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Keine Experimente - Zum Erfolg verdammt ...

Zauberwort - Der Leit(d)artikelKeine Experimente
Zum Erfolg verdammt ...

Schlendert man so über die Buchmesse und sieht sich die Stände der Publikumsverlage an, kommt dem geneigten Betrachter des Öfteren mal der gute alte Konrad Adenauer in den Sinn. Dieser knorrige Kölner führte seinen Wahlkampf mit dem Slogan »Keine Experimente« … - Das war 1957.

Für Publikumsverlage könnte dieser Slogan noch heute das Leitmotiv sein.


In der Tat setzen die großen, belletristischen Verlage auf Bewährtes. Ihr Ziel ist es, möglichst den Geschmack vieler Bücherkäufer zu treffen. Das klappt nicht immer, sonst wären die Wühltische nicht immer so voller preisreduzierter Bücher; aber unter dem Strich muss ein Gewinn herauskommen. Nicht jedes Buch verkauft eben seine Startauflage. Manche Bücher erscheinen auch nur, um das Programm ›voll‹ zu machen.

Die Publikumsverlage sind Teile großer Medienkonzerne wie Bertelsmann oder an der Börse (wie neuerdings Lübbe). Da braucht man gute Nachrichten. Und die guten Nachrichten lassen sich hervorragend mit einem ›€ in schwarz‹ ausdrücken. Das ist kurz und knapp und erspart langwieriges Studieren umfangreicher Berichte. Das freut den Aktionär und den Konzern. Und um den ganzen Apparat zu erhalten, den so ein Verlag unterhält, muss man eben sehen, dass man Geld verdient.

Ich will hier auch gar nicht anfangen, über den sogenannten Massengeschmack herzuziehen. Welche Masse auch immer gemeint ist. Egal, ob es die Masse der Kuschelvampirliebhaber wäre, die des weichgespülten SM, die der Daily- und Scripted-Reality-Soaps oder welcher ominösen Konsumentenmasse welches Teils des reichhaltigen Unterhaltungsangebots auch immer. Man muss nicht mögen, was sich da mehr oder minder große Menschenmassen zu ihrer Unterhaltung zu Gemüte führen (man darf auch seine Meinung zu diesen Unterhaltungsformen durchaus dezidiert  kund und zu wissen geben), aber man muss diese Massen nicht ausgrenzen oder sie zu Vollidioten erklären, die zu dumm zum Leben sind. Da gibt es eine weite Palette an Vorurteilen.

Diese Haltung habe ich auch Teilen meiner Lehrer oder wohlmeinender Erwachsener seit meiner Kindheit immer wieder zu vermitteln versucht, weil ich doch diese Schundheftchen gelesen habe oder mir minderwertige Fernsehserien wie die um Raumschiffe namens »Enterprise« und »Orion« reinzog oder Horrorfilme sah. All das war in den Augen mancher ja nur Massenunterhaltung zu Befriedigung niederer Instinkte. Das ist eines Menschen mit Verstand und Bildung nicht würdig. Senf und Schundhefte machen nun mal dumm.

Welch ein Blödsinn!

Neudeutsch heißt das: Kein Konsumentenbashing. Das ist eine komplett intolerante Grundhaltung und zeugt von Ignoranz. Vielleicht ein anderes Mal mehr dazu.

Zurück zu den Publikumsverlagen, die versuchen den Massengeschmack mit bewährten Rezepten zu treffen. Hier darf man nur selten Überraschungen erwarten. Manche Verlage halten sich am unteren Ende des kommerziellen Erwartungshorizont kleine Nischen. So wie bei Random House  die Sparte Heyne Hardcore. Oder man experimentiert unter dem Label ›Digital First‹ wie Lübbe mit Publikationsformen. Es gibt da hier und noch weitere Formen des überschaubaren Experiments. Aber das Gros des Programms (und das was auch letztlich das Geld bringen muss), kommt auf bewährter Schiene daher.

