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Terra-Kokone - Kugelschiffe als Freudsches Trauma - Über die Verpuppung der Ängste im Zentrum des Seins

1Terra-Kokone
Kugelschiffe als Freudsches Trauma
Über die Verpuppung der Ängste im Zentrum des Seins

Tief verborgen im Inneren des Kugelschiffes liegt die Zentrale, gepanzert, gesichert und geschützt. Zwar ist es kampftechnisch durchaus logisch, sie dorthin zu konstruieren aber grundsätzlich sind ja auch andere Bauweisen möglich, wie bei anderen Völkern zu sehen. Es gibt sogar Raumschiffsarten, da ist die Zentrale oben auf der Hülle, damit man den Ausblick ins All hat.


Den frechen Blick der Herausforderung des kosmischen Schicksals, so es denn allerdings nicht klug ist, eine Hauptzentrale dort hinzubauen, da sie ja bei einem Gefecht sofort als Primärziel erkannt, angegriffen und zerstört wird ... dafür hat man den Blick in den Weltraum, den offenen, extrovertierten Blick. Dagegen puppen sich die terranischen/lemuroiden Völker in ihren kugelförmigen Metallkokons ein, schön geschützt nach allen Seiten, gepanzert und beschutzschirmt wird der Unbill des Weltalls abgewehrt und die fliegende Rüstung wird immer größer, damit der Abstand von der Triebwerkshülle zum Zentrum der Zentrale noch größer wird ... so fliegt man mit seinem runden Panzeranzug im All herum. Natürlich ist der Weltraum durch Sichtschirme erkennbar, es gibt mitunter auch ein Teleskop bzw. Bordobservatorium, an welchem Ort man dem Weltall beinahe konfrontiert wahrnehmungsnackt ausgesetzt ist.

Das Gegenteil ist die Space-Jet.

Nicht jeder Kokonpilot, der introvertiert gepanzert  in dicken Schiffen herumfliegt, kann wie Nietzsches Übermensch die Wahrheit des Weltalls ertragen, mit nichts als einer Panzertroplonscheibe zwischen sich und der großen Leere. Piloten von Space-Jets sind wie die oben genannten Völker, die ihre Zentralen außen auf den Hüllen bauen. Stolz und extrovertiert lassen sie sich freiwillig konfrontieren mit dem Unbill des Weltraums.

Da braucht man Nerven, starke Nerven ... nicht nur, weil die Terkonithülle so dünn ist, verglichen mit den schweren Pötten, nein, sondern weil Du als Pilot direkt in deiner Wahrnehmung mit der Außenwelt verbunden bist. Denn der direkte Blick ins All ist nicht jedermans Sache. Die meisten Terraner verkriechen sich lieber in riesigen Kugeln, wo die Gefahr des Weltraums nur marginal an sie herankommt. Natürlich können auch die Riesenschiffe schnell zerstört sein, bei überlegenen Waffen. Doch geben sie zunächst den Anschein von übergroßer Sicherheit her, wenn der mehrfache Terkonitmantel in Wabenbauweise oder die Panzerwand in Modulbauweise als multiple Schicht der Panzerung nach außen wirkt. Von Schutzschirmen ganz zu schweigen.

Sind die lemuroiden Völker also ängstlicher und introvertierter als etwa Cantaro, Topsider oder Hulkoos, um nur ein paar Völker zu nennen, nur weil sie sich in riesigen Kugeln schützen...(von larischen SVE-Raumern in Planetengröße oder dem Ewigkeitsschiff des Hüters des Lichtes ganz abgesehen)? Sind andere Völker, deren Zentralen weiter außen, oder oben oder unten, vorn oder hinten liegen, der Welt stärker zugewandt, weniger idealistisch oder verträumt?

Gehen diese in der Serie öfter unter, weil ihnen die terranische Sentimentalität fehlt und sie nur reine Pragmatiker sind? Dabei ist doch die Konzeption des Kugelschiffes der Pragmatismus an sich, schließlich ist es, zumindest im Normalraum der Körper mit maximalem Volumen bei minimaler Oberfläche. Diese Geometrie wird zwar von den Autoren in der Serie nicht verwendet (etwa hat ein Ultraschlachtschiff das 27-fache Volumen eines Schlachtschiffes der 800m-Klasse...und bei gleichem Technologiestandard auch die 27-fache Kampfkraft).

