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Glücksfall Gastautor? - Perry Rhodan, Bände 2503 - 2504

Perry Rhodan ... das Universum und ichGlücksfall Gastautor?
Sind Gastautoren tatsächlich eine Bereicherung für eine Heftromanserie?
Perry Rhodan, Bände 2503 - 2504

Wenn eine Heftromanserie sich damit rühmen kann, einen bekannten Gastautor gewonnen zu haben, der ein oder zwei Hefte zur Reihe beisteuert, dann ist das eigentlich ein gutes Zeichen. Es beweist, dass die Serie sich etabliert hat, dass sie eine erfolgreiche Vergangenheit hinter sich hat (nach gerade einmal fünf Heften mit einem Gastautor zu werben, wäre ziemlich lächerlich) und dass wohl auch der Blick in die Zukunft alles andere als düster ist (ich fände es jedenfalls merkwürdig, wenn bekannte und erfolgreiche Autoren viel Zeit und Mühe aufwenden würden, etwas für ein erfolgloses Projekt zu verfassen). Doch ist der Beitrag eines Gastautors letzten Endes tatsächlich eine Bereicherung für die Serie?

 

Fakt ist, dass der Name eines bekannten Autors auf dem Cover eines Hefts einen echten Prestigegewinn für die Serie bedeutet. Wenn Schriftsteller wie Andres Eschbach oder Wolfgang Hohlbein mal einen Roman zu einer Reihe beisteuern, dann können sich die Macher der Serie – in meinen Augen jedenfalls – durchaus etwas darauf einbilden. Zudem sind solche Hefte gut dazu geeignet, neue Lesergruppen zu werben. Wer gerne Werke von Autor XYZ liest und nun feststellt, dass dieser ein Heft zur Reihe ABC beigesteuert hat, der ist vielleicht geneigt, sich das entsprechende Heft zuzulegen. Mit ein bisschen Glück gefällt es ihm sogar so gut, dass er beschließt, die Serie auch weiterhin zu verfolgen.

Doch so schön und gut der Name des Bestsellerautors auch auf dem Romancover aussehen und so prestigeträchtig das schlussendlich auch sein mag, wie sieht es inhaltlich aus? Profitieren auch die Romanhandlung sowie der Plot der Serie im Allgemeinen von dem Gastbeitrag?
Man sollte zunächst einmal nämlich bedenken,

  • dass ein Gastautor in den meisten Fällen ein Neuling im Serienkosmos ist und die vorhandenen Protagonisten und Serieneigenarten vielfach nur unzureichend kennt und sie mitunter nicht „artgerecht“ einzusetzen versteht;
  • dass Romane von Gastautoren eine schwere Gratwanderung absolvieren müssen; einerseits sollen sie etwas Besonderes und nicht nur ein beliebig austauschbares Romanheft sein, andererseits darf der Plot den Autor nicht überfordern (in dem Sinne, dass er ja eben neu im Serienkosmos ist und diesen nicht kennt, weshalb ein Gastautor wohl keinen Roman schreiben wird, der eine Vielzahl die Serienhandlung maßgeblich beeinflussender Storylines enthält);
  • dass Leser, wenn sie den Namen des jeweiligen Gastautors auf dem Titelblatt lesen, schnell zu hohe Erwartungen an den Roman stellen, ohne zu bedenken, dass der Verfasser bei weitem nicht so frei schreiben kann, wie dies sonst der Fall sein mag, da er ja an ein mehr oder weniger strenges Exposé gebunden ist;
  • dass Gastautoren sich vielleicht vorschnell bereiterklären, einen Roman zu Serie XYZ beizusteuern, und dann beim Schreiben feststellen, dass sie mit dem Serienkosmos nicht so gut zurechtkommen wie gedacht; so etwas kann sich durchaus in der Qualität des Romans niederschlagen.

Im Hinblick auf das Prestige mag ein Gastautor also einen echten Gewinn darstellen. Inhaltlich sieht die Sache allerdings ganz anders aus. Hier kann die Serie Pluspunkte sammeln, doch genauso gut kann der Gastroman in ein trauriges Desaster ausarten, das sowohl der Serienleser als auch der geneigte Fan des Autors so schnell wie möglich wieder aus seinem Gedächtnis streichen möchten.
Nach diesen Ausführungen wird es Euch wohl nicht verwundern, dass ich mit ein wenig Skepsis an den von Andreas Eschbach verfasst PR Band 2503 herangegangen bin. Ich mag Eschbachs Stil, und ich bin ein Fan von PR. Doch beide zusammen? Ob das gut gehen kann? Eschbach hat zwar schon zuvor zwei Romane zur SF-Serie beigesteuert, doch das war lange vor meinem Einstieg in die EA, Deshalb konnte ich im Vorfeld zu »Die Falle von Dhagor« nichts über Andreas' Talent im Umgang mit dem Perryversum sagen.

Bedenken hin oder her: Eschbachs Heft konnte mich vollends überzeugen. »Die Falle von Dhagor« ist ein wirklich gelungener PR-Roman geworden. Die Geschichte ist actionreich und gut geschrieben, die Protagonisten und der Rhodansche Kosmos wurden überzeugend gezeichnet. Die Lektüre von Band 2503 wurde so zu einem echten Vergnügen und war viel zu schnell wieder vorbei.

