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Durchhalten bis zum (bitteren) Ende

Jochen und der (phantastische) TellerrandDurchhalten bis zum (bitteren) Ende

Das Thema, das ich heute zur Debatte stellen möchte, lässt sich wohl am Besten an einem Beispiel aus der Praxis illustrieren:

Vor kurzem habe ich »The Skewed Throne« von Joshua Palmatier gelesen. „Versucht zu lesen“ trifft es wohl besser. Auch wenn ich es nicht gerne zugebe: Nachdem ich mich durch knapp die Hälfte des Romans durchgekämpft hatte, schmiss ich endgültig das Handtuch und legte das Buch zur Seite. Ich weiß nicht, woran es lag. War es die Geschichte an sich, die mich nicht begeistern konnte, oder lag es an der Darstellung der Personen, die mir nicht so recht zusagen wollte? Ist es vielleicht einfach so, dass ich mit Palmatiers Schreibstil nichts anfangen kann?


Wie dem auch sei, Tatsache ist jedenfalls: Ich habe das Buch einfach nicht bis zum Ende durchgehalten.

Es ist nicht das erste Mal, dass mir das passiert. Wenn jemand so viel liest und so viele Filme und Serien schaut wie ich, dann bleibt es nicht aus, dass man immer wieder auf Werke stößt, die einem nicht gefallen. Mitunter lässt es sich recht einfach erklären, warum einem dieses Buch oder jener Film nicht zusagt. So konnte ich etwa mit  David Kecks Roman »Im Auge des Himmels« deshalb nichts anfangen, weil mir die Protagonisten vollkommen fremd geblieben sind und ich mit der Sprache des Autors auf Kriegsfuß stehe.

In einem solchen Fall ist schnell klar, was zu tun ist. Man legt das Buch zur Seite oder schaltet den Film ab, bevor man sich weiter darüber ärgert. Es gibt so viele andere Geschichten, die man lesen, schauen, hören oder spielen kann, da kommt es auf diese eine nicht an.

Schwieriger gestaltet sich die Entscheidung dann, wenn man nicht genau sagen kann, was es denn nun eigentlich ist, das einem nicht gefällt. So ist es mir, wie erwähnt, bei der Lektüre von »The Skewed Throne« ergangen. Palmatiers Fantasyroman hat und hat mich schlichtweg nicht bekommen. Das Thema der Geschichte an sich hat mich wirklich interessiert, und ich habe auch versucht, das Buch zu mögen. Doch letzten Endes habe ich nach etwa der Hälfte des Romans die Flinte ins Korn geschmissen und das Schriftstück beiseite gelegt.

Damit wären wir beim heutigen Thema angekommen: Ab wann sollte man einen Film oder einen Roman sein lassen, wenn dieser einen nicht bekommt, man sich aber einfach nicht erklären kann, warum dem so ist?

Ich hoffe, Ihr versteht, was ich meine. Wenn ich einen guten Grund dafür finde, warum mir die jeweilige Geschichte nicht gefällt, dann fällt es mir leicht, die Lektüre/das Schauen einzustellen und mich anderen Dingen zu widmen. Wenn ich meine fehlende Begeisterung aber nicht an etwas Konkretem festmachen kann, wenn es mir einfach nicht möglich ist, genau zu sagen „Das und das gefällt mir ja so gar nicht!“, ich aber dennoch keinerlei echten Enthusiasmus aufbringen kann für das gerade Gelesene/Gesehene,  dann sehe ich mich mit einem echten Dilemma konfrontiert. Halte ich nun durch bis zum (bitteren) Ende? Immerhin habe ich Geld für die Geschichte ausgegeben und schon eine gewisse Zeit in sie investiert. Oder lasse ich es irgendwann einfach sein, auch wenn ich nicht sagen kann, was genau mich nun eigentlich gestört hat?

In drei von vier Fällen werde ich mich wohl für letztere Variante entscheiden, alleine schon aus dem Grund, dass Geschichten für mich ein Hobby sind und nicht zu einer Qual werden sollen.

Doch wenn ich das mache, an welchem Punkt steige ich aus?

Mir ist schon klar, dass man so etwas nicht pauschal beantworten und klare Seiten- bzw. Minutenangaben machen kann, ab wann ein Ausstieg frühstens oder spätestens erfolgen sollte. Doch gibt es nicht ein gewisses Limit gerade in Hinblick darauf, wann ich frühestens aussteigen sollte? Soll ich einem Buch tatsächlich immer mindestens sechs oder sieben Kapitel zugestehen, bevor ich mich von ihm verabschiede, oder kann ich das auch ruhigen Gewissens früher tun? Dagegen sprächen nun aber Erfahrungen, wie ich sie mit Robert Redicks »Windkämpfer« gemacht habe. Dessen Lektüre hätte ich nach den langweiligen ersten Kapiteln beinahe eingestellt, doch dann hat der Autor aufgedreht und mir eines der besten Fantasyabenteuer geliefert, das ich je gelesen habe.

