklein einfallen. Bis dann also ...

Moin Rolf, Kurt Brand ist eine der Figuren unter den deutschen SF-Autoren, die man mochte oder nicht. Aber ein paar Erinnerungen an ihn wären doch was. Der Tee ist servier

 

Kurt, SF und Satire

 

Ich hatte vor einiger Zeit versprochen, in den letzten Teestunden noch einmal einige Erinnerungen an Kurt Brand hervor zu kramen, nachdem in den Interviews schon geschildert wurde, wie wir uns kennen lernten. Immerhin gilt es ja noch den April zu überbrücken und bis dahin kann ich noch ein paar lustige Sachen erzählen. Denn - wen Kurt mit dabei war, dann war immer was los und es wurde meistens dabei getrunken und gelacht.

 

Einige Sachen habe ich gewiss schon erzählt. Es ist nur die Frage, ob sich die ganzen Teestunden wieder rekonstruieren lassen. Denn ich habe die jeweils vorhergehende immer gelöscht und musste also im Zauberspiegel-Archiv selbst nachsehen, wo ich was erzählt hatte. Also kann es diesmal keine ›Querverweise‹ geben.

 

Als Kurt Brand mit seiner Tochter Doris damals bei Werner Kurt Giesa in Lippstadt zu Gast war und Hans und ich hinfuhren, um diesen großen, alten Mann der deutschen Science Fiction kennen zu lernen, lief die zweite Auflage von »Ren Dhark« in den letzten Bänden. In dieser Auflage kam auch eine erste ›öffentliche Publikation‹ auf der Leser-Kontaktseite - die SF-Story ›Bis zu zwei Stunden‹. Und weil mir das eben wieder eingefallen ist, habe ich zu graben begonnen und bin - Hamdullillah - Preis sei Allah - fündig geworden. Ich brauche also nicht lange zu erzählen, was das für eine SF-Satire-Story war, die ich da so vor mehr als 30 Jahren verbrochen habe. Und ich verzichte darauf, hier noch etwas zu redigieren und die Geschichte für die heutige Zeit ›lesbar‹ zu gestalten. Es ist genau so geblieben, wie ich das damals lange vor der Zamorra-Zeit geschrieben habe.

 

Wer Spielbergs Film »Unheimliche Begegnung der Dritten Art« gesehen hat, kennt die Kulisse - nur dass es eben hier nicht der ›Devils-Tower‹ in Ami-Land, sondern der Friedrichsplatz in Kassel ist. Unfassbar für mich kam dann die Story auf der LKS-Seite bei Ren Dhark. Auch Hans hatte dort eine Story veröffentlicht und so kannte und Kurt Brand nicht nur als Macher und Herausgeber der Ren-Dhark-Fanzines »Point Of« sondern auch als ›Kollegen‹.

 

Alsdann - viel Vergnügen und hoffentlich ein Schmunzeln bei der inzwischen etwas angestaubten Story ... die ich damals unter "Erlik von Twerne" veröffentlichte... so was kommt eben raus, wenn kommende Fantasy-Autoren sich in Science Fiction versuchen ... auch, wenn es Satire ist ...

 

Nur bis zu zwei Stunden

Dass man den Friedrichsplatz in Kassel als einen der schönsten und größten Plätze Europas bezeichnet, steht in den Werbeprospekten. Das sich in seinem Mittelpunkt ein tausend Meter anger Messingstab befindet, den eine gewisse Gruppe Intellektueller als "Kunst" bezeichnet, weiß jedes Kind - es sei aber mal am Rande erwähnt.

 

Ortsunkundigen sei gesagt, dass sich dieser Friedrichsplatz mitten im pulsierenden Leben von Kassel - City befindet. Direkt an der großen Geschäftsstraße, die mit ihrem Warenangebot und Straßen-Cafès viele Menschen anzieht.

 

So auch an diesem Tag. So auch heute...

 

Irgendeinem war es zuerst aufgefallen.

 

"Gugge moh do owen!" stieß er seinen rechten Nachbarn an, der gleich ihm auf einer Bank sitzend an einer Bratwurst kaute. (Guck mal da oben - Übersetzung aus dem Kasseläner Fullebrücken-Platt)

 

Ein Unbeteiligter hätte nun vermuten müssen, dass der Senf der Wurst zu scharf war. Der Angesprochene starrte nach oben und rieb sich dann heftig die Augen. "Das gibbets doch gar net!" jappste er dann. "Das darf je doch gar nit wohr sinn!"

 

Unbeteiligte Spaziergänger hasteten vorbei. "Da! Da!" Die Hand, die die Bratwurst samt Brötchen hatte fallen lassen zeigte gen Himmel. Ein Polizist musterte ihn neugierig, vermutetet er doch hier die Sympathie-Kundgebung für eine nicht mehr geduldete Partei.

