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Ein Horrorheftromanleser und seine Karriere

Das Grauen wird 40Ein Horrorheftromanleser und seine Karriere

Alexander MatysikWie ja nun mittlerweile hinlänglich bekannt sein dürfte, feiert der Horrorheftroman am 23. Juli 2008 seinen 40. Geburtstag. Als ich von diesem freudigen Ereignis erfuhr, sah ich für mich den Moment gekommen, kurz inne zu halten und über meine Horrorheftroman-Karriere zu „reflektieren“. Zugegeben, es ist eine Karriere mit Höhen und Tiefen. Diese Überlegungen waren dann jedoch so eindringlich, dass ich mir dachte, auch andere Horrorheftromanlesern daran teilhaben zu lassen. Als Ergebnis bleibt dieser Beitrag über meine „Karriere“ in diesem „Business“.

Zunächst einmal stellte ich bei meiner kleinen, persönlichen Rückbesinnung fest, dass Horrorheftromane seit mehr als 18 (in Worten achtzehn) Jahre und damit über die Hälfte meines Lebens ein treuer Begleiter sind.

Dabei ist es mehr Zufall, dass ich bei dieser Lektüreform hängen blieb. Die „Hauptschuld“ daran trägt wohl ein Klassenkamerad aus der Grundschule. Wir fuhren früher gemeinsam in die nahe Großstadt und standen dann im Kaufhaus „Horten“ vor den John Sinclair – Hörspielen und bestaunten die eindrucksvollen Cover. 

Gekauft haben wir die Hörspiele lange Zeit jedoch nicht, aus Respekt (=Angst)  vor der Handlung, schließlich hieß es in unserer Umgebung, diese Hörspiele seien erst für „Erwachsene“ ab 14!!! Eines Tages rief mich mein Freund dann völlig aufgeregt an. Er sagte mir, er habe es getan, er wäre bei Horten gewesen und habe ein Sinclair-Hörspiel gekauft. Ich ließ mich nicht lumpen und so kaufte ich bei der nächsten Gelegenheit auch mein erstes Hörspiel. Es war die Folge „Das Gruselkabinett“. Und nachdem ich feststellte, dass die Handlung nicht so grausam war und ich nachts auch weiterhin problemlos schlafen konnte, kaufte ich weitere Folgen.

Dann der nächste Knaller, ich war bei meinem Freund zu Besuch, als er mir plötzlich ein Sinclair – Heft vor die Nase hielt. Wow, Wahnsinn, der absolute Hammer, ein Sinclair – Heft! Wieder mit so einem super coolen Cover, sogar größer als die von den Hörspielen.

Das Fieber hatte mich gepackt und so wurde der 08. Mai 1990 für mich persönlich ein ganz besonderes Datum. Ich kaufte meinen ersten Sinclair: 3.Auflage, Band 133 „Der Spinnen-Dämon“. Und sogleich begann ich zu sammeln und zu sammeln...

Die Karriere hatte begonnen und überstand sogar die Pubertät ohne große Probleme. Mädchen kamen, Mädchen gingen, aber John und seine Freunde blieben. Der erste Knick meiner Karriere erfolgte während meiner Ausbildung. Zwar kaufte ich die Romane weiter Woche für Woche, doch kam ich immer seltener dazu sie auch zu lesen. Der Rückstand wurde größer und größer.

Dann, im Sommer 1997, bot sich mir die einmalige Gelgenheit meinen Rückstand von mehr als hundert Heften aufzuholen. Drei Wochen Erholungs- und Entspannungsurlaub in Spanien. Sonne, Strand, Mädchen und natürlich SINCLAIR. Ich packte also meine Sachen, darunter ca. dreißig Sinclair – Romane. Mein selbst gestecktes Ziel, an jedem Tag mindesten einen Roman zu lesen. Bei drei Wochen Urlaub erschienen mir 30 Hefte ausreichend. Ich dachte, ich hätte damit sogar ne Reserve in petto. Das Ziel mittelfristig wieder den aktuellsten Roman lesen zu können schien greifbar nah. Doch was soll ich sagen, es kam anders...

