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Mädels auf Reisen

Schrott auf DVD und BluRayMädels auf Reisen

Was ist ein schlechter Film? Nun, diese Betrachtung ist sehr subjektiv, denn es liegt immer im Empfinden des Zuschauers.

Filme die ich schlecht finde muss ein anderer nicht zwangsläufig auch so ansehen. Für mich sind zum Beispiel die weitaus meisten der heutigen A-Filme schlecht. Da wird es manch einen Leser geben, der nun die Stirn runzelt und ein Fragezeichen über dem Kopf trägt.

Zu den beliebtesten Motiven im Horror-/Thriller-Genre gehört jener Ablauf: Eine junge Frau (häufig auch zwei oder mehr Mädels) befindet sich auf einer Reise. Die Gründe dafür sind verschieden, aber alles endet immer irgendwie damit, dass sie entweder entführt und gefangen genommen wird/werden und/oder einem horriblen Geheimnis auf die Spur kommen. Abgeschieden von der Welt sind sie auf sich allein gestellt und müssen ihren "Mann" stehen. Die meisten dieser Filme sind extrem billig und mit simpelsten Mitteln hergestellt worden, da sie auch oft keine aufwändigen Drehorte brauchen. So wie die folgenden drei …

All Girls WeekendAll Girls Weekend (2016)
(ALL GIRLS WEEKEND)
mit Jamie Bernadette, Katie Carpenter, Gema Calero, Karishma Lakhani, Sharron Calvin.
Regie: Lou Simon
Wie gesagt, die günstigste Möglichkeit einen Film zu machen ist, dafür eine Location zu nutzen die nichts kostet. Also begibt man sich in die Natur, wo man seine Kameras aufstellen kann und wo man möglichst ungestört bleibt. Man reduziert den Cast auf fünf Mädels und strickt eine simple Story, die keine der Darstellerinnen überfordern könnte.

Hinter dem Regie-Namen Lou Simon verbirgt sich eine Dame kubanischer Herkunft. Sie begann irgendwann mit dem Schreiben von Drehbüchern für die Tonne, bis sie auf den Gedanken kam diese Stories selber zu realisieren. Also übernahm sie gleich noch den Job der Regisseurin und der Produzentin. Angaben über die Budgets, die ihr zur Verfügung standen/stehen, gibt es nicht, aber vermutlich würden selbst die Produzenten der Billigschmiede von TheAsylum die Augen verdrehen. ALL GIRLS WEEKEND ist bereits der vierte Film von Lou Simon.

Fünf Mädels brechen auf in ein Wochenende, das sie in einem abgelegenen Hotel verbringen möchten. Sie haben sich seit der Highschool nicht mehr gesehen und wollen auf diese Weise ihre Freundschaft erneuern. Sie parken ihr Auto irgendwo in der Wildnis und versuchen ihr Ziel mittels Wanderung zu erreichen. Das erweist sich bald als schwierig, denn sie scheinen immer im Kreis zu laufen. So sehr sie sich auch bemühen, sie finden keinen Weg aus dem Wald heraus. Bald ist ein erstes Opfer zu beklagen, Annie (Sharron Calvin) verletzt sich und stirbt an schnell fortschreitendem Wundbrand. Die Nächste, Stephanie (Karisma Lakhani), segnet ob des Erstickens unter Laub das Zeitliche. Nancy (Jamie Bernadette) wird von einem Bären dahingemeuchelt. Gem (Gema Calero) wird von Daniela (Katie Carpenter) ermordet. Da taucht Nancy wieder auf, sie konnte sich erfolgreich gegen den Bären zur Wehr setzen. Nun versucht Daniela auch sie umzubringen, scheitert jedoch und wird von dem Wald getötet. Ja, so ist es, denn der Wald fordert Blut, damit man ihn ungeschoren verlassen kann. Nancy darf als Überlebende nach Hause, doch sie ist längst ein Teil des Fluches und wird neue Opfer bringen.

