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Ein eigen Ding – Die Freiheit, dumm sein zu dürfen

Waldo's wahnsinnEin eigen Ding
Die Freiheit, dumm sein zu dürfen ...

... und dies auch öffentlich zu zeigen.

Artikel 5 (Absatz 1) des Grundgesetzes lässt uns wissen:
 Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.


Hallo, ich bin es, der Waldo!

Ich treibe Menschen in den Wahnsinn. Nun habe ich mich der Redaktion des Zauberspiegel-online angeschlossen, um von meinen Erlebnissen mit Deppen, Dumpfnasen und Laberbacken zu erzählen, die das Leben (im Internet) mit Dummheit, Besserwisserei und Größenwahn füllen.

Und es gibt sie in jedem Forum, in jeder Kommentarfunktion, in vielen (verdammt vielen) Blogs. Sie lauern hinter jedem Post. Diese geistigen Tiefflieger tun alles, um das Leben der anderen so beschwerlich wie möglich zu machen.

Nun folgt mir dann und wann zu den Aschtonnen des Internets. Zu denen, die
von den tierischen Reflexen des Rückenmarks und den Urinstinkten des Stammhirns gesteuert werden und daraus ihr Lebensglück ziehen.

Folgt mir zu den Dösbaddeln der neuen und alten Medien. Ich zeige sie euch ...

Es gibt Meinungen, die sind letztlich in ihrer Substanz unantastbar. Die braucht man nicht zu teilen und doch sind sie tabu. In diesen Fällen geht es um Geschmack. Wenn Sie also das Kino verlassen und sich bestens unterhalten fühlten und hinter ihnen bringt jemand lautstark seine Abneigung über die abgespielte Festplatte zum Ausdruck, können Sie also feststellen, dass Sie diese Abneigung keinesfalls teilen, aber seine Auffassung letztlich respektieren. – Um solcherart Meinung geht es hier nicht. Gerade in Geschmacksfragen wäre eine ›Reichseinheitsmeinung‹ eher schlecht, deutete dergleichen auf einen ›gleichgeschalteten‹ Geschmack hin.
 
Das wäre fatal … und würde viele lustige und produktive Debatten um das persönliche Empfinden - angefangen beim Wetter über die Qualität von Mahlzeiten oder Fußballspielen bis hin zu Medien in ihren unterschiedlichen Ausfertigungen - verhindern. Allerdings sollte sich eben jeder Teilnehmer einer solchen Debatte über diese alltäglichen Dinge bewusst sein, dass er die in diesem Fall durch das persönliche (will sagen: subjektive) Empfinden geprägte Meinung der/des Gegenüber/s zu respektieren hat …

Es wäre ebenso fatal zu glauben, man wäre im Besitz der allein selig machenden Wahrheit und nur das eigene Geschmacksempfinden wäre für alle ein Modell, das sich zu leben lohnt. Geradezu dumm wäre es zu behaupten, der eigene Geschmack wäre wie der Durchschnittsgeschmack. Mir fallen da auf Anhieb so einige Anmerkungen dazu ein. Aber am vordringlichsten ist: Seit wann ist der Durchschnittsgeschmack denn für alle und jeden maßgebend? Schon allein die Bezeichnung ›Durchschnittsgeschmack‹ weist darauf hin, dass da noch jede Menge Platz rechts und links vom Durchschnitt für abweichende Auffassungen zu einem Thema ist.

Aber: Das ist nur ein Teil der Meinung. Ich will das nun folgende mit zwei Zitaten, einer Weisheit und dem Link zur aktuellen Folge »Verfassungswidrig« der Kolumne »As Time Goes By« einleiten.

Das erste Zitat:
»Tatsachen muß man kennen, bevor man sie verdrehen kann.«
Mark Twain
Das zweite Zitat:
»Wenn man keine Ahnung hat: Einfach mal Fresse halten«
Dieter Nuhr
Und die Weisheit: Wer sich eine Meinung bilden möchte, sollte die Fakten kennen.

Es gibt nämlich eine Art von Meinung, die durch die Kenntnis von Fakten und Tatsachen untermauert ist. Eine Art Meinung, die angreifbar ist, die in erster Linie nicht von persönlichen Vorlieben oder Abneigungen abhängig ist. Eine Art Meinung, die auf nachprüfbaren Fakten beruht.

Oder beruhen sollte … denn nicht jeder, der auf seiner Meinung besteht, kennt die Fakten, was immer dann herauskommt, wenn man die Meinung auf den Prüfstand stellt. Da gibt es echte Könige, wie die ausgesprochen verwegene Interpretation des Grundgesetzes (Artikel 5) durch den Gastuser ›Literaturkritiker‹ zeigt (siehe As Time Goes By #156). Da ist sein Gehirn »zeitweilig« abgeschaltet gewesen. Geistige Umnachtung sollte aber auf gar keinen Fall eine Grundlage für eine Meinung sein.

Hier im Falle des ›Literaturkritiker‹ gibt es aber zwei Möglichkeiten. Entweder die bereits erwähnte (permanente oder temporäre) geistige Umnachtung oder aber Boshaftigkeit. Das ist wie die Wahl zwischen ›Pest‹ und ›Cholera‹, und beides ist wenig schmeichelhaft für den, der die Meinung hat.

