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Einwegvölker - Perry zum Wegwerfen

1Einwegvölker
Perry zum Wegwerfen

Zunehmend finden wir in der Serie „Einplaneten-Abenteuer“, in denen ein skurriles, oft noch primitiv an den eigenen Planeten gebundenes Volk in einem Band oder allenfalls zwei  zusammengehörigen, aufeinanderfolgenden Heften kurz vorgestellt wird, und dann wieder der Vergessenheit anheimfällt. Diese Geschichten sind oft sehr bunt, bedienen den Sense of Wonder zur Zufriedenheit der Leser, die Steampunk mögen oder die eben die Buntheit absonderlicher Welten zelebrieren wollen..

Diese Einweg-Geschichten gab es früher weniger stark. Sollten Völker auftauchen, waren sie entweder bereits auf Raumfahrt oder jedenfalls in ihrer jeweiligen Galaxie so  eingebunden, dass sie sich  in mehr als einem Heft zur Verwendung anbieten konnten.Völker, die wenigstens einen ganzen Zyklus lag vorkamen. Auch hier gibt es natürlich „Versenkungen“, wenn etwa ein großes extragalaktisches Volk nicht auf Dauer in jedem Zyklus mitspielen kann. Das ist ja auch völlig selbstverständlich; man kann nicht immer und überall gleichzeitig sein, auch der Perry nicht, dem ja kein "distanzloser Schritt" mehr zur Verfügung steht..

Völker, die in früheren Zyklen beschrieben wurden, sind in den aktuellen Geschehnissen eben ausgeblendet, das ist völlig in Ordnung, denn wir haben ja auch Hyperimpedanz und ihre Galaxien sind weit weg und ihre Technologie nicht so hoch entwickelt, dass es für intergalaktische Flüge großer Flotten ausreicht.Oft behilft man sich ja eines Trickes durch einen Hyperraumkanal, wie aktuell die Cairaner, die ihre eigene Galaxie nichtkämpfend aufgaben, als sie mit über einer Million!!! Raumschiffen in die Milchstraße flohen, wo sie sich nun fett und breit machen als überlegene Hegemonialmacht. Zuhause kämpfen wollen oder können sie aber nicht, trotz der Größe der Flotte.Das ist entweder sinnlos gegen zu übermächtige Gegner - oder sie sind Feiglinge, die nur Schwächere rumschubsen können.

Das ist schon seltsam, wird aber serienintern an den Haaren herbeigezogen, Sie suchen ja irgendwas, um ihre Su-Int zu befreien oder so.

Aber zurück zum Thema der Einzelbände. Diese kamen schon immer vor, wurden aber meist  auch  dann wieder des Öfteren aufgegriffen; zumindest dann, wenn die Welt in der heimischen Galaxis lag und somit handlungstechnisch und serienintern logisch zugänglich, das beginnt bereits in der Frühzeit der Serie mit Tuglan oder Tramp (der später vernichtet wird). Natürlich finden wir auch in der Frühzeit der Serie vereinzelt auftretende Welten oder Völker, aber gefühlt sind es  sehr viel weniger als heutzutage, wo man mal ein schnelles Planetenabenteuer auf irgendeiner unwichtigen Randwelt durchzieht bei einem mehr oder weniger gut entwickelten Volk, dass dann nie wieder in der Serie auftaucht, nur um durch bizarr abgedrehte Beschreibungen dem vielgepriesenen SoW zu huldigen.

Gefühlt hat dieses erzählerische Phänomen in jüngerer Zeit stark zugenomme: Völker, die bizarr in einem oder zwei Bänden aufgebaut werden, nur um dann weggeschmissen zu werden, weil sie entweder nie wieder vorkommen, da zu primitiv oder gleich durch die Terraner die Aufmerksamkeit des Feindes auf diese Welt gelenkt, so dass sie dem Unbill des Gegners voll ausgesetzt sind, wenn Perry&Co längst wieder woanders in den Weiten des Alls mit ihren eigenen Plänen  unterwegs sind. Nach Terra die Sintflut! Unterentwickelte Völker sind nett anzuschauen, aber egal … Hauptsache, man holt sich dort, was man braucht, was versteckt liegt … dann fliegt man ab und der Feind kann sich ruhig auf die arme Welt stürzen … das ist ja im übergeordneten Sinne des Zyklus und des Zieles egal … ein paar prächtige, planetare  Beschreibungen, um die Serie aufzulockern … und dem Affen des Lesers und SoW-Liebhabers Zucker zu geben, das stärkt dann den Fantasy-Anteil der Serie wieder einmal.Hinzu kommt, dass Welten, die noch nie Weltallkontakte hatten, selbstverständlich über Wesen verfügen, für die derlei alltäglich zu sein scheint … damit Perry&Co kompetente Ansprechpartner auf der Oberfläche der bizarren Welt bekommen.Diese zunehmende Buntheit der kruden, bizarren, absonderlichen Schilderung  abartig auftretender Kulturen ist ja nicht per se schlecht, Bilderbücher mit prallen Farben waren auch bei kleinen Kindern beliebt und mit der „fire-and-forget“-Methode kann man den Leser ja auch bedienen, damit der seine zwei Stunden pro Woche im Perry-Eskapismus wegtauchen kann.Fantasy ist ja beliebt.

Dennoch wünsche ich mir Planetenabenteuer mit normaleren, weniger absonderlich gebauten Völkern mit weniger bizarr zusammenkonstruierten Zivilisationen, denn dieses Schema wirkt nicht nur arg überfrachtet sondern auch zu gekünstelt wie ein Rokoko-Gebäude. Es muss nicht immer das Seltsame sein, das Absonderliche, auch ganz normale Welten könnten geschildert werden. Mit der entsprechenden, spannenden Handlungen versehen, sind diese dann nicht weniger langweilig als die abgedreht-konstruierten Welten, deren Bewohner uns so gekünstelt konstruiert vorkommen. Es ist erstaunlich, aber wahr: manchmal ist weniger überschäumende Phantasie die bessere Science Fiction.Manchmal ist die Schiene der normalen Erzählung das bessere Werkzeug in der Serie.

Konvulenten des vielgepriesenen Sense of Wonder werden mir jetzt widersprechen. Ich sage aber nur: wer allzuviel vom SoW will, der lese Prachetts bizarre Scheibenwelt oder andere Arten der Fantasy, nicht aber PR, denn von dieser Serie wünsche ich (verlangen kann man ja nix) bei aller Phantasie weniger verdrehte Abgehobenheit sondern mehr an den Boden gebundene Handlungsweise, die etwas, sagen wir ruhig "SF-konform" ist.Der Standard genügt eben manchmal.Aber: „außen bunt, innen bunt“ scheint die Komödie von heute als Motto zu bevorzugen.

© 2020 by H. Döring

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