Jau, Bäume! Man sieht sehr viele davon in diesem Film. Abgesehen von einer kleinen Prologsequenz spielt sich das ganze Geschehen im Wald ab. Oh, es gibt ein verlassenes Haus und eine zerfallene Mühle – immerhin. Nein, es handelt sich hier eindeutig um eine filmische Studie über Bäume, nur leider wird uns kein Fachwissen vermittelt. Na gut, sie können Wispern, sie können ihr Laub dirigieren und Äste selbstständig bewegen. Sollte nun manch ein Mensch glauben, dass man hier tolle Spezialeffekte zu sehen bekommt? Nö, beim Laub haben ein paar Leute kräftiger gepustet, die Äste wurden zur Seite in das Off gezogen.

Die Schauspielerinnen, wollen wir sie mal so nennen, tragen meistens unbewegte Gesichter zur Schau. Einzig Jamie Bernadette in der Rolle der Nancy kann auf eine beachtliche Liste von Horrorfilmen zurückblicken, von denen leider kaum einer den Weg über den großen Teich zu uns geschafft hat. Immerhin besitzt sie Erfahrung und als Einzige so etwas wie Mimik. Demnächst wird wohl ein weiterer Film mit ihr kommen. Angekündigt ist nun eine offizielle Fortsetzung zum Original I SPIT ON YOUR GRAVE (1978), in der sie die Hauptrolle spielt. Die anderen Mädels in diesem Film haben nur ein paar Gastauftritte in TV-Serien hinter sich – wo sie auch nicht sonderlich in Erscheinung getreten sind.

Über das Handwerk des Films legt man besser den Mantel des Schweigens. Eine Bildsprache bleibt aus, die Kamera hält lediglich drauf. Die Spezial- und Maskeneffekte sind selbst einem Amateur eher peinlich. Toll auch die Sache mit dem Bären. Der wurde aus einem Dokumentarfilm eingearbeitet. Das Ganze wurde dann mit der Darstellerin so gegen geschnitten, dass es wie ein Angriff wirken soll. Leider hat es nicht funktioniert, man merkt diesen Betrug zu deutlich. So findet der Film denn auch komplett keine Gnade in den Augen der Rezensenten im Netz. Fast durchweg ist von einem der schlechtesten und langweiligsten Horrorfilme die Rede. Es muss auch nicht verwundern, denn das Tempo gleicht dem einer Rennschnecke, außerdem spielt das Geschehen zu mehr als 90% bei vollem Tageslicht in einem Wald, dessen Baumbestand noch nicht einmal besonders dicht ist.

Warum ich das Ding irgendwie trotzdem mag? Ich habe schon immer ein Faible für naiven Blödsinn gehabt und dieser schlägt jedem Fass den Boden aus. Der Film ist mir deshalb sympathisch, weil er eigentlich alles falsch macht was man falsch machen kann. Er besitzt keine annehmbare Dramaturgie, die Darstellerinnen sind, wie schon erwähnt, hölzern, das Drehbuch ist 'ne Gurke, das Handwerk ist Bodensatz. Es ist nur so, dass ich hinter all dem einen Willen sehe, ein Gefühl dafür, dass ein spannender Film geschaffen werden sollte, man es nur nicht besser konnte. Trotzdem, die vielen vernichtenden Kritiken, die ich gelesen habe, existieren zurecht. Eigentlich ist es unzumutbar sich diesen Film anzuschauen.

Five Across the EyesFive Across the Eyes (2006)
(Five Across the Eyes)
mit Sandra Padurch, Danielle Lilley, Mia Yi, Angela Brunda, Jennifer Barnett, Veronica Garcia.
Regie: Greg Swinson, Ryan Thiessen
Bleiben wir in den Gefilden des Low- bzw. No-Budget Films und wenden uns fünf anderen jungen Damen zu. Da ergab es sich im Jahre 2005, dass die Film-Junkies Greg Swinson und Ryan Thiessen einen eigenen Kinofilm drehen wollten. Sie wohnten in Tennessee, ganz in der Nähe jener Hütte, in der Sam Raimi seinen No-Budget-Klassiker THE EVIL DEAD (Tanz der Teufel, 1981) entstehen ließ. Angespornt durch die Tatsache, dass jener Film zu Weltruhm gelangte, entschieden auch sie sich für einen drastischen Horrorfilm. Sie bekamen das Drehbuch eines Mannes namens Marshall Hicks in die Finger, welches die Story von fünf jungen Mädels erzählte, die von einer Psychopathin terrorisiert werden. Nun, so ganz entsprach es nicht ihren Vorstellungen, zumal einige Bestandteile den finanziellen Rahmen sprengten, Also schrieben sie das Ding um. Heraus kam dann Folgendes:

