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H. G. Ewers: Raumkapitän Nelson - Perry-Rhodan-Planetenroman Band 18

1H. G. Ewers: Raumkapitän Nelson
Perry-Rhodan-Planetenroman Band 18

Im Folgenden will ich hier über die Planetenromane aus der Rhodan-Serie  berichten, die ich nach meiner eigenen Präferenz aus den ersten hundert oder zweihundert Bänden wähle.

Auch einige spätere Bücher können eventuell behandelt werden.

Raumkapitän NelsonHandlung:
Im Jahre 2400 ist Guy Nelson der Eigentümer des Raum­frachters HER BRITANNIC MAJESTY. Das Raumschiff, das sein Urgroßvater vor 190 Jahren als nagelneuen Expressfrachter erwarb, ist inzwischen ein kaum noch raumtüchtiges Wrack. Nelson hat nicht einmal genug Geld, um den Namen ausschreiben zu lassen, so dass nur H.B.M. auf der Außenhülle steht. Auf dem Planeten Haffgus wird Nelson von einem Händler namens Drillbee um die Frachtgebühr geprellt. Nelson, der bereits einigen Bourbon konsumiert hat, ergreift den eher schwächlichen Drillbee und schüttelt ihn kräftig durch, da kommt eine Polizeistreife hinzu und nimmt den Raumkapitän fest. Seine Schwester Mabel Nelson holt ihn später auf der Wache ab. Dank ihres sehr resoluten Auftretens sind die Polizisten so perplex, dass sie vergessen, eine Geldstrafe einzufordern. Nelson ist aber wieder einmal fast pleite.

An Bord der H.B.M. teilt Nelsons Roboter George, den er aus diversen Einzelteilen von Schrottplätzen immer wieder nachgerüstet hat, ihm mit, dass die beiden horviatischen Kinder Richard und Franklin spurlos verschwunden sind. Der Kapitän hatte die Horviater und ihr Haustier Murgh von einem Springer namens Ulkas aus der Ulkas-Sippe heimlich in einer Ladung mit Gockhas, wertvollen Pelztieren, untergeschoben bekommen. Angeblich handelt es sich um schiffbrüchige Außerirdische. Nelson und George suchen und finden die Kinder, die einen Unfall verursacht haben, als sie ein Gleiterband zu Fuß überquerten. Nelson ordnet einen schnellen Start an, bevor es noch mehr Ärger mit den Behörden gibt. Er will den Planeten Rundown anfliegen.

Beim Start verliert die H.B.M. eine Landestütze. Unterwegs ist Nelson überrascht, denn sein Roboter George beginnt zu dichten, und das auch noch sehr gelungen. Anscheinend hat sich diese neue Funktion durch die Verwendung einer Funktionsschablone eines Komponistenroboters und eines Entschlüsselungsroboters ergeben. Drei Reisetage vergehen, dann wird die H.B.M. zwischen zwei Transitionen von der HRALTA I, dem Schiff eines Springer-Parias, überfallen. Nelson blufft den Springer so lange, bis es ihm gelingt, ferngesteuerte Haftladungen an sein Schiff zu bewegen und dessen Waffen und Triebwerke lahmzulegen. Die H.B.M. entkommt.

Nach dem nächsten Hypersprung droht ein Reaktor durchzugehen. Nelson kann nichts mehr tun, das einzige Beiboot ist schrottreif, und alle sehen dem sicheren Tod entgegen. Da lenken die Horviaterkinder zusammen mit Murgh die Energien des Reaktors in den Transitionsantrieb. Das Schiff übersteht die Eruption, macht aber einen weiten Fehlsprung und rematerialisiert nahe dem galaktischen Zentrum, mehr als 31.000 Lichtjahre von der Erde und mehr als 28.000 Lichtjahre von Rundown.

Nelson ist klar, dass die überlasteten Triebwerke der H.B.M. diese Entfernung nicht mehr zurücklegen können. Zum Glück wird in erreichbarer Nähe eine kleine gelbe Sonne mit einem marsgroßen Sauerstoffplaneten entdeckt, den Nelson für unbewohnt hält und Quarry tauft. Die H.B.M. landet zu Reparaturen. Schon bald tauchen intelligente, fledermausartige Eingeborene auf, die ebenfalls Quarries genannt werden und die Besucher für Götter halten. Nelson nimmt nach einigen Tagen gerne die Einladung zu einem Fest auf einem Berggipfel an. Die Quarries fliegen die beiden Nelsons, George, Richard und Franklin zum diesem ihnen heiligen Ort, wo die Besucher das Phänomen der »Singenden Steine« erleben. Dann aber erfahren die Besucher, dass die Götter befohlen haben, dass sie für immer dort leben sollen. Der Berg ist so steil, dass man nicht herunterklettern kann.

Einige Tage vergehen ohne Ausweg und mit Besuchen der Quarries, die Nahrung bringen. Dann kommt George die Idee: Er deklamiert sein letztes Gedicht. Die Quarries hören aus dem Text die Trauer ihrer Götter und revidieren ihre Entscheidung. Die Nelsons und ihre Begleiter werden reumütig zu ihrem Schiff zurückgebracht. Dort werden die Reparaturen beendet, und das Schiff startet. Beim Start macht erneut eine Landestütze Schwierigkeiten.