Steampunk ist ein gutes Beispiel. Offensichtlich hat dieser oder jene Verlag das kommerzielle Potential hinter dem Begriff überschätzt und gemerkt, dass das Ganze eher Kassengift ist. Auf der Buchmesse nun konnte man diese oder jene Veröffentlichung sehen, die man allein vom Titelbild her in dieses Subgenre einpassen könnte. Aber sagt man denen das, tritt die Panik in die Augen und man erwartet förmlich, dass das Kreuzzeichen gemacht wird und die anwesenden Verlagsmitarbeiter, Forken und Fackeln herauszuholen beginnen und dich wie eines der klassischen Hollywoodmonster durch die Halle jagen. Das sei kein Steampunk heißt es dann, das seien (so zumindest eine Ausrede) Abenteuer in einer alternativen Zeitlinie … Nun gut, das kommerzielle Potential von Steampunk wurde eben überschätzt und nun bringt man eben das Angekaufte unter indifferenten Bezeichnungen heraus.

Große Verlage sind zum Verkaufen verdammt. Da ist eben nur bedingt Raum, um sich experimentellen Stoffen zuzuwenden.

Wer Experimente (mehr oder weniger gelungen) lesen will, der wende sich dann bitte den Verlagen zu, die klein bis mittelgroß sind und sich ihre Nischen suchen müssten und keinen riesigen Apparat am Leben erhalten müssen. Ihre Aufgabe ist es, Dinge zu probieren und dem Leser abwechslungsreichen Lesestoff zu bieten. Das ist Teil der Verlagspolitik, das ist Teil der Überlebensstrategie.

Wer glücklich ist mit der Strategie der großen, der möge sich dort bedienen. Wer nicht so glücklich ist damit, der sollte nicht meckern, sondern die Augen aufmachen, das Netz und kleinere Buchhandlungen durchforsten und das Außergewöhliche finden. Nur etwas wirklich Neues wird er nicht mehr finden, denn im Gegensatz zur Technik ist bereits jede Situation einmal erzählt worden. Heute gilt es die Variation, das Außergewöhnliche zu finden. Davon gibt es immer noch was.

Aber interessante Dinge lassen sich immer finden. Der Interessierte darf nur nicht den Fehler machen, seine Interessen zum Massengeschmack zu erklären … und dort auch zu suchen.

Die moderne Publikationslandschaft macht genügend Angebote. Selfpublishing und kleine bis mittelgroße Verlage bieten da Möglichkeiten. Lasst die großen Verlage ihre Aufgaben erfüllen und indifferente Massen bedienen …


 

Kommentare  

#1 Kerstin 2013-11-01 11:22
Nun ja. Recht hast du wohl, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass man ziemlich aufgeschmissen ist, wenn man einkaufen will und selber keine Massenware ist.

Das gilt natürlich für alle Arten von Waren. (Ich bräuchte dringend Klamotten für den Winter, aber in den Läden gibt es scheinbar nur noch Puppenkleidchen und Kindergrößen. Wenn ich nach einem Pullover frage, zeigen sie mir ein langärmliges T-Shirt. He, ich will den Winter nicht in Florida verbringen, sondern hier, wo man was Warmes braucht!)

Wer mein Geld haben will, muss mir auch was dafür bieten, sonst behalte ich die Kröten. Und gerade bei Literatur ist doch das Schöne, dass so viele gedankliche Experimente möglich sind, man die Abenteuer im Geiste erleben könnte und dabei ohne Gefahr für Leib und Leben bequem im Sessel sitzen kann. Aber wenn ich immer dasselbe will, kann ich mich vor die Waschmaschine setzen und gucken, wie die Wäsche hinterm Bullauge routiert. Das ist dann noch abwechslungsreicher.
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#2 Guido 2013-11-01 11:55
Auch kleinere und mittlere Verlage sind zum "Verkaufen verdammt", denn nur so können sie Rechnungen bezahlen. Man experimentiert, ja, aber nicht viel anders als große. Verlage, die meinen nur experimentieren zu müssen, verschwinden über kurz oder lang wieder unbemerkt und stellen meist heimlich ihre Tätigkeit ein.
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#3 Lefti 2013-11-01 13:18
Jaja-ja!
Ja!
Die Sache mit dem Steampunk...
Fragt man Leute über 45 was Steampunk ist, wissen das die meisten nicht.
Und fragt man junge Menschen unter 15, dann wissen die das auch nicht. :-|
Dazu kommt noch, dass echte 'Gurken' als Steampunk verwurstet wurden: Alternativuniversen und -szenarien, in denen die Welt auf einer Spindel aufgezogen auf mechanischen Bahnen, wie in einer Uhr, um die Sonne kreist...
Nun ja, wer soll so einen Sxxxxß lesen? :-x
Davon abgesehen ist Steampunk genauso nischenträchtig, wie ein Spacewestern.