Fünf Teenagegirlies (College-Studentinnen) befinden sich auf der Rückfahrt von einer Party. Sie verfahren sich mit ihrem Van in einer gottverlassenen Gegend und verursachen zudem einen Crash mit dem einzigen Auto das es hier zu geben scheint. Da der Halter des Fahrzeuges nicht anwesend ist begehen die Mädels Fahrerflucht. Doch schnell müssen sie feststellen, dass sie wohl beobachtet wurden, denn das Auto folgt ihnen. Bald werden sie zum Halten gezwungen und von nun an beginnt eine Tortur. Dem Wagen entsteigt eine Frau die sich sehr schnell als grausame Sadistin entpuppt, die Mädchen erniedrigt und ihnen auch körperlich zusetzt. Die hysterischen Mädels versuchen zu fliehen, doch das gelingt nur phasenweise, denn sie werden immer wieder eingeholt und weiter gefoltert. Schließlich aber können sie doch den Spieß umdrehen und die Irre überwältigen. In einem Rausch aus Verzweiflung, Rache und Wahnsinn bringen sie die Frau um und verbrennen ihre Leiche.

Warum das alles geschieht? Also bitte, wer will denn so etwas wissen? Wir werden lediglich irgendwann gewahr, dass die Namenlose offenbar ihre ganze Familie umgebracht hat und deren Leichen im Kofferraum versteckt hält. Da sie nun in dem Glauben ist, dass die Teenies die Toten entdeckt haben, fällt sie über die Mädels her. Warum sie diese dann, trotz Waffenbesitzes, nicht einfach über den Haufen schießt? Der Film soll schließlich Spielfilmlänge erreichen. Tatsächlich ist er 95 Minuten (zu) lang geworden.

Die sechs Schauspielerinnen besorgten sich unsere angehenden Regiegiganten über Agenturen, von denen es viele in den USA gibt. Jeder noch so talentlose aufstrebende Leinwandstar wird gerne für eine entsprechende Provision vermittelt. Wer weiß, was die Produzenten/Regisseure den Ladies versprochen haben, denn deren Gage muss gering ausgefallen sein. Das Budget des Films betrug ganze 4000 Dollar.

Die beiden Jungs besaßen drei Digital-Handkameras, mit denen sie das Geschehen einfingen. Aus der Not macht man eine Tugend. Da gab es doch einen anderen No-Budget-Hammer mit dem Titel BLAIR WITCH PROJECT (1999). Der war sogar so einflussreich, dass er ein eigenes Genre kreierte, nämlich den "Found-Footage-Film". Also entschlossen sie sich, dem Film einen realistischen Look zu geben, indem sie die Kameras immer wieder die Blickwinkel der Tussies einnehmen ließen. Das Ganze noch in etwas verwackelter, verwaschener und farbschwacher Bildqualität, da denkt doch jeder er sei mittendrin.

Der Schuss ging, zumindest in der Vermarktung, nicht einmal nach hinten los. Sie konnten den Film sowohl auf einigen Festivals unterbringen wie auch für den Heimkinomarkt verkaufen. In den USA brachte die renommierte Firma Anchor Bay das Ding auf den Markt, in England Lionsgate. In Deutschland erschien er bei Atomikfilms im Vertrieb von Ascot Elite. Er hatte übrigens arg mit der FSK zu kämpfen, die dem Film trotz zweimaliger Vorlage eine Freigabe verweigerte. Offenbar war man wenig angetan von der Thematik, die bis hin zur Selbstjustiz reichte. So kam der Film schließlich nur in einer um 5 ½ Minuten geleichterten Fassung auf den Markt. In Österreich vertrieb Atomikfilms dann eine ungeschnittene Version. Äh, es kann wirklich nur das Thema sein. Bis auf jene drei Minuten lange Sequenz, in der die Mädels die Peinigerin am Ende regelrecht schlachten (dieses fehlt komplett in der deutschen Fassung), geschieht nichts Schlimmes direkt vor der Kamera – das Meiste findet im Off oder verdeckt statt. Lustig nebenbei: Diese geschnittene Version bekam dann eine FSK-Freigabe ab 16 Jahren. Als eine der härtesten (eigentlich albernsten) Szenen könnte man vielleicht jene bezeichnen: Was geschieht jedem Lebewesen, wenn es Angst empfindet? Richtig, die Analnerven rühren sich. So passiert es einem der Mädels während der Flucht. Sie verrichtet ihr Geschäft in der hohlen Hand und wirft es dann aus dem Fenster gegen die Scheibe des verfolgenden Wagens. Äh – wer kommt denn auf so eine Idee?