 

Der Blick des Herren in Grün-Weiß folgte dem entlang gestrecktem Arm. Seine Augen weiteten sich und alle Farbe wich aus dem Gesicht, das augenblicklich bleich wurde wie ein mit "Crash" gewaschenes Laken. Schweißperlen tropften von seiner Stirn. Mit fahriger Hand griff er zum Sprechfunkgerät.

 

"Falke, hier Falke VI!" krächzte er. "Habe soeben eine Begegnung der Ersten Art...!"

 

Nun sahen mehrere Leute zum Himmel. Ungläubiges Staunen malte sich auf den Gesichtern. Bestürzung. Verwirrung. Niemand wusste das schimmernde, rotglühende runde Etwas zu deuten. Schließlich hatten nicht alle Leute Spielbergs Film gesehen und nur ein verschwindend geringer Prozentsatz der Leute gehörte dem erlauchte Kreis der Ren-Dhark-Leser an.

 

"Sicher irgend so ein Reklametrick der Firma Meckermann!" mutmaßte eine robust aussehende Hausfrau. "Sehet, der Herr kommet mit flammendem Schwert zum Gericht über die Rechtschaffenden und die Roten!" krähte irgend ein Sektiker.

 

Aber bald hatte es sich herum gesprochen. Ein UFO flog das verträumte Beamten-Städtchen in Nordhessen an....

 

"Ob da Mister Spock an Bord ist, Mami?" wollte ein kleiner Junge wissen, dessen Mutter den widerstrebenden Kleinen fort zog. Wie es nämlich so üblich ist, erschien auf dem Schauplatz niemand anderes als die Polizei, dein Freund und Helfer und Kleingeldabnehmer. Ausgerüstet wie zu einem Rendezvous mit einer Kommunisten-Gruppe machten sie der neugierigen Menge klar, dass sie hinter die Absperrung zu treten hätte. Drohend wurde der einzige am Ort befindliche Wasserwerfer in Stellung gebracht.

 

Währenddessen war das UFO näher gekommen. Verschiedene Konturen waren schon mit dem bloßen Auge erkennbar. Grollen und ein Pfeifton, der fast das Trommelfell sprengen konnte, wurde hörbar. Das Flugobjekt stürzte der Erde zu. Genau in Richtung Friedrichsplatz - den vertikalen Erdkilometer als Landepunkt anpeilend.

 

Die Menge wich etwas zurück, "Großer Dänicken! Das ich das noch erleben darf." staunte ein schon ergrauter Mann. Reporter drängten sich durch die Menge. "Was erwarten Sie von diesem UFO?" wurde jemand gefragt. "Das die Mysterious da raus krabbeln und uns über die Technik der Ringraumer aufklären!" - "Häääh???!!!" -"Das Lukas Himmelslatscher mit einem Riesenaffen angetrabt kommt und uns zu dem ewigen Theater in Nah- und Fernost noch den Krieg der Sterne bringt!" Kopfschütteln de Pressemannes. Ein Unbedarfter war an einen SF-Fan geraten.

 

Langsam, als sei die Schwerkraft nicht existent, senkte sich das UFO nieder. Achtzehn Teleskop-Landebeine schwenkten aus und und setzten auf dem Boden des dritten Planeten der Sonne auf.

 

Die Menschheit hielt den Atem an. Es gab sie also doch. Sie waren doch gekommen. Aber - wie waren und wie würden sie kommen. Kamen sie in friedlicher Absicht oder würden sie sich gebärden wie die Mars-Menschen aus H.G.Wells "Krieg der Welten"? Dieser Film war erst kürzlich im Fernsehen gelaufen und Otto Normalverbraucher hatte ihn noch in den Knochen.

 

Alles starrte zu dem Diskus-Raumer, dessen Äußeres zu pulsieren schien. Aber nichts regte sich oder deutete darauf hin, dass die fremden Besucher Kontakt wünschten.

 

Bei der Polizei herrschte planmäßige Verwirrung. Dieses Geschehen war nicht als Planspiel geübt worden. Folglich wusste niemand, wie er sich zu verhalten hatte. Der sofort zum Friedrichsplatz gerufene Polizei-Präsident wusste Rat. "Hier scheint sich eine Lage anzubahnen, die zum Politikum wird. Dafür bin aber nicht ich, sondern der Oberbürgermeister ist zuständig."

 

Der befand sich glücklicherweise im Rathaus, in einem Berg Unterschrift-Mappen vertieft. Ärgerlich hob er den Telefonhörer ab, lauschte, krauste die Stirn und erhob sich mit einem knappen: "Ja, ich komme!" - "Dass es Menschen gibt, die schon am frühen Morgen saufen müssen..." dachte er, als er per pedes dem Friedrichsplatz zustrebte. Was er dann sah, ging über sein Begriffsvermögen...

 

Und nun rollte das Karussell der Zuständigkeiten. Die Telefondrähte glühten. Der Herr Ministerpräsident von Hessen könne keinesfalls die Gesandtschaft einer fremden, außerplanetarischen Macht ohne Zustimmung des Bundeskanzlers empfangen, wurde aus Wiesbaden mitgeteilt. Dieser wiederum tippte sich in Bonn an die Stirn und sagte, er würde eine Kabinettssitzung einberufen. Außerdem müssten noch die Stimmen der Opposition gehört werden.