So lag ich am Strand von Spanien und bei mir war immer ein Sinclair. Das blieb nicht unentdeckt und so fragten mich meine Freunde und Bekannte plötzlich, ob ich nicht noch mehr Sinclairs dabei hätte. Ich stutzte, meine Freunde, die mich ob meines seltsamen Hobbys immer nur belächelt hatten, wollten tatsächlich von mir Sinclair-Hefte??? Naja, da ich eh schlecht nein sagen kann, rückte ich halt meine mitgenommene Sammlung raus. Und ehe ich mich versah gingen meine dreißig Sinclairs reih um, so dass ich Mühe hatte, sie alle heil wiederzubekommen. Jedenfalls war mein Plan die Romane nach und nach zu lesen, um so meinen Rückstand auf zu holen, ganz groß gescheitert. Für meine Freunde und Bekannte blieb ihr Erlebnis mit Sinclair übrigens nur ein heißer Urlaubsflirt. Keine Woche wieder zu Hause, hieß von allen Seiten nur wieder: „Ließt du die immer noch...“

So verging mein erstes Jahrzehnt mit Horrorheftromanen. Es blieb ein reines Sinclair-Jahrzehnt. Andere Serien interessierten mich nicht sonderlich. Bedingt durch mein kleines Taschengeld und vor allen Dingen durch längere Lesepausen während meiner Ausbildung. Andere Serien und damit eine neue und auch stärkere Bindung zu Horrorheftromanen entdeckte ich zu Beginn des neuen Jahrhunderts. Beim Kauf des üblichen Sinclair-Romans fiel mir eine neue Serie in die Hände, die mir von Anfang an so gut gefiel, dass ich beschloss dran zu bleiben. Und nein, es war nicht wie jetzt sicher alle denken Maddrax, es war Torn...

Mit Torn und der ungefähr gleichzeitigen Entdeckung des Internets erfasste ich plötzlich, dass es neben Sinclair auch noch andere Horrorheftromanserien gab. Plötzlich entdeckte ich, dass Larry Brent, Macabros und der Dämonenkiller nicht einfach nur irgendwelche Hörspielserien von Europa waren, nein es waren auch Horrorheftromanserien. GENIAL!!! Und so wurde aus meinem Hobby nach und nach Leidenschaft. Ich sammelte und sammelte und ich sammle immer noch, auch wenn es zunehmend schwerer wird, vor allem günstig, an Horrorheftromane zu kommen. Auch wenn der Horrorheftroman auszusterben droht bzw. wird. Ich für meinen Teil weiß, dass er mich noch eine gehörige Weile begleiten wird, all die weil noch jede Menge Romane, die sich im Laufe der letzten acht Jahre angesammelt haben gelesen werden wollen. Deshalb werde ich wohl auch zum 50. Geburtstag des Horrorheftromans eine Kerze anzuzünden...

Alexander MatysikNachtrag:
Ich muss zugeben, dass bei mir Ende März nach knapp 18 Jahren eine Ära zu Ende gegangen ist. In jenen Tagen erhielt ich von der Romantruhe meine letzte Lieferung mit Sinclair – Romanen. Die Qualität der Romane stand aus meiner Sicht in keinem Verhältnis zu anderen Produkten des gleichen Formats. Spätestens mit der zweiten Vernichtung des Schwarzen Tods und dem Seitenwechsel von Justine Cavallo war für mich der Bogen überspannt, die Entwicklung der Serie einfach nur noch unbefriedigend. Ich sammelte und verfolgte die Serie via gruselromane.de noch weiter aber eine Besserung schien nicht in Sicht, so dass ich beschloss mit Band 1550 ist Schluss. Nur den Gang ins Kaufhaus, um mir das neueste Sinclair - Hörspiel zu kaufen, den mach ich immer noch...Laughing

 

 

 

Kommentare  

#1 benfi 2008-07-28 22:03
Ja, leider, leider sind die aktuellsten Sinclairs nicht mehr so sehr lesenswert, wenn mann die alten Hefte kennt! Aber scheinbar reicht es noch, um genug Leute bei der Stange zu halten...
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