Wohl etwa 90 Prozent all jener, die den Film gesehen haben, bewerten ihn negativ bis vernichtend. So sind z.B. in der IMDb 72 Userreviews gelistet, von denen nur 20 Leute über 3/10 Sterne vergeben. Einige von denen können aber nicht verhehlen, dass die Bewertung als Ironie zu betrachten sei. Die meisten Leute geben ihm nur einen oder zwei Sterne. Das Verhältnis ist auch bei Rezensionen auf anderen Seiten nicht anders. Für viele Betrachter gilt er als der schlechteste Horrorfilm aller Zeiten – und ich kann das gut verstehen. Die wackelige Kamera, die grottige Bildqualität, die fehlende Story und das beinahe durchgehende Kreischen und Heulen der Mädels können Kopfschmerzen verursachen. So sind die vernichtenden Urteile vielleicht ein Grund dafür, dass man von allen Beteiligten am Film nie wieder etwas gehört hat – mit einer Ausnahme. Die Darstellerin Danielle Lilley brachte es immerhin über einige Nebenrollen schließlich zur Hauptrolle in dem Horrorfilm BLOOD WIDOW (2014).

Abschließend sei gesagt, dass ich dem Film etwas abgewinnen kann. Es ist leicht, den billigen Look zu verdammen, die unklare Story abzuwinken und die kreischenden Mädels ob dessen als schauspielerisch unfähig abzustempeln. Wir haben es hier mit eher flachgeistigen College-Girlies zu tun - will man da wohlüberlegte Handlungen oder kluge Äußerungen erwarten? Symptomatisch dafür sind folgende Dialogsätze: "Wenn du aus dem Van steigst, dann wirst du sterben. Dann bist du tot und kannst nie wieder shoppen gehen." Das sagt alles, oder? Ich bin kein Freund dieser Wackelkamerafilme, weshalb ich schon BLAIR WITCH PROJECT fürchterlich fand. Trotzdem fand ich das Schauspiel unter den Gegebenheiten und ob der dargestellten Situation ansprechend, die handwerkliche Ausführung ausreichend. Es gibt teurere Filme die weitaus mieser aussehen. Dennoch sollte man mich nicht missverstehen. Es sei jedem davon abzuraten, der seine fünf Sinne beisammen hat. Und wer ohnehin nur höher budgetierte Filme mag, der wird allerspätestens nach drei Minuten schreiend das Weite suchen.

Axe – Killer Biker GangAxe – Killer Biker Gang (2006)
(Greed aka Axe)
mit Darlene Tejero, Andrea Bogart, Jason London, Tim Sitarz, Joe Goodrich
Regie: Ron Wolotzky
Reduzieren wir mal auf zwei Mädels, bleiben aber in den finanziellen Gefilden. Ron Wolotzky realisierte den Film im Jahre 2004, doch er erhielt seine Premiere erst zwei Jahre später. Er sollte sein einziger Kinofilm bleiben. Der Mann war vorher vor allem im Fernsehen tätig, dort in erster Linie als Produzent. GREED, so der Originaltitel dieses Films, war auch insgesamt die letzte Arbeit, danach verliert sich seine Spur. Nebenbei: Eine deutsche Veröffentlichung erschien erst 2013. Wäre letztlich auch kein Verlust gewesen, wenn er gar nicht gekommen wäre.

