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Wohlwollen oder Angst vor der Kritik - Leser beim Abnicken

1Wohlwollen oder Angst vor der Kritik
Leser beim Abnicken

Bis vor einigen Jahren gab es die sehr guten Besprechungen der aktuellen Heftromane des „galaktischen Beobachters“, Dr. Rainer Stache, der über Perry Rhodan promoviert hatte und also wohl vom Fach war, in der Fanzeitschrift SOL.

Der galaktische Beobachter ging durchaus kritisch mit den Heften und ihren Inhalten um, wobei diese Kritik immer konstruktiv und auch gut durchdacht war.

Es gibt auch andere Zusammenfassungen anderer Fans auf anderen Internetseiten und/oder gedruckten Fanzines bzw. Zeitschriften.Wie gehen diese Leser und Rezensenten nun mit den Heften um?

Meistens wird rein der Inhalt rezipiert und also die betreffende Handlung des jeweiligen Heftes beschrieben. Hinzu kommt oft noch ein „gefällt“ oder „gefällt nicht“. Konkrete Kritik wird oft als „Erbsenzählerei“ abgetan, da man ein solches Heft ja als Gesamtkunstwerk sehen muss. Wer fundierte Kritik übt, weil er logische Fehler, Kanonfehler oder Handlungsfehler entdeckt, der wird oft als Nörgler abgetan, der ja, weil nicht allein rein enthusiatisch reagierend, kein eigentlicher Fan der Serie ist.

Dagegen fällt mir persönlich bei aller Wertschätzung der Arbeit,die an diesen Heften geleistet wird, die Schönfärberei der kritiklosen Hinnahme noch viel mehr auf den Wecker. Solange rein und allein der Inhalt, die Form, die Darstellung, der Stil des Heftes kritisiert wird, solange der Autor nicht persönlich angegangen wird, solange sollte man diese Kritik auch akzeptieren und hinnehmen können.Es ist ja keine Nörgelei um der Nörgelei willen. Es ist ja nicht so, als hätte der kritische Leser ununterbrochen schlechte Laune und würde sie nun am Heft und am Autor auslassen. Vielmehr ist der Leser, der Sf-Reihe „Perry Rhodan“ heute oft selbst akademisch vorbelastet und ist es gewohnt, im Sinne von Kants Aufklärung sein Gehirn auch beim Lesen zur Analyse zu benutzen und nicht abzuschalten. Dass ein Langleser Kanonfehler sofort bemerkt, dass ein logischer Leser auf solcherart Fehler hinweist, das ist normal und sollte nicht nur hingenommen sondern sogar anerkannt und gefördert werden.

Wer natürlich den Perry nur als wöchentliche zwei-bis dreistündige Dosis Eskapismus sieht, um aus der tristen Normalwelt 0.1. vorübergehend zu entfliehen, dem sei das unbenommen.Ich hingegen sage, der Spaß kommt erst mit dem kantschen: „habe den Mut, Deinen eigenen Verstand zu benutzen!“ und pauschaliere als Leser nicht einfach alles herunter oder betrachte es als überoptimistische Schönfärberei.  Auch der kritische Leser lässt sich ja vom Heft und der Serie begeistern, sonst würde er diese Ausgaben nicht mehr lesen.Deshalb muss man aber nicht jedes Heft schönreden wie eine glatte, abgeleckt wirkende Bräker-Statue. Auch Herunterspielereien wie „man könnte ja jetzt kritiseren aber ...“ bringen nichts. Die Gesamtheit des Heftes ist dann eben wieder so „vollendet“, dass um der Harmonie willen jede sachliche Kritk abgewürgt und für „Erbsenzählerei“ gehalten wird, wenn auf offensichtliche Widersprüche hingewiesen wird.

Das ist nie persönlich gegen einen Autor gemeint, sondern immer rein sachlich über das Heft gesprochen – selbst dann, wenn ich mit dem Schreibstil nicht zurechtkomme oder für meinen Geschmack  wieder einmal zuviel inner space abgebildet wird.Das kann ich dann seufzend überlesen, wenn wieder einmal ein Familienromananstatt SF geschrieben wird.Aber dem kritischen Leser von anderen Leserseiten aus  vorzuwerfen, er würde reine Nörgelei betrieben, wenn er das gekaufte und bezahlte Produkt einer kritischen Analyse unterzieht, ist doch arg weit hergeholt.Erstens ist der Kunde König und darf das gekaufte  Produkt bewerten. Zweitens leben wir in einer Demokratie, wo berechtigte,  Kritikim Sinne einer Analyse von manchen Leuten noch gewürdigt wird.So mancher meint aber,im Grundgesetz steht nur die Meinungsfreiheit, nicht die logische fundierte Kritikfreiheit, die ein Mensch ausübt, der im kantischen Sinne der kritischen Vernunft agiert.