Wurde sie so gut wie noch nie (außer vielleicht in Band 88 „Der Fall Kolumbus“).  Läßt der Bau bzw. die Form eines Raumschiffes also Rückschlüsse zu auf die Gedanken, Gefühle und Ängste der Erbauer ... oder dient die Form nur der reinen Zweckmäßigkeit oder der Ästhetik ... es waren in der Serie ja auch oft bizarre Formen von Raumschiffen seltsam denkender Völker entworfen und propagiert worden, bei deren Abbildung sich nicht nur jeder Risszeichner stark herausgefordert fühlen musste ... sondern bei dem jeder Ingenieur (Ja, ich weiß, Perry ist Fiktion ...) das kalte Grausen bekommen hätte. Sind also die schönen ringwulstigen Kugelraumschiffe der Lemurer, Terraner, Arkoniden oder die Abplattungen der Akonen Spiegelbilder ihrer Ängste vor dem All ... verpuppe Dich soweit wie möglich in Deinem autistischen Raumschiff ... oder nur reiner Pragmatismus des technisch sinnvollen Optimums ...?

Kommentare  

#1 Torsten 2015-12-17 06:42
Oder aber der Autor hat sich bei der Technik nicht wi
wirklich Gedanken gemacht. Bei den Waffensystemen in PR ist die Hülle kein Schutz; was durch den Schirn kommt, zerstört auch den Rest. Umgekehrt macht eine Kuppel über der Zentrale ebenso wenig Sinn wie ein Sichtfenster im U-Boot. Mit blossen Augen ist nichts zu sehen.
#2 Larandil 2015-12-18 10:32
zitiere Torsten:
Oder aber der Autor hat sich bei der Technik nicht wi
wirklich Gedanken gemacht. Bei den Waffensystemen in PR ist die Hülle kein Schutz; was durch den Schirn kommt, zerstört auch den Rest. Umgekehrt macht eine Kuppel über der Zentrale ebenso wenig Sinn wie ein Sichtfenster im U-Boot. Mit blossen Augen ist nichts zu sehen.

Der Schutzschirm ist überall in der Science Fiction die Hauptverteidigung. Das heißt aber nicht, dass Panzerung und Volumen völlig sinnlos sind. Ist der Schirm weg, kann die Hüllenpanzerung immer noch einiges wegstecken, und selbst falls sie durchschlagen wird, kann die Energie des Treffers sich in verschiedenen Abteilungen austoben und abschwächen, ehe das (noch mal gepanzerte) Nervenzentrum des Schiffes leidet.
So wie ein Schiff nicht unrettbar zum Sinken verdammt ist, wenn die Außenhülle aufgerissen wurde; die Aufteilung in Abteilungen, die durch wasserdichte Schotten getrennt werden, kann die Schwimmfähigkeit retten.
#3 AARN MUNRO 2015-12-18 11:33
Abgesehen davon hatte der HÜ-Schirm beim Etatstopper der KdZ und der Paratronschirm beim Verdummungsstrahler der Schwarm-Manips wenig geholfen, da beide durchlässig waren für diese Str5ahlungsart...die Hüllen wurden dabei nicht beschädigt...das erinnert an die unselige "Neutronenbombe" (Jede Menger Tote...aber die Häuser stehen dann angeblich noch)
#4 Laurin 2015-12-18 15:49
Nun ja, die Häuser sind dann zumindest im Radius des Explosionsbereich, sowie der Druck- und Sogwelle auch futsch, AARN MUNRO. Wesentlich bei Neutronenbomben ist die weite Fläche der hohen radioaktiven Verstrahlung. Hier stirbt jeder der sich darin aufhält. Das dort befindliche Material aber (Panzer/Waffen/Häuser Raffinerien/Fabriken usw.) kann wieder verwendet werden. Die Radioaktivität baut sich nämlich in hoher Geschwindigkeit ab (also etwa nach wenigen Tagen) . Man lässt so eine Bombe oder Rakete deshalb auch nicht im Bereich wichtiger Einrichtungen knallen, sondern in einem hierfür sicheren Abstand oder weit über dem Ziel. Es gibt schon perverse Klamotten auf der Welt. :sad:

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