Ein weiterer Fehlsprung, diesmal verursacht durch Probleme am Transitionsrechner, versetzt das Schiff tiefer ins galaktische Zentrum. In mehreren riskanten kleinen Sprüngen unter Ausnutzung von Sonnengravitation gelingt es Nelson jedoch, das Schiff wieder herauszuführen. Da wird ein erdähnlicher Planet geortet, und kurz darauf die H.B.M. von fremden Ortungsimpulsen getroffen. Nelson fürchtet das Schlimmste, denn in dieser abgelegenen Gegend kann er eigentlich nur auf Personen treffen, die etwas zu verbergen haben. Er lässt eine Notlage vortäuschen und wird von einem Springer zur Landung auf dem Planeten, der Uldwas' Planet heißt, aufgefordert. Der Springer Uldwas empfängt Nelson sehr unfreundlich, doch als dieser erwähnt, nach Rundown zu wollen, hat er zu dessen großer Verblüffung eine Frachtsendung für ihn. 6000 Solar werden als Honorar verhandelt.

Die H.B.M. nimmt den Quentridder-Extrakt, einen wertvollen pharmazeutischen Grundstoff, an Bord und startet. George untersucht die Ware, was Verwunderung auslöst, denn sie wurde mit Lametylat gestreckt und ist praktisch wertlos. Dann bricht die bereits defekte Landestütze Nr. 5 ab und fällt auf den Planeten zurück. Kurz darauf blitzt eine Explosion auf: Eine Arkonbombe ist detoniert, und ein Atombrand beginnt, den Planeten zu zerstören. Nelson geht auf Notbeschleunigung, denn Springerschiffe starten zur Verfolgung. In einem Notsprung kann die H.B.M. gerade noch entkommen.

Nach dem Sprung ortet sie wieder ein fremdes Schiff, doch diesmal ist es ein Leichter Kreuzer der STAATEN-Klasse des Solaren Imperiums, die IRELAND unter Major Fendrick. Die H.B.M. wird wegen unbefugten Einflugs in ein Sperrgebiet aufgebracht und nach Opposite gebracht, dem nahegelegenen, wichtigsten Stützpunkt des Imperiums, wo reger Betrieb herrscht. Das Schiff wird als Wrack auf einem Schrottplatz deponiert. Nelson, dem klar wird, dass die H.B.M. für einen Anschlag missbraucht werden sollte, will einen Termin bei Perry Rhodan, der gerade auf Opposite ist. Der Termin wird verweigert, doch trifft Nelson durch Zufall auf Reginald Bull. Beide Männer verstehen sich, und bei einigen Gläsern Bourbon erstattet Nelson Bericht.

Zu Nelsons Überraschung erweist sich Drillbee als Agent der Solaren Abwehr namens Quendrill Bee, zugleich Grubenbesitzer nahe der Stadt Hondro. Bull vermutet einen Plan von feindlichen Mächten. Er bricht sofort mit Nelson zu der Bergwerksanlage auf, wo die Männer auf Quendrill Bee treffen, dann aber von einem Akonen und Kampfrobotern überrascht werden. Tatsächlich befindet sich in der Tiefe ein akonischer Transmitter, doch es geht um noch mehr. In letzter Sekunde trifft Rhodan mit einem Einsatzkommando ein und rettet Nelson und Bull. Die angeblichen Kinder Richard und Franklin hatten ihm Bericht erstattet, waren in Wahrheit aber genau wie Murgh Kundschafter einer Rasse aus Andromeda, die jetzt in ihre Heimat zurückgekehrt sind.

Hintergrund der Pläne der Akonen und Springer war die Suche nach einer ultimaten Waffe, die hier einst im Auftrag Iratio Hondros entwickelt wurde. »Rundown« war der Code der gegnerischen Organisation für Opposite, und als Nelson diesen Namen verwendete, hielt man ihn auf Ulkhas' Planet für einen Boten der Gruppe und geriet in Panik, da man eine Entdeckung fürchtete. Damit hat Nelson faktisch Opposite gerettet. Rhodan lässt die gefundenen Pläne aus Gewissensgründen zerstören. Zum Dank bekommt Nelson eine vollständige Generalüberholung der H.B.M.
Anmerkung

Die in diesem Roman geschilderte Herkunft der H.B.M. widerspricht den Angaben in der Kurzgeschichte Kämpfer für die Gerechtigkeit, die ebenfalls um das Jahr 2400 spielt.

Raumkapitän NelsonKritik:
Vorab:
Kolportiert wird die Legende, dass Kurt Bernhard es HGE nicht zutraute, ein humorvolles Perry-Buch zu schreiben, woraufhin dieser Guy Nelson für die PLR erfand. Was daran wahr ist, kann ich nicht sagen. Berufenere Kenner als ich können hierzu aber sicher mehr erläutern. Be my guest!