Zitat:
Das klappt nicht immer. Sonst wären die Wühltische nicht immer so voller preisreduzierter Bücher...
Ich weiß nicht, wo Du Dich immer so oft 'rumtreibst, aber Wühltische für Bücher habe ich schon Jahrzehnte nicht mehr gesehen. Aber vermutlich liegt das daran, dass ich schon seit Jahrzehnten kein Kaufhaus mehr betreten habe (gibts die überhaupt noch? ;-) ) und Bücher und Dergleichen nur online oder in entsprechenden Nerd- und Geek-Insider-Fachgeschäften kaufe.
Ich denke das ist auch der springende Punkt. Insider und natürlich auch angehende Insider, also quasi Neulinge - ja es gibt diesen besagten Nachwuchs -, die sich für Specialinterest und echte, richtige Bücher interessieren, werden eben nur online und in entsprechenden Fachgeschäften fündig. Diese Leute stehen auch eher auf 'richtige' Bücher. - Will heißen: diese Leute greifen - wenn sie die Wahl haben - lieber zu einem Hardcover, denn zu einem Paperback.
Solche Leute sind gegenüber der Mainstreammasse natürlich verschwindent gering, so dass auch entsprechende Bücher nur gering verkauft werden, dementsprechend geringe Auflagen haben und es auch nur wenige solcher Geschäfte gibt, in die man sich 'verirren' kann. Hat man solch ein Geschäft für sich gefunden, darf man sich zurecht als 'Insider' bezeichnen.
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#4 Kerstin 2013-11-01 14:32
Lefti:

Wühltische mit Büchern sehe ich schon noch hin und wieder, aber da ist meist so ein unterirdischer Mist drin, dass ich das nicht mal geschenkt haben möchte, geschweige denn 3 Euro bezahlen (sowas kostete früher 1 - 2 DM!).

So einen Insider-Buchladen mit wirklich interessanten Büchern hätte ich auch gern in der Nähe. Aber hier in der Stadt scheint das Sortiment hauptsächlich auf seichte Lektüre mit viel Gefühlsschmalz spezialisiert zu sein. Ach ja, eben das, was Frauen so gern lesen. Im Prinzip eine modernere Variante des Lore-Romans, aber teurer und dicker. Nicht, weil mehr Handlung drin wäre, sondern weil ja auf jeder Seite durchkommt: Ach, was sind wir doch so toll, wir gehen andauernd shoppen und kleistern uns die Schminke dick ins Gesicht, um unser mickriges Ego aufzupolieren.

Dann verzichte ich lieber darauf, als Frau bezeichnet zu werden, wenn so ein Gesülze dazugehört, um im Club aufgenommen zu werden. Mir ist auch aufgefallen, dass die meisten der von mir bevorzugten Autoren Männer sind. Da kann ich die Story am besten verfolgen und die Logik nachempfinden.
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#5 Jonas Hoffmann 2013-11-04 07:49
In gewisser Weise erinnert mich dieser Artikel an dem Blogbeitrag dieser Fr. Berg, der hier kontrovers verrissen wurde.

Die Zeiten des Mäzentums sind halt weitgehendst vorbei. Am Ende wollen die Mitarbeiter Geld sehen.
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#6 Reader 2013-11-25 18:17
Zitat:
interessante Dinge lassen sich immer finden
Finde ich ein gutes Motto zur Auswahl von Büchern, eBooks, Comics, usw ...