Überhaupt, einfach so aufhören, wenn ich nicht einmal sagen kann, was genau mich eigentlich stört ... Wäre es nicht besser, den Roman oder den Film dann doch durchzuhalten? Vielleicht brauche ich einfach nur meine Zeit, bis ich mit dem Werk warm werde.

Für den Fall, dass ich es schlussendlich tatsächlich so handhabe und versuche, durchzuhalten: Was mache ich, wenn mich der Film oder das Buch auch nach der Hälfte der Laufzeit bzw. des Umfangs nicht in seinen Bann gezogen hat? Bleibe ich dann trotzdem bis zum Finale am Ball, weil ich das Meiste nun ja eh schon hinter mir habe?

Auch wenn ich im Allgemeinen auf deutlich mehr gute und sogar exzellente Werke stoße als auf solche, die mich nicht recht begeistern können, so taucht dieser Fall dennoch immer wieder auf. Und jedes Mal stehe ich erneut vor dem gleichen Problem: Durchhalten oder mir selbst gegenüber so ehrlich sein und zugeben, dass ich zwar nicht weiß, warum ich die Geschichte nicht mag, dass ich sie aber dennoch nicht bis zum Ende verfolgen möchte?

Bin mal gespannt, wie ihr die Sache seht ...

Kommentare  

#1 Pisanelli 2009-07-10 11:21
Also, es gibt ja auch den Grund, dass man im Grunde gar keine Zeit zum Lesen hat und sich deswegen nicht richtig auf das Buch einlässt. Oder man ist schlecht drauf und hat gar nicht richtig Lust zum Lesen. Will sagen, es liegt nicht immer am Buch, dass es grad nicht passt.
Grundsätzlich habe ich aber selten o.g. Problem. Erstens lese ich nicht soviel, da ich mir gar nicht leisten kann, soviele Bücher zu kaufen. Und wenn ich mir eins kaufe, bin ich echt wählerisch. Da wird dann reingeblättert und Klappentext gelesen. Ich habe eigentlich noch nie daneben gegriffen, experimentiere allerdings auch nicht so häufig.
Woran ich vor allem festmache, dass ich ein Buch überhaupt lesen kann, ist die Sprache. Wenn es sprachlich schon schlecht oder hölzern wirkt, dann brauche ich es gar nicht zu lesen, sowas ärgert mich. Denn zumindest handwerklich sollte ein Buch die Mindestanforderungen erfüllen, Inhalte wiederholen sich eh irgendwann oder ähneln sich zumindest. Und ob es sprachlich was hermacht, merkt man schon, wenn man drei, vier Sätze gelesen hat, häufig schon am Anfang.
Ich habe in seltenen Situationen den Fall, dass ich ein Buch aus der Hand legen muss, weil ich es nicht verstehe. So etwa das "Foucaultsche Pendel" von Umberto Eco. Ich habe zweimal versucht es zu lesen und musste beide Male aufgeben, weil mir die Materie zu hoch war, obwohl super faszinierend geschrieben. Aber irgendwann werde ich es zuende lesen. Sonst lese ich Bücher fast immer zuende. Und wenn mir Stellen im Buch mal nicht gefallen, dann überspringe ich sie. Hauptsache, ich weiß, wie es zuende geht.
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#2 Laurin 2009-07-10 14:45
Nun, das muß nicht nur bei einem Buch so sein, ein Heftroman, ein Film, eine Serie usw. vermögen dieses Gefühl auch zu geben.
Die Frage kann wohl nur jeder selbst für sich beantworten, bis wann man z.B. einem Roman eine Chance gibt (und damit zwangsläufig auch dem Autor) und ab wann es zum masochistischen Durchhaltewillen kommt :o .
Grundsätzlich halte ich es da etwas mit Pisanelli: Klappentext lesen, mal kurz reinblättern usw. wenn dies möglich ist, was mir aber meist nicht gelingt, da ich meine Bücher meist direkt beim jeweiligen Verlag bestelle. Wenn ich aber merke, ich beginne mich durch zu quälen, ob bis zur Mitte eines Buches oder eine Serie hebt für meine Begriffe immer mehr ab (quasi entfernt sich von mir), dann tritt bei mir der liebgewordene Spruch ein..."lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende!" Oder anders gesagt, andere Autoren haben auch schöne Bücher (um es beim Lesestoff fest zu machen).
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