Dann:
Mit Klamaukhumor der deutschen  Sorte tue ich mich immer schwer, weil ich ihn meist als dumpf (und dumm) empfinde (ist ja nicht Monty Python).Egal, ob in Büchern, Filmklamotten  oder sonstigen Komödien. Vielleicht bin ich ja selbst zu ernst (obwohl ich fein dosierten, ironischen, hintergründigen, intelligenten  Humor sehr mag).Viellcht habe ich da ein zu starkes Vorurtteil dieser Humorsorte gegenüber.
Jedenfalls ordne ich die HBM und den Nelson, der so unglaublich und unrealistisch  viel Whisky verdrücken kann, in zwei Kategorien ein(Zum Glück habe ich das mit dem Whisky nie nachprobiert. Ich trinke immer vorsichtig.Außerdem Bourbon, pfui. Nur schottischen single malt!):

Erstens:
Das Buch ist schon ein Meilenstein der PLR. Man muss Guy Nelson einfach lieben oder hassen, als Person ebenso wie als Erzählung.HGE  schießt hier ein Feuerwerk aus kruden und bizarren Ideen ab, die durch aus zum Lachen oder zumindest zum Schmunzeln auffordern. Ganz so platt ist es dann doch nicht (immer).Von Mabel, dem „Drachen", von George, dem dichtenden Roboter (und "Drachentöter") und dem stets solarmäßig klammen aber eigentlich gutmütigen und dem Imperium treu ergebenen Nelson ist alles an Handlung und Charakterisierung klar erkennbar.Auch die Nebenfiguren fehlen nicht, die HGE wie immer originell einführt und mit einem geschickten Gag aus der Handlung verabschiedet.

Gehrmann wäre nicht er selbst, wenn er nicht Wendungen in den Geschehnissen finden würde, die den Leser immer wieder überraschen.Das macht den Band durchaus zeitweuse interessant.Aber:

Zweitens:
Man liest das Buch nur zweimal im Leben.Einmal um es kennenzulernen und zu würdigen. tja, und dann eben nur noch einmal, um es nachzuwürdigen.  Es gibt Romane aus dem Perryversum, die lese ich öfter im Leben, vom Heft über den Silberband bis zu den PLR-Taschenbüchern. Dieses hier gehört leider nicht dazu. Hat man es einmal (oder zweimal eben) gelesen, genügt das.

Allzu altbacken kommen die Gags manchmal heute daher. Aus historischer Sicht sei der Band aber als Meilenstein gewürdigt, da   der  Autor mit der Erfindung des Guy Nelson einen wirklich, seltsamen, halbverrückten, durchaus auch faszinierenden Charakter im Perryversum erschuf. Ein Nelson genügt aber (oder zwei). Deshalb sei die Figur hier erwähnt und gewürdigt. Weitere Romane (mit oder ohne darp-i-kuuhl) werden nicht mehr erwähnt.Es sei nur gesagt, dass HGE in der PLR-Reihe noch mehrere Romane mit den  Nelsons  auftreten lässt, ja ihnen sogar eine Art Quasi-Unsterblichkeit verpasst oder sie mit einem Stasisfeld schnell mal um tausend Jahre in die Zukunft schiebt, damit sie weiter im Perryversum mitmischen können.

Darum sei Guy Nelson, der bizarre Kapitän der HBM, hier gewürdigt als wirklich phantasievolle Erfindung seines Autors HGE. Tapfer verteidigt er die Werte des Solaren Imperiums und versucht, Solar zu schnorren, um die HBM reparieren zu lassen oder wenigstens den Namen auf dem Rumpf mit frischer Farbe ausschreiben zu lassen.So bekämpft er (immer klamm) die Feinde der terranischen Menschheit, unterstützt von Mabel, dem Hau(s)ytyrann und seinem nimmermüden, treuen Blechfaktotum George, dem klappernden Roboter aus Ersatzteilen.Nette Erzählung!.Nie Geld - aber für (billigen)  Whisky und ein Roboter-Ersatzteil reicht es immer!
Nach meinem Geschmack ist der erste Band der Beste; auch der Zweite geht noch. Danach wird es ermüdend trotz  mancher, sehr phantastischer Gags.
Damit ist von meiner Seite aus zu den Nelsons alles gesagt.HGE hingegen hat wesentlich bessere und phantasievollere SF-Romane geschrieben.Wenden wir uns beim nächsten Bericht  ernsthafteren Romanen zu.

Sternkolonie TrojaRaumkapitän Nelson
Guy Nelson-Abenteuer 1
Perry Rhodan Planetenroane Bd. 18
von H. G. Ewers
Titelbild von Johnny Bruck
(5. Auflage) Alfred Kelsner
Erscheinung: 1965
Handlungszeitraum: 2400
Handlungsort: Opposite
Untertitel:
Kapitän Nelsons Raumschiff ist kaum mehr als ein Wrack – doch es birgt tödliche Überraschungen für alle Feinde des Solaren Imperiums.

(5.Auflage)
Er ist trinkfest und rauhbeinig – und sein Raumschiff kaum mehr als ein Wrack

© 2021 by H. Döring

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