Alternativ dazu bleibt das Geld eben im eigenen Besitz. Wenn man sich selbst eine Geschichte schreibt, kann man die ja auch kostenlos lesen. :D

Thema Bücherwühltisch:
Paar Meter von dem Internetcafe in dem ich gerade bin, gibt es in einer Buchverkaufsstelle auch "Angebote" ab 3,50 Euro.
Inzwischen finden sich dort auch schon "preisreduzierte Mängelexemplare" für 4,50 Euro.
Gleich daneben der neue Asterix, der auch schon 6,50 Euro kostet.

Was ich da vorziehe? Derzeit Beiträge auf Foren- oder Blogseiten. Genauso interessant, aber eben nicht so teuer.
Geld gebe ich aus, wenn ich für mich einen angemessenen Grund finde.

Allen viel Spaß hier
Reader
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#7 Kerstin 2013-11-27 10:42
4,50 € für ein Mängelexepmlar ... Hätte früher ein solches Buch 9 DM kosten sollen, hätte der Verkäufer wohl Prügel riskiert.

Wenn man aber mal guckt, was da in der Ramschkiste landet, so sind das oft gerde die Werke, die die Verlage als massentaugliche Mainstream eingestuft hatte. Außergewöhnliches ist da selten zu finden, das ist mehr so der übliche Einheitsbrei, der x-te Abklatsch eines ursprünglich erfolgreichen Plots, bei jedem Aufguss dünner und fader geworden.

Und Kochbücher in Massen, das ist mir aufgefallen. Die scheinen ja auch wenig sinnvoll, wenn auf der Zutatenliste so extotische Sachen stehen, die man nicht kennt und auch im weiten Umkreis nirgends kaufen kann. Guckt da eigentlich im Verlag keiner drauf?
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#8 Reader 2013-11-29 05:13
Zitat:
4,50 € für ein Mängelexepmlar ... Hätte früher ein solches Buch 9 DM kosten sollen, hätte der Verkäufer wohl Prügel riskiert.
*grins* 9 DM war mal der Preis, den ich für neue Bücher ausgegeben habe. Auf die Idee, das mal für "preisreduzierte" Bücher zahlen zu müssen, wäre ich damals nicht gekommen.

Aber wie Absurd solche Preise manchmal sein können erlebte ich bei der Euroeinführung.
Damals gab es 5 DM Bücher, die dann für 3 Euro "preisreduziert" angeboten wurden.
Den Hinweis, eine Preisreduzierung sollte möglichst nicht teurer sein als der Neupreis, wurde leider ignoriert. Daher blieben die Bücher von mir ungekauft.

Manchmal findet sich was, das sich zu kaufen lohnt. Aber es ist selten.

Was es zu kaufen gibt, hängt auch vom Laden ab wo man den Wühltisch findet.
Ein Bekannter hat so massenweise Reiseführer bekommen.

So ein exotisches Einheitsbrei-Kochbuch ist sicher mal interessant durchzublättern, aber kaufen würde ich mir wohl schmackhafte Hausmannskost.
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#9 Kerstin 2013-11-29 09:12
Gestern habe ich bei Obi (ja, der Baumarkt!) einen Wühltisch mit Taschenbüchern gesehen, preisreduziert auf 3,50 € (wahrlich ein Schnäppchen!). Habe mal grob drüber geguckt: Das waren überwiegend Fortsetzungen aus irgendwelchen Serien, die ich nicht kannte. Das müsste ja schon ein Riesenzufall sein, wenn ein Heimwerker des Weges kommt, dem genau das noch fehlt! Und der das auch auf Deutsch lesen kann, nicht nur auf Russisch.

Bücher im Baumarkt, da kann ich nur den Kopf schütteln. Irgendwann lassen sich dann die Schlipsträger wieder dafür feiern, dass die Kette sich auf das eigentliche Kerngeschäft besinnt, nämlich Farbe, Tapeten, Fliesen usw. Das soll dann die große Neuerung sein, für die sie 7 Heiligenscheine verdient haben.