Zunächst hieß der Film tatsächlich AXE. Nach einigen Screenings vor Testpublikum wurde der Titel jedoch zurückgezogen. Auch wenn darin ein Axtmörder sein Unwesen treibt, so geht es doch um etwas ganz Anderes. Das wurde dann durch einige Umschnitte und Nachsynchronisationen deutlicher gemacht. Jetzt ist das Hauptthema das leidige Geld.

Raven (Darlene Tejeiro) und Ashley (Andrea Bogart) wollen in eine abgelegene Gegend fahren um ein bisschen ihrem Hobby nachzugehen, dem Bergsteigen. Sie fahren mit zwei Motorrädern. Unterwegs machen sie Zwischenstation in einer kleinen Bar, in der Robert (Jason London) arbeitet. Kurz darauf kommt eine Rockergang in die Bar. Die beiden Frauen werden angebaggert doch sie können fliehen. Dazu benutzen sie das Motorrad des Anführers. Es gelingt ihnen die Verfolger abzuschütteln. In einer Tasche finden sie 300000 Dollar. Sie beschließen das Geld zu behalten, stammt es doch gewiss aus einem Raubzug der Rocker. Sie kommen zu einem Motel, wo sie sich für die Nacht einquartieren. Immer wieder geistern Nachrichten herum, wonach Ivan (Tim Sitarz), auch "Der Axtmann" genannt, aus dem Gefängnis ausgebrochen ist. Er läuft durch die Gegend und schlachtet wahllos Leute ab. Am Morgen lernen die Mädels den Besitzer Ned (Joe Goodrich) kennen. Er erklärt sich bereit die Beiden in die Stadt zu bringen. Doch plötzlich tauchen die Rocker auf. Es kommt zu einer Schießerei. Mittendrin erscheint Ivan und metzelt die Lederträger einen nach dem anderen hin. Ned kann ihn außer Gefecht setzen und bringt die Frauen zu Robert, der sich alsbald als Psychopath entpuppt. Die Männer sind nun scharf auf das Geld und setzen die Mädels gefangen. Erneut erscheint Ivan, der einst Geschäftspartner der beiden Männer war und von ihnen hintergangen wurde. Er tötet Ned und Robert und macht dann Jagd auf die Girlies. Sie flüchten auf einen Berg. Ivan folgt ihnen und wird schließlich den Abhang hinunter gestürzt.

Puh, das ist schon derbe. Offenbar reichte eine Story nicht, weshalb gleich mehrere zu einer Geschichte verwurstet wurden. Dabei habe ich noch nicht alles erwähnt. Es gibt auch noch eine Nebenhandlung, in der der örtliche Sheriff und eine Psychologin auf der Jagd nach dem Axtmörder und dem Geld sind. Das ist aber nur aufgesetzt um den Film auf Länge zu bringen. Natürlich erfährt man nichts über den Killer und seinen Hang Alles und Jeden platt zu machen. Der Kerl ist ein Riese, aber offenbar dümmer als Brot. Was letztlich für alle Beteiligten gilt, von den beiden Mädels einmal abgesehen, die hin und wieder recht clever agieren. Das bringt uns zu den Schauspielern. Overacting aller Orten. Da muss man teilweise schon ob der bloßen Präsenz der Darsteller lachen. Keiner von ihnen ist ein unbeschriebenes Blatt. Jason London kann auf eine beachtliche Filmografie verweisen, doch ein Star ist er nie geworden. Nun ja, Tim Sitarz ist eigentlich Stuntman und nur gelegentlich als Darsteller tätig. In seiner Rolle als Axtmann erinnert er mich mehr an Tor Johnson in PLAN 9 FROM OUTER SPACE (1959).

Wer nun aber ob des axtschwingenden Riesenbabys ein Splatterfest erwartet, der wird recht schnell ein langes Gesicht machen. Die Spezial- und Maskeneffekte sind mehr als dürftig und amateurhaft. Spannung kommt irgendwie gar nicht auf, denn dazu tanzt der Film auf zu vielen Hochzeiten. Auch ist das filmische Handwerk nicht gerade genial zu nennen. Und die Motorräder – boah! Die Rockergang düst auf leichten Motorcross-Maschinen durch das urbane amerikanische Steppenland.