Nehmen wir doch einmal ein Beispiel von einer gewissen Surrealität. Ich könnte mit Sicherheit auch heute noch (zugegeben etwas ältere) Quellen finden, dass die Erde eine Scheibe sei. Nun stelle ich mich hin und vertrete meine just erlangte Meinung: Unser Planet ist eine Scheibe.

Das ist nun meine Meinung. Wohlgemerkt, ich vertrete nicht die Meinung, dass es geschmackvoller wäre, wenn unser Planet diese Form hätte. Ich bin der Meinung, sie ist eine Scheibe.

Nun gut, da wird es Menschen geben, die das widerlegen wollen. Dabei ziehen sie Quellen heran, die bis in das antike Griechenland zurückreichen werden (und seien wir ehrlich, sie hätten recht). Aber es gibt unter uns Menschen, die nun so gar nicht reagieren würden. Manche würden sagen: »Das ist nun mal meine Meinung. Lasst sie mir doch. Ich habe das Recht, eine solche zu haben. Das Grundgesetz garantiert mir das!« Ja, sie garantiert die Meinung, und kein Gesetz oder Verfassung verbietet es, dass sich so mancher mit seiner Meinung öffentlich mit dem Label »Volldepp« versieht.

Von diesen Herrschaften gibt es viele. Sie haben eine Meinung und wollen sie nicht loslassen. Es wie ein Kind. Sie haben es geschaffen. Und der Schöpfer will nicht einsehen, dass es ihm nicht gelungen ist, etwas von Substanz geschaffen zu haben. Viele sogenannte »Helden der Tastatur« sind solche Vollpfosten. Da fehlt es an Einsicht.

Mark Twain hat diese Typen auch schon gekannt. Er sagte:
Das Recht auf Dummheit gehört zur Garantie der freien Entfaltung der Persönlichkeit.
Andere, die sich eine Meinung zugelegt haben, die nur schwer haltbar ist und kaum einer Überprüfung standhält, machen es anders. Sie sind stur wie fünf Meter Feldweg. Sie disputieren endlos und präsentieren sich (bewusst oder unbewusst) als ›belehrungsimmun‹. Dann verlassen sie die Diskussion mit den Worten, dass das Recht auf ihrer Seite sei und die Angelegenheit für sie damit erledigt wäre. Oder aber sie albern so lange herum, bis auch der letzte Widersacher die (gewollte oder auch ungewollte) ›Belehrungsimmunität‹ zur Kenntnis nimmt und sich zurückzieht. Dann führt unser Meinungsinhaber einen Siegestanz auf, denn er hat ja – so sieht er es unzweifelhaft – RECHT behalten.

Das Perfide daran ist: Man weiß nie, ob es Dummheit oder bewusster Starrsinn war, der diese Leute mit einer Meinung ohne Basis zum Kampfe um dieselbe führte. Aber letztlich ist das auch egal. Lästig sind diese Volldeppen allemal. Sie reiten durch die Lande und ihre Meinung ist ihr Banner. Man möchte ihnen die unsterblichen Worte eines Lothar Matthäus ins Stammbuch schreiben, denn da gehören sie hin und sie sind ihr Leitspruch. Was hat der ›Loddar‹ gesagt? Bitte sehr: "Egal, wie dumm es ist, was du sagst, egal, wie falsch es ist, was du sagst: Du musst die Klappe immer wieder aufmachen."

Dieses Motto umschreibt die Herrschaften. Sie laufen ständig mit Meinungen herum, die auf Halbwahrheiten, schlechter Recherche, Hörensagen und schlichtem Irrglauben beruht und damit belästigen sie die Welt. Sie können oder wollen nicht lernen. Und seit es das Internet gibt … ja, da kommen die Pappnasen immer weiter.

Ein unbekannter Schöpfer schuf diesen Spruch:
»Meine Meinung steht fest, bitte verwirren Sie mich jetzt nicht mit Tatsachen.«
Aber sie werden es nie begreifen und sind daher - wie König Bruno, der Fragwürdige in »Jabberwocky« sagt, »so amüsant wie Hämorriden, die jucken«.

Kommentare  

#1 Thomas Rippert 2012-04-13 10:40
Wäre sicher ein toller Artikel, wenn man auch was lesen könnte außer:

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#2 Harantor 2012-04-13 13:05
Jetzt gehts ...
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#3 Kerstin 2012-04-13 22:31
Waldo,

deine Beiträge zu lesen ist ein Vergnügen.
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#4 Alter Hahn 2012-04-18 07:02
Nicht nur die Dummheit schützt unser Grundgesetz - sondern auch die Religionen - de facto also den Glauben. Und so sage ich nicht zu jemandem, den ich in alle mulivianischen Höllen wünsche nicht den Satz: "Du bist ein Arschloch!" - sondern "Ich glaube, dass du ein Arschloch bist". Und schon kann mich kein Richter schuldig sprechen - denn ich habe ja nur öffentlich meinen Glauben bekannt... und das schützt das Grundgesetz...
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