Argumente, Beispiele und Hinweise auf logische Fehler, Handlungsfehler oder sonstige Folgefehler sollte man als Autor hinnehmen (auch ich muss das ja in diesen immer sehr lustigen amazon-Kritiken) und die Dinge beim nächsten Male besser machen. (Auch ich bemühe mich darum, etwa wenn ich mich über mich selbst ärgere. Beispiel: Ich schrieb über einen "laubgrünen Khakianzug".Natürlich ist das ein Widerspruch. Ein Lektor hätte das auch sicher herausgefischt). Es geht ja auch gar nicht um den jeweiligen Autor. Nicht ihm wird etwas „vorgeworfen“ im Sinne einer emotionalen Reaktion, sondern sachlich begelietend nimmt der kritische Leser den Text des Heftes wahr. Fehler sucht man nicht, sie fallen auf … und werden dann auch entsprechend in den eigentlich für freie sachliche Diskussionen aufgebauten Foren diskutiert … oder selbst von genervten Lesern heruntergemacht, die mit fundierter Kritik nicht umgehen können oder wollen.Die Nörgelei über die logisch handelnden Nörgler steht auch jenen Lesern frei, denn noch ist die Meinungsfreiheit garantiert … aber was nützt Kritik an der Kritik, solange sie selbst rein emotional daherkommt und ihrerseits nicht von Argumenten untermauert ist. D a s ist Ersenzählerei.

Solcherart Kommentare sind dann überflüssig, weil sie außer emotionaler Intention des Kritiker-Kritkers keine wirklich sachliche Information enthalten. Rauschen sozusagen.Um es noch einmal zu betonen: der kritisch denkende Mitleser will nichts und niemanden heruntermachen; er verreißt das Werk des Autors nicht – sondern weist nur auf logische Fehler oder Widersprüche hin … das sollte nicht nur  allgemein toleriert sondern  sogar begrüßt werden.Ich selbst bemühe mich immer um rein sachliche Argumente für so etwas … und bin auch selbst bereit, eine solche Kritik in meinen eigenen Werken hinzunehmen, denn man will sich ja verbessern, stilistisch und inhaltlich. Keine Kritik sondern reine Schönfärberei hingegen ist ebenso unsinnig wie  ein emotionaler Angriff gegen den Autor. Lobeshymnen singen, gibt der Eitelkeit des  Affen Zucker, hilft aber nicht wirklich bei der Weiterentwicklung. Es sind die kritischen Leser, die sich mit der Reihe wirklich auseinandersetzen  die am meisten zur Serie beitragen, von Leserseite aus natürlich.Grundsätzlich wird jeder Roman jedes Autors erst einmal in seiner Ganzheit als kreatives Werk auch vom kritischen Leser anerkannt. Auch dann, wenn man diese Tatsache nicht, wie die Schönfärber es tun, jeden Moment elaboriert betont.Dann erfolgt die Kritik und Analyse danach.
Fundierte Kritik soll und muss sein.
Deshalb bleibt das Werk des Romans  als allgemeines Gebrauchskunstwerk der Paraliteratur ebenso wie der Autor als Schöpfer nicht ungewürdigt!

© 2020 by H. Döring

Kommentare  

#1 matthias 2020-03-03 11:59
Warum sollte ich nicht sagen können, dass mir ein Text nicht zusagt. Muss ich denn dazu unbedingt eine meisterliche Kritik loslassen, welche in der Qualität sogar den Urtext in den Schatten stellt?

Nein, ich als Kunde kann ausschließlich schreiben, dass mir der Text/Inhalt nicht paßt. Und dieser Kommentar ist nicht überflüssig, weil ja dann der Autor bzw. der Verlag eine Information bekommt.

Und wenn man solche Leute wie Manfred Weinland kritisiert (ob sachlich oder nicht), bekommt man eh' eine böse und teilweise beleidigende Antwort.
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