In der größten örtlichen Buchhandlung sieht es mittlerweise immer mehr aus wie im Barbie-Haus. Bücher und Schreibwaren reichen angeblich nicht mehr, um kostendeckenden Umsatz zu machen. Der Inhaber ließ sich kürzlich in der Zeitung zitieren: "Wenn der Kunde rosa Mäuse kaufen will, müssen wir dafür sorgen, dass wir rosa Mäuse haben."

Diese rosa Mäuse kommen dann als Weinflaschen daher, Marmelade, Kinderspielzeug, Taschen, Schlüsselanhänger, Deko- und Geschenkartikel aller Art, quietschbunt und zu nichts nütze. Ich bestelle daher lieber bei Amazon, da verätze ich mir wenigstens nicht die Augen beim Einkauf an den grellen Farben und erspare mir die Wutausbrüche ungezogener Kinder ebenso wie die Wartezeiten vor der Kasse. Bei einer Buchhandlung erwarte ich ein seriöses Ambiente, nicht so einen Gemischtwarenladen an Albernheiten.
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#10 Larandil 2013-11-29 09:55
zitiere Kerstin:

In der größten örtlichen Buchhandlung sieht es mittlerweise immer mehr aus wie im Barbie-Haus. Bücher und Schreibwaren reichen angeblich nicht mehr, um kostendeckenden Umsatz zu machen. Der Inhaber ließ sich kürzlich in der Zeitung zitieren: "Wenn der Kunde rosa Mäuse kaufen will, müssen wir dafür sorgen, dass wir rosa Mäuse haben."

Diese rosa Mäuse kommen dann als Weinflaschen daher, Marmelade, Kinderspielzeug, Taschen, Schlüsselanhänger, Deko- und Geschenkartikel aller Art, quietschbunt und zu nichts nütze. Ich bestelle daher lieber bei Amazon, da verätze ich mir wenigstens nicht die Augen beim Einkauf an den grellen Farben und erspare mir die Wutausbrüche ungezogener Kinder ebenso wie die Wartezeiten vor der Kasse. Bei einer Buchhandlung erwarte ich ein seriöses Ambiente, nicht so einen Gemischtwarenladen an Albernheiten.

In der größten Buchhandlung, möglicht auch noch in Zentrumsnähe der Innenstadt oder in einer mehrstöckigen Einkaufsgalerie - da darfst du auch nichts anderes erwarten. Mit dem Verkauf von Büchern alleine kann man dort die Miete nicht mehr bezahlen. Seriöses Ambiente gibt's in den kleinen alten Läden in den Nebenstraßen, und auch da kommen die Leute inzwischen hin, um das Buch mal probezulesen, bevor sie es sich bei Amazon bestellen. Dann kriegt der Buchhändler auch schon mal zu hören: "Das ist ja ein Ansichtsexemplar. Da müssen Sie mir schon im Preis entgegenkommen."
Immerhin kommen sie nicht gleich mit dem Buch in der Hand zu ihm und fragen, wo der Kopierer steht.
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#11 Lefti 2013-11-29 12:42
@Gerstin:
Es ist nicht alles Gold, was internetet.
Durch das Internet und dadurch, dass das Internet auf jedem Gerät nun auch unterwegs zu jeder Zeit an jedem Ort verfügbar ist + den eReadern/eBooks, ist der komplette(!) Printmarkt zusammengebrochen, bzw. bricht gerade zusammen.
Selbst große Ketten wie Hugendubel machen Filialen dicht, wie Larandil schon drauf hingewiesen hat, da die Mieten (insbesonderen in den Arcaden und Malls) nicht mehr bezahlt werden können.
zitiere Kerstin:
In der größten örtlichen Buchhandlung sieht es mittlerweise immer mehr aus wie im Barbie-Haus. Bücher und Schreibwaren reichen angeblich nicht mehr, um kostendeckenden Umsatz zu machen.

Deine Buchhandlung versucht zu überleben und ist daher gezwungen sein Produktportfolio zu verändern.