Es geht also!

Gastautoren können eine Heftromanserie nicht nur hinsichtlich des Prestiges bereichern, sondern können auch einen Gewinn in Sachen Lektüre und Lesefreude bedeuten. Eschbachs erstklassige Schreibe und sein Gespür für interessante, ausgefeilte Charaktere haben nicht nur dazu beigetragen, dass das Perryversum um einen äußerst lesenswerten Roman erweitert wurde. Sie haben auch dafür gesorgt, dass ich es ein wenig bedauere, dass Andreas nicht ganz regulär PR-Romane schreibt. Nicht, dass ich die Stammautorenschaft nicht zu schätzen wüsste. Aber Eschbach wäre eine fantastische Ergänzung in diesem ohnehin nicht zu verachtenden Team.

Fazit: Wenn in eine Serie Romane von Gastautoren eingebaut werden, dann bitte solche wie der von Andreas Eschbach. Romane, die mehr sind als bloße Prestige-Aufwerter. Romane, deren Lektüre so richtig zu gefallen weiß. Wie es eben bei PR Band 2503 der Fall gewesen ist.

Die Romane im Überblick
Band 2503, »Die Falle von Dhagor«, von Andreas EschbachBand 2503, »Die Falle von Dhagor«, von Andreas Eschbach
Während Perry, Mondra und Icho Tolot der Einladung der Halbspur-Changeure gefolgt sind, obliegt Reginald Bull die schwere Aufgabe, den Polyport-Hof ITHAFOR weiter zu erforschen und vor Übergriffen der Frequenz-Monarchie zu schützen. Viel zu schnell muss Bully all sein Können unter Beweis stellen, um zu verhindern, dass der Transporthof in die Hände des Feindes fällt.

»Die Falle von Dhagor« stammt aus der Feder von Bestsellerautor Andreas Eschbach. Der Gastroman weiß auf ganzer Linie zu überzeugen. Lebendige Charaktere, eine ebenso spannende wie actionreiche Story und der Verzicht auf übertriebene Dramatik machen die Romanlektüre zu einem echten Vergnügen.

Neueinsteiger aufgepasst: Für alle, die das Perryversum bislang nicht kennen, ist »Die Falle von Dhagor« der ideale Roman, um in den Rhodanschen Kosmos einzutauchen. Viele Details, die in den meisten Romanen stillschweigend hingenommen werden (wie etwa Sinn, Zweck und Aufbau bestimmter Raumschiffe oder die Zusammenfassung bisheriger Ereignisse) werden von Eschbach gekonnt in die Handlung eingebaut. Das Heft erlaubt somit einen knappen, aber dennoch umfassenden Einblick in den gigantischen Serienkosmos.

Insgesamt ein mitreißender SF-Roman, den man wirklich jedem empfehlen kann, ob alter Hase oder Neuling in Sachen PR.

Band 2504, »Die Hypersenke«, von Leo LukasBand 2504, »Die Hypersenke«, von Leo Lukas
An Bord des eigensinnigen Raumschiffs MIKRU-JON gelingt Rhodan, Mondra Diamond und Icho Tolot die Flucht vor den Schergen der Frequenz-Monarchie. Auf der Suche nach dem Polyport-Hof PERISTERA erleben die drei Raumfahrer einige teilweise recht bizarre Abenteuer.

»Die Hypersenke« ist der erste Roman des neuen Zyklus, der weitestgehend für sich alleine stehen kann. Nach dem reichlich skurrilen Prolog und der Entdeckung des eigenwilligen Charakters von Rhodans neuem Transportmittel hatte ich zunächst einige Vorbehalte. Autor Leo Lukas ist es jedoch in Windeseile gelungen, diese zu zerstreuen.

»Die Hypersenke« wird die Leserschaft von PR zweifellos spalten. Leos mitunter etwas abgehobener Humor ist sicher nicht jedermanns Sache. Mich persönlich hat der Roman allerdings schnell in seinen Bann gezogen und bis zum Finale nicht mehr losgelassen. Die ungewöhnlichen Charaktere und die nicht minder ungewöhnliche Storyline machen das Heft zu einem Erlebnis für jeden Freund unkonventioneller SF-Storys. Einfach mal entspannen, sich zurücklehnen, und den ausgefallenen Roman auf sich wirken lassen. Wem das gelingt, der wird viel Freude haben an Leos neustem Beitrag zur großen SF-Serie.

PRA Band 36, »Sonnendämmerung« (Wega-Zyklus 12), von Alexander Huiskes u.a.PRA Band 36, »Sonnendämmerung« (Wega-Zyklus 12), von Alexander Huiskes u.a.
Die Jagd auf Saquola geht in ihre alles entscheidende Phase. Perry Rhodan und seinen Gefährten bleibt nicht viel Zeit, dem Divestor das Handwerk zu legen. Die Sonnendämmerung steht bevor – und etwas, das als Schutzmechanismus gedacht war, könnte nun das Ende eines ganzen Sonnensystems bedeuten.

