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# 125: Eine Engelserscheinung - Die Erscheinung und die Folgen

As Time Goes By# 125: Eine Engelserscheinung -
Die Erscheinung und die Folgen

Zur Erinnerung. Ich war volltrunken und hatte mich oral in einer Gaststätte erleichtert, während unser Fahrzeug mit geöffneten Türen auf dem Marktplatz in Kaltern (Südtirol) stand und Peter Michael  Hans Klipp aus der Wein-Probierstube holte. Denn für den Abend stand noch die Feier des 73. Geburtstages von Kurt Brand auf dem Programm.

Immerhin war ich noch auf den Beinen. Allerdings wurde mir nach der oralen Erleichterung im Klo des Gasthauses (dessen Namen ich verschweige) nicht wesentlich wohler. Ich habe jedoch anderthalb Jahre später ganz hervorragend dort gegessen (aber das ist eine andere Geschichte).

Nun ja, ich taumelte aus der Tür. Soweit war ich noch nicht, um kriechen zu müssen. Hans saß mittlerweile im Auto. Auch bei ihm tat der Alkohol seine Wirkung. Peter rannte aufregt herbei. Er versah ich mit wenig freundlichen Worten, weil ich  a) das Auto offen gelassen hatte und b) spurlos verschwunden war. Mit Mühe versuchte ich ihm zu erklären,  dass ich immerhin noch so klar im Kopf gewesen war, dass ich nicht zur Touristenattraktion verkommen wollte und daher lieber im Gasthaus über die Zunge gelacht hatte.

Als Hans und ich sicher im Wagen verstaut waren, gings hoch zum Hotel. Dort angekommen wurden Hans und ich auf unser Zimmer expediert. Ich ging noch mal kurz auf eine Diskussion mit dem Porzellan und legte mich zu Bett. Schlafen. Ganz kurz nur. Immerhin gab es einen Geburtstag zu feiern.
 
Peter, W.K. und die anderen beschlossen erstmal ohne ihre drei Muske(l)tiere zur Feier aufzubrechen und uns später abzuholen, wenn der Rausch begann abzuklingen.

Ich war selig eingeschlafen. Plötzlich drang etwas an mein Ohr. Ich identifizierte das irgendwann als Gitarre, die so gar nicht richtig klang. Dazu erhob sich dann eine Stimme wie sie Troubadix haben mag. Er sang alte Lieder um den Trojanischen Krieg. Und trotzdem, das Organ kam mir entfernt bekannt vor. Wäre ich nicht so besoffen gewesen... Ohne Zweifel hätte ich die Stimme sofort erkannt.
 
Ich öffnete vorsichtig die Augen. Ich sah lange, behaarte Stachelbeerbeine, die ein wenig krumm waren. Sie ragten aus einem weißen Gewand heraus (das sich wenig später als Hemd herausstellte).

‚Ein Engel!’, schoss es mir durch den Kopf. Meine Engelserscheinung.

Mühevoll hob ich den Kopf und sah, dass der Engel Rolf war, der aufgrund seines frühen Abschieds und eines Schönheitsschlafes (in komatöser Ausprägung) wieder halbwegs auf dem Damm war. Zumindest so weit, dass er schon auf Hans’ Gitarre herumzupfte und Lieder mit seiner unvergleichlichen Stimme sang.

Von nebenan aus dem zweiten Bett des Zimmers klang Hans Klipps Stimme auf. Er stöhnte. Dann knurrte der Herr von Helleb: „Nimm das Plektron raus. Dann klingt die Gitarre auch!“

Peter erschien, bedachte uns mit spöttischen Blicken und forderte uns auf mitzukommen und Rolf eine Hose anzuziehen. Er wolle ins Seeleiten. Hans und ich blieben liegen. Rolf folgte brav. – Das war gegen 20:30 Uhr. Die Uhrzeit meiner Engelserscheinung...

Gegen 22:00 Uhr wurde Hans abgeholt, aber ich ging immer noch nicht mit. Wollte nicht, konnte nicht.

Gegen 23:00 Uhr erwachte ich, beschloss zur Feier zu gehen, machte mich frisch, trat aus dem Hotel. Über die Weinreben hinweg, konnte ich den See erkennen (dort war ja das Hotel) und beschloss querfeldein immer bergab zu gehen. Dann würde ich schon irgendwo ankommen.

Ich verlief mich im Dunkeln zwischen den Reben und fand zum Glück gegen 1:30 Uhr wieder zum Hotel zurück. In dem Moment, als ich wieder ausgenüchtert den Hof des Hotels betrat, kamen Taxis und brachte unsere Helden mit, die Geburtstag gefeiert hatten. Die meisten waren bester Stimmung und zwei besondere Gestalten sahen reichlich fertig aus.

Hans und Rolf hatten Kurts Zorn abbekommen. Mich würde er sich morgen früh vorknöpfen. Ausdauernd – wie man mir versicherte.

Gegen 8:00 Uhr erhob ich mich, wunderte mich darüber, keine Kopfschmerzen zu haben und ging Barfuss übers Linoleum. Hans Klipp bat um Ruhe. Das wäre zu laut und sein Kopf würde Platzen. Pech gehabt. Hätte er doch auch nur einen Spaziergang gemacht wie ich. Zwei Stunden durch die Weinberge zu irren ist gut für den Morgen danach.
 
Zum Glück hatte ich außer Nachdurst nicht unter den Folgen des Gelages vom Vortag zu leiden. Ich ging frühstücken und trank den ersten Liter Wasser (bis zum Mittag sollten weitere drei Liter folgen).

Dann ging es hinunter zum Frühschoppen ins Dorf. Kurt Brand sah mich an. Ich trank Wasser und sah – obwohl ich mich gut fühlte – beeindrukend scheiße aus und kam mit einem milden Donnerwetter davon. Außerdem sprach Kurt mit kölschem Akzent. Das hieß, er war nicht ernstlich böse.

Glück gehabt...

Nachtrag: Als wir am 12. Mai auf der Autobahn waren, begegnete ich auf einer Raststätte den Touristen wieder, denen ich den Muskatella im Vollrausch wortreich aufgeschwatzt hatte. Sie lobten mich für die Empfehlung. Zufall und Erinnerung an eine meiner dunkelsten Stunden.

Das war also die Geschichte meiner Engelserscheinung. „Wahrlich Her... - äh - Octavio – das war kein Heldenstück!“ Aber in jedem Fall eine Anekdote über die fatalen Folgen hastigen Alkoholgenusses...

Kommentare  

#1 Cartwing 2009-10-02 08:07
"oral erleichtern", das ist doch mal ne nette Umschreibung. Habe ich ja noch nie gehört :lol:
#2 Laurin 2009-10-02 17:21
Das lag mir auch auf der Zunge, Cartwing :lol:

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