 

Und so geschah es, das Nichts geschah...

 

Träge verrann die Zeit. Gebannt schauten die Menschen auf das UFO. Wann würden sich die Fremden zeigen? Wie würden sie aussehen? Wie würden sie auf die Menschen reagieren? Alles Fragen, die im Raum standen.

 

Nur ein älterer Polizist blickte von Zeit zu Zeit neugierig auf seine Uhr. Plötzlich straffte sich dieser Mann und bevor ihn jemand zurück halten konnte, schritt er würdig gemessenen Schrittes auf das UFO zu.

 

Die Menge atmete flach. Tuscheln beim Führungsstab. War dies der Mann, den das Schicksal ausersehen hatte? Vielleicht würden ihn die Außerirdischen für den Herrn des Planeten halten? Oder würden sie ihn für seine Tolldreistigkeit zerstrahlen?

 

Auf jeden Fall wollte keiner mit diesem mutigen Mann tauschen.

 

Der Polizist war beim UFO angelangt. Er zog - nein, das darf nicht wahr sein - er zog ein Notizbuch aus der Tasche, schrieb etwas und - zum Donnerwetter, was machte er da am UFO fest?

 

Ein Gelenkarm zog den Zettel in das Innere des Raumschiffes, während der Polizist auf die Reihen der Wartenden zuschritt. Blitzlichter blitzen und Mikrophone wurden ihm entgegen gestreckt.

 

Im gleichen Moment ein unirdisches Grollen und Pfeifen. Das UFO hob ab und war weniger Sekunden später hinter einer Wolkendecke verschwunden.

 

"Wissen Sie", antwortete der Polizist gemütlich auf die Fragen der Reporter. "Parken in der Innenstadt ist in Kassel nur bis zu zwei Stunden erlaubt.

 

Und da habe ich eine gebührenpflichtige Verwarnung..."

 

E n d e

 

Ja, damals hatten wir in Kassel noch die Parkscheibe und in anderen Städten war das Parken in den Innenstädten noch völlig kostenlos. Aber wer die Mentalität des echten Kasselaners kennt der weiß, das so was bei uns hätte passieren können.

 

Als wir Kurt Brand damals kennen lernten, hatte ich zwar brav meinen Ren Dhark gelesen - war aber eigentlich von den ersten 200 Perry-Rhodan-Bänden mehr angetan - wie ich heute mal schamhaft zugeben muss. Dafür haben mit Kurts Western begeistert - die ich schon als Schuljunge gelesen hatte. Und es war interessant, dann zu erfahren, das er auch bei gewissen Abenteuer-Serien als ›Joe Amsterdam‹ mitgeschrieben hat - das waren Doppelhefte mit zwei Titelbildern. Auf der einen Seite ein Abenteuer-Roman - auf der anderen Seite ein Western. Die Story jeweils ungefähr ein halber Heftroman lang.

 

Kurt hat und dann in Kaltern einige dieser Hefte gezeigt und da kochten Erinnerungen an meine Kinderzeit hoch. Mein Vater bekam die Hefte von einem Nachbarn im Haus geschenkt. Western, Krimis, die alten Utopia-Romane und auch diese Abenteuer-Romane, die von der Aufmachung im Stil der alten Hefte von Billy Jenkins, Tom Prox oder Pete lagen. Besonders diese Abenteuer-Romane, die in fremden Häfen rund um die Welt spielten, hatten es mir angetan... noch mit 25 träumte ich davon, einfach alles hinzuwerfen und wenn schon nicht zum Circus zu gehen, so doch zur See. Auf einem Tramp-Schiff würde ich sicher Arbeit findenden. So wie es mein Freund Horst Hübner gemacht hat. Aber da war immer irgendwo so eine innere Sperre, die mich nicht ›ausbrechen‹ ließ. Wie Karl Valentin es in seiner Weisheit so sagte: »Mögen täten wir schon wollen - aber können haben wir uns nicht getraut.« So bin ich eben braver Beamter geworden und fast 40 Jahre geblieben - der seine Abenteuer im Urlaub erlebt hat - und sie heute noch beim Schreiben oder in Cyber-Welten erlebt, weil mit dem Asthma heute keine weiten Fahrten oder Flugreisen mehr möglich sind.

 

Ja, die Wochen mit Kurt Brand in Kaltern... das waren immer die Höhepunkte des Jahres. Da waren wir alle zusammen - wie die vierzig Räuber ohne Ali Baba ... und Kurt war meist so etwas wie der Räuberhauptmann ...

 

Ich denke, mit wird nächste Woche so das eine oder andere Stücklein einfallen. Bis dann also ...

Kommentare  

#1 Larandil 2013-03-28 13:04
"Ganz klar gibt es da draußen im Weltall intelligentes Leben. Das merkt man schon daran, dass sie uns nicht besuchen ..." :lol:
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