Mit »Sonnendämmerung« verabschiedet sich PRA nach 36 größtenteils spannenden und actionreichen Romanen von seinen Lesern. Zum Finale hin stellen neben Alexander Huiskes auch die PRA-Autoren Timothy Stahl, Hermann Ritter, Christian Montillon, Verena Themsen und Marc A. Herren noch einmal ihr Talent unter Beweis. Gemeinsam haben sie einen würdigen Staffel- und damit auch Serienabschluss verfasst, der kaum Wünsche offen lässt. Die Handlungsstränge, die sich im Laufe des Zyklus aufgetan haben, finden ein im Großen und Ganzen zufriedenstellendes Ende. Packende Storylines sowie das hochdramatische Finale sorgen dafür, dass der Leser auch beim letzten Roman der Serie bis zur letzten Zeile mitfiebert.

Wirklich brillant ist der Epilog des Hefts: Nicht nur, dass hier noch einmal der Bogen zum Zyklusauftakt geschlagen wird. Ebenso finden sich (leicht selbstironische) Anspielungen auf die vorangegangenen beiden Staffeln. Schön gemacht!

Insgesamt ein toller Abschluss für eine Serie, die sicherlich noch viele weitere Staffeln verdient hätte.

Kommentare  

#1 Olsen 2009-08-15 09:04
Beim Roman von Leo Lukas hat mich vor allem der Begriff "Jung-Fernflug" begeistert. Ich mag solche Wortspielereien und die hat er wirklich drauf.
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#2 Larandil 2009-08-15 09:38
Bei den Gastauftritten von Andreas Eschbach ist ungewöhnlich, daß er einen Platz in der laufenden Handlung einnimmt. Das ist nicht selbstverständlich: PR 2289 von Gisbert Haefs oder PR 2319 von Titus Müller waren Spielwiesen, die nur ganz am Rand lose an den Rest des Perry-Kosmos anknüpften.
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#3 Laurin 2009-08-15 11:50
Ich glaub auch mal das so ein PR-Roman auf einen Gastautor nicht hereinbricht wie ein Donnerwetter.
Jeder Gastautor wird sich das durchaus überlegen und im Vorfeld sich einen (wenn auch groben) Einblick in den Serieninhalt bzw. den laufenden Zyklus nehmen.
Obwohl, das wär doch was...
Gastautor XY wird ausgeguckt, kriegt ein Expose mit dem Hinweis, "hau rein aber flott" und der arme Kerl wird nicht vor dem Ende aus dem Raum gelassen. Gäbe bestimmt einen spaßigen Roman :lol: !
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#4 Mainstream 2009-08-15 11:59
-
Glücksfall Gastautor?
Der reinste Alptraum. Da ich mir vorgenommen habe
alles von Eschbach zu lesen, und dieser dann auch
noch mahnt man müsse zum Verständnis schon mit Band
2500 dabei sein, quäle ich mich jetzt durch die
FREQUENZ MONARCHIE und verfluche mich selbst ob dieses
Eigenexperimentes.
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#5 Cartwing 2009-08-15 12:11
Mainstream: Nach "Jesus Video" und "Billion Dollar" hatte ich mir auch vorgenommen, mehr von Eschbach zu lesen.
Aber Titel wie "Ein König für Deutschland" oder "Der Nobelpreis" schrecken mich dann doch eher ab.
Mag sein, dass das ganz tolle Romane sind, aber wer würde bei solchen Themen neugierig, wenn nicht Eschbach draufstehen würde?
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#6 Andrew P. Wolz 2009-08-16 03:44
Mir gefällt der Zyklus bisher, auch die beiden Hefte von Christian. Und der Beitrag von Herrn Eschbach ist mal wieder toll, ein echter Gewinn.

Was vom Inhalt des nächsten Eschbach-Romans "König für Deutschland" bekannt ist, macht meiner Meinung nach schon Laune, da muss ich Cartwing widersprechen. Außerdem bin ich mal gespannt, wie der Perry 2503 von Herrn Eschbach Mainstream gefällt. Vorausgesetzt, Mainstream kommt so weit und bleibt nicht in der Frequenz-Monarchie hängen. Das wäre dann schon wieder ein Sieg für die Monarchie...
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#7 Gabriel Adams 2009-08-17 17:12
@ Larandil
Gut zu wissen. Da bin ich mal gespannt auf den nächsten Gastautor und auf das, was der zur Serie beizutragen hat. Eschbach jedenfalls hat seine Sache, wie ich finde, vorzüglich gemacht und einen guten, handlungstragenden Roman geschrieben. Aber dass das nicht die Regel ist (also dass Gastautoren die Rahmenhandlung in diesem Maße fortführen), hab ich mir fast gedacht. Dafür ist das Perryversum einfach zu komplex.

@ Laurin
Die Vorstellung ist auf jeden Fall amüsant ... :lol:

@ Mainstream
Hier kann ich mich Andrews Worten nur anschließen. Bin gespannt, was du zum Eschbach-Gastspiel zu sagen hast - ebenso wie zum Perryversum.
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