Wenn man außerhalb des Internet shoppen geht, dann muß das ein Erlebnis sein.
Und so ein Erlebnis hast Du doch nach Deiner Aussage: zitiere Kerstin:
... verätze ich mir wenigstens nicht die Augen beim Einkauf an den grellen Farben und erspare mir die Wutausbrüche ungezogener Kinder ebenso wie die Wartezeiten vor der Kasse. Bei einer Buchhandlung erwarte ich ein seriöses Ambiente, nicht so einen Gemischtwarenladen an Albernheiten.
;-)

Tja, Gemischtwarenladen...
Heute nennt man sowas Shop-in-Shop-Konzept.
Der (Insider-Buch)Laden, den ich kenne vertreibt Comics, phantastische Bücher, Pen-&-Paper-RPGs, Action-Figuren usw.
Ist das ein Gemischtwarenladen für Dich oder eher ein Spezialgeschäft? :roll:
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#12 Larandil 2013-11-29 16:14
Wo es gerade um Experimente geht: heute im Zeitschriftenladen habe ich eine neue Heftserie gesehen. Von Bastei. Und es geht um ...?
"Shadows of Love". Und wem jetzt "50 Shades of Grey" einfallen, der liegt mitten im Ziel.
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#13 Kerstin 2013-11-29 18:17
Es ist ein Provinznest und das Gebäude gehört der Eigentümerfamilie. Miete ist nicht zu zahlen, und wenn, dann höchstens aus steuerlichen Gründen von der einen Tasche in die andere.

Mag sein, dass der letzte Umbau noch nicht abgestottert ist. Dadurch hat das Gebäude den Charme einer zugigen, unpersönlichen Bahnhofswartehalle gekriegt. Das hat viele Stammkunden ziemlich vor den Kopf gestoßen.

Es gibt keine ansprechend dekorierten Schaufenster mehr, sondern nach drei Seiten sind da Glaswände, die freien Blick auf die Nachbargebäude in unterschiedlichem Pflegezustand, das schlechte Wetter, Autos und vorbeihetzende Fußgänger gewähren. In Ruhe und Gemütlichkeit stöbern, das geht da gar nicht mehr, man fühlt sich getrieben und gehetzt. Eine Buchhandlung muss für mich auch die Entspannung versprechen, die ich beim Lesen finden will.

Eine Modernisierung war schon angebracht, aber für einen Bruchteil des Geldes hätte man das geschmackvoller hingekriegt, wenn es nicht auf Biegen und Brechen hypermodern hätte ausfallen müssen. Dabei passt das gar nicht in das Umfeld und die Mode wird wohl schneller wieder vorbei sein, als sie diesen Umbau abzahlen können.

Schwierig auch mit den Parkplätzen. Das kann nun der Buchhändler nicht wirklich beeinflussen, aber die Stadt müsste sich was einfallen lassen. Gleich hinter dem Gebäude ist das städtische Parkdeck. Die Parklücken reichen gerade so für für Smart, Gogomobil und Mini, und selbst da muss man beim Aussteigen schon den Bauch einziehen. Mit meinem ziemlich großen Pick-Up habe ich ums Verrecken keine Chance, auch nur die engen Kurven um die Pfeiler rangieren zu können. Kürzlich beim Parkhaustest vom ADAC war die Bewertung für dieses Parkdeck auch entsprechend schlecht, ebenso für das Parkhaus, wo ich auch gar nicht erst reinfahren brauche. Tja, auch die Parksituation entscheidet, ob ein Käufer ins Städtchen fährt oder ins Internet geht.

Ich denke, ich halte mich demnächst stärker an die andere, die kleine Buchhandlung, wenn ich wirklich vor Ort kaufen will. Die ist in einem uralten, windschiefen Fachwerkhaus, ein schmales Gebäude mit vielen verwunschenen Ecken und Winkeln. Und Parkplätze sind in der Nähe, wo ich die Chance habe, auch mal mein Auto abstellen zu können.

Es gibt dann noch eine dritte Buchhandlung, die wohl in die Defintion Spartenbuchhandlung passen wird. Die haben nur ganz fromme Bücher, alles mit Kirche, Jesus und Bibel und so. Da werde ich mit Sicherheit nichts finden, was mich interessiert.
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