Immerhin, im Gegensatz zu den beiden vorherigen Filmen sind die Mädels zwar auch Opfer, aber sie handeln nicht grundsätzlich kopflos. Das hilft dem Film letztlich aber auch nicht. Ja, er ist zuweilen trashig unterhaltsam und atmet tief den Geist der Exploitation-Filme der 70'er, gleichwohl ist es für heutige Verhältnisse schwer sich dem zu nähern. Das Ding hätte 30 Jahre früher entstehen müssen, dann wäre es zwar in der Menge untergegangen, hätte aber sicherlich mehr Leute begeistern können als heutzutage. Der Film ist lachhafter Trash, nicht mehr - aber auch nicht weniger.

Kommentare  

#1 Friedhelm 2018-08-12 10:13
Vorlieben für Trashfilme kann ich doch immer irgendwie nachvollziehen. Ich bin ja selber ein Fan - aber wie bereits schon einmal erwähnt: alles tue ich mir denn doch nicht an.

"All Girls Weekend" hätte ich allerdings tatsächlich fast einmal, in irgendeinem Laden bei uns, gegriffen. Allerdings kam mir schon der "Uncut-Hinweis" nicht geheuer vor. Damit teasen die Vertreiber solcher Machwerke potientielle Kunden ja immer gerne. Dann das Cover und der Text zum Inhalt; dass alles sah für mich ja schon bedenklich nach Mogelpackung aus.
Die anderen Filmchen sind mir total unbekannt.

Aber mal ehrlich, richtig miese Trashmovies gab es ja zu allen Zeiten, Ich kann mich da an so manches Machwerk erinnern, dass ich in den Siebzigern im Kino erduldet habe.

Ich denke da, z.B., an den Rentner-Horror "Die Straße des Bösen/Homebodies", der auf dem verschwärzten Plakat folgendermaßen beworben wurde: "Wenn Sie diesen Film gesehen haben, trauen Sie sich in ihre Straße nicht zurück". Selbstverständlich wurden geweckte Erwartungen in keinster Weise erfüllt.

Das Ding ist dir wahrscheinlich auch bekannt: Im Gegensatz zu heute hatten wir allerdings kaum eine andere Wahl, als den Film anzusehen - weil es damals einfach keine Infos dazu gab.Wir mussten und darauf verlassen, was das Filmplakat "versprach" - wenn es, wie hier aus... gutem Grunde, schon keine ansprechenden Aushangfotos gab.
#2 Laurin 2018-08-12 11:08
Nun ja, ALL GIRLS WEEKEND besitze ich ja auch in meiner Filmsammlung. Muss mir den allerdings nochmals irgendwann ansehen, bevor ich ihn hier für einen Artikel verwursten kann. Zu schnell habe ich da wohl den Handlungsverlauf wieder um wesentliche Abläufe vergessen. Da würde ich jetzt nicht die Bezeichnung "unzumutbar" wählen, aber richtig ist natürlich, dass man die Erwartungen bei diesem Film nicht höher als den Teppichrand ansetzen sollte.

Bei FIVE ACROSS THE EYES hätte ich gar fasst zugegriffen, aber netter Weise erfuhr ich vorher noch, dass man hier auf die Found-Footage-Praktiken zurückgegriffen hatte. Da zuckten meine Finger dann auch schnell zurück, bevor ich eine Bestellung auslösen konnte. Und den Gegner mit Kacke zu bewerfen ... nun ja, dies werden die Mädels wohl unseren tierischen Verwandten abgeschaut haben. Schimpansen machen das nämlich auch. :lol:

AXE - KILLER BIKER GANG hatte mich da wohl schon irgendwie im Vorfeld nie angesprochen. Ich kann mich da vage an das Cover und den Titel noch erinnern. Aber irgendwie verschwand dieser Film auch sofort wieder aus meinem Blickfeld, weil er mich (wohl auch hinsichtlich des bewerbenden Begleittextes) absolut nicht anzusprechen vermochte. Aber so etwas muss es ja auch geben.
#3 Norbert 2018-08-12 17:47
Friedhelm - Natürlich gab es zu allen Zeiten unsäglichen Müll. Wenn ich das ausweiten wollte ... oh Mann. Ich will auch deinen Ergüssen nicht im Wege stehen, wenn es um die 70er geht. Favoriten wie Al Adamson, Ted V. Mikels oder Lee Frost sind für mich Götter. Von Letzterem habe ich kürzlich THE BLACK GESTAPO gesehen – da kann kaum einer der Trashfilme mithalten die ich so kenne.

Laurin - Oooch, ich mag nicht jeden Gurkenfilm zu einem Extraartikel verwursten, das bringt es dann auch nicht. Außerdem würde der Zauberspiegel wohl mit meinem Geschreibsel überfrachtet. Gleichwohl – es gibt eine Unzahl von von Interviews mit Lou Simon im Netz (geschrieben wie auch in Bild und Ton). Könnte man vielleicht mal 'nen Extraartikel draus machen. Ist ohnehin ein weiterführender Gedanke, mich tiefer mit den Machern und Darstellern dieses ganzen Blödsinns auseinander zu setzen. Aber wie schon in der Einleitung erwähnt, ich bleibe im neuen Jahrtausend.
#4 Friedhelm 2018-08-12 20:48
Zitat:
Ich will auch deinen Ergüssen nicht im Wege stehen, wenn es um die 70er geht.
2012 habe ich den B-(Trash)Horrorfilm der70er ja schon verbraten ("Horror im Parkett"")Da habe ich dann versucht, meine eigenen Film-Erlebnisse mit ein paar persönlichen Anekdoten zu versehen.

Demnächst wird's dann wohl weitergehen - da nehme ich dann die Science Fiction-Kracher der 70er aufs Korn - und da ist dann wieder etwas Persönliches dabei.

Ich muss allerdings eingestehen - mir ist das bereits mit den Gruselmovies nicht wirklich zufriendenstellend gelungen - ich habe das alles nie so "akribisch aufgebohrt" wie du das in deinen Artikeln machst. Aber ich würde mich ja eh viel eher als Gelegenheitsschreiber bezeichnen. Meinen Respekt nochmal dafür...
#5 matthias 2018-08-12 21:37
Mir wäre einfach dafür meine Zeit zu schade. Aber Ok, ich sammle Münzen, vorher habe ich Bierdeckel gesammelt. Was ist Zeit? Ihr guckt und sammelt Schrottfilme, ja Ihr sucht diese sogar. Und Ihre gebt dafür Geld aus.
Aber was soll's. Ich hatte mal 20.000 Romanhefte. Wichtig ist, dass ein Hobby uns Männern Spass macht. Und Dir, Norbert, macht Dein Hobby Spass. Das kann man dem Text entnehmen. Lass uns also daran teilhaben...
#6 Heizer 2018-08-13 00:16
Na, da haben wir ja endlich jemanden gefunden, der mit dieser Gendersiffisierung nichts am Helm hat, Kamerad Matthes.....

Ansonsten: ich bin eher der stille Leser, aber da ich nun hier bin, reihe ich mich in die Schleimerreihe da oben ein, sprich: Schöne informative neue Serie.....das erspart allen anderen hier möglichen Ärger......auch zu Hause.
Was mich interessieren würde: was GENAU macht einen Film schlecht.....? Wo ist die Grenze.....? Eine gute Prämisse oder Aussage kann den schlechteren Film immer noch sehenswert machen.
Auf den ersten Blick ist Carpenters „Das Ende“ auch ein billiger, schlecht gemachter Film mit unterkomplexem ( inzwischen ein Unwort ) Schauspiel......
MAD MAX......für den ein oder anderen Zuschauer wohl auch Trash.....zumindest für Laien und Ingmar Bergmann-Freunde... ( Ingmar B. .....das ist mal einer von den richtigen Trashfilmern)
Und bevor Missverständnisse entstehen:
MAD MAX 2 und „Das Ende“ stehen auf meiner Top Dreißig Liste.....MAD MAX 2 unter den Top Ten. Ich glaube dass MAD MaX 1 sogar bis mindestens deutlich in die 90er Jahre rein der erfolgreichste Input/Output-Film gewesen ist. Bin aber nicht sicher.
Filme wie „Das Fest“ , „Mann beißt Hund“ , „Das Loch“, „Das Millionen Spiel“, „Blast of Silence“ , „Supermarkt“ oder „Barry Lyndon“ etc. parken in einer anderen Garage. Das erwähne ich nur, um mich zu „positionieren“.
Die Frage, die ich vielleicht in dem ein oder anderen Artikel beantwortet bekomme lautet: Ab wann/wo ist ein Film nicht mehr vor der Trash-Mall zu retten.... ab wann wird aus aus einem „schlechten Film“ spätestens „Abfall“ ......und wo ist der Punkt, an dem Abfall zu „Dreck“ wird. Diese drei Eskalationsstufen lohnen vielleicht eine nähere Betrachtung.
#7 Norbert 2018-08-13 19:01
Ja, was ist den nun ein Schrottfilm? Vielleicht ist die Überschrift etwas unglücklich, denn nicht jeder billige Quark muss zwangsläufig auf der Müllhalde enden. So bin ich froh, dass auch das Fragezeichen dahinter steht. Eigentlich wende ich mich mit meinen Artikeln auch eher dem Billigfilm zu, der noch weit unterhalb des B-Films liegt. Mir liegt Einiges daran, den Leuten Warnungen auszusprechen, damit sie zumindest ahnen worauf sie sich einlassen. Es wird noch genügend Beispiele geben, wo ich durchaus trotz der Umstände voll des Lobes bin, weil eben auch einige Filmemacher aus dem wenigen Geld etwas Gutes machen. Wie schon erwähnt liebe ich es mich in diesen Gefilden aufzuhalten, deren Bestandteile sich viele Leute nicht einmal mit dem Hintern angucken würden. Deshalb findet man häufig selbst bei jenen Gurken positive Anmerkungen, die eigentlich wirklich nicht ansehbar sind (aktuell in diesem Artikel FIVE ACROSS THE EYES, der tatsächlich unansehnlich mies gefilmt ist).
Als "Dreck" würde ich die allerwenigsten Filme bezeichnen, denn das bedeutet, dass der Film den Zuschauer als solchen beleidigt, hinter das Licht führt oder Bilder veräußert, die selbst unterhalb der Gürtellinie nicht mehr zu akzeptieren wären. In Teil 6 dieser Reihe bekommen wir es mit zwei solcher Filme zu tun.
Ich sehe das genauso, Matthias. Ein jeder sollte glücklich sein mit dem, was ihn interessiert und er ausleben kann. Ich habe in meiner Jugend Frontseiten von Zigarettenschachteln gesammelt – fand ich irgendwie toll. Kein Hobby kann blöd genug sein um es nicht zu verfolgen.
#8 Heizer 2018-08-14 00:04
.....dann sollte ich mit meinen Kommentaren bis Teil 6 warten.....
Oder Du ziehst Teil 6 auf Position 4 vor....Du kannst dann vom 2. Gang direkt in den 4. Gang schalten .....dramaturgisch.....um im 5. Gang zu cruisen
Für die Einleitung: drei schlechte Filme....dann der für E6 angekündigte Artikel....und dann ein paar Sachen, die irgendwo in der Mitte liegen....Stichwort Symbiose.
Außer, du schreibst geplante 160 Artikel.....dann geht die Rechnung nich´ mehr auf.
#9 Heizer 2018-08-14 00:14
Mein letzter Komentar klang evtl . etwas pseudo- instruktiv, weil mich die Ankündigung zu Teil 6 neugierig macht ( der dann in einem Monat käme ?).......wäre schade, wenn ich beizeiten verschlafen würde.....denn:
Im Nachhinein im ZS etwas finden, dauert manchmal.....
#10 Heizer 2018-08-14 00:40
Matthias: Ich meinte meinen Kommentar nicht despektierlich.....ich fand Deinen Kommentar etwas schrullig, aber authentisch.
Geständnis: Und ich habe mir vor etwa einem Jahr den kompletten Satz der „ Knulli Bulli“ - Figuren geordert und ins Regal gestellt.....und das ist noch eine meiner harmlosen Sammlungen.....wer Knulli Bulli nicht kennt, der stammt aus dem falschen